Einar Már Gudmundsson Vorübergehend nicht erreichbar

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Inhaltsangabe zu „Vorübergehend nicht erreichbar“ von Einar Már Gudmundsson

Eine Geschichte über menschliche Grenzsituationen: Einar Thor und seine Geliebte Eva sind schwer alkohol- und drogenabhängig. Während Einar in den Niederlanden in Untersuchungshaft sitzt, schreiben die beiden sich fast täglich, und weil sie sich noch nicht lange kennen, erzählen sie einander ihre Lebensgeschichte. Dank ihrer innigen Verbindung gelingt es ihnen schließlich, die Sucht zu überwinden. Nach seiner Entlassung vertraut Einar dem Schriftsteller Einar Már Gudmundsson ihren Briefwechsel an. Gudmundsson, der darin sein eigenes Alkoholproblem gespiegelt sieht, schreibt daraufhin eine Liebesgeschichte über die beiden und schreibt sich selbst mit hinein - ein einzigartiges Buch zwischen Realität und Fiktion.

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  • Rezension zu "Vorübergehend nicht erreichbar" von Angela Schamberger

    Vorübergehend nicht erreichbar

    savanna

    10. November 2011 um 20:19

    Wenn der Himmel in der Polarnacht über Monate dunkel bleibt, scheint der Mensch seine Aufmunterung nicht selten im Alkohol zu suchen. Das zumindest ist die gängige Erklärung zu dem hohen Alkoholkonsum in Ländern der nördlichen Breiten. Die ernüchternden Erfahrungen als (mittlerweile trockener) Alkoholiker verarbeitet der isländische Autor Einar Már Guðmundsson nun in seinem neuesten Werk. Den erbarmungslosen Spiegel vorgehalten hatte ihm über viele Jahre seine Frau, die seinen Konsum durchaus in Sorge beobachtete. Den Anstoß zu einer Entziehungskur und Therapie jedoch gab ein unerwarteter Brief, den der Autor von einem seiner begeisterten Leser erhielt: Einar Thor, Dealer in Untersuchungshalt, fand in Einar Márs Romanen Zuspruch und Halt. Darüber, wie die beiden Namensvettern das Schicksal der Sucht und die Dramatik des Entzuges teilen, handelt diese Neuerscheinung. Einar Thor schreibt jedoch nicht nur anerkennende Briefe an einen erfolgreichen Schriftsteller, sondern vor allem fast täglich an seine Freundin Eva. Das frisch verliebte Paar tauscht sich über ihre jeweiligen Drogenerfahrungen aus, während Einar Thor in Untersuchungshaft keinen Besuch empfangen darf. Gemeinsam wollen sie größtmöglichen Abstand zu den Drogen gewinnen und als Familie mit Evas Kindern ein normales Leben fern jeglicher Kriminalität führen. Den intensiven Briefwechsel zwischen Eva und Einar Thor hat Einar Már literarisch aufgearbeitet und mit Passagen seiner eigenen Drogenerfahrungen vermischt. Literarische Freiheit ist sicherlich auch hier zu finden, obwohl die Realität der Sucht und der Optimismus der Liebe überwiegt. Nicht zufällig trägt dieses Buch auch den Untertitel: Eine Liebesgeschichte. Der autobiographischen Roman ist sicher das persönlichste Buch Guðmundssons, der bereits mit „Engel des Universums“ international sehr erfolgreich wurde; einem Roman, der die Lebensgeschichte seines geisteskranken Bruders aufgreift. Wer nicht davor zurückschreckt, sich den psychologisch heiklen Themenfeldern Abhängigkeit und Verdrängung zu widmen, wird mit „Vorübergehend nicht erreichbar“ gleich von drei berührenden Lebenswegen erfahren.

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