Egon Bahr

 4 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von 'Das musst du erzählen', "Das musst du erzählen" und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Egon Bahr

'Das musst du erzählen'

'Das musst du erzählen'

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Erschienen am 08.03.2013
Ostwärts und nichts vergessen!

Ostwärts und nichts vergessen!

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Erschienen am 31.08.2015
Verratenes Volk?

Verratenes Volk?

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Erschienen am 03.08.2015
Der deutsche Weg

Der deutsche Weg

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Erschienen am 11.12.2003
"Das musst du erzählen"

"Das musst du erzählen"

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Erschienen am 10.06.2013
Sachsen

Sachsen

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Erschienen am 01.08.1998

Neue Rezensionen zu Egon Bahr

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GernotUhls avatar

Rezension zu "'Das musst du erzählen'" von Egon Bahr

Der Polit-Berater
GernotUhlvor 9 Monaten

Aus: https://www.eulengezwitscher.com/single-post/rezension/bahr

Er war der wichtigste Mann von Bundeskanzler Willy Brandt: Egon Bahr. Als Pressechef, Chefdenker und Vertrauter hat Bahr den übergroßen Sozialdemokraten vom Berliner Rathaus bis ins Bonner Bundeskanzleramt begleitet. Mehr noch: Seine Erinnerungen an den Freund (wie er immer wieder sagt) sind eigentlich autobiografische Notizen zum Fall B. - einem politischen Doppelleben: Denn Egon Bahr und Willy Brandt verschmelzen in dieser Erzählung zu einem einzigen Protagonisten, dessen Bühne die Neue Ostpolitik war.

 

An Unstimmigkeiten oder auch nur an zwei Meinungen kann sich Egon Bahr nicht erinnern: Ist der Kanzler einmal nicht erreichbar, verhandelt Egon Bahr in seinem Namen; er überbringt seinen Gesprächspartnern im Osten Botschaften von Brandt, die der erst im Nachhinein erfährt und mit einem zufriedenen Schmunzeln abnickt. Anekdoten wie diese machen Bahrs Erinnerungen, die bei Hörbuch Hamburg erschienen sind, zum unterhaltsamen Ohrenschmaus. Sie zeigen aber auch, dass Egon Bahr eine erfrischende Brise Nüchternheit in den allmählich ermüdenden Personenkult um Willy Brandt streut - selbstverständlich ohne dessen historische Größe anzuzweifeln: Ihm geht es nicht um die Familien-, Frauen- und Frustgeschichten seines mittlerweile mystifizierten Chefs. Bahr beschränkt sich diesbezüglich auf humorvolle Sticheleien, wenn er etwa Brandt mit dem Sowjetführer Leonid Breschnew vergleicht: Die beiden haben sich auf Anhieb verstanden.

 

Wein, Weib und Gesang hätten sie beide nicht abgelehnt. Und wenn der Arzt gesagt hätte. ihr müsst vorsichtiger sein, hätten beide sofort beschlossen: "Wir hören auf zu singen!"

 

Egon Bahr hat anderes im Sinn: Ihm geht es um die diplomatische Kärrnerarbeit hinter den Parolen "Wandel durch Annäherung" und "Mehr Demokratie wagen". Diese Kärrnerarbeit hat zu großen Teilen er selbst geleistet. Deshalb sind seine Erinnerungen an Brandt eher die Erinnerungen an die gemeinsame Politik, die Brandts Namen und Bahrs Handschrift trägt. Der Hörer pendelt mit dem Chefunterhändler der sozial-liberalen Koalition zwischen Bonn und New York, Berlin und Moskau hin und her: Immer auf der Suche nach einem neuen Miteinander im Kalten Krieg und immer bestrebt, den Deutschen in Ost und West die politische Teilung menschlich zu erleichtern. Detailgetreu (teilweise im Wortlaut) geschilderte Verhandlungssituationen vermitteln das Gefühl, mit am Tisch zu sitzen, wenn der Architekt der Neuen Ostpolitik um Grenzen, Transitabkommen oder auch nur um die richtigen Vokabeln ringt. Darüber scheint der Baumeister Brandt, der an diesen Arbeitsgesprächen nicht teilnimmt, manchmal aus dem Sinn zu geraten. Aber dieser Eindruck trügt, denn Brandt und Bahr sind zunehmend ein Herz und eine Seele. Die Memoiren des Einen schließen den Anderen stets mit ein. Immer wieder gewährt Bahr Einblicke in sein nahezu symbiotisches Verhältnis zu Brandt: Es rührt ihn, dass Brandt ihn auf dem Sterbebett als Freund benennt; er rechnet mit dem gemeinsamen Parteifeind Herbert Wehner ab; er ist stolz darauf, dass Brandt ihm sagt, er habe Anteil am Nobelpreis. Selbst die auf den ersten Blick oberflächliche Deutung, wonach Brandt ein Träumer mit Bodenhaftung gewesen sei erklärt sich besser, wenn man den bodenständigen Bahr erzählen hört.


Zwar fällt der Name des ersten sozialdemokratischen Bundeskanzlers nicht so oft, wie es der Untertitel erwarten lässt ("Erinnerungen an Willy Brandt"). Allerdings erzählt Egon Bahr die Biografie der Marke Brandt und seiner Neuen Ostpolitik unterhaltsam und lehrreich. Dass Egon Bahr selbst liest, machen das (gekürzte) Hörbuch zu einem zeitgeschichtlichen Zeugnis ersten Ranges.

  

Eulengezwitscher. Bücher, Biografien und Blog von Gernot Uhl

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Rezension zu ""Das musst du erzählen"" von Egon Bahr

Spannende Innenansichten in dt Ost-/West Politik der Nachkriegsjahre.
Wedmavor einem Jahr

Das Buch von Egon Bahr „Das Musst du erzählen. Erinnerungen an Willy Brandt“ habe ich gern gehört und empfehle es auch gern an politisch Interessierte weiter.

Egon Bahr, enger Vertrauter und Freund von Willy Brandt, der anfangs oft seine Reden geschrieben hat und später selbst zu einer politischen Figur hohen Ragens wurde, schildert seine Sicht der Dinge, was die Person Brandts und die damalige Ostpolitik angeht. Sehr interessant und aufschlussreich.

Die Politik „Wandel durch Annäherung“, die Gabriele Krone Schmalz in ihrem neuesten Buch „Eiszeit“ (2017) erwähnt hat, kam hier gut zu Geltung. Egon Bahr verdeutlichte anhand von mehreren Beispielen, wie diese Annäherung in den 60-70-80ger Jahren betrieben wurde und erwähnte dabei paarmal, dass sie nie von den Verhandlungspartnern auf russischer Seite angelogen wurden. Bahr meinte, manches wussten sie selbst nicht, über manches durfte man nicht reden, aber vorsätzlich getäuscht wurden sie nie. Solche hohen Politiker der russischen Seite wie Breschnew, Kossygin, später Gorbatschow, einige Diplomaten, uvm kamen auch zur Sprache und es wurde klar, was sie für die Annäherung getan haben, z.T. auch wie sie persönlich waren, z.B. dass Breschnew und Brandt sich sehr gut verstanden und dem Weib, Wein und Gesang gern frönten. Auf die Warnung der Ärzte, man müsse einen gemäßigten Lebensstil an den Tag legen, würden die beiden höchstens erwägen, den Gesang etwas herunterzuschrauben, so Bahr.

Auch wie Willy Brandt als Person war, ein mutiger, sensibler Mann, der nie Befehle erteilen konnte, und u.a. deshalb als schwache Führungsperson von manchen verstanden wurde, kommt deutlich zur Geltung. Auch sein Verhältnis zu Helmut Schmidt und anderen, Brandts Bekenntnis, wenn er gewollt hätte, wäre Schmidt schnell weg vom Fenster, uvm ist diesem Buch zu entnehmen. Bahr spricht auch von einigen Äußerungen Brandts, die sich später als prophetisch erwiesen haben.

Bei allem Spannenden, was das Buch bietet, war mir manches zu glatt dargestellt worden, viele wichtigen Dinge, manche Ereignisse, die eigentlich auf die damalige Ost-West Politik großen Einfluss hatten, wurden nur am Rande sehr politisch korrekt erwähnt. Dadurch entstand ein seltsamer Eindruck, dass nur ein Teil der Geschichte erzählt wurde. Aber auch dieser Teil ist sehr gut.

Zudem war die Art der Stoffdarbietung etwas gewöhnungsbedürftig. Bahr sprang in Zeiten und Ereignissen hin und her, mal vorauseilend, wie das eine oder andere zu Ende ging, mal wieder zurückkehrend und von den Anfängen erzählend.

So oder so ist das Buch sehr lesens- bzw. hörenswert, denn es gibt die Meinung eines großen Politikers des 20 Jh wieder, der die Entspannung zw. Ost und West maßgeblich beeinflusst und den Boden für die dt Vereinigung über Jahrzehnte seines Dienstes in der hohen Politik vorbereitet hat.

Zum Schluss sagt Bahr seine kritischen Worte über die Entwicklung der EU, dass sich dies doch von dem unterscheidet, was sie damals angedacht haben. Er unterstreicht auch die Wichtigkeit des Kampfes gegen den dritten Weltkrieg. Nach dem Ausscheiden aus der Politik auf der vordersten Front hat sich Bahr der Abrüstung verschrieben, dazu meinte Brandt, Bahr würde damit bis zum Ende des Lebens ausgelastet sein. Er behielt recht.

Es gibt noch viele Dinge, die man diesem relativ kurzen Buch entnehmen kann. Lieber selbst hören/lesen und zu eigener Meinung kommen.

Egon Bar hat gut, klar und deutlich gelesen, Authentizität war dabei der große Vorteil, da er den eigenen Text las. Etwas langsam vllt, aber dafür hatte man genug Zeit und Raum, über das Gesagte nachzudenken. Zu der Aussprache von ch wie z.B. in „ungewöhnliche“ als gehauchtes h wie in „vehement“ konnte ich mich schnell gewöhnen.

Fazit: Ein sehr interessantes Buch über die dt Ost-/West Politik der Nachkriegszeit, das Lust auf mehr macht.

Hörbuch, Spieldauer: 4 Stunden und 36 Minuten, 2013, gelesen von Egon Bahr.

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