Kein anderes Meer

von Edwidge Danticat 
4,1 Sterne bei22 Bewertungen
Kein anderes Meer
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rumble-bees avatar

Ein sehr poetischer Bilderbogen, der nur am Rande mit dem Klappentext zu tun hat.

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Ruhig, aber kraftvoll und poetisch erzählt...

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Inhaltsangabe zu "Kein anderes Meer"

"Ein sehr poetisches Buch.“ Brigitte

Claire verschwindet an ihrem siebten Geburtstag spurlos am Strand von Ville Rose auf Haiti. Ahnt sie, dass ihr Vater Nozias sie heute fortgeben will? Nach dem Tod von Claires Mutter kümmerte er sich allein um seine Tochter, doch dem armen Fischer fällt es immer schwerer, für ihren Unterhalt aufzukommen. Deshalb hofft er, dass Claire bei der reichen Tuchhändlerin Gaëlle ein besseres Leben hab wird. Aber Claire versucht mit aller Macht, sich dieser Trennung zu widersetzen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.

Poetisch und farbenprächtig: Eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746632872
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:17.02.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    rumble-bees avatar
    rumble-beevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr poetischer Bilderbogen, der nur am Rande mit dem Klappentext zu tun hat.
    Poetischer Bilderbogen




    Man sollte sich vor Klappentexten in Acht nehmen, das ahnte ich schon länger. Umso mehr bei dieser kleinen Entdeckung vom anderen Ende der Welt.  Dieses Buch
     entzieht sich allerdings weitgehend bekannten literarischen Kriterien und Schubladen, und jeder Versuch , den Zauberer dieser Geschichte mit Hilfe einer „Handlung“ wiedergeben zu wollen, scheint zum Scheitern verurteilt. 



    Ja, es stimmt einerseits, was der Klappentext sagt: ein kleines 7 jähriges Mädchen, Tochter eines armen haitianischen Fischers, geht an ihrem Geburtstag abends am Strand verloren.  Oder verschwindet, man weiß es zunächst nicht so genau. Doch dies ist nur ein Ausgangspunkt, ein Teil einer Rahmenhandlung. Ausgehend von der Episode am Strand, werden panoramaartig pro Kapitel diverse Einzelschicksale der Bewohner von Ville Rose beleuchtet;  darunter der Bürgermeister,  sein Sohn, eine Tuchhändlerin, eine Radiomoderatorin, und ein Kleinkrimineller. Sie alle haben über diverse Ecken schicksalhaft miteinander zu tun – ihre Leben verzahnen sich, und alles kulminiert an jenem besagten Abend am Strand (wo das Buch auch wieder endet ).



    Das Ganze hat einen eigentümlichen Effekt, den man meiner Ansicht nach nur sehr unzureichend mit dem Etikett „Roman“ beschreiben kann. Panorama, Bilderbogen, Collage  - all das passt viel besser. Ich fühlte mich auch an Filme von Robert Altman erinnert,  denn gerade in der bunten Folge der Einzelschicksale verbergen sich indirekte Bezüge. Hätten einige wenige Leute in manchen Momenten anders gehandelt, wäre den Personen womöglich vieles erspart geblieben. Andererseits ergibt sich der Eindruck der schicksalhaften Bestimmung,  da Haiti ein sehr armes Land und die Gesellschaft dort festgefügt, um nicht zu sagen festgefahren, ist. 


    Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, und trotz der eher ernsten Thematik aus literarischer Sicht bestens unterhalten. Der Erzählton ist plaudernd, wie bei einer strickenden Großmutter am Kaminfeuer. Und die drastischsten Erkenntnisse kommen nicht etwa mit dem sprichwörtlichen Holzhammer daher, sondern wie durch die Hintertür in einem Nebensatz. Die Sprache mag dabei einfach erscheinen, ist aber sehr bildhaft, und hält unter anderem wunderbare Naturschilderungen parat. Man erfährt viel über Kultur, Religion und Aberglauben. Auch sehr schön war der häufige  (aber nicht zu häufige) Gebrauch des Kreolischen,  eine Art verballhorntes Französisch. Das fand ich sehr ausdrucksstark, und für den des Französischen kundigen Leser sehr interessant. Allerdings hätte ich auch ein kleines Glossar schön gefunden. 


