Edwidge Danticat

 4 Sterne bei 28 Bewertungen
Autorin von Kein anderes Meer, Atem, Augen, Erinnerungen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Edwidge Danticat

Die amerikanische Schriftstellerin Edwidge Danticat wurde 1969 auf Haiti geboren und emigrierte im Alter von 12 Jahren nach Brooklyn, USA. Sie studierte Literatur an der Brown University in Providence. Ihre Kurzgeschichten und Romane handeln meist über ihre Emigration und die Geschichte Haitis.

Alle Bücher von Edwidge Danticat

Sortieren:
Buchformat:
Edwidge DanticatKein anderes Meer
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Kein anderes Meer
Kein anderes Meer
 (22)
Erschienen am 17.02.2017
Edwidge DanticatDer verlorene Vater
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der verlorene Vater
Der verlorene Vater
 (1)
Erschienen am 11.07.2013
Edwidge DanticatKein anderes Meer
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Kein anderes Meer
Kein anderes Meer
 (0)
Erschienen am 24.08.2015
Edwidge DanticatAtem, Augen, Erinnerungen
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Atem, Augen, Erinnerungen
Edwidge DanticatBreath, Eyes, Memory
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Breath, Eyes, Memory
Breath, Eyes, Memory
 (1)
Erschienen am 24.02.2015
Edwidge DanticatThe Dew Breaker
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
The Dew Breaker
The Dew Breaker
 (1)
Erschienen am 06.05.2004
Edwidge DanticatCosecha de Huesos
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Cosecha de Huesos
Cosecha de Huesos
 (1)
Erschienen am 01.07.1999
Edwidge DanticatKrik? Krak!
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Krik? Krak!
Krik? Krak!
 (0)
Erschienen am 20.04.2009

Neue Rezensionen zu Edwidge Danticat

Neu
rumble-bees avatar

Rezension zu "Kein anderes Meer" von Edwidge Danticat

Poetischer Bilderbogen
rumble-beevor einem Jahr




Man sollte sich vor Klappentexten in Acht nehmen, das ahnte ich schon länger. Umso mehr bei dieser kleinen Entdeckung vom anderen Ende der Welt.  Dieses Buch
 entzieht sich allerdings weitgehend bekannten literarischen Kriterien und Schubladen, und jeder Versuch , den Zauberer dieser Geschichte mit Hilfe einer „Handlung“ wiedergeben zu wollen, scheint zum Scheitern verurteilt. 



Ja, es stimmt einerseits, was der Klappentext sagt: ein kleines 7 jähriges Mädchen, Tochter eines armen haitianischen Fischers, geht an ihrem Geburtstag abends am Strand verloren.  Oder verschwindet, man weiß es zunächst nicht so genau. Doch dies ist nur ein Ausgangspunkt, ein Teil einer Rahmenhandlung. Ausgehend von der Episode am Strand, werden panoramaartig pro Kapitel diverse Einzelschicksale der Bewohner von Ville Rose beleuchtet;  darunter der Bürgermeister,  sein Sohn, eine Tuchhändlerin, eine Radiomoderatorin, und ein Kleinkrimineller. Sie alle haben über diverse Ecken schicksalhaft miteinander zu tun – ihre Leben verzahnen sich, und alles kulminiert an jenem besagten Abend am Strand (wo das Buch auch wieder endet ).



Das Ganze hat einen eigentümlichen Effekt, den man meiner Ansicht nach nur sehr unzureichend mit dem Etikett „Roman“ beschreiben kann. Panorama, Bilderbogen, Collage  - all das passt viel besser. Ich fühlte mich auch an Filme von Robert Altman erinnert,  denn gerade in der bunten Folge der Einzelschicksale verbergen sich indirekte Bezüge. Hätten einige wenige Leute in manchen Momenten anders gehandelt, wäre den Personen womöglich vieles erspart geblieben. Andererseits ergibt sich der Eindruck der schicksalhaften Bestimmung,  da Haiti ein sehr armes Land und die Gesellschaft dort festgefügt, um nicht zu sagen festgefahren, ist. 


Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, und trotz der eher ernsten Thematik aus literarischer Sicht bestens unterhalten. Der Erzählton ist plaudernd, wie bei einer strickenden Großmutter am Kaminfeuer. Und die drastischsten Erkenntnisse kommen nicht etwa mit dem sprichwörtlichen Holzhammer daher, sondern wie durch die Hintertür in einem Nebensatz. Die Sprache mag dabei einfach erscheinen, ist aber sehr bildhaft, und hält unter anderem wunderbare Naturschilderungen parat. Man erfährt viel über Kultur, Religion und Aberglauben. Auch sehr schön war der häufige  (aber nicht zu häufige) Gebrauch des Kreolischen,  eine Art verballhorntes Französisch. Das fand ich sehr ausdrucksstark, und für den des Französischen kundigen Leser sehr interessant. Allerdings hätte ich auch ein kleines Glossar schön gefunden. 


