Ich habe selten so ein gehaltvolles und interessantes Sachbuch gelesen. An vielen Beispielen, Quellentexten und über viele Klassen hinweg führt uns die Autorin durch das Leben von mittelalterlichen Frauen. Ob Nonnen, Bäuerinnen, Handwerkerinnen oder Adlige: "Frauen haben immer viel gearbeitet. Neben ihren häuslichen Pflichten hatten sie Aufgaben in der Landwirtschaft, beim Brauen usw und arbeiteten viele Stunden mehr als die meisten Männer. Die Vorstellung, dass Frauen bis vor Kurzem nicht gearbeitet hätten, ist ironischerweise eine moderne Konstruktion. Woher kommt dann diese Vorstellung? Frauen wurden weniger als Individuen und vielmehr als Objekte verstanden. Sie wurden durch Eheschließung übergeben, um an der Seite ihres Ehemanns produktiv zu arbeiten und nebenbei auch für das Weiterleben der Familie durch Kinder zu sorgen."
Tolle Schmankerl (Aristoteles war ein fucking Frauenhasser; Studenten waren gleichzeitig Teil des Klerus, daher konnten Frauen nicht an Universitäten zugelassen werden; Prostituierte waren Sünderinnen, ihre Klienten aber nicht) wechseln sich ab mit sachlicher Analyse alter Texte. Am Ende lässt sich festhalten:
"Der größte Teil der mittelalterlichen Denkens über Frauen wurde von Männern für Männer niedergeschrieben, auf der Basis von Werken, die wiederum Männer verfasst hatten."
Die "ideale Frau" als männliches Konstrukt- Say no more.



