Edward Docx

 3.9 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Am Ende der Reise, Der Kalligraph und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Edward Docx

Am Ende der Reise

Am Ende der Reise

 (12)
Erschienen am 30.08.2017
Der Kalligraph

Der Kalligraph

 (3)
Erschienen am 10.04.2007
The Calligrapher

The Calligrapher

 (0)
Erschienen am 11.01.2005
The Devil's Garden

The Devil's Garden

 (0)
Erschienen am 14.03.2011

Neue Rezensionen zu Edward Docx

Neu
W

Rezension zu "Am Ende der Reise" von Edward Docx

Ein gefühlvolles, witziges, hintergründiges Buch voll wunderbarer Formulierungen
WinfriedStanzickvor 9 Monaten



Es ist eine Situation, in die man selbst niemals kommen möchte, die der britisch-russische Schriftsteller Edward Docx in seinem neuen Roman seinen Ich-Erzähler Lou schildern lässt.   Er fährt zusammen mit seinem todkranken Vater Larry, seines Zeichens Literaturprofessor, der unter der unheilbaren Krankheit ALS leidet, die ihn bald bewegungsunfähig machen wird, in einem alten VW-Bus von England aus quer durch Europa nach Zürich, wo der Vater die lange von ihm geplante und vorbereitete Sterbehilfe bei Dignitas in Anspruch nehmen will.

Auch die Reise selbst hat der Vater minutiös vorbereitet und alle Stationen genauestens geplant. Orte, die er vor seinem Tod noch einmal sehen, Dinge, die er noch einmal machen möchte. Über eine lange Zeit hat Larry mit Lou Gespräche geführt, und es scheint zunächst so, dass der Sohn mit der Entscheidung seines Vaters einverstanden ist. Und irgendwann dazwischen wird ihm Folgendes klar: „Erstens: Der Tod macht die Liebe stärker. Das Unterbewusstsein (das weiß, dass es nicht ewig leben wird) nährt das Bewusstsein (das weiß, dass es im Moment noch am Leben ist). Zweitens: Im Leben geht es darum, seinen Frieden mit der beständig wachsenden Liste der erlittenen Verluste zu machen. Drittens: Intellektuelles Verständnis hat praktisch keinen Einfluss auf die Gefühle, die dabei mit im Spiel sind.“

Die Erfahrung machen mehr oder weniger auch die beiden Stiefbrüder von Lou, die im Laufe der Reise zu den beiden stoßen und sofort nicht nur in die immer nur angedeuteten Gespräche über das, was bevorsteht hineingezogen werden, sondern mit immer mehr innerfamiliären Befindlichkeiten und Erinnerungen sich konfrontiert sehen.

In zahlreichen Rückblenden lässt Docx nicht nur seine Figuren, sondern auf eine berührende Art auch seine Leser die Familiengeschichte der vier Protagonisten erleben, überraschend lustige Momente werden da beschrieben, die Fehler kommen zur schmerzhaften Sprache,  die Versäumnisse werden spürbar. Und die tiefe Liebe, die alle füreinander empfinden. Und die Angst vor einer Entscheidung. Sie kommen schlussendlich ans „Ende der Reise“, nach Zürich. Welches Ende aber die Geschichte der vier nimmt, soll hier offen bleiben. Lesen Sie selbst diesen Roadtrip zwischen Weinen und Lachen, dieses gefühlvolle, witzige, hintergründige Buch voll wunderbarer Formulierungen mit einem Thema , das keinen Leser kalt lassen wird, weil er sich konfrontiert sieht mit der eigenen Endlichkeit.,






Kommentieren0
8
Teilen
TochterAlices avatar

Rezension zu "Am Ende der Reise" von Edward Docx

Familie tut weh
TochterAlicevor einem Jahr

Das wird in diesem Buch ganz klar: denn Lou und nach und nach seine älteren Brüder, die Zwillinge Ralph und Jack, begleiten ihren Vater Larry auf seinem letzten Weg. Angesichts einer unheilbaren Krankheit, angesichts unglaublicher Schmerzen hat er sich für die abgekürzte Variante entschieden, nämlich Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Das geht in England ebenso wenig wie in Deutschland und so begibt sich Larry - in Begleitung  selbstverständlich - in die Schweiz.

Unterwegs werden noch alte Erinnerungen wach, Campingurlaube in Frankreich, Larrys große Liebe zu Wein und Kultur und diejenige zu Lous Mutter, die seine erste Familie, die er mit Ralphs und Jacks Mutter hatte, zerbrechen ließ.

Emotionen, die nicht nur aus Larry hervorbrechen, denn ebenso wie er sind seine Söhne - allen voran der theatralische Ralph - ganz schöne Egozentriker, schwierige und sperrige Typen.

Aber auch liebenswerte - zumindest stellenweise. Ein Roman mit vielen Brüchen - stellenweise habe ich beim Lesen gar vergessen, wohin die Reise, die von einen von ihnen die letzte werden sollte, führte.

Ein richtiges Familienbuch - umständlich, sich verheddernd, unklar, immer wieder polarisierend und auch irritierend - nicht nur den Leser, sondern auch die Charaktere selbst.

Auch wenn ich die Lektüre kein bisschen bereue, fühle ich mich, als hätte ich ein hartes Stück Arbeit hinter mich gebracht, das Lesen hat an mir gezehrt. Ich glaube, unbewusst hat mich mein eigenes, auch nicht gerade unkompliziertes Familiengefüge durch das Buch begleitet, die Wunden, die immer wieder aufgerissen wurden, fühlten sich so an, als seien es meine eigenen.