Am Ende gebe ich nur deshalb keine fünf Sterne, weil mir die Perspektive des kleinen Mädchens zu wenig vorkommt. Es endet zwar wieder mit ihr,  aber ich fand,  ihre inneren Gedankengänge stammten doch erkennbar von der Autorin, und passten nicht zu einer 7 jährigen. Das machte das Ende für mich ein wenig gekünstelt.  Ansonsten kann ich diese poetische kleine Perle aber nur wärmstens weiterempfehlen. 

Kommentare: 1
5
Teilen
Svanvithes avatar

Rezension zu "Kein anderes Meer" von Edwidge Danticat

Claire vom Meereslicht
Svanvithevor einem Jahr

Mit ihrem Roman „Kein anderes Meer“ nimmt Edwidge Danticat uns mit auf eine Reise in ihre Heimat Haiti und lässt uns nicht nur teilhaben an haitischem Dasein und haitischer Kultur, sondern bietet einen tiefgründigen Einblick in das Leben der Menschen. Die von ihr geschaffenen Charaktere geben in ihrer Vielfalt ein Bild der fiktiven Stadt zwischen Meer und Bergen wider: Ville Rose – ein Name wie Musik, und doch befindet er sich im krassen Gegensatz zu seinen Bewohnern, die aus einer kleinen Minderheit von Mittel- und Oberschicht sowie der großen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze bestehen, die um das tägliche Überleben kämpfen. Ein Ort unermesslicher Schönheit und außerordentlichen Elends.

Im Mittelpunkt steht auf den ersten Blick Claire Limyè Lanmè, was Claire vom Meereslicht heißt - "Claire of the Sea Light" ist der Originaltitel des Romans. Er beginnt mit Claires siebtem Geburtstag. An diesem Tag versenkt eine drei oder vier hohe Monsterwelle den Fischer Caleb mitsamt seinem Kutter. Claire lebt mit ihrem Vater Nozias, ebenfalls Fischer, in einer winzigen Hütte. Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben, und so sind ihre Geburtstage jedes Jahr nicht nur glückliche Tage, sondern auch immer solche der Trauer. Die ersten drei Jahre wird Claire von Verwandten ihrer Mutter großgezogen. Dann holt Nozias seine Tochter wieder zu sich, um sich selbst der Herausforderung zu stellen, sein Kind von seinem dürftigen Einkommen zu versorgen. Und obwohl es ihm nicht an elterlicher Liebe oder Verantwortung und gutem Willen fehlt, erkennt er die Hoffnungslosigkeit seines Unterfangens, Claire eine sorgenfreie Existenz bieten zu können. Aus diesem Grund entscheidet er sich, Gaëlle, die Besitzerin des Stoffladens, zu überzeugen, Claire zu adoptieren. Denn aus seiner Sicht ist es das Beste, ein neues Elternteil zu finden, dem er vertraut, sich um Claire zu kümmern. Er selbst will auf der Suche nach einer besser bezahlten Arbeit fortgehen.

An diesem siebten Geburtstag stimmt Gaëlle zu, Claire zu sich zu nehmen; am Abend verschwindet Claire, und erst im letzten Kapitel erfahren wir, was mit ihr passiert. Bis dahin porträtiert die Autorin andere Bewohner der Stadt, und im Verlaufe dessen wird deutlich, dass im Grunde Ville Rose in ihrer menschlichen Vielfalt, brutalen Realität und miteinander kollidierenden Schicksalen die eigentliche Protagonistin des Romans darstellt.

Da ist die Stoffhändlerin Gaëlle, die als Spiegel für Nozias wirkt. Auch ihr Leben ist von Verlusten geprägt. Am Tag, an dem sie ihre Tochter Rose auf die Welt bringt, wird ihr Mann Laurent ermordet. Sieben Jahre später – es ist der vierte Geburtstag von Claire – stirbt Rose bei einem Autounfall.

Bernhard Dorien, der in Cité Pendue, einem armen, gefährlichen Außenbezirk von Ville Rose, dem „ersten Höllenkreis“, zu Hause ist und dessen Idealismus und die Verbindung zu Tiye, dem berüchtigten Anführer der Bande Baz Benin, schreckliche Konsequenzen für sein Leben und das von Gaëlle haben.

Bernards enger Freund Max Ardin Junior, ein wohlhabender junger Mann, der vor zehn Jahren ein Kind zeugte, von seinem Vater Max Senior nach Miami geschickt wurde, nun nach Haiti zurückkehrt und mit seiner Schuld konfrontiert wird.

Louise George, eine bekannte und beliebte Radiomoderatorin, Lehrerin von Claire in der Schule von Max Ardin Senior und zeitweise desssen Geliebte, mit dem sie eine Rechnung offen hat. Sie ermöglicht es Bürgern von Ville Rose, in ihrer populären Radiosendung die eigene Geschichte zu schildern...

Edwidge Danticats Protagonisten sind fehlerhaft, aber menschlich, handeln auf einem schmalen Grad zwischen richtig und falsch. Während Nozias sich beispielsweise gezwungen sieht, seine Tochter aufzugeben, obwohl er sie eigentlich nicht verlieren möchte, muss Claire als Vertreterin vieler Kinder mit der Entscheidung leben, die andere Menschen für ihre Zukunft treffen.