    Am Ende gebe ich nur deshalb keine fünf Sterne, weil mir die Perspektive des kleinen Mädchens zu wenig vorkommt. Es endet zwar wieder mit ihr,  aber ich fand,  ihre inneren Gedankengänge stammten doch erkennbar von der Autorin, und passten nicht zu einer 7 jährigen. Das machte das Ende für mich ein wenig gekünstelt.  Ansonsten kann ich diese poetische kleine Perle aber nur wärmstens weiterempfehlen. 

    Kommentare: 1
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    Svanvithes avatar
    Svanvithevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ruhig, aber kraftvoll und poetisch erzählt...
    Claire vom Meereslicht

    Mit ihrem Roman „Kein anderes Meer“ nimmt Edwidge Danticat uns mit auf eine Reise in ihre Heimat Haiti und lässt uns nicht nur teilhaben an haitischem Dasein und haitischer Kultur, sondern bietet einen tiefgründigen Einblick in das Leben der Menschen. Die von ihr geschaffenen Charaktere geben in ihrer Vielfalt ein Bild der fiktiven Stadt zwischen Meer und Bergen wider: Ville Rose – ein Name wie Musik, und doch befindet er sich im krassen Gegensatz zu seinen Bewohnern, die aus einer kleinen Minderheit von Mittel- und Oberschicht sowie der großen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze bestehen, die um das tägliche Überleben kämpfen. Ein Ort unermesslicher Schönheit und außerordentlichen Elends.

    Im Mittelpunkt steht auf den ersten Blick Claire Limyè Lanmè, was Claire vom Meereslicht heißt - "Claire of the Sea Light" ist der Originaltitel des Romans. Er beginnt mit Claires siebtem Geburtstag. An diesem Tag versenkt eine drei oder vier hohe Monsterwelle den Fischer Caleb mitsamt seinem Kutter. Claire lebt mit ihrem Vater Nozias, ebenfalls Fischer, in einer winzigen Hütte. Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben, und so sind ihre Geburtstage jedes Jahr nicht nur glückliche Tage, sondern auch immer solche der Trauer. Die ersten drei Jahre wird Claire von Verwandten ihrer Mutter großgezogen. Dann holt Nozias seine Tochter wieder zu sich, um sich selbst der Herausforderung zu stellen, sein Kind von seinem dürftigen Einkommen zu versorgen. Und obwohl es ihm nicht an elterlicher Liebe oder Verantwortung und gutem Willen fehlt, erkennt er die Hoffnungslosigkeit seines Unterfangens, Claire eine sorgenfreie Existenz bieten zu können. Aus diesem Grund entscheidet er sich, Gaëlle, die Besitzerin des Stoffladens, zu überzeugen, Claire zu adoptieren. Denn aus seiner Sicht ist es das Beste, ein neues Elternteil zu finden, dem er vertraut, sich um Claire zu kümmern. Er selbst will auf der Suche nach einer besser bezahlten Arbeit fortgehen.

    An diesem siebten Geburtstag stimmt Gaëlle zu, Claire zu sich zu nehmen; am Abend verschwindet Claire, und erst im letzten Kapitel erfahren wir, was mit ihr passiert. Bis dahin porträtiert die Autorin andere Bewohner der Stadt, und im Verlaufe dessen wird deutlich, dass im Grunde Ville Rose in ihrer menschlichen Vielfalt, brutalen Realität und miteinander kollidierenden Schicksalen die eigentliche Protagonistin des Romans darstellt.

    Da ist die Stoffhändlerin Gaëlle, die als Spiegel für Nozias wirkt. Auch ihr Leben ist von Verlusten geprägt. Am Tag, an dem sie ihre Tochter Rose auf die Welt bringt, wird ihr Mann Laurent ermordet. Sieben Jahre später – es ist der vierte Geburtstag von Claire – stirbt Rose bei einem Autounfall.

