Edzard Reuter Stunde der Heuchler

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Inhaltsangabe zu „Stunde der Heuchler“ von Edzard Reuter

Edzard Reuter malt das erschreckende Bild einer Gesellschaft, deren Verantwortliche nur noch auf Machtanhäufung und Bereicherung aus sind. Anstatt ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, begehen sie in der aktuellen Wirtschaftskrise Steuerflucht, kassieren Bonuszahlungen bei Rekordverlusten, manipulieren Arbeitslosenzahlen und geben falsche Wahlversprechen. Reuter prangert das unehrliche und selbstsüchtige Verhalten unserer Führungskräfte an. Der frühere Daimler-Chef plädiert für eine Rückkehr zu alten Wertvorstellungen wie Anstand und Augenmaß. Ein längst fälliges Buch über die soziale Verantwortung unserer Eliten, aber auch über die Zukunft Deutschlands.

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    Stunde der Heuchler
    R_Manthey

    R_Manthey

    28. June 2015 um 16:30

    Offensichtlich war Edzard Reuter ziemlich wütend als er dieses Buch verfasste. Mit seiner Polemik hat er sich nun hoffentlich Luft verschafft und uns ein Buch vorgelegt, das so ziemlich alles abarbeitet, was gegenwärtig Anlass zur allgemeinen Aufregung bietet. Als gemeinsames Band für seine Ausführungen nutzt Reuter die von ihm leidenschaftlich beklagte Heuchelei von Politikern und Managern und den entsprechend um sich greifende angebliche Sitten- und Werteverfall. Doch Moralpredigten, haben noch nie Probleme gelöst, und nicht immer beschreiben sie die Wirklichkeit sachgerecht. Das bestätigt sich leider auch in diesem Buch. Reuter, der es übrigens bevorzugt, eine politisch korrekte, aber deswegen manchmal etwas umständliche Sprache zu benutzen, beschreibt im ersten Kapitel die gegenwärtige Finanzkrise. Als eine ihrer wesentlichen Ursachen hat er die Gier der Finanzwelt ausgemacht. Das entspricht der offiziellen Sicht der Dinge. Doch selbst er muss am Ende seines Buches zugeben, dass Gier weder eine erst vor drei Jahren entdeckte menschliche Schwäche darstellt, noch dass sie auf eine bestimmte Gruppe von Personen beschränkt ist. Sie diente dementsprechend bei der jüngsten Krise allenfalls als Katalysator für eine Reaktion, deren Bestandteile bereits vorher bereitstanden. Sonst hätten wir schließlich ständig Finanzkrisen. Da dies ein politisches Buch ist, das sich zudem einer überspitzten Darstellung und Sprache befleißigt, möge jeder für sich entscheiden, ob die hier vertretende Weltsicht des bekennenden SPD-Mitgliedes Reuter mit der eigenen übereinstimmt. Allerdings enthält dieses Buch auch einige sachlich falsche oder sehr flache Darstellungen der Wirklichkeit. Neben der nach seiner Meinung um sich greifenden Gier und dem allgemeinen Werteverfall beklagt Reuter auch das aus den USA übernommene, nur auf kurzfristigen Profit ausgerichtete Shareholder-Value-Denken. Als Daimler-Boss hat er das schmerzlich durchleben müssen. Merkwürdig ist jedoch, dass Reuter als profunder Kenner amerikanischer Verhältnisse nicht klar erkennen kann oder will, welche strukturellen Ursachen hinter diesem importierten Denken stecken. In den USA wird inzwischen fast die Hälfte des Bruttosozialproduktes durch Finanzgeschäfte erzeugt. Dahinter stehen jedoch keine wirklichen Werte oder physische Produkte. Aber diese virtuelle Welt hat die Wirtschaftskultur in den USA in genau die Richtung gelenkt, die Reuter so beklagt. Auf den letzten Seiten seines Buches verlangt er, dass wir alle dafür sorgen sollen, dass "der Primat der Politik seinen unverzichtbaren Vorrang erhält". Die Clinton-Administration hat genau dies verwirklicht. Sie hob die gesetzlich vorgeschriebene Trennung von Investment- und Geschäftsbanken auf und verpflichtete die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac per Gesetz auch Leuten Kredite zu geben, die keine Sicherheiten bieten konnten. Erst durch diese politischen Zutaten konnte es zur Subprime-Krise kommen. In einem weiteren Kapitel greift Reuter die österreichische Schule der Nationalökonomie um den Nobelpreisträger Hayek an. Selbst wenn er Hayeks Buch über den "Weg zur Knechtschaft", über das er sich empört, gelesen haben sollte, verstanden hat er es nicht. Denn dann würde er nicht nur wissen, dass es diese Schule war, die bereits die Weltwirtschaftskrise der 1930-iger Jahre präzise vorausgesagt hatte, sondern er würde auch die heutigen Abläufe weniger oberflächlich begreifen. In den USA beschließt eine Art Politbüro in der Zentralbank in regelmäßigen Abständen den planwirtschaftlichen Zinssatz, hebelt damit ökonomische Prozesse aus und schafft riesige Probleme. Seit einigen Jahren wächst die Dollar-Geldmenge (übrigens ebenfalls politisch gewollt) in unvorstellbare Dimensionen. Dieses Papiergeld sucht verzweifelt Anlagemöglichkeiten, die es aber nicht geben kann, weil kein wirtschaftliches Äquivalent für die erzeugte Geldmenge vorhanden ist. In der Folge entstehen in immer kürzeren Abständen Finanzblasen, die wiederum mit immer mehr neu erzeugtem Geld bekämpft werden. Statt diesen Irrsinn zu beleuchten, beklagt Reuter "entfesselte Märkte". Doch was sind das für Märkte, in denen Versager-Banken nicht liquidiert werden können, sondern gerettet werden müssen? Dort wo Reuter "entfesselte Märkte" sieht, wurde im Gegenteil der Markt einfach abgeschafft. Die Knechtschaft (der Bürger durch die Banken und den Staat) beginnt genau dort, wo diese Rettungsaktionen als "alternativlos" bezeichnet werden. Ein ähnliches Beispiel ist der Euro, den Reuter für eine große Errungenschaft hält, die mit allen Mitteln gegen Spekulanten verteidigt werden sollte. Auch hier musste kürzlich mit gigantischen Summen eine politische Währung "gerettet" werden. Wenn deutsche Steuerzahler "alternativlos" für Schulden anderer Staaten geradestehen müssen, sind wir genau auf dem von Hayek beschriebenen Weg. Die Bandbreite der Reuterschen Themen ist groß. Er befasst sich mit dem in einer politischen Salami-Taktik zum Kampfeinsatz gewordenen Afghanistan-Krieg der Bundeswehr, mit dem deutschen Bildungssystem und dem angeblich nicht vorhandenen deutschen Bürgertum, zu dem Reuter nicht gehören will. Er beklagt sich über selbstgerechte Wissenschaftler und deren falsches Urteilsvermögen, gierige Manager (auch über seinen unmittelbaren Nachfolger bei Daimler) und heuchelnde Politiker. Irgendwie hat das Ganze auch etwas von "Früher war alles besser". Und natürlich muss jemand, der in seinem Zorn als Gutmensch fast alle anderen trifft, sich fragen, ob er denn selbst frei von all den schlechten Eigenschaften ist, die er bei fast allen anderen sieht. Dennoch ist sein Buch nicht uninteressant, weil es eine gewisse Denkweise offenbart und andererseits auch wirklich den Finger in bestimmte Wunden legt, also zum Beispiel die politischen Akteure auffordert, endlich ihre Aufgaben zu erledigen. Denn hätten sie das sachgerecht getan, wären uns viele Probleme, die Reuter benennt, erspart geblieben. Nur durch eine sachgerechte Lösung von anstehenden Aufgaben, wird eine andere Stimmung entstehen und nicht durch polemische Anklageschriften. Ich interpretiere den Schluss des Buches einfach mal so, als hätte der Autor diese Einsicht auch gewonnen. Fazit. Dies ist ein politisches Buch, das aufrütteln möchte. Ob es das tun wird, kann ich nicht einschätzen. Je nach politischer Auffassung wird man es zudem verschieden bewerten. Leider beschreibt es in einigen Fällen die Wirklichkeit nicht adäquat und kommt entsprechend zu falschen Schlüssen.

