Ekkehart Mittelbergs neuer Gedichtband besteht, wie im Titel angedeutet, aus zwei Teilen, aus Sonetten über Dichter und über das Leben. Es sind viele Gedichte dabei, die man gerne ein zweites und drittes Mal liest.
Die Sonette auf die Dichter und Dichterinnen im ersten Teil des Bands bestechen durch zwei Merkmale: Dem Autor ist es zum einen gelungen, bekannte Charakteristika der einzelnen Dichter so darzustellen, dass Leserinnen und Leser mit kleinen „Aha“-Erlebnisse daran anknüpfen können. Dadurch wird eine Spannung zwischen Text und Lesern hergestellt: Erwartungshaltungen werden durch die Titel der Sonette geweckt und durch die Inhalte erfüllt, vielleicht ein wenig anders, als die Erwartungen sind; aber das kann dann interessant und aufschlussreich sein.
Es ist Mittelberg zum anderen gelungen, die relative starre Form des Sonetts mit poetischem Leben zu füllen. Das ist deshalb hervorzuheben, weil er ja nicht nur durch die äußere Form des Sonetts „eingeengt“ war, sondern zusätzlich auch durch die Aufgabe, die er sich gestellt hat, nämlich von den jeweiligen Autorinnen und Autoren und deren Werken Typisches und Wichtiges zu zeigen. Trotz dieser Einschnürungen sind ihm leichte, lesbare Zeilen gelungen, die das Formale in keiner Weise überdeutlich, eher wie selbstverständlich machen und das Inhaltliche nicht vernachlässigen. Hervorheben kann man, wenn man das überhaupt will, das Sonett auf Oscar Wilde. Eine Anfangszeile wie „Der Hochmut tänzelt leicht durch deine Werke“ oder Schlusszeilen wie „Wer reuig umkehrt, wird vor Gott bestehen. / Verengt, wer über Gnade räsonieret?!“ sind gleichzeitig poetisch und genau. Sie zeigen, wie gut Mittelberg die Sprache für seine dichterischen Zwecke einsetzt.
Im zweiten Teil waren Mittelberg durch inhaltliche Vorgaben keine Fesseln angelegt. Er konnte deshalb die Form des Sonetts freier und „geschmeidiger“ behandeln. So ist viel Überraschendes entstanden. Der romantisch-melancholische Grundton nimmt den Leser ein und nimmt ihn mit auf kleine Reisen in sommerliche Gefilden oder zu Tanzabenden der Jugendzeit.
Die Gedichte tragen Titel wie „Morgenlicht auf deinen Wangen“, „Aus den Wolken gefallen“, „Sommerseligkeit“, „Schwerelos“ und „Fröhliche Herbstgedanken“. Immer wieder stößt man auf Zeilen, die nachdenklich, aber auch fröhlich stimmen. Ein Vers zum Beispiel wie „Asche wird einst eine Rose sein.“ (aus „Fröhliche Herbstgedanken“) wird in manchem Leser oder in mancher Leserin für eine geraume Weile haften bleiben.
Und dann gibt es da auch noch das Sonett mit dem Titel „Selbstironie“. Es gehört sprachlich mit zu dem Besten, was der Band zu bieten hat, ist spritzig-ironisch und zeigt den freien, selbständigen „Geist“ des Autors. Kritik kann ihm nicht so schnell etwas anhaben. - Kritik ist bei diesem Band allerdings sowieso nicht notwendig. Im Gegenteil: Mittelbergs neuer Gedichtband kann rundum empfohlen werden.


