Elaine Pagels , Karen L. King Das Evangelium des Verräters

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Inhaltsangabe zu „Das Evangelium des Verräters“ von Elaine Pagels

War Judas gar kein Verräter? Das 2006 veröffentlichte Evangelium des Judas erregte weltweit Aufsehen. Judas erscheint hier als der Lieblingsjünger Jesu. Den zahlreichen Spekulationen um den rätselhaften Text setzen die bekannten Expertinnen Elaine Pagels und Karen L. King eine seriöse, zugleich spannende Darstellung entgegen und zeichnen das eindrucksvolle Bild eines frühen Christentums, das von harten Glaubenskämpfen, schillernden Experimenten und zutiefst menschlichen Leidenschaften geprägt war.

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  • Rezension zu "Das Evangelium des Verräters" von Elaine Pagels

    Das Evangelium des Verräters
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    20. April 2011 um 13:36

    Schon lange hatte man vermutet, dass es ein Judasevangelium geben müsse, vor allem durch die Hinweise seiner frühchristlichen Kritiker. 1978 endlich wurde es überraschend in Mittelägypten gefunden. Doch erst 2002 durften die Wissenschaftler sich mit dem zerbröselnden Codex befassen. Das taten sie dann sehr intensiv und so konnte 2006 eine erste Übersetzung veröffentlicht werden. Sie wurde damals vom Sender National Geographic weltweit im Fernsehen übertragen und erregte einiges Aufsehen, wird doch in diesem Evangelium Judas Ischariot, der Jesus nach den Überlieferungen des Neuen Testamentes für 30 Silberlinge verriet zu d e m Lieblingsjünger Jesu, der in einer Art Geheimwissen allein die wahre Bestimmung seines Herrn und Meisters Jesus kennt. Natürlich haben sich insbesondere in den USA sofort zahlreiche Verschwörungstheoretiker und Esoteriker auf das Evangelium gestürzt und es für ihre jeweiligen Interessen zu instrumentalisieren versucht. Elaine Pagels, die einem deutschen theologisch interessierten Publikum schon seit ihrem 1987 bei Suhrkamp veröffentlichen Buch Versuchung durch Erkenntnis. Die gnostischen Evangelien" bekannt gewordene Religionswissenschaftlerin hat nun zusammen mit der Kirchenhistorikerin Karen L.King zum ersten Mal eine Ausgabe des Judasevangeliums vorgelegt und sie um einen ausführlichen Kommentar ergänzt. Besonders lesenswert auch für ein theologisches Laienpublikum, aber auch für jeden Berufstheologen erhellend und informativ ist ihre kirchen- und religionsgeschichtliche Einführung unter dem Titel Das Evangelium des Verräters", das auch dem ganzen Buch seinen Namen gab. Wie in keiner anderen uns heute bekannten Schrift des frühen Christentums", schreibt Elaine Pagels in ihrem Vorwort, spürt man im Judasevangelium diese schmerzliche Leidenschaft und Wut, wie sie manche Christen angesichts des grausamen Todes ihrer Angehörigen und Freunde empfunden haben müssen: die qualvolle Hinrichtung durch die römischen Behörden. Diese Wut richtete sich jedoch weniger gegen die Römer als gegen die eigenen christlichen Führer, die die Christen aufforderten, das Martyrium als gottgewollt auf sich zu nehmen, gleichsam als benötigte Gott diese gemarterten Körper zu seinem Ruhm. Und wir spüren in diesem Text die instinktive Weigerung einen solchen Gott anzubeten." Man kann sich vorstellen, warum dieses Evangelium von den schließlich im Glaubensstreit des frühen Christentums siegreichen Theologen so vehement bekämpft wurde: die totale Infragesellung des Todes Christi als Opfer und die Ablehnung der Sinnhaftigkeit des Martyriums legen die Hand an die gerade sich bildenden dogmatischen Fundamente des Christentums. Erst in der Neuzeit wurde, vor allem durch die feministische Theologie diese Opfertheologie wieder stark in Frage gestellt. Die beiden Autorinnen vertreten eine differenzierte Haltung und kommen zu folgender vorläufigen Bewertung: Schriften wie das Judasevangelium gehören nicht in den Kanon, sie gehören aber auch nicht aus dem Bewusstsein getilgt. Ihr Platz ist vielmehr in der Geschichte des Christentums, wie wir versucht haben zu zeigen. Viele dieser Texte sind jedoch zugleich Teil einer Literatur der spirituellen Erneuerung, die von Christen vor mehr als tausendfünfhundert Jahren geschrieben, gelesen, in Umlauf gebracht und geliebt wurden. Diese Texte faszinieren uns bis heute. Schließlich gelangt auch der Verfasser des Judasevangeliums über seinen Zorn hinaus zur Offenbarung -wenn beispielsweise Jesus die Jünger auffordert , ,den vollkommenen Menschen hervorzubringen' und dem Judas das strahlende, von Gottes Liebe erleuchtete Reich des Geistes offenbart. Die Erforschung dieser Texte bereichert also nicht nur unsere Kenntnis von Vergangenheit und Gegenwart, sie eröffnet uns auch Perspektiven, die sehr viel breiter gefächert sind, als uns der überlieferte Kanon glauben machen will." Ein für Theologen und interessierte Laien gleichermaßen empfehlens- und lesenswertes Buch, das in der Lage ist, die Diskussion um die Bedeutung von Jesu Tod zu bereichern und ggf. zuzuspitzen. Ob es wirklich glaubhaft und plausibel ist, dass Jesus seinen eigenen Opfertod selbst herausgefordert hat, weil er Judas zum Verrat sozusagen anstiftete, sei hier dahingestellt. Weitere Forschungen werden zeigen, welche Rolle das neu entdeckte Judasevangelium in der frühchristlichen Literatur, der Kanonbildung und der Dogmen- und Apologiegeschichte gespielt hat. Höchste Anerkennung gebührt den beiden Autorinnen für die Präsentation eines ansonsten nur den Fachleuten vorbehaltenen Themas für ein breites, interessiertes Publikum. Professionelle Theologen, die im Verkündigungs-und Predigtdienst stehen, können mit diesem Buch ihre eigene Passionstheologie einer erneuten Prüfung unterziehen.

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