„Noch eine Geschichte! Noch eine Geschichte!“, rufen die beiden Kater Puck und Ajani, als ich die Datei auf dem Tablet schließe. Pucks buschiger Schwanz bewegt sich langsam nach unten. Er schaut zu Boden. Die Norweger mit dem hellen Fell sind traurig, weil das Buch zu Ende ist. Puck trottet nun in die Küche, in der Hoffnung, dass es nun wenigstens Leckerlis gibt. Sein Bruder Ajani hockt sich in den nächstbesten Karton. Dort sitzt er und denkt noch eine Weile über das Gehörte nach. Zumindest sieht es so aus, während er in die Leere starrt.
Wir haben gerade die Katzenanthologie „Eine Schnurrhaarspitze voll Magie“ beendet. Ich gebe ihnen einen Moment, bevor ich sie frage, wie es ihnen denn gefallen hat. Das ist die Meinung der beiden Experten für die Materie:
Zunächst einmal lieben alle beide die Abwechslung in den Geschichten. Obwohl jeder einzelne Beitrag aus der Sicht einer Katze oder eines Katers erzählt ist und sie alle in fantastischen Welten spielen, ist es eine bunte, sehr unterschiedliche Mischung geworden. Die eine Story ist so richtig cozy und süß. Die nächste Kurzgeschichte fühlt sich düster und einsam an. Dann ist da etwas Action, oder es ist wird märchenhaft oder emotional. Dadurch wurde es nie langweilig.
Als ich die Kater gefragt habe, was denn jeweils ihr Favorit war, mussten sie ganz schön nachdenken. Puck sagt, er mochte am liebsten die ruhigen, nachdenklichen, fast philosophischen Geschichten, also „Lachs in der Erinnerung von Berglöwen“ von Eve Skillane und „Das neunte Leben“ von Kerstin Pernegg. Ajani hingegen hat die „Katzenvilla“ von Mitherausgeberin Ela Bellcut super gut gefallen. Beide sagen mir, sie hätten gerne mehr von der „Zugkatze“ von Sam Bale gehört. Die Idee habe Potential und die Geschichte war dafür viel zu schnell vorbei, beschwert sich Ajani. Am Ende, bei „Der Haarballen des Apothekers“ von K. C. Wiefelspütz haben sich die Brüder die ganze Zeit komisch angeschaut. Als würden sie sich bei etwas ertappt fühlen …
Ein Detail fanden beide recht witzig, doch Puck war es zuerst aufgefallen. Er meinte: „Die eine Katze, die heißt ja fast wie du!“
Damit meinte er Mauve aus „Galaktische Diebe“ von Anna-Lena Strauß. Ja, das war für uns alle eine große Überraschung.
„Und was ist eure abschließende Bewertung?“, frage ich schließlich. Puck starrt mich aus großen, ratlosen Augen an. „Wie meinst du das?“
„Na, man verteilt Sterne oder Punkte an Bücher.“
Der Kater überlegt kurz, dann meint er, er würde gerne Thunfischdosen verteilen. Also gut, verteilen wir eben Thunfischdosen.
Ajanis Bewertung lautet: Volle Thunfischdosenzahl!
Er ist leicht zu begeistern, liegt gern neben mir auf dem Sofa bei einem gemütlichen Abend und liebt Menschen, also liebt er auch die Geschichten, die sie sich erzählen. (Obwohl in Wahrheit natürlich jede Erzählung aus der Feder einer Katze stammte ;)) Für ihn war schon das Lesen ein Erlebnis.
Puck, der sehr gerne mit uns Serien und Filme schaut, ist bei Medien etwas kritischer. Er vergibt vier Thunfischdosen, weil er wusste: Da geht noch mehr! Die Geschichten waren sehr schön und gut ausgewählt, doch es hat ihm noch die eine gefehlt, die ihn so richtig umgehauen hat und noch in Wochen beschäftigt.
Ich streichele den beiden zum Abschluss über den Kopf, bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit und schicke ein kleines Kopfstoßen sowie ein Schnurren an die Herausgeberinnen Anne Danck und Ela Bellcut. Ihr habt da was Cooles auf die Pfoten gestellt!
Zum Abschluss die Info an alle Tierfreund*innen: Die Einnahmen gehen komplett an Tierheime! Diesen Ort mussten meine beiden Fellnasen bisher nicht aufsuchen, doch sie wissen, dass die Tiere und Zweibeiner dort jede Hilfe brauchen können.