Edwidge Danticat

 4 Sterne bei 41 Bewertungen
Autorin von Kein anderes Meer, Atem, Augen, Erinnerungen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Die amerikanische Schriftstellerin Edwidge Danticat wurde 1969 auf Haiti geboren und emigrierte im Alter von 12 Jahren nach Brooklyn, USA. Sie studierte Literatur an der Brown University in Providence. Ihre Kurzgeschichten und Romane handeln meist über ihre Emigration und die Geschichte Haitis.

Alle Bücher von Edwidge Danticat

Cover des Buches Kein anderes Meer (ISBN: 9783746632872)

Kein anderes Meer

(26)
Erschienen am 17.02.2017
Cover des Buches Der verlorene Vater (ISBN: 9783293206311)

Der verlorene Vater

(2)
Erschienen am 11.07.2013
Cover des Buches Wide Sargasso Sea (ISBN: 9780393352566)

Wide Sargasso Sea

(11)
Erschienen am 12.01.2016
Cover des Buches Breath, Eyes, Memory (ISBN: 9781616955021)

Breath, Eyes, Memory

(2)
Erschienen am 24.02.2015
Cover des Buches The Dew Breaker (ISBN: 1400034299)

The Dew Breaker

(2)
Erschienen am 30.03.2010
Cover des Buches Create Dangerously (ISBN: 9780307946430)

Create Dangerously

(1)
Erschienen am 20.09.2011
Cover des Buches Claire of the Sea Light (ISBN: 9781782068518)

Claire of the Sea Light

(1)
Erschienen am 06.11.2014

Neue Rezensionen zu Edwidge Danticat

Cover des Buches Wide Sargasso Sea (ISBN: 9780393352566)
walli007s avatar

Rezension zu "Wide Sargasso Sea" von Jean Rhys

walli007
Creole

Antoinettes Cosways Mutter, Angehörige der kreolischen Gesellschaft Jamaikas, ist verwitwet. Das Vermögen schmilzt langsam dahin. Deshalb heiratet sei den wohlhabenden Engländer Mason. Allerdings wird die Ehe nicht glücklich. Mason will schließlich auch seine Stieftochter loswerden und gibt sie und das verbliebende Vermögen an einen jungen Engländer, der von ihrer Schönheit fasziniert ist. Doch auch diese Ehe verläuft nicht glücklich. Zwischen den jungen Eheleuten gibt es Missverständnisse, aber auch Lügen und unerklärliche Ereignisse. Schließlich hat es zwischen Beiden nie wahre Liebe gegeben und irgendwann ist da nur noch Hass. Letztlich landet das Paar in der englischen Heimat des Mannes.


Die Autorin gibt mit ihren Roman eine Erklärung, wieso die erste Mrs. Rochester hinter den verschlossenen Türen in England gelandet ist. Wenn man „Jane Eyre“ kennt macht einen die Beschreibung zu diesem Roman natürlich neugierig. Auch die erste Mrs. Rochester hat eine Geschichte verdient. Hat sie aber auch diese Geschichte verdient? Die Kolonialzeit nach dem Ende der Sklaverei in der Karibik, die kreolischen Plantagenbesitzer werden als ehemalige Sklavenhalter von den ehemaligen Sklaven nicht geliebt und die Weißen aus der alten Welt seihen ebenfalls auf sie herab. Da ist es fast unmöglich für ein Mädchen wie Antoinette einen respektablen Ehemann zu finden. Eine liebende Mutter, die sie unterstützt, hat sie nicht. Nur einen Stiefvater, der die erste Gelegenheit wahrnimmt, sie loszuwerden. Gerade im ersten Teil des Romans wird einen die halt- und schutzlose Kleine durchaus sympathisch. Dann aber werden so viele Intrigen gesponnen, dass man schließlich das Interesse verliert. Zum Teil liegt es vielleicht auch an der gewählten Art der Formulierungen, die einen wohl in die Karibik dieser Zeit versetzen sollen, was aus heutiger Sicht das Werk unnötig sperrig erscheinen lässt, zumindest bei der Lektüre des englischen Originals. Es kann nicht gesagt werden, ob dieser Effekt bei derÜbersetzung geglättet wäre. Der Roman ist im Original bereits im Jahr 1966 erschienen. 

