Edward St. Aubyn Am Abgrund

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Inhaltsangabe zu „Am Abgrund“ von Edward St. Aubyn

Es waren nur drei Tage und Nächte mit Sabine, aber Peter, ein Londoner Banker wie aus dem Bilderbuch, kann sie nicht mehr vergessen. Auf eine beiläufige Bemerkung von ihr folgt er der Spur der flüchtigen Geliebten bis nach Kalifornien. Dort trifft er auf Amerikaner in unterschiedlichen Phasen der Selbstfindung. Beim Sermon eines Anti-guru-Gurus auf die spirituelle Freiheit oder Problemen beim tantrischen Sex beginnt auch er allmählich, sein altes Leben radikal in Frage zu stellen ...

Stellenweise amüsant, in der Gesamtheit nervig.

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    Am Abgrund
    thursdaynext

    thursdaynext

    28. July 2016 um 09:59

    Am Abgrund widmet sich den „Sinnsuchern“. Wer bin ich? Wohin werde ich gehen? Worin liegt mein privates Glück und besonders: Wie kann ich es erreichen? So unterschiedlich die Handlungsträger des Romans so verschiedenartig sind auch ihre Vorstellungen vom kleinen privaten Glück. Sei es den Sex zu verbessern, Geschäfte mit der Suche der nach der spirituellen Wahrheit zu machen, Impotenz zu heilen oder die Traumfrau zu finden deren Erscheinen auf einen Schlag die persönlichen Befindlichkeiten ins unendlich positive drehen soll... Das liest sich witzig, wer Aubyns „Der beste Roman des Jahres“ kennt findet hier wiederum die treffenden Menschenskizzen die in ihrer ihnen eigenen Bedürftigkeit so seltsam und komisch erscheinen. Es liest sich aber auch fürchterlich enervierend, denn diese private Nabelschau der Gedanken der Menschen im Selbstfindungsprozeß, die nur um sich selbst kreisen, während sie vorgeben nach Höherem zu streben und dieses auch glauben - oder zumindest vortäuschen um ihre momentanen Bedürfnisse zu befriedigen - nervt ungemein. Sympathische Charaktere sind bei Aubyn eine Seltenheit. Dabei weckt er durchaus Mitleid im Leser für die Suchenden, auch für die unsympathischen. Den Roman trägt aber weder der Esprit mit welchem er die Protagonisten schildert während sie sich selbst entlarven noch Aubyns herrlicher Sprachwitz. Ein müdes Ennuie stellt sich bei fortschreitendem Lesen ein - immer wieder durchbrochen von Momenten inneren leisen Auflachens - wie bei Stan und Karen, dem älteren Pärchen im Selbstfindungsworkshop Camp am Pazifik: "Karen lag in ihrem pinkfarbenemn Trainingsanzug auf dem Bett und lauschte ihrem Wellen bei Sonnenuntergang- Tape, das sie immer das sie immer mit einem einmaligen Gefühl friedvollen Staunens erfüllte. Stan, der in seiner prosaischen Art die Geduld seiner Frau manchmal auf eine harte Probe stellte, ging den Klippenrand entlang, betrachtete den Sonnenuntergang und lauschte den Wellen.“ Die Fülle der Absurditäten und skurrilen Charaktere dominiert den Roman und pragmatischere Naturen denen zuvor schon klar war, dass Gurus und Heilsversprecher nichts taugen werden womöglich mühsam den Weg aus amüsanten Formulierungen bis zum verhauchenden Ende beschreiten. Fazit: Stellenweise prächtiges Kopfkino im Inneren der Köpfe anderer, deprimierend in der (gewollten?) Länge und Gleichförmigkeit, aber definitiv kein must read.

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    • 3
  • Gepatchworkte Welterklärungslehren

    Am Abgrund
    olli2308

    olli2308

    12. February 2014 um 12:43

    In den 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts etablierte sich neben der Tiefenpsychologie und der Verhaltenspsychologie mit der humanistischen Psychologie eine dritte Kraft, deren herausragende Vertreter Abraham Maslow, Carl Rogers, Fritz Perls, Virginia Satir, Alexander Lowen, Ida Rolf und Milton Erickson allesamt am Esalen-Institut in Kalifornien gelehrt haben. An dieser Geburtsstätte der humanistischen Psychologie spielt der Roman „Am Abgrund“, der die esoterischen Auswüchse und Irrläufer dieser „Human Potential“-Bewegung mit viel Sprachwitz, Ironie und feiner Beobachtungsgabe auf die Schippe nimmt und gleichzeitig die Menschen mit ihrer Suche nach Sinn ernst nimmt. Witzige und humorvolle Romane über die esoterische und spirituelle Selbstfindungsszene sind eher selten. Entweder sind solche Romane sarkastisch und zeichnen ein bitterböses Zerrbild von gutgläubigen, naiven Anhängern und eiskalten, berechnenden Gurus oder sie triefen nur so von Glaubenssätzen, Klischees und Wahrheiten und wollen die Menschen damit gewaltsam zu besseren Menschen erziehen. Edward St Aubyn, bekannt geworden durch die „Patrick Melrose“-Trilogie, in der er die traumatischen Erfahrungen in seiner Kindheit in der englischen Upper-Class autobiografisch verarbeitet, nimmt in dieser Erlösungstragikkomödie zwar auch die Lichtbringer, Glücksprediger, Erleuchteten und Gurus (inklusive Antigurus) aufs Korn, aber niemals bösartig oder abwertend, sondern mit einem wohlwollenden, liebevollen Unterton. Denn schließlich ist dieser Autor, genauso wie die meisten Anhänger dieser Bewegung und die meisten Besucher von Selbsterfahrungskursen auf der Suche nach Zugehörigkeit, Sinn und Transzendenz. Zum Inhalt: Peter sucht Sabine, die es ihm auf einem Tantra-Workshop angetan hat. Leider weiß er nur, dass sie eine fantastische Liebhaberin ist, Sabine heißt und auf Selbsterfahrung steht. Er macht sich auf die Suche und landet - nach einem Zwischenstopp in der Findhorn Community - im Esalen-Institut, wo er aber nicht auf Sabine trifft, sondern auf Crystal, die an einem Schweigeretreat teilnimmt und ihn von Anfang an fasziniert. Neben Peter, Sabine und Crystal werden noch die Geschichten einiger anderer Sinnsucher erzählt, darunter von Brooke, Adam und Kenneth. Brooke, von Haus aus reich und eher berührungsarm aufgewachsen, finanziert gleich zwei sich in Sinnfragen vertiefende Männer. Während Kenneth an einer Synthese sämtlicher Philosophien und Weltreligionen arbeitet, die er „Streamismus“ nennt, glaubt Adam schon lange an gar nichts mehr, außer an die Dummheit seiner Kursteilnehmer, ihm jeden Quatsch zu glauben. Zwischen all diesen gepatchworkten Welterklärungslehren und pseudo-intellektuellem Kauderwelsch schimmert dann allmählich so etwas wie Wahrhaftigkeit in schönen Erlebnissen und Begegnungen durch, die berühren, weil sie einen Hauch Mystik verbreiten und beim Leser das Gefühl wecken, hier ist noch etwas Größeres am Werk als ein Autor, der seine Protagonisten transparent machen will. Verschleiert zunächst noch „der graue Star von Gewohnheit und Konditionierung“ Peters Blick, hat Peter in den heißen Schwefel-Quellen von Esalen ein mystisches Erlebnis, denn sein Brustkorb scheint aufzubrechen wie ein „torpediertes Schiff und überflutet ihn mit unbeschreiblichen Empfindungen.“ Dieser Moment reiner Glückseligkeit verschwindet wieder, als er danach greifen will und versucht, diesen Prozess zu wiederholen: Eine enttäuschende Erfahrung, die viele Besucher von Selbsterfahrungskursen machen, wenn sie mystische Erlebnisse haben und danach wieder auf dem harten Boden der Alltagsrealität landen. Im furiosen Schlussteil des Buches taucht die mysteriöse Sabine endlich auf und kommen auch die Liebhaber von erotischer Literatur voll auf ihre Kosten.

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  • Worthülsen moderner „Heilsbringer“

    Am Abgrund
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    26. September 2013 um 13:06

      Das spätestens seit den 60er Jahren für Sinnsucher als eine der ersten Adresse (neben Indien) geltende Kalifornien bildet den Rahmen dieses Romans von Edward St Aubyn aus dem Jahre 1998. Einen Roman, in dem der Leser, so er das ein oder andere Buch St Aubyns bereits gelesen hat, die leichte Hand und  den schwingenden Stil des Autors unvermittelt wiedererkennen.   Ironisch, mit viel Sprachwitz, vor allem aber einem genauen Blick für seine Figuren und eine präzise Ausgestaltung derselben mit leichter Hand begleiten den Leser in bester Weise auf diesen gut 300 Seiten der modernen Sinnsuche und ihrer fast unglaublichen Auswüchse.   „„Diese Jacke ist ein Abbild meines Herzens“, flüsterte er Yves im Taxi zu.“ „„Und Deiner Seele?“, fragte Ives“ „“Immer und überall“, erwiderte Adam. „Mit weniger begnüge ich mich nicht““.   Wer nun sich der Frage nähert, was Jacke und Seele miteinander zu tun haben und wieweit das auf den nächsten Seiten vertieft wird, der trifft genau auf das skurrile Szenario, dass St Aubyn als äußere Suche beginnend umgehend nach innen laufen lässt.   Peter sucht Sabine, die es ihm bei einem kurzen Treffen angetan hat. Dumm nur, dass er außer Ihrem Vornamen und der groben Himmelsrichtung (Kalifornien) keine weiteren Anhaltspunkte hat. Und dennoch macht er sich auf, diese Frau zu finden.   Auf was er aber trifft sind zunächst wenig konkrete Hinweise auf die gesuchte Person, sondern Menschen unterschiedlichster Art und Persönlichkeit, die in der „Szene“ aber eines verbindet, die Suche nach Sinn und sich selbst. Natürlich nicht auf althergebrachte Weise mit „klassischen“ Ansätzen von Religionen oder Psychotherapieformen. Nein, St Aubyn führt mit viel feinem Humor den Leser und Peter mitten hinein in die esoterische Welt der Moderne.   Da, wo sich „Menschen irgendwie lohnen müssen. Entweder spirituell entwickelt oder genial sein ..... oder peinlich reich“.   Das im Übrigen macht sich umgehend bereits zu Beginn des Romans fest. Reich sein schadet auf keinen Fall, wenn man „seine Seele“ zum „Heil“ führen will. Wie bei Brooke, die ein kühle Kindheit erlebt hat und nun (vordergründig gerne und hintergründig zwanghaft) gleich zwei sich in die Weltfragen vertiefende Männer finanziell unterstützt. Geld hat sie, Persönlichkeit (noch) nicht.   Kenneth, der „Streamismus“ in sich entfaltet und entwickelt (leider ohne eine Zeile zu Papier zu bringen (das wäre ja auch nicht „streaming“ im Blick auf einen Gott, welcher der „unbewegte Beweger“ ist) und Adam, der als zynischer Gegenpol zu Kenneth die Waagschale dann wieder in die Mitte bringt zwischen „Wegdriften“ und „Niedergemacht werden“.   Klar, dass sich beide zutiefst misstrauen. Und klar, dass dies nur die Spitze des Eisbergs an selbstgezimmerten „Sinnlehren“, an „tantrischen“ Angeboten oder jedweder Form wegschwebender Pseudophilosophien darstellt. Esoterische Welten, die St Aubyn mit Genuss vor den Augen des Leser entfaltet und gerade, weil seine Figuren (später der kritische und nüchterne Peter fast selbst) das alles so ernst nehmen und versuchen, „sich darauf einzulassen“, entstehen Situationskomiken, die erfrischend flüssig zu lesen sind.   Aber auch hier und da im Verlauf der Lektüre ein leichtes Kopfschütteln hervorrufen, ob das wirklich so sein kann in dieser im Buch geschilderten Breite. Zum einen, dass Menschen dümmstes Geschwafel tiefernst behaupten, und zum anderen, dass es wirklich Menschen gibt, die das in dieser Form denen dann glauben. Aber wenn ein Science Fiction Autor eine ganze autoritäre Bewegung auf der Grundlage eines Eingreifens von Aliens in die Welt zu setzen vermag, ist das alles vielleicht doch viel mehr Realität, als man bei der Lektüre glaubt.   Hinter allen diesen Begegnungen schwingt im Übrigen ein durchaus ernstes Thema mit. Wo denn gibt es in dieser Welt Spuren und Orientierung für das, was man wirklich sucht? Wo wird man nicht hinters Licht geführt und sitzt einfach Spinnern auf, die sich als Gurus verkaufen (oder als Anti-Gurus). Denn die innere Suche, die ist ja seit Menschengedenken vorhanden. Aber wohl nie schwerer zu erfüllen als in der Moderne, zumindest in Kalifornien.   Ein stilistisch wunderbares Buch mit einigen Übertreibungen, aber präzisen Figuren und Darstellungen innerer Suchen.

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