Efrain Vedder

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Autor von Weg vom Leben.

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Efrain VedderWeg vom Leben
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Weg vom Leben
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 (4)
Erschienen am 01.03.2007

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Rezension zu "Weg vom Leben" von Efrain Vedder

Rezension zu "Weg vom Leben" von Efrain Vedder
pardenvor 7 Jahren

35 JAHRE IN DER COLONIA DIGNIDAD...

Nach außen schien die deutsche Sekte Colonia Dignidad in Chile ein Musterbetrieb zu sein. Hier lebten und arbeiteten mehr als 250 Deutsche unter der Leitung von Sektenchef Paul Schäfer. Ein Blick über die Mauern mit Stacheldraht offenbarte jedoch ein Arbeitslager, in dem die Bewohner Tag und Nacht arbeiten mussten und durch seelischen und körperlichen Terror in Abhängigkeit gehalten wurden.
Schäfer, der wegen Pädophilievorwürfen seit über 40 Jahren von Interpol gesucht wurde und seit 1997 untergetaucht war, hatte durch seine Kontakte zum chilenischen Regierungsapparat bis zu Beginn des neuen Jahrtausends alle Anklagen unbeschadet überstanden: Folterungen politischer Gefangener, ungeklärte Todesfälle auf dem Sektengelände und engste Verflechungen zu (Ex-)Diktator Augusto Pinochet.

Unter den Augen seiner politischen Freunde und der Sektenbewohner missbrauchte Schäfer immer wieder minderjährige männliche Bewohner seiner Sekte. Einer dieser Jungen war der Chilene Efrain Vedder, der als Baby seinen Eltern weggenommen und in der Kolonie zwangsadoptiert wurde. Er wurde von Schäfer über viele Jahre missbraucht und unter Drogen gesetzt.
Obwohl auch Vedder im bigotten Zeitgeist der 1950er Jahre und in religiöser Abhängigkeit erzogen wurde, schaffte er es, nach 35 gestohlenen Lebensjahren die Sekte aus eigener Kraft zu verlassen un sich ein neues, eigenes Leben aufzubauen.

Geschrieben wurde dieses Buch in einer Co-Autorenschaft. Ingo Lenz wurde Efrain Vedder zur Seite gestellt, da letzterer in der Colonia Dignidad kaum die Schule besucht hatte und bis zum Entstehungszeitpunkt des Buches nicht ausreichend Schreiben gelernt hatte.
Die Sprache ist einfach, und obwohl der Bericht eine Anklage darstellt, ist das Buch weder dramatisieriend noch kitschig geschrieben. Vedder stellt sich nicht nur als Opfer dar, das er sicherlich war, sondern schlicht als Menschen, der versucht, von nun an das Beste aus seinem Leben zu machen...

Um eine Vorstellung der Diktatur des inzwischen verstorbenen Paul Schäfer zu bekommen - hier ein Auszug aus wikipedia:
"...erwarb Schäfer eine heruntergewirtschaftete Finca größeren Ausmaßes nahe der Stadt Parral – etwa 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile. Er nannte sie Colonia Dignidad – Kolonie der Würde. Gegenüber den chilenischen Behörden gaben Schäfer und Baar vor, sich dort um chilenische Waisenkinder kümmern zu wollen. Damit war beabsichtigt, der Colonia "familienlosen" Nachwuchs zuzuführen. In der Geschlossenheit der Colonia Dignidad gelang es ihm, die von ihm verwandten Unterdrückungsmechanismen weiter zu entwickeln. Von seinen Anhängern verlangte er totale Unterwerfung und setzte diese auch mit Gewalt durch. Der Arbeitstag in der "Kolonie der Würde" hatte 16 Stunden. Ruhetage, Gottesdienste und Gebetszeiten, die es vorher gegeben hatte, wurden als "sinnlos vertane Zeit" abgeschafft. Die Hörigkeit der Sektenmitglieder wurde so stark, dass jede Kraft zum Widerstand erlosch. Es gab streng getrennte Frauen-, Männer- und Kinderhäuser. Private Gespräche waren verpönt, nach und nach strikt verboten. Zuwiderhandlungen hatten harte Strafen zur Folge. Jeder musste fürchten, denunziert zu werden, jeder konnte ein Spitzel sein. Die Kolonie wurde zu einer Art Festung ausgebaut. Palisadenzäune mit Wachtürmen und Stolperfallen sowie bewaffnete Wachposten sorgten dafür, dass eine nach außen hin hermetisch abgeriegelte Diktatur entstand."

Vor diesem Hintergrund ist es um so erstaunlicher, dass Efrain Vedder es tatsächlich geschafft hat, aus eigener Kraft die Sekte zu verlassen.
Beeindruckend!

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