Cover des Buches Unter einem Banner (ISBN: 9783960891772)D
Rezension zu Unter einem Banner von Elea Brandt

Mittelalter Fantasy für jedermann

von Dominique_Stalder vor 4 Jahren

Review

D
Dominique_Staldervor 4 Jahren
Inhalt (Klappentext)
Blutroter Schnee. Brennende Zelte. Sterbende Kameraden.
Jede Nacht durchleidet Reykan erneut die Schrecken des Krieges, in dem er mehr verloren hat als nur eine Schlacht. Reykan sehnt sich nach Frieden, aber sein Pflichtgefühl kettet ihn an den Königshof und zwingt ihn mitten in die Unruhen, welche die Hauptstadt in Atem halten. Als feindliche Truppen die Mauern stürmen und der König vor Reykans Augen stirbt, fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, den verwöhnten Kronprinzen Benrik in Sicherheit zu bringen.
Gejagt von skrupellosen Gegnern geraten die beiden ungleichen Männer immer wieder aneinander, bis Reykan beginnt, hinter Benriks Fassade zu blicken. Doch ihre Verfolger kommen näher und Reykan muss sich fragen, wie viel er wirklich für Benrik empfindet und was er bereit ist, für ihn zu opfern.

Ich habe das Buch extrem schnell durchgelesen. Das spricht ganz klar für den Schreibstil von Elea und auch ihre Spannungskurve ist gut gewählt. Man wollte stets weiter lesen. Das ist schon essentiell für ein gutes Buch und "Unter einem Banner" hat das voll erfüllt.

Die Charaktere sind vielseitig und glaubhaft. Ich kann Reykan verstehen, auch wenn er mir gerade zu Beginn ein wenig weinerlich erscheint. Ich bin ein klarer Benrik Fan. Aber auch abseits der beiden gibt es viele unterschiedliche Personen, die man entdecken kann.

Was mir besonders gut gefallen hat, sind die "Kleinigkeiten". Hier wird erklärt, wie man Tau sammelt, um genug Wasser zu haben, dort wird die Nahrung rationiert. Politisches Kalkül, Verhandlungen und Lehren aus dem Geschehenen runden das Buch stets wunderbar ab. Sie geben Leben, Tiefe und machen Spaß.

Nicht gefallen... da muss ich vor allem die Endschlacht nehmen. Die Handlungsweise von Harrenstein ist für mich nicht nachvollziehbar. Mit den Rankanern hat er einen mächtigen Verbündeten, aber statt sich vom Meer aus zu versorgen und auf Verstärkung zu hoffen, wagt er einen Ausfall gegen eine in etwa gleich starke Gegnergruppierung. Das ist schlicht dumm. Reykan erobert den Tribok des Gegners und nutzt ihn nicht. Warum? Er ist immer derart um seine Männer besorgt, dass es wie Hohn klingt, diese Waffe nicht gegen den Feind einzusetzen. Weniger Opfer auf der eigenen Seite wären die Folge gewesen. Natürlich könnte man argumentieren, er hat einen Schlag weg, wegen der Belagerung zu Beginn, aber mich befriedigt das nicht. Überhaupt erscheint mir der Thronraub "zu klein". Die Stadt wirkt riesig, allein dafür müsste die Garde nicht klein sein. 200 Rankaner erscheinen dann doch eher mickrig. Selbst mit Bestechung und Drohungen. Theoretisch müsste man genug Truppen haben, um das Volk zur Not im Schach zu halten. Oberflächlich scheint das alles in Ordnung zu sein, aber ich hatte mir hier mehr erhofft.

Homosexualität im Buch
Ich wusste, dass dies ein Thema ist, daher nehme ich auch alle subjektiven Empfindungen diesbezüglich aus der Bewertung, möchte aber dennoch ein paar Worte darüber verlieren.

Ist es nötig, dass Reykan schwul ist? Ganz klare Antwort: JA. Die Liebe und der Verlust von Kadur ist wichtig. Eine einfache Kameradschaft hätte hier nicht genügt. Reykan ist innerlich gebrochen und das wäre anders nicht glaubhaft.

Die Annäherung der beiden ist logisch und wohl dosiert. Die beiden längeren Sexszenen hätten aber meines Erachtens deutlich kürzer sein dürfen und können von den Lesern, die das ähnlich empfinden, übersprungen werden, ohne die Handlung zu missachten. So könnte man hier tatsächlich argumentieren, dass man den Sex hätte weg lassen können... aber gut, wer es mag.

Schwieriger habe ich empfunden, wie steht das Reich zur Homosexualität? Der Prinz lebt es recht offen, aber er ist der Skandalprinz. Reykan verheimlicht es im Feld und nur auf Rabenstein lebte er es offen. Graf Harrenstein bezeichnet die Vorliebe als krankhaft. Hier ist meines Erachtens viel Potential verschenkt worden. Die Normalität von Homosexualität hätte gerade in solchen Situationen deutlicher hervorgehoben werden können.

Ich mag so Gay-Stories ja nicht, soll ich das Buch dennoch lesen?
Auch hier ein klares JA. Die beiden Sexszenen kann man überfliegen, wenn es einen stört, aber der Rest ist eine tolle, leicht zu lesende und spannende Lektüre, die sich lohnt.

Ich hab viel gemeckert, oder? Nun ... dennoch will ich hier gern 4 Sterne vergeben. Das Buch hat mich unterhalten, ich hatte Spaß am Lesen. Der Stern Abzug resultiert aus den Ungereimtheiten um Sturz und Rückeroberung der Hauptstadt, wobei diese nicht unbedingt der Fokus des Buches sind.
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