Durch die verschiedenen Geschichten zeigt die Autorin eine Stadt, die von Gewalt, Leid und Tod, Korruption, Klassenunterschieden und sozialen Tabus geprägt ist, in der es jedoch durchaus auch Hoffnung, Träume, Liebe und Versöhnung und gute Absichten gibt.

Insgesamt ist der Tod - einerlei, ob er natürlichen, zufälligen oder kriminellen Ursprungs ist - in Ville Rose eine konstante und alltägliche Größe. Er taucht immer wieder in den Geschichten auf und verknüpft sie zum Teil miteinander. Leben und Tod stehen sich kontinuierlich gegenüber, wodurch die Autorin gleichzeitig die Fragilität des Lebens im Angesicht des Todes hervorhebt.

Danticats Roman ist geprägt von einem ruhigen Erzähltempo, ihre Sprache zeigt sich schnörkellos und klar, gleichwohl kraftvoll, poetisch und von enormer Tiefe. Sie verwendet sie, um komplizierte Verbindungen zu knüpfen, wenn sie sowohl Schönheit als auch Schrecken beschreibt. Die Einflechtung kreolischer Redewendungen und Worte schaffen den Reiz einer fremden Welt, erschweren allerdings zugleich das eine oder andere Mal das Lesen und Verständnis.

In ihrer Weise des Erzählens fordert uns die Autorin. Es erfolgt keine chronologische Abfolge. Vielmehr bewegt sich die Handlung von der Gegenwart bis zur nahen Vergangenheit, geht in die ferne Vergangenheit, um wieder in die Gegenwart zurückzukehren. So beginnt und endet die Geschichte mit Claires Geburtstag und damit nicht nur dem Todestag ihrer Mutter.

Am Schluss ihres eindrucksvollen und komplexen Romans erlaubt die Autorin ein wenig Zuversicht, unsicher zwar, aber vorhanden. Und daran möchten wir festhalten.

4,5 Sterne

Kommentieren0
12
Teilen
abetterways avatar

Rezension zu "Kein anderes Meer" von Edwidge Danticat

Kein anderes Meer
abetterwayvor einem Jahr

Inhalt:
""Ein sehr poetisches Buch.“ Brigitte Claire verschwindet an ihrem siebten Geburtstag spurlos am Strand von Ville Rose auf Haiti. Ahnt sie, dass ihr Vater Nozias sie heute fortgeben will? Nach dem Tod von Claires Mutter kümmerte er sich allein um seine Tochter, doch dem armen Fischer fällt es immer schwerer, für ihren Unterhalt aufzukommen. Deshalb hofft er, dass Claire bei der reichen Tuchhändlerin Gaëlle ein besseres Leben hab wird. Aber Claire versucht mit aller Macht, sich dieser Trennung zu widersetzen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand. Poetisch und farbenprächtig: Eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt"

Meinung:
Ein sehr berührendes Buch welches mir unter die Haut gegangen ist.  Nicholas liebt Claire und würde denke icha lles für sie tun, es ist einfach Berührend.
Der SChreibstil ist sehr ausfürhlich und für manchesmal zu langwierig, da man die Handlung oder Beschreibungen sicher kürzer und verständlicher auch vermitteln könnte.
Aber im großen und ganzen ein sehr schönes Buch welches sehr gut unterhaltet und auch berührt.


Kommentieren0
14
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
aufbauverlags avatar

Poetisch und farbenprächtig: Eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt 

Claire verschwindet an ihrem siebten Geburtstag spurlos am Strand von Ville Rose auf Haiti. Ahnt sie, dass ihr Vater Nozias sie heute fortgeben will? Nach dem Tod von Claires Mutter kümmerte er sich allein um seine Tochter, doch dem armen Fischer fällt es immer schwerer, für ihren Unterhalt aufzukommen. Deshalb hofft er, dass Claire bei der reichen Tuchhändlerin Gaëlle ein besseres Leben hab wird. Aber Claire versucht mit aller Macht, sich dieser Trennung zu widersetzen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand ...

Hier zur Leseprobe!

Über Edwidge Danticat

Edwidge Danticat, 1969 in Port-au-Prince geboren, wuchs auf Haiti auf und in New York auf. Nach dem Studium unterrichtete sie Creative Writing an der New York University und der University of Miami. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane. „Kein anderes Meer” war 2014 ein “Notable Book of the Year” der New York Times. Edwidge Danticat lebt in Miami.

Jetzt bewerben!
Bewerbt euch bitte mit Klick auf den "Bewerben"-Button und beantwortet folgende Frage: Wohin würdest du gerne verreisen?

Viele Grüße
euer Team vom Aufbau Verlag

* Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Buchverlosung schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben.


** Bitte beachtet, dass es sich hier um eine Buchverlosung handelt und nicht um eine Leserunde. Ihr könnt natürlich trotzdem gerne hier über das Buch diskutieren, aber eine Moderation wird es nicht geben
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Edwidge Danticat wurde am 19. Januar 1969 in Port-au-Prince, Haiti geboren.

Community-Statistik

in 54 Bibliotheken

auf 12 Wunschlisten

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks