Edwidge Danticat

 4 Sterne bei 45 Bewertungen
Autorin von Kein anderes Meer, Atem, Augen, Erinnerungen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Die amerikanische Schriftstellerin Edwidge Danticat wurde 1969 auf Haiti geboren und emigrierte im Alter von 12 Jahren nach Brooklyn, USA. Sie studierte Literatur an der Brown University in Providence. Ihre Kurzgeschichten und Romane handeln meist über ihre Emigration und die Geschichte Haitis.

Alle Bücher von Edwidge Danticat

Cover des Buches Kein anderes Meer (ISBN: 9783746632872)

Kein anderes Meer

 (26)
Erschienen am 17.02.2017
Cover des Buches Der verlorene Vater (ISBN: 9783293206311)

Der verlorene Vater

 (2)
Erschienen am 11.07.2013
Cover des Buches Wide Sargasso Sea (ISBN: 9780393352566)

Wide Sargasso Sea

 (10)
Erschienen am 12.01.2016
Cover des Buches Breath, Eyes, Memory (ISBN: 9781616955021)

Breath, Eyes, Memory

 (2)
Erschienen am 24.02.2015
Cover des Buches The Dew Breaker (ISBN: 1400034299)

The Dew Breaker

 (2)
Erschienen am 30.03.2010
Cover des Buches Create Dangerously (ISBN: 9780307946430)

Create Dangerously

 (1)
Erschienen am 20.09.2011
Cover des Buches Claire of the Sea Light (ISBN: 9781782068518)

Claire of the Sea Light

 (1)
Erschienen am 06.11.2014

Neue Rezensionen zu Edwidge Danticat

Cover des Buches Der verlorene Vater (ISBN: 9783293206311)
A

Rezension zu "Der verlorene Vater" von Edwidge Danticat

Du sollst nicht foltern.
Almut_Scheller_Mahmoudvor 8 Monaten


Die Handlung spielt in New York und auf Haiti, einer krisengeschüttelten Insel in der Karibik. Armut und Naturkatastrophen und wechselnde autokratische, korrupte Regierungen bestimmen den Alltag der Menschen. 

Dabei war die Insel, damals noch die französische Kolonie Saint-Domingue, durch den Sklaven-aufstand Ende des 18. Jahrhunderts, ein Hoffnungsschimmer: er führte zur Gründung des ersten freien Staates in Lateinamerika. Damals kämpfte man gegen die fremden Bleichgesichtigen, alle späteren Kämpfe waren gegen die eigenen Braungesichtigen. 


Die diktatorischen Zeiten des Papa Doc genannten Francois Duvalier und seines Sohnes Jean Claude, genannt Baby Doc, waren ideale Voraussetzungen für die gefürchteten Milizen und Todesschwadronen der Tontons Macoutes, die den Vodoo-Glauben der Bevölkerung in ihr Machtgefüge einbauten. Schon ihr Aussehen und Auftreten war martialisch.


Die haitianische Autorin Edwige Danticat kombiniert geschickt das Schock-Erlebenis der Ich-Erzählerin Ka, dass ihr Vater ein Folterer war, mit den Erinnerungen anderer Menschen aus der haitianischen Diaspora in New York wie dem Nachtredner, der Brautkleidschneiderin und der Begräbnissängerin. Anfangs jedoch sind diese  erzählerischen Stränge befremdend, weil sie sich erst später zu einem erzählerischen Muster zusammenfinden. 

Die Geschichte von Kas Vater zeigt auf, dass ein Mensch aus vielen Facetten bestehen, viele Gesichter haben kann. Er war ein liebevoller Vater, der sie regelmäßig mit in die ägyptische Abteilung des Brooklyn Museums nahm. Er las ihr oft aus dem Totenbuch vor, nannte sie Ka, dem Begleiter des Körpers im Dies-und im Jenseits. Ka war Bildhauerin, ihr immer gleiches Modell: der Vater. 

Sie hatte sich zwar immer gewundert, wieso ihre Eltern keine Freunde hatten, nie Besuch bekamen, nie von Haiti erzählten und die Mutter überfromm war. Sie lebten ein ruhiges Leben, er hatte einen Friseur-, sie einen Kosmetiksalon. Seine Narbe, die sich über die rechte Wange bis zum Mundwinkel zog, sei ein Relikt aus seiner Zeit als Gefangener. Aber er war kein Gefangener, sondern ein Gefängnisaufseher, ein Folterer. Doch niemand würde ihn mit seinem alten Ich in Verbindung bringen können: Er wog 40 kg weniger als der schwammig-fette Mann, der er einst gewesen, mit seinem jetzigen Namen, einem erdachten Geburtsort hätte ihn niemand mit seinem alten Ich in Verbindung gebracht.


Für die Tochter brach eine Welt zusammen. Wie geht man mit solchem Wissen um? Erlischt die Liebe zu den Eltern von heute auf morgen? Konnte sie jemals wieder Vertrauen fassen? Jemals wieder arbeiten? Denn nun hatte sie kein Motiv, kein Modell mehr. Aber auch die eingeweihte Mutter – wie hatte sie mit einem solchen Wissen leben können, eine gute Mutter sein können? Hoffnung auf Erlösung durch den Gott der Kirche? 


Das Buch bietet neben Einblicken in die Gesellschaft und Landschaft der Insel vor allem auch Einblicke in das Menschsein. Ist ein Mensch gut oder nur etwas weniger schlecht oder schlummert in jedem die Möglichkeit des Bösen? Wie wird man zum Folterer? Sadistischer Genuss? Die eigenen Ohnmachtsgefühle gegen die Uniform des Mächtigseins tauschen? 

Die kleinen biographischen Kapitel ergeben zum Schluss einen Zusammenhang. Der Kreis schließt sich. Vergebung? Reue? Sühne? Offene Fragen dieses einprägsamen, fast lakonisch geschriebenen kleinen Romans, der abermals aufzeigt, was Macht bewirken kann. Und Ohnmacht. Ein frommer Wunsch: Auf dass wir nie mächtig und auch nie ohnmächtig sein werden. 

Denn wer wären wir, wenn…..

Kein Mensch besitzt so viel Festigkeit, dass man ihm die absolute Macht zubilligen könnte. (Albert Camus)






Cover des Buches Their Eyes Were Watching God (ISBN: 9780062001702)
Catastrophias avatar

Rezension zu "Their Eyes Were Watching God" von Zora Neale Hurston

Zu Recht ein feministischer Klassiker.
Catastrophiavor 2 Jahren

Zora Neale Hurstons 1937 erschienener Roman "Their Eyes Were Watching God" ist mittlerweile ein Klassiker afroamerikanischer feministischer Literatur. Der Roman entstand innerhalb weniger Wochen auf Haiti, die Handlung selbst spielt in Florida.

Erzählt wird die Geschichte der jungen Janie Crawford, deren ehemals versklavte Großmutter sie mit dem Argument der finanziellen Sicherheit von der Heirat mit einem deutlich älteren Mann überzeugt. Über diverse Umwege erkennt Janie jedoch, dass dies nicht das Leben ist, dass sie sich wünscht und versucht, sich von den sie umgebenden Konventionen zu befreien. Sie verstößt gegen so ziemlich jede davon, aber um Spoiler zu vermeiden, bleibe ich an der Stelle sehr vage und empfehle die sehr lohnenswerte Lektüre des Buchs.

Markantestes Merkmal des Romans ist das African-American Vernacular English der Figuren, d.h weite Teile des Buchs und insbesondere die direkte Rede weichen deutlich von der Standardsprache ab und erfordern deshalb gerade am Anfang etwas Gewöhnung und "inneres Aussprechen", um die Wörter zu erfassen. Dafür wurde Hurston zunächst verlacht, mittlerweile gilt genau das als Qualitätsmerkmal des Romans. Ich empfehle deshalb auch, das Buch im Original zu lesen, denn ich stelle mir die Reproduktion der dadurch hervorgerufenen, sehr greifbaren und lebhaften Atmosphäre in einer deutschen Übersetzung schwierig vor. 


Die Handlung ist abwechslungsreich und dicht, das Buch ist relativ schmal. Die Figuren zeichnen sich durch eine starke Ambivalenz aus, weder sind einzelne Charakter grundsätzlich liebenswert oder Hassfiguren. Dabei ist es gerade die nahbare, einfach gehaltene Sprache, die auch das Innenleben der Figuren in seiner Komplexität deutlich macht. Hurston beweist dabei nicht nur eine scharfe Beobachtungsgabe, sondern arbeitet auch Generationenkonflikte innerhalb der Schwarzen Community Anfang des 20. Jahrhunderts heraus: Während für Janies Nanny, die von den Erfahrungen der Sklaverei geprägt ist, finanzielle Sicherheit und die Möglichkeit, als feine Dame den Tag im Schaukelstuhl zu sitzen, als erfülltes Leben gelten, sind es genau diese Tagesabläufe, die Janie langweilen. Ihre individuelle Emanzipation steht zwar im Zentrum des Texts, wird jedoch immer wieder mit den Prozessen Schwarzer Communitybildung verbunden. 

Manche Teile des Plots mögen klischeehaft wirken, aber das liegt auch an der zeitlichen Perspektive. Denn Hurston ist die Urheberin, nicht die Nutzerin dieser "Klischees" und die Handlung schafft es durchaus, zu überraschen. 

Ich bin froh, Hurston nun doch gelesen zu haben, nachdem ich vor Jahren vom Black Vernacular eingeschüchtert nach wenigen Seiten abgebrochen hatte - zu Unrecht, denn nach kurzer Gewöhnung liest es sich sehr flüssig.  

Cover des Buches Create Dangerously (ISBN: 9780307946430)
N

Rezension zu "Create Dangerously" von Edwidge Danticat

Beeindruckend
nonostarvor 2 Jahren

Ich weiß gar nicht so genau, wie man dieses Buch am besten beschreibt. Es ist eine Mischung aus Essay und persönlichen Geschichten/Erfahrungen. Der Klappentext betitelt es "In this deeply personal book, the celebrated Haitian-American writer Edwidge Danticat reflects on art and exile, examining what it means to be an immigrant artist from a country in crisis." Danticat schreibt viel über das Erschaffen von Kunst aber auch über Familie und Freundschaft, über Haiti selbst und v.a. über die Menschen und ihre Kultur. Sie schreibt auch über das Sterben und wie es ist, so weit voneinander entfernt zu sein.

Ihre 12 Texte fühlen sich gleichzeitig sehr persönlich und allgemein betrachtet an. Ich gebe zu, ich habe mich bisher nicht so sehr mit Haiti oder haitianischen Künstlern beschäftigt, doch Danticat hat mir mit diesem Buch sehr viel neuen Input gegeben. Sie nennt zahlreiche Werke und Künstler, die sie teils beeinflussthaben oder mit denen sie befreundet war. Doch was von außen betrachtet recht trocken und sachlich klingt, hat sie durch ihre Sprache und den Erzählstil unglaublich spannend, informativ und lehrreich gestaltet. Sie hat mich neugierig gemacht auf ihre anderen Veröffentlichungen und auf all die Werke, die sie nennt.

"Create Dangerously" hat mich äußerst positiv überrascht und mich am Ende des Tages irgendwie erschüttert aber gleichzeitig auch sehr beeindruckt zurück gelassen und Danticat wird mich mit dem Geschriebenen wohl noch eine Weile beschäftigen.

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Zusätzliche Informationen

Edwidge Danticat wurde am 19. Januar 1969 in Port-au-Prince, Haiti geboren.

Community-Statistik

in 79 Bibliotheken

auf 15 Merkzettel

von 1 Leser*innen gefolgt

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