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  • Rezension zu "Stunde der Heuchler" von Edzard Reuter

    Stunde der Heuchler
    smayrhofer

    smayrhofer

    05. August 2011 um 09:07

    Edzard Reuter holt zum Rundumschlag aus. Unternehmensführer, Banker (allen voran Investmentbanker), Analysten, Rating-Agenturen, Politiker und alle, die sich angesprochen fühlen, bekommen ihr Fett weg. Obwohl diese in der Regel behaupten, sich nur an die Spielregeln zu halten und letztendlich auch bzw. nur dem Allgemeinwohl dienen, geht es ihnen vor allen Dingen darum, ihre eigenen Taschen zu füllen. Sie haben scheinbar nichts aus den vergangenen Wirtschafts- und Finanzkrisen gelernt und steuern mit ihrer unaufhaltsamen Gier geradewegs auf die nächste und vielleicht schlimmste Katastrophe zu. Manchmal klingt es so, als ob hier nur ein verbitterter, alter Mann mit der heutigen Wirtschaftwelt, die sich immer weiter von seinen Idealen und werten entfernt hat, abrechnet. Nicht umsonst schreibt er: „Dieser Text ist eine Polemik“. Aber dann stellt man doch immer wieder fest, wie recht Edzard Reuter doch eigentlich hat, wenn er ein ums andere Mal den Finger in die Wunde legt. Zur Eindämmung der aktuellen Entwicklung sagt Reuter: „Es gibt keine Patentrezepte“. Und so bleiben seine Ansätze, was sie sind: nicht mehr als Ansätze, die immer wieder die alten Tugenden wie Moral und Anstand beschwören. Ein wichtiges Buch zur rechten Zeit. Aber im Gegensatz zu Reuter, der nach eigenem Bekunden optimistisch bleibt, bin ich da eher Pessimist und behaupte, dass sich leider nichts an der derzeitigen Situation ändern wird…

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