Ja, man muss sich gut überlegen, ob man bereit ist für dieses Buch, denn es wird am Leser zehren, wie auch immer. Ja, es ist eindringlich und kraftvoll geschrieben, wie könnte es anders sein. Sonst würde es den Leser kaum dergestalt erfassen, angreifen können.

Ein Buch, das ich überhaupt nicht gern gelesen habe, das mir dennoch viel gegeben hat und das ich nie vergessen werde!

Kommentieren0
6
Teilen
Mauelas avatar

Rezension zu "Am Ende der Reise" von Edward Docx

Am Ende der Reise
Mauelavor einem Jahr

Das Leben gleicht einer Reise und wenn eines gewiss ist, dann, dass sie eines Tages zu Ende gehen wird. Manch einer kann das Ende kaum erwarten und  plant seinen Abgang ganz detailliert.


Genau so eine Person ist Lous Vater. Er ist schwer krank und da in England, seinem Heimatland, aktive Sterbehilfe untersagt ist, macht er sich mit seinen Söhnen in einem in die Jahre gekommen Bully auf in die Schweiz um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Natürlich bleiben viele tiefsinnige Gespräche während der Reise nicht aus, denn die Entscheidung von Lous Vater könne nicht all Familienmitglieder verstehen und akzeptieren.


Edward Docs schafft es in seinem Roman Am Ende der Reise, die Positionen der Befürworter und Gegner der Sterbehilfe in einem stillen, traurigen und doch zugleich fröhlichen Roman zu Wort kommen zu lassen. Auch die Mutlosigkeit und Hilflosigkeit aller Beteiligter wird wunderbar umschrieben und kommt deutlich zum Ausdruck.  Es wird philosophiert, in Erinnerungen gekramt und Auswege aus dem unvermeidlichen Dilemma gesucht. Es wird laut gelacht und still geweint. Und so bereiten sich alle Familienmitglieder auf ihre Art auf das Ende der Reise vor.


Ich finde es mutig, dass der Autor sich so ein schweres und umstrittenes Thema als Grundlage seines Romans gewählt hat. Besonders erstaunlich erscheint mir dabei, dass Edward Docs seine eigenen Meinung scheinbar außen vor lässt und die einzelnen Ansichten zum Thema Sterbehilfe durch seine gut durchdachten Protagonisten  vertreten lässt. So wird keine Meinung als besser oder schlechter dargestellt und der Leser kann sich alle Argumente ganz in Ruhe anhören und seine eigenen Meinung überdenken. Natürlich gibt es im Roman und im wahren Leben kleine wirkliche Lösung zum Thema Sterbehilfe. Ich persönlich bin dagegen, denn ich bin davon überzeugt, dass aktive Sterbehilfe Mord gleichzusetzen ist, und Niemand das Recht hat ein Leben, auf welche Art und Weise auch immer, zu beenden.  


Insgesamt ein tolles und interessantes Buch. Eine Sache hat dann aber trotzdem sehr  gestört.  Eigentlich ist der Roman toll formuliert.  Sätze oder Ausdrücke wie zum Beispiel. „metaphorische Tollwut“ (Seite 13), „Konsumgestöber“ (Seite 34) oder „Der stumme Mond starrte mit offenem Mund auf die Erde“ (Seite 168) machen das Lesen trotz des schweren Themas zum Genuss. Und dann gibt es die andererseits extrem gossenartige Ausdrucksweise wie z.B. „Beschissener Bus“ (Seite 11), „beschissenen geländegängigen Motoren“  (Seite 18), „absolute Scheiße…“ (Seite 33) oder gar „Pimmelkopf“ (Seite 59). Ich frage mich immer ob das wirklich sein muss.


Von mir eine Leseempfehlung für alle die sich mit dem heiklen und umstrittenen Thema  der Sterbehilfe in Romanform auseinander setzen wollen und bereit sind sich auf eine Reise zu begeben, deren Ende von Anfang an fest steht.

Kommentieren0
59
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
KEIN & ABER Verlags avatar
Lou fährt seinen unheilbar kranken Vater Larry zu einer Klinik in Zürich – sein Vater möchte Sterbehilfe in Anspruch nehmen, was in seiner Heimat England gesetzlich verboten ist. Als nach vielen Kilometern in ihrem 80er- Jahre-VW Lous ältere Halbbrüder nach erstem Widerstand doch noch dazustoßen, deckt die Reise immer mehr innerfamiliäre Befindlichkeiten auf. Sie kämpfen, streiten, lachen, betrinken sich, philosophieren über das Leben und sich selbst – ein umwerfender Roman, der mit viel Humor familiäre Beziehungen seziert und dabei keine Gefühlslage außer acht lässt.

»Ein außergewöhnliches Buch: unglaublich rührend, intelligent und sehr, sehr, lustig, obwohl es einem das Herz bricht.«
Paul Murray

»Am Ende der Reise« von Edward Docx erscheint am 5. September 2017. Vorab verlosen wir 10 Bücher für eine gemeinsame Leserunde. Bewerbt Euch bis zum 16. August 2017 und mit etwas Glück haltet Ihr den Roman noch vor dem offiziellen Erscheinen in den Händen!
Zur Leserunde

Community-Statistik

in 26 Bibliotheken

auf 6 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks