Ekaterine Togonidze

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Ekaterine TogonidzeEinsame Schwestern
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Einsame Schwestern
Einsame Schwestern
 (5)
Erschienen am 19.02.2018

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Einsame Schwestern" von Ekaterine Togonidze

‚Ich kann ohne Diana nicht leben und sie nicht ohne mich.'
sabatayn76vor 5 Tagen

‚Ich kann ohne Diana nicht leben und sie nicht ohne mich. Diese Worte sind wahr, sie entsprechen den Tatsachen, sind kein romantisches Gefasel.‘ (Seite 31)

Diana und Lina sind siamesische Zwillinge: ‚zwei Nervensysteme, zwei Speiseröhren, 4 Lungenflügel, zwei Herzen, [...] eine Leber, zwei Gallenblasen, zwei Mägen, [...] drei Nieren, ein Mastdarm, ein Urogenitaltrakt, ein reproduktives Organ, weiblich‘ (Seite 121).

Die beiden Schwestern sind grundverschieden, fühlen sich von der permanenten Nähe zu einem anderen Menschen gestört und sind gleichzeitig einsam. Nichts gehört nur der einen Schwester, alles wird zwangsläufig geteilt - bis Diana das Tagebuch-Schreiben für sich entdeckt, wodurch sie endlich etwas gefunden hat, was nur ihr gehört. Auch Lina schreibt bald ihre Gedanken und Gefühle nieder, entdeckt, wie befreiend es ist, offen über ihre Eindrücke schreiben zu können und sie nicht mit Diana teilen zu müssen.

Die Mutter der beiden Schwestern ist bei der Geburt gestorben, ihr Vater von der Bildfläche verschwunden, als seine Freundin ihm von ihrer Schwangerschaft erzählte. Aufgewachsen sind die beiden Mädchen bei ihrer Großmutter, doch als diese stirbt, sehen die beiden Schwestern einer ungewissen und beängstigenden Zukunft entgegen.

Auf der Frankfurter Buchmesse bin ich zufällig auf den Roman von Ekaterine Togonidze aus dem Septime Verlag aufmerksam geworden, und nach der Lektüre freue ich mich, dass ich den Roman entdeckt habe, über den ich vollkommen unverhofft gestolpert bin und den ich ansonsten vielleicht nie entdeckt hätte.

Mich hat dieser eindringlich erzählte Roman, der einen seltenen Einblick in das Leben und das Leiden von siamesischen Zwillingen bietet, sehr berührt, bewegt und begeistert, denn er führt einem beim Lesen in voller Deutlichkeit und Erbarmungslosigkeit vor Augen, wie es ist, nie allein zu sein und kaum Privatsphäre zu haben.

Togonidzes Debütroman ‚Einsame Schwestern‘ ist in klarer, schnörkelloser, sachlicher Sprache geschrieben und ist trotz der Einfachheit und der kurzen Sätze anspruchsvoll.

Durch die drei Perspektiven (die Tagebücher von Diana und Lina sowie der Erzählstrang von Rostam Mortschiladze, der einen Brief vom Krankenhaus mit Beileidsbekundungen erhält, die er nicht versteht und die ihn wütend machen) ist der Roman ebenso packend wie abwechslungsreich, und durch die Tatsache, dass die Autorin die körperliche Behinderung der Schwestern mit großer Ehrlichkeit und Direktheit anspricht, ist der Roman meiner Meinung nach ein besonderer Buchschatz, den ich gerne und ohne jede Einschränkung empfehlen kann.

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-Leselust-s avatar

Rezension zu "Einsame Schwestern" von Ekaterine Togonidze

Bewegend und erschütternd
-Leselust-vor 14 Tagen

"Wo würde ich hinlaufen, wohin würde ich vor meiner Schwester fliehen? Oder vor mir selbst? Wie sieht das Leben aus, wenn man keine Gefangene ist?" (Aus Einsame Schwestern, S. 113)

Kurzmeinung:
Ein starkes Debüt aus Georgien. Ekaterine Togonidze erschafft mit Einsame Schwestern einen besonderen Roman mit außergewöhnlichen Protagonistinnen und einer außergewöhnlichen Erzählart. Die Geschichte der siamesischen Zwillinge Diana und Lina ist erschütternd und ergreifend. Ein besonderes Buch, das sich zu lesen lohnt.

Meine Meinung:
Die Frankfurter Buchmesse steht vor der Tür. In diesem Jahr ist das Gastland Georgien, weswegen viel interessante georgische Literatur ins Deutsche übersetz wurden. Auch ich habe also mal ein bisschen gestöbert, was georgische Autor_innen so zu bieten haben. Das Debüt von Ekaterine Togonidze hat mich gleich angesprochen.

Es ist wirklich ein besonderes Buch. Es erzählt die Geschichte von Diana und Lina. Die beiden Mädchen sind Schwestern. Aber nicht nur das. Sie teilen sich einen Körper. Von der Taille abwärts sind sie verbunden. Sind nie allein. Gleichzeitig leben sie versteckt bei ihrer Großmutter, dürfen nie raus, sind immer allein.


"Als wir noch Kinder waren, hat das nicht so wehgetan. Früher gab es Momente, in denen wir auch glücklich waren. (...) Es wird mir zu eng hier, in diesem kleinen Zimmer, uns fällt allmählich die Decke auf den Kopf. Das alles, diese Leere, macht mich schrecklich müde. Unser Leben besteht nur aus dieser Leere."
(Aus Einsame Schwestern, S. 17)

Doch das Leben für die Schwestern wird noch schlimmer. Als die Großmutter stirbt und das Haus durch ein Hochwasser zerstört wird, finden sich Diana und Lina schließlich im Zirkus wieder, wo sie körperlich und emotional misshandelt werden.

In Tagebuchform schreiben die beiden abwechselnd, was sie erleben und fühlen. Die Autorin schafft es dabei sehr gut, beiden eine eigene Stimme, einen eigenen Stil zu geben.
Diana, die viel nachdenkt, die Pragmatischere, die Starke.
Lina, die Sentimentale, Hoffnungsvolle und Naivere. Die Gedichte schreibt und sich sogar verliebt.

Dazwischen erfahren wir in kurzen Passagen auch immer etwas über Rostom, den Vater der beiden, der nichts von der Existenz seiner Töchter weiß. Erst hatte ich fast ein bisschen Mitleid mit ihm, weil er erst durch den Tod der Zwillinge von ihnen erfährt. Doch je mehr ich von ihm gelesen habe, desto wütender hat mich dieser Charakter gemacht!
Gleich am Anfang erfährt man als Leser*in mit Rostom zusammen, dass Diana und Lina sterben. Und so herrscht von Anfang an in dieser Geschichte eine sehr bedrückende Stimmung.

Die Zwillinge stellen sich oft die Frage nach dem Warum? Warum passiert so was? Warum ihnen? Will sie überhaupt jemand? Wie soll ein Leben für sie aussehen?

"Mir ist es peinlich, dass wir anders sind. Manchmal macht mich das alles fast verrückt. Warum passiert so was? Und warum ausgerechnet uns?"
(Aus Einsame Schwestern, S.13)

Auch wenn die Geschichte absolut trostlos ist, konnte ich es als Leserin doch ertragen, es zu lesen, was vor allem durch die Art und Weise herrührt, wie die Schwestern von ihrem Leben erzählen. Sie waren nie in der Schule und drücken sich eher einfach aus. Außerdem wuchsen sie isoliert auf und wissen wenig von der Welt. So beschreiben sie oft sehr naiv und unwissend, was ihnen passiert. Sie erleben die Dinge anders, als andere es vielleicht täten, weil sie Vieles nicht verstehen. Das schafft irgendwie auch eine gewisse Distanz und macht die Geschichte für mich erträglicher zu lesen.

"Unsere Mutter konnte friedlich sterben, weil sie uns nicht alleine zurückließ, wir haben einander, und so wird es bleiben. Ich kann ohne Diana nicht leben, und sie nicht ohne mich. Diese Worte entsprechen den Tatsachen, sind kein romantisches Gefasel."
(Aus Einsame Schwestern, S. 31)


Fazit:
Dieses Buch ist wirklich besonders und sticht aus anderen Romanen heraus, sowohl was die Themenwahl angeht, aber auch was Aufbau und Schreibstil betrifft. Eine absolut bewegende und erschütternde Geschichte über das Schicksal der siamesischen Zwillinge Lina und Diana, die so gerne leben wollten, und denen das Leben nur Kummer und Leid zu bieten hatte. 

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linasues avatar

Rezension zu "Einsame Schwestern" von Ekaterine Togonidze

dramatische Geschichte
linasuevor 2 Monaten

★★★★★ (5 von 5 Sterne)

Inhalt:
Die Zwillinge Lina und Diana könnten unterschiedlicher nicht sein. Wie gern würde jede ihr eigenes Leben leben, doch Lina und Diana teilen sich einen Körper – Für immer verbunden, versuchen sie, aus ihrer Lage, das Leben zu meistern.

Lina und Diana wachsen bei ihrer Großmutter auf. Versteckt und gefangen auf dem Grundstück, denn die Gesellschaft duldet solch Behinderungen nicht. Doch als eines Tages die Großmutter stirb, stehen Lina und Diana alleine da. Nach einer großen Flutwelle, die den Ort überschwemmt, finden sich Lina und Diana im Krankenhaus wieder. Sie empfinden die Pflegekräfte als sehr nett, doch der Schein trügt. Denn als der Chefarzt die beiden an einen Zirkus verkauft, geht das Mertürium erst richtig los.

Rostom, der Vater der beiden siamesichen Zwillinge erfährt plötzlich von deren Existens, doch durch einem tragischen Unglück, lernen sich Vater und Töchter nicht kennen – Rostom erfährt über Linas und Dianas Tagebücher, welch schlimme Zeit sie durch machen mussten. Dabei wollten sie doch nur normal leben.


Meinung:
Ein Roman der sehr dramatisch beschrieben wird. Die siamesichen Zwillinge kennen das richtige Leben nicht, doch von jetzt auf gleich, müssen sich beide durchkämpfen und erleben Höhen und Tiefen. Mich hat diese Geschichte sehr fasziniert. Zum einen, weil ich vorher noch nie eine Geschichte mit siamesischen Zwillingen gelesen habe. Zum anderen, zu erfahren, wie beide mit einem Körper ihr Leben meistern.


Das Cover:
Das Cover zeigt zwei junge Frauen, welche sich sehr ähnlich sehen. Dennoch kann ich die Frauen auf dem Cover nicht mit Lina und Diana in Verbindung bringen. Meine Vorstellung, war beim Lesen komplett anders. Das Cover ist schön gestaltet, sagt aber denn noch nichts über die Geschichte aus.

Die Geschichte:
Man erfährt die Geschichte von Lina und Diana in abwechselnden Szenen. Zwischendurch lernt man den Vater Rostom besser kennen. Die Geschichte hat eine Dramatik, die einem fesselt und nicht mehr los lässt.

Die Charaktere:
Lina und Diana sind zwar Zwillinge, aber Charakterlich komplett verschieden. Lina ist die etwas naivere, die sehr emotional reagiert. Diana ist eher die toughe, die sich nicht so schnell übers Ohr hauen lässt. Rostom kann Anfangs gar nicht aktzeptieren, dass er solch Töchter mit Behinderung har,nur langsam freundet er sich mit dem Gedanken an und fängt an zu aktzeptieren.

Der Schreibstil:
Der Schreibstil ist schön lesbar. Die Schrift ist nicht zu klein und zB. Bei den Tagebucheinträgen, stehen immer Linas oder Dianas Namen darüber, wodurch es zu keiner Verwechslung kommt.

Fazit:
Eine tragische Geschichte, die mit Emotion und Gefühl überzeugen kann. Lina und Diana haben sich in mein Herz geschlichen und deshalb möchte ich jedem, der spannende Romane liebt, dieses Buch empfehlen.

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