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Blaetterwind

vor 3 Monaten

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Handlung: 
Eleanor Herman erzählt die Geschichte von Alexander dem Großen neu mit einem Touch von Fantasy-Elementen. In der Welt von "Schattenkrone" gibt es die Blutmagie und Kat, die Handlungsträgerin, beherrscht diese: Sie hat die Fähigkeit, in die Gedanken von Tieren einzudringen und mit ihnen kommunizieren. Kat verschlägt es in den Palast, wo sie dem Geheimnis ihrer von der Königin getöteten Mutter auf die Spur kommen möchte. Aber auch die anderen Figuren verfolgen ihre eigenen Ziele und so kommt es zu Intrigen des Reichs. 


Meine Meinung:
An und für sich empfinde ich die Idee, die Herman mit diesem Buch zu realisieren versucht, toll. Das Buch versucht durch die Einteilung in die fünf Akte und einigen Aristoteles-Zitaten einen antiken Stil nachzuahmen. Im Grunde genommen erzählt sie die Geschichte von Alexander dem Großen mit Fantasy-Elementen und einer großen Portion Romantik neu. Die Figuren, die sie erwähnt, sind größtenteils historische Persönlichkeiten, die es wirklich gab. Sie versetzt sie sich insgesamt in die Perspektive von sieben Figuren, die alle ihre eigenen Ziele verfolgen und damit einander ausspielen möchten. 
Der Schreibstil ist für das Jugendbuchformat ansprechend, jedoch nicht herausragend. Es liest sich flüssig und die Kapitellänge ist recht angenehm. 
Vorweg: das Buch ist wirklich spannend und hat sicherlich auch die guten Rezensionen verdient. Für mich persönlich haben sich aber zu viele Ungereimtheiten aufgetan, namentlich:


- Es ist zu viel und zu wenig zugleich: Aufgrund der vielen Figuren und Perspektiven kann schnell mal Verwirrung aufkommen. Gleichzeitig ist aber nicht genug Zeit da, um sich mit den Hauptfiguren auseinanderzusetzen und charakterliche Tiefe zu entwickeln. Ein Handlungsstrang kommt sogar nicht einmal in jedem Akt vor. Teilweise erinnert es mich ein wenig an "Das Lied von Eis und Feuer". DLvEuF nimmt sich aber viel mehr Zeit für die Entwicklung der Handlung und für die Skizzierung der Figuren. Schattenkrone schafft dies nicht.


- Die Figuren handeln zu schnell: Mit dem ersten Punkt verbunden sind auch die teilweise komischen Figuren zu erklären. So kommt es, dass die Figuren teilweise total unverständlich handeln. Zuweilen wirkt es so, als würden sie nicht einmal nachdenken, sondern einfach tun, was mich während des Lesens extrem auf die Palme gebracht hat. Die Figuren und deren Entwicklungen wirken dadurch plakativ, irgendwie nicht authentisch, weil sie sich in dieser Szene eben so und genau so verhalten müssen, damit es dem Plot dient und um die Spannungskurve aufrecht zu erhalten.


- So wirklich antik wirkte es nicht: Zwar sind die malerischen Settings und Beschreibungen teilweise sehr schön gemacht und machen auch Spaß, dennoch hat Herman es oft nicht geschafft, mir das Gefühl zu geben, dass ich mich gerade in der Spätantike befinde. Das fängt allein schon damit an, dass die Spitznamen der Figuren sehr englisch klingen (Alexander -> Alex, Hephaistion -> Heph, Katerina -> Kat), aber auch Erwähnungen über Hexen (Mittelalter!), Pappmaché (300 v. Chr. gab es kein Papier), etc. machten es für mich moderner, als ich es gerne gehabt hätte. Zwar wird durch die Einteilung in die fünf Akte nach Horaz versucht, das ganze antik aufzubauen, aber wieso zieht man diese Idee nicht konsequent durch? Mit einem Chor oder dem klassischen Aufbau des antiken Dramas? Die Übergänge zwischen den Akten ist m.E. willkürlich und dient nur dem Schein, um es irgendwie antik wirken zu lassen. Auch gibt es zu jedem neuen Akt ein Zitat von Aristoteles, das teilweise gar nicht zum Kapitel passt und überhaupt nicht plausibel wirkt.


- Es funktioniert nicht wirklich als Fantasy: Zwar gibt es durchaus einige schlüssige Fantasy-Elemente, aber das ganze wirkt sehr undurchsichtig. Ich hatte während des Lesens nicht das Gefühl, in die Welt einzutauchen, sondern lediglich mitzuverfolgen, was mir von dem Erzähler erzählt wird. Oft wird einem von der Autorin die Magie erklärt, und nicht gezeigt. Das wirkte teilweise nicht sehr elegant und aufgepfropft. Ich glaube, es hängt u.a. damit zusammen, dass die Magie wieder sehr losgelöst vom antiken Motiv war. Dabei bietet die Mythologie und auch die Geschichte selbst genug, worauf man hätte aufbauen können. Stattdessen hat sich die Autorin dafür entschieden, ihre eigenen Riten und Fähigkeiten einzufügen, die in einigen Kapitel sehr präsent sind, im Großteil des Buchs jedoch kaum Erwähnung finden.


Fazit: 
Das Buch ist sicherlich für einige Person sehr empfehlenswert. Als Jugendbuch macht es viel richtig: Der Sprachstil ist flüssig, es bleibt spannend und lässt sch gut nebenbei lesen. Es gibt erstaunlich viele romantische Szenen, die einen bei Laune halten können. Dennoch ist das Buch für mich aufgrund der genannten Punkte enttäuschend gewesen: Kann gut sein, dass die fehlende Zeit im zweiten Band wieder wett gemacht wird. Ich würde darauf aber nicht wetten. Es hätte schon viel geholfen, wenn man ein oder zwei Handlungsstränge weggelassen und sich dafür auf die wichtigeren Passagen konzentriert hätte. So sehe ich nur sehr viel liegengelassenes Potential.

Autor: Eleanor Herman
Buch: Schattenkrone - Royal Blood
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