    Bernhard Dorien, der in Cité Pendue, einem armen, gefährlichen Außenbezirk von Ville Rose, dem „ersten Höllenkreis“, zu Hause ist und dessen Idealismus und die Verbindung zu Tiye, dem berüchtigten Anführer der Bande Baz Benin, schreckliche Konsequenzen für sein Leben und das von Gaëlle haben.

    Bernards enger Freund Max Ardin Junior, ein wohlhabender junger Mann, der vor zehn Jahren ein Kind zeugte, von seinem Vater Max Senior nach Miami geschickt wurde, nun nach Haiti zurückkehrt und mit seiner Schuld konfrontiert wird.

    Louise George, eine bekannte und beliebte Radiomoderatorin, Lehrerin von Claire in der Schule von Max Ardin Senior und zeitweise desssen Geliebte, mit dem sie eine Rechnung offen hat. Sie ermöglicht es Bürgern von Ville Rose, in ihrer populären Radiosendung die eigene Geschichte zu schildern...

    Edwidge Danticats Protagonisten sind fehlerhaft, aber menschlich, handeln auf einem schmalen Grad zwischen richtig und falsch. Während Nozias sich beispielsweise gezwungen sieht, seine Tochter aufzugeben, obwohl er sie eigentlich nicht verlieren möchte, muss Claire als Vertreterin vieler Kinder mit der Entscheidung leben, die andere Menschen für ihre Zukunft treffen.

    Durch die verschiedenen Geschichten zeigt die Autorin eine Stadt, die von Gewalt, Leid und Tod, Korruption, Klassenunterschieden und sozialen Tabus geprägt ist, in der es jedoch durchaus auch Hoffnung, Träume, Liebe und Versöhnung und gute Absichten gibt.

    Insgesamt ist der Tod - einerlei, ob er natürlichen, zufälligen oder kriminellen Ursprungs ist - in Ville Rose eine konstante und alltägliche Größe. Er taucht immer wieder in den Geschichten auf und verknüpft sie zum Teil miteinander. Leben und Tod stehen sich kontinuierlich gegenüber, wodurch die Autorin gleichzeitig die Fragilität des Lebens im Angesicht des Todes hervorhebt.

    Danticats Roman ist geprägt von einem ruhigen Erzähltempo, ihre Sprache zeigt sich schnörkellos und klar, gleichwohl kraftvoll, poetisch und von enormer Tiefe. Sie verwendet sie, um komplizierte Verbindungen zu knüpfen, wenn sie sowohl Schönheit als auch Schrecken beschreibt. Die Einflechtung kreolischer Redewendungen und Worte schaffen den Reiz einer fremden Welt, erschweren allerdings zugleich das eine oder andere Mal das Lesen und Verständnis.

    In ihrer Weise des Erzählens fordert uns die Autorin. Es erfolgt keine chronologische Abfolge. Vielmehr bewegt sich die Handlung von der Gegenwart bis zur nahen Vergangenheit, geht in die ferne Vergangenheit, um wieder in die Gegenwart zurückzukehren. So beginnt und endet die Geschichte mit Claires Geburtstag und damit nicht nur dem Todestag ihrer Mutter.

    Am Schluss ihres eindrucksvollen und komplexen Romans erlaubt die Autorin ein wenig Zuversicht, unsicher zwar, aber vorhanden. Und daran möchten wir festhalten.

