Elena Chizhova

 3.7 Sterne bei 9 Bewertungen
Autorin von Die stille Macht der Frauen, Die Terrakottafrau und weiteren Büchern.
Elena Chizhova

Lebenslauf von Elena Chizhova

Elena Chizhova wird 1957 in Leningrad geboren. An einer Universität studierte sie Wirtschaftswissenschaften. Nach beendetem Studium war sie zunächst in der freien Wirtschaft tätig. Mitte der 90er Jahre entschied sie sich dazu sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. Ihre Romane wurden schon mehrfach ausgezeichnet. "Die stille Macht der Frauen" erhielt 2009 sogar den angesehnen Booker Preis. Elena Chizhova ist Vorsitzende der Sankt-Petersburger Sektion des PEN-Clubs.

Alle Bücher von Elena Chizhova

Die stille Macht der Frauen

Die stille Macht der Frauen

 (9)
Erschienen am 01.06.2012
Die Terrakottafrau

Die Terrakottafrau

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Erschienen am 23.10.2015
Lavra. Das Kloster, russische Ausg.

Lavra. Das Kloster, russische Ausg.

 (0)
Erschienen am 10.08.2012
Planeta gribov

Planeta gribov

 (0)
Erschienen am 15.06.2014
The Time of Women

The Time of Women

 (0)
Erschienen am 01.02.2012

Neue Rezensionen zu Elena Chizhova

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Rezension zu "Die stille Macht der Frauen" von Elena Chizhova

Rezension zu "Die stille Macht der Frauen" von Elena Chizhova
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Mit ihrem mit dem russischen Booker-Preis ausgezeichneten Roman führt die Schriftstellerin Elena Chizova ihre Leser in die Zeit der Sowjetunion der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Stalin ist 1953 gestorben und ein leichtes Tauwetter hat eingesetzt. Dennoch ist es für Menschen, die anders sind, anders denken und anders fühlen und vor allen Dingen anders handeln, als es in der gleichgeschalteten Diktatur erlaubt und vorgegeben ist, schwer ihre Existenz zu fristen.

Elena Chizova erzählt in ihrem berührenden Roman von drei alten Frauen, denen es über Jahre hinweg gelingt, ihre Selbstständigkeit zu behalten und die Behörden im Schach zu halten. Eine junge Frau, Antonia, findet mit ihrer kleinen Tochter Susanna Unterkunft in einer Gemeinschaftswohnung. Nach den ersten eher holprigen Versuchen gelingt es Antonia zu den bisherigen Bewohnerinnen der Wohnung, den alten Frauen Ariadne, Glikerija und Jewdokia so etwas wie eine Beziehung aufzunehmen.

Die beiden alten Frauen, deren Erinnerungen und Gespräche sich immer um wichtige Begebenheiten und politische Zusammenhänge in der Vergangenheit drehen, nehmen sich der kleinen Susanna an. Das Mädchen hat einen in der damaligen Sowjetunion großen Makel: es spricht nicht. Als Susanna das Kindergartenalter erreicht, wird die Lage prekär.

Doch die drei alten Frauen, mitten im verordneten Atheismus ihren christlichen Glauben lebend, schaffen es, ihre Angst zu überwinden und treten mit Mut und Kraft, einer faszinierenden Phantasie und großem Mutterwitz der allmächtig scheinenden Bürokratie entgegen, die schon an Antonias Arbeitsplatz