Cover des Buches Der verlorene Vater (ISBN: 9783293206311)
A

Rezension zu "Der verlorene Vater" von Edwidge Danticat

Almut_Scheller_Mahmoud
Du sollst nicht foltern.


Die Handlung spielt in New York und auf Haiti, einer krisengeschüttelten Insel in der Karibik. Armut und Naturkatastrophen und wechselnde autokratische, korrupte Regierungen bestimmen den Alltag der Menschen. 

Dabei war die Insel, damals noch die französische Kolonie Saint-Domingue, durch den Sklaven-aufstand Ende des 18. Jahrhunderts, ein Hoffnungsschimmer: er führte zur Gründung des ersten freien Staates in Lateinamerika. Damals kämpfte man gegen die fremden Bleichgesichtigen, alle späteren Kämpfe waren gegen die eigenen Braungesichtigen. 


Die diktatorischen Zeiten des Papa Doc genannten Francois Duvalier und seines Sohnes Jean Claude, genannt Baby Doc, waren ideale Voraussetzungen für die gefürchteten Milizen und Todesschwadronen der Tontons Macoutes, die den Vodoo-Glauben der Bevölkerung in ihr Machtgefüge einbauten. Schon ihr Aussehen und Auftreten war martialisch.


Die haitianische Autorin Edwige Danticat kombiniert geschickt das Schock-Erlebenis der Ich-Erzählerin Ka, dass ihr Vater ein Folterer war, mit den Erinnerungen anderer Menschen aus der haitianischen Diaspora in New York wie dem Nachtredner, der Brautkleidschneiderin und der Begräbnissängerin. Anfangs jedoch sind diese  erzählerischen Stränge befremdend, weil sie sich erst später zu einem erzählerischen Muster zusammenfinden. 

Die Geschichte von Kas Vater zeigt auf, dass ein Mensch aus vielen Facetten bestehen, viele Gesichter haben kann. Er war ein liebevoller Vater, der sie regelmäßig mit in die ägyptische Abteilung des Brooklyn Museums nahm. Er las ihr oft aus dem Totenbuch vor, nannte sie Ka, dem Begleiter des Körpers im Dies-und im Jenseits. Ka war Bildhauerin, ihr immer gleiches Modell: der Vater. 

Sie hatte sich zwar immer gewundert, wieso ihre Eltern keine Freunde hatten, nie Besuch bekamen, nie von Haiti erzählten und die Mutter überfromm war. Sie lebten ein ruhiges Leben, er hatte einen Friseur-, sie einen Kosmetiksalon. Seine Narbe, die sich über die rechte Wange bis zum Mundwinkel zog, sei ein Relikt aus seiner Zeit als Gefangener. Aber er war kein Gefangener, sondern ein Gefängnisaufseher, ein Folterer. Doch niemand würde ihn mit seinem alten Ich in Verbindung bringen können: Er wog 40 kg weniger als der schwammig-fette Mann, der er einst gewesen, mit seinem jetzigen Namen, einem erdachten Geburtsort hätte ihn niemand mit seinem alten Ich in Verbindung gebracht.


Für die Tochter brach eine Welt zusammen. Wie geht man mit solchem Wissen um? Erlischt die Liebe zu den Eltern von heute auf morgen? Konnte sie jemals wieder Vertrauen fassen? Jemals wieder arbeiten? Denn nun hatte sie kein Motiv, kein Modell mehr. Aber auch die eingeweihte Mutter – wie hatte sie mit einem solchen Wissen leben können, eine gute Mutter sein können? Hoffnung auf Erlösung durch den Gott der Kirche? 


Das Buch bietet neben Einblicken in die Gesellschaft und Landschaft der Insel vor allem auch Einblicke in das Menschsein. Ist ein Mensch gut oder nur etwas weniger schlecht oder schlummert in jedem die Möglichkeit des Bösen? Wie wird man zum Folterer? Sadistischer Genuss? Die eigenen Ohnmachtsgefühle gegen die Uniform des Mächtigseins tauschen? 

Die kleinen biographischen Kapitel ergeben zum Schluss einen Zusammenhang. Der Kreis schließt sich. Vergebung? Reue? Sühne? Offene Fragen dieses einprägsamen, fast lakonisch geschriebenen kleinen Romans, der abermals aufzeigt, was Macht bewirken kann. Und Ohnmacht. Ein frommer Wunsch: Auf dass wir nie mächtig und auch nie ohnmächtig sein werden. 

Denn wer wären wir, wenn…..

Kein Mensch besitzt so viel Festigkeit, dass man ihm die absolute Macht zubilligen könnte. (Albert Camus)






Cover des Buches Create Dangerously (ISBN: 9780307946430)
N

Rezension zu "Create Dangerously" von Edwidge Danticat

nonostar
Beeindruckend

Ich weiß gar nicht so genau, wie man dieses Buch am besten beschreibt. Es ist eine Mischung aus Essay und persönlichen Geschichten/Erfahrungen. Der Klappentext betitelt es "In this deeply personal book, the celebrated Haitian-American writer Edwidge Danticat reflects on art and exile, examining what it means to be an immigrant artist from a country in crisis." Danticat schreibt viel über das Erschaffen von Kunst aber auch über Familie und Freundschaft, über Haiti selbst und v.a. über die Menschen und ihre Kultur. Sie schreibt auch über das Sterben und wie es ist, so weit voneinander entfernt zu sein.

Ihre 12 Texte fühlen sich gleichzeitig sehr persönlich und allgemein betrachtet an. Ich gebe zu, ich habe mich bisher nicht so sehr mit Haiti oder haitianischen Künstlern beschäftigt, doch Danticat hat mir mit diesem Buch sehr viel neuen Input gegeben. Sie nennt zahlreiche Werke und Künstler, die sie teils beeinflussthaben oder mit denen sie befreundet war. Doch was von außen betrachtet recht trocken und sachlich klingt, hat sie durch ihre Sprache und den Erzählstil unglaublich spannend, informativ und lehrreich gestaltet. Sie hat mich neugierig gemacht auf ihre anderen Veröffentlichungen und auf all die Werke, die sie nennt.

"Create Dangerously" hat mich äußerst positiv überrascht und mich am Ende des Tages irgendwie erschüttert aber gleichzeitig auch sehr beeindruckt zurück gelassen und Danticat wird mich mit dem Geschriebenen wohl noch eine Weile beschäftigen.

Gespräche aus der Community

Cover des Buches Kein anderes Meer
aufbauverlags avatar
aufbauverlag

Poetisch und farbenprächtig: Eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt 

Claire verschwindet an ihrem siebten Geburtstag spurlos am Strand von Ville Rose auf Haiti. Ahnt sie, dass ihr Vater Nozias sie heute fortgeben will? Nach dem Tod von Claires Mutter kümmerte er sich allein um seine Tochter, doch dem armen Fischer fällt es immer schwerer, für ihren Unterhalt aufzukommen. Deshalb hofft er, dass Claire bei der reichen Tuchhändlerin Gaëlle ein besseres Leben hab wird. Aber Claire versucht mit aller Macht, sich dieser Trennung zu widersetzen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand ...

Hier zur Leseprobe!

Über Edwidge Danticat

Edwidge Danticat, 1969 in Port-au-Prince geboren, wuchs auf Haiti auf und in New York auf. Nach dem Studium unterrichtete sie Creative Writing an der New York University und der University of Miami. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane. „Kein anderes Meer” war 2014 ein “Notable Book of the Year” der New York Times. Edwidge Danticat lebt in Miami.

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Zusätzliche Informationen

Edwidge Danticat wurde am 19. Januar 1969 in Port-au-Prince, Haiti geboren.

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