    4,5 Sterne

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    abetterways avatar
    abetterwayvor einem Jahr
    Kein anderes Meer

    Inhalt:
    ""Ein sehr poetisches Buch.“ Brigitte Claire verschwindet an ihrem siebten Geburtstag spurlos am Strand von Ville Rose auf Haiti. Ahnt sie, dass ihr Vater Nozias sie heute fortgeben will? Nach dem Tod von Claires Mutter kümmerte er sich allein um seine Tochter, doch dem armen Fischer fällt es immer schwerer, für ihren Unterhalt aufzukommen. Deshalb hofft er, dass Claire bei der reichen Tuchhändlerin Gaëlle ein besseres Leben hab wird. Aber Claire versucht mit aller Macht, sich dieser Trennung zu widersetzen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand. Poetisch und farbenprächtig: Eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt"

    Meinung:
    Ein sehr berührendes Buch welches mir unter die Haut gegangen ist.  Nicholas liebt Claire und würde denke icha lles für sie tun, es ist einfach Berührend.
    Der SChreibstil ist sehr ausfürhlich und für manchesmal zu langwierig, da man die Handlung oder Beschreibungen sicher kürzer und verständlicher auch vermitteln könnte.
    Aber im großen und ganzen ein sehr schönes Buch welches sehr gut unterhaltet und auch berührt.


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    Chibi-Chans avatar
    Chibi-Chanvor einem Jahr
    Tiefgründig und poetisch, doch leider nicht wie erwartet

    Meine Meinung
    Geschichte

    Kein anderes Meer, aber viele verschiedene Geschichten warten auf einen. Im Schicksal verbunden.
    Entgegen des Klappentextes dachte ich, dass die Geschichte sich um die kleine Claire handelt, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Doch die Geschichte dreht sich eher um sie herum. Ein jedes Kapitel erzählt von einem prägenden Ereignis in dem Leben der erzählenden Person. In dieser Szene spielte ein anderer Mensch eine wichtige Rolle, der dann im nächsten Kapitel behandelt wird. So zieht sich die Geschichte durch das ganze Buch, bis am Ende noch einmal von Claire berichtet wurde. Eigentlich hat es aber nichts mehr mit ihr zu tun.
    Die einzelnen Geschichten sind spannend zu lesen und mich haben sie alle gefesselt. Sie sind einfallsreich und nicht alltäglich und zeigt, dass jeder Mensch seine Geheimnisse mit sich rumträgt und wie unterschiedlich die Menschen über gleiche Ereignisse denken.
    Das Ende widmete sich dann wieder Claire und man erfuhr, was aus ihr geworden ist. Das hat für mich auch zwangsläufig zur Geschichte gehört.

    Charaktere

    Die Geschichte besteht aus vielen Charakteren, die alle von Grund auf unterschiedlich sind. Ich konnte gut nachvollziehen, warum die Personen so gehandelt haben und wie sie so geworden sind. Dennoch konnte man nur schwer eine Beziehung aufbauen, da sie wieder so schnell verschwanden.

    Schreibstil & Sichtweise

    Der Schreibstil war recht angenehm und teilweise sehr poetisch, trotzdem konnte er mich nicht in eine andere Welt befördern und so las ich eine Geschichte, die zwar schön, aber nicht mitreißend war.
    Geschrieben wurde das Buch in der dritten Person, in jedem Kapitel eine andere.

    Cover & Titel

    Das Cover liebe ich sehr. Es ist so exotisch und passt zum Handlungsort. Trotzdem habe ich im Buch wenig von der Kulisse mitbekommen, da diese wenig detailliert beschrieben wurde.
    Den Titel finde ich halbwegs passend, er ist wenig selbsterklärend. Ich interpretiere ihn so, dass es für keine Person in der Geschichte ein anderes Meer - einen anderen Weg - gibt.

    Zitat 
    "Der Name war so heiter, wie er klag. Es war ein Name, den man voller Liebe aussprach, den man seiner Liebsten in der Nacht vor der Geburt des gemeinsamen Kindes ins Ohr flüsterte. [...] Es war ein Name, wie man in Gedichten oder Liebesbriefen oder Liedern fand. Es war ein Name der Liebe, nicht der Rache. Es war ein Name, den man voller Hoffnung rufen konnte. Es war ein Name, der die Macht besaß, die Sonne aufgehen zu lassen."- Seite 130
    Fazit
    Eine Geschichte, die viel zu bieten hat. Sie ist tiefgründig und lässt einen viele Facetten des Lebens anblicken. Doch leider hatte es nicht mehr der erwarteten Geschichte zu tun und sie ging somit stark unter. Der Bezug zu Personen viel durch ständigen Perspektivenwechsel schwer.

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    Edelstellas avatar
    Edelstellavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Nicht das, was ich erwartet habe, aber trotzdem etwas Besonderes!
    Hier geht es um das große Ganze!

    Ein wunderschönes exotisches Cover mit farbenprächtigen Papageien und Ananasfrüchten laden den Leser ein zum Buch zu greifen und die kurze Information auf dem Rücken des Buches über ein Mädchen, das an ihrem siebten Geburtstag verschwindet, weil der arme Vater sie fortgeben muss, da er sich nicht mehr zu helfen weiß und ihr eine gute und sichere Zukunft verschaffen will, tut dann sein Übriges.


    Ich werde in eine fremde Welt entführt, nach Ville Rose, ein Ort auf Haiti, der wie eine Rose gewachsen ist und direkt am Meer liegt. Hier lebt Nozias als Fischer, der seine kleine Claire allein großzieht, da ihre wunderbare Mutter Claire Narcis bei deren Geburt starb. Allerdings reicht es kaum zum leben, was Nozias aus dem Meer in die Hütte bringt und er bittet die Stoffhändlerin Gaelle, Claire aufzunehmen, vielleicht könnte er dann woanders mehr verdienen.

    Am siebten Geburtstag von Claire ist es soweit, aber Claire läuft davon und ist nicht aufzufinden.

    Die Autorin nimmt uns nun auf die Reise durch Ville Rose, in verschiedenen Zeitebenen, stellt uns unterschiedliche Familien vor,

    verwebt ihre Schicksale miteinander und stellt fest, dass es immer das gleiche Meer und die gleiche Heimat sind, die für die Menschen von großer Bedeutung ist, irgendwie gehören alle zusammen und irgendwann kommt vielleicht ja auch Claire zurück.

    Das Buch ist keine leichte Urlaubslektüre, das zu Erzählende auch nicht immer schön. Aber es ist eine authentische Beschreibung einer eigenen, manchmal auch mystischen Welt dort an der Küste Haitis, wo vornehmlich sehr arme Menschen wohnen und jeder auf seine Art das Schicksal lenken oder besiegen möchte. Es geht um politische und gesellschaftliche Verflechtungen und Verfehlungen und Vergebung und um die Heimat. Der Leser kann sich treiben lassen und verstehen lernen. Entdecken und mitfühlen in einer Welt, die uns noch zu großen Teilen fremd ist.

    Schade ist, dass Claire zu wenig vorkommt in dieser Geschichte.

    Vielleicht geht es ja eher auch um das Ganze, um Gründe warum Menschen, so und nicht anders entscheiden. Das es nicht immer einfach Schwarz oder Weiß gibt, sonder so viele Grauzonen, die doch irgendwie ihre Wurzeln im Vergangenen haben. Vielleicht sollte ich mich als Leser einfach an der großartigen Erzählkunst der Autorin erfreuen und ihre besondere Gabe, Menschen zu sehen, wie sie sind, ohne sie zu verurteilen. Ich hoffte, an der Seite Claires durch die Geschichte geführt zu werden und vergebe 3 Lesesterne, weil ich nicht ganz enttäuscht wurde, da es eine gut erzählte Geschichte war.


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    blue-birds avatar
    blue-birdvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das bewegende Bild einer Gesellschaft - nostalgisch ohne Melancholie, rührend ohne Kitsch. Verschiedene Schicksale, ein roter Faden.
    Mehr als nur eine Geschichte

    Der Roman "Kein anderes Meer" ist schwer zu durchschauen, achtet man nur auf Cover, Titel oder Klapppentext. Alles klingt vielversprechend, doch liegt in den Seiten sehr viel mehr verborgen, als man sich anfangs von der Lektüre verspricht.

    Die Gestaltung des Umschlags ist zweifelsohne gelungen. Dichter Urwald, einige Früchte und farbenfrohe Vögel vermittelt ein buntes Bild, das sich einigen momentanen Modeströmungen und sommerlichen Urlaubsgefühlen anpasst, jedoch auch Haiti, den Ort der Handlung, recht passend wiederspiegelt. Weniger verrät es jedoch über die Personen, die Charaktere und deren Leben, durch welche sich die Geschichte wie ein roter Faden zieht.

    Anfang und Ende wird hierbei durch das Verschwinden der jungen Claire markiert, die jedoch - anders als man anfänglich vermuten würde - keinesfalls das Zentrum der Handlung bildet. Viel eher dient ihre Geschichte um das Werk in sich abzurunden, während auf den Seiten selbst sehr viel mehr Personen zu Wort kommen.

    Berührend, doch ohne Kitsch, schildert Danticat die unterschiedlichen Schicksale der Menschen auf Haiti, wobei sich zwischen vielen liebevollen Bildern, auch immer wieder ein dunkler Schatten einschleicht und man rasch merkt, dass man es hier mit der Realität zu tun bekommt und gerade nicht nur ein fröhliches Urlaubsbüchlein liest. Gut gelungen sind die Leben der Charaktere miteinander verknüpft und obgleich alle unterschiedliche Motive aufweisen und sicher nicht alle dazu geschaffen sind, die Sympathie des Lesers zu gewinnen, so merkt man doch, wie sie alle durch ein gemeinsames Streben, eine gemeinsame Mentalität verbunden sind.

    Der Stil des Buches klingt von Zeit zu Zeit nostalgisch an, doch das Lesen fällt leicht - Danticat schafft es bewegende Bilder zu erschaffen, ohne schwermütig zu werden. Es handelt sich bei "Kein anderes Meer" um einen durchaus empfehlenswerten Roman.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor einem Jahr
    Kein anderes Meer

    Claire ist sieben Jahre alt und wohnt allein mit ihrem Vater auf Haiti. Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben und ihr Vater sorgt sich so sehr um seine Tochter, dass er sie der Tuchhändlerin der Stadt überantworten möchte.
    An diesem Abend verschwindet Claire jedoch spurlos und der Leser erfährt viel mehr die Geschichte der Bewohner der Stadt. Alle sind irgendwie miteinander bekannt, haben eine irgend geartete Beziehung zueinander und jeder scheint mindestens einen Schicksalsschlag gehabt zu haben.

    "Kein anderes Meer" ist schon ein besonderer Roman, aber er ist auch besonders traurig. Zu viele Tote säen den Boden von Haiti, insbesondere Ville Rose, wo alles stattfindet. Die Menschen reden nicht wirklich miteinander, es herrscht mehr Schein als Sein. Niemand will einen anderen verletzen und doch tun sie es alle.

    Ich habe das Buch hindurch eigentlich immerzu mit einem Seufzer begleitet. So viel Mitleid für all die Figuren und auch die Zukunftsaussichten waren nicht rosig.

    Was mir allerdings nicht so gut gefallen hat, war die gesamte Geschichte um Claire. Sie läuft weg, aber wir erfahren eigentlich nichts weiter darüber. Der ganze Prozess, der scheinbar für das Buch so wichtig ist, wird gar nicht thematisiert, erst ganz zum Schluss. Ich hatte auf eine Geschichte gewartet, in der der Leser erfährt, was mit Claire passiert, wie sie sich durchschlägt, ob sie sich durchschlägt. Doch da wurde ich enttäuscht. Über Claire erfährt man dann eigentlich nichts mehr und das Ende war dann irgendwie banal. Ein bisschen schade, aber dennoch eine Geschichte, die mir wohl noch eine Weile im Geiste herumspuken wird.

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    PetiteBelles avatar
    PetiteBellevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein schönes Buch für den Urlaub - und dabei ganz und gar nicht der übliche "Urlaubsschund"
    Schöne Urlaubslektüre ab vom Mainstream

    Die Geschichte beginnt mit dem Verschiedenen der siebenjährigen Claire und ich hatte angenommen, dass sich das gesamte Buch darum drehen würde. Dementsprechend war ich überrascht, dass in dem Buch verschiedene Lebensgeschichten eingebunden werden.

    Hier beginnen meine gemischten Gefühle.

    Zwar fand ich es spannend und interessant über das harte Leben in der paradiesischen Region zu lesen und meiner Meinung nach ist es dem Autor gelungen dies sehr farbintensiv und mit wenig Kitsch zu beschreiben. Dass alle Lebensgeschichten auf die eine oder andere Weise verknüpft sind hat mir an sich gut gefallen. Die ausgewählten Personen haben mir jedoch teilweise gar nicht gefallen und einige Passagen haben mein Interesse nicht vertiefen können und haben mich sogar etwas gelangweilt. 


    Das Verschieden von Claire ist gleichzeitig Einleitung und Ende des Buches und bilden damit einen durchaus gelungen Kreislauf, aber ich hätte einfach gern mehr über die Gedankenwelt des Mädchens und ihre Situation erfahren.  Den Abschluss habe ich für mich als nicht ausreichend empfunden, da hätte ich mir einfach noch etwas mehr Inhalt gewünscht.

     

    Ich tendiere zu 3,5 Sternen. Es handelt sich ohne Frage um ein gutes Buch, aber mir persönlich hat das gewisse Etwas gefehlt. Trotzdem habe ich das Lesen des Buches genossen und würde es durchaus als Lektüre für Sommerabende weiter empfehlen. Es liest sich flüssig und die beschriebene (Farben)Welt lässt einen in tropische Gefilde abtauchen – alles was man sich als Urlaubslektüre wünschen kann.

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    Fortivor einem Jahr
    Verschiedene Lebensumstände in Haiti


    Das Buch "Kein anderes Meer" als die Geschichte eines verschwundenen Mädchens zu bezeichnen, kann missverstanden werden. Tatsächlich zieht die Autorin Edwidge Danticat einen Kreis, in dem sie nacheinander einige Bewohner der fiktiven haitianischen Stadt Ville Rose auftreten lässt, die alle miteinander zu tun haben, aber vordergründig wenig Verbindung zu der verschwundenen Claire. Die Beschreibung dieser verschiedener Leben in Haiti machte für mich aber gerade den Reiz dieses Buches aus. So unterschiedlich ihre Leben und Schicksale sind, so gemeinsam ist ihnen allen, dass  keiner  wirklich glücklich ist. Das Leben, die mystische Weltsicht und die Umstände in Haiti, wie sie im Roman beschrieben werden, sind mir als Westeuropäerin doch sehr fremd - umso spannender fand ich es, darüber zu lesen. Auch mit überaus geringer Kenntnis über das Land Haiti kann man dem Buch gut folgen - immerhin hat die aus Haiti stammende Autorin das Buch ja für eine US-amerikanische Leserschaft geschrieben. 


    Das Ende ist zwar rund - alles findet zusammen - aber das Verschwinden von Claire, also die eigentliche Grundstory wird dann für mein Empfinden etwas zu schnell aufgelöst. 


    Insgesamt aber ein interessantes, gut geschriebenes Buch!

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein zugleich sehr trauriger, aber auch poetisch-kunstvoller Roman über die haitianische Gesellschaft von heute.
    „Chèche Lavi“ – Auf der Suche nach dem besseren Leben

    Der Roman Kein anderes Meer beginnt und endet an Claire Limyè Lanmè Faustins siebtem Geburtstag. In acht Kapiteln entrollt sich die Lebensgeschichte mehrerer Personen in den zehn Jahren zuvor. Wie Edwidge Danticat diese Schicksale miteinander verwebt und vor allem wie sie sie erzählt – die klug durchdachte Choreografie greift immer ein Ereignis auf und erzählt dann dessen Vorgeschichte – ist das ganz Besondere an diesem Roman. Gleich Kugeln auf einem Billardtisch begegnen sich ihre Figuren, streifen sich nur im Vorübergehen, prallen hart zusammen, ändern die Richtung und streben wieder auseinander. Es erfordert Konzentration und Mitdenken vom Leser, doch die Mühe lohnt sich, weil Edwidge Danticat auf ihre stille, unspektakuläre Art Bewegendes zu berichten hat.

    Claire Limyè Lanmè, was soviel bedeutet wie Claire vom Meereslicht, ist die Tochter eines armen haitianischen Fischers aus der fiktiven Küstenkleinstadt Ville Rose und dem Volksglauben nach ein „revenan“, da ihre Mutter bei ihrem Eintreten in die Welt starb. Ihr Vater traut sich ihre Erziehung nicht zu: „Er wollte etwas so Wichtiges wie die Zukunft seiner Tochter nicht dem Zufall überlassen.“ Deshalb möchte er sie in Obhut der reichen Stoffhändlerin Gaëlle geben, die ihrerseits ihren Mann bei einer Schießerei und ihre Tochter durch einen Unfall verloren hat. Überhaupt leiden alle Figuren in diesem Roman unter Tod, Gewalt, Vergewaltigung, Bestechung und Korruption, unter fehlender Gerechtigkeit, Selbstjustiz, Naturgewalten, mangelnden Möglichkeiten, starren sozialen Hierarchien und der Auswanderung von Angehörigen und Freunden in die USA. Dabei scheint es Reichen, die „nie auch nur ein paar Regentröpfchen abbekommen“, nicht viel besser zu ergehen als den Bitterarmen, auch wenn sie wenigstens ihre Kinder nicht aus materieller Not als „restavek“ weggeben müssen.

    Dem poetischen Erzählstil, dem „chèche lavi“ aller Protagonisten, also dem unermüdliche Streben nach einem besseren Leben, und dem einigermaßen versöhnlichen Ende ist es zu verdanken, dass Edwidge Danticats Roman nicht zu melancholisch und depressiv wirkt. Die Autorin, die 1969 in Port-au-Prince geboren wurde, wuchs zunächst in Haiti auf und konnte im Alter von zwölf Jahren ihren vor dem Duvalier-Regime geflohenen Eltern in die USA folgen. Ihren erstmals auf Deutsch 2015 bei Hanser erschienen Roman, der nun mit farbenprächtigem Cover als Taschenbuch bei Aufbau vorliegt, empfehle ich gerne weiter. Ausgesprochen interessant waren für mich die Einschübe in kreolischer Sprache, die sich fast wie eine französische Lautschrift lesen. Lediglich der Titel Kein anderes Meer blieb mir rätselhaft, denn der englische Originaltitel Claire of the Sea Light ist poetischer und somit passender.

    http://mit-büchern-um-die-welt.de/edwidge-danticat-kein-anderes-meer/

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    aufbauverlags avatar

    Poetisch und farbenprächtig: Eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt 

    Claire verschwindet an ihrem siebten Geburtstag spurlos am Strand von Ville Rose auf Haiti. Ahnt sie, dass ihr Vater Nozias sie heute fortgeben will? Nach dem Tod von Claires Mutter kümmerte er sich allein um seine Tochter, doch dem armen Fischer fällt es immer schwerer, für ihren Unterhalt aufzukommen. Deshalb hofft er, dass Claire bei der reichen Tuchhändlerin Gaëlle ein besseres Leben hab wird. Aber Claire versucht mit aller Macht, sich dieser Trennung zu widersetzen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand ...

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    Über Edwidge Danticat

    Edwidge Danticat, 1969 in Port-au-Prince geboren, wuchs auf Haiti auf und in New York auf. Nach dem Studium unterrichtete sie Creative Writing an der New York University und der University of Miami. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane. „Kein anderes Meer” war 2014 ein “Notable Book of the Year” der New York Times. Edwidge Danticat lebt in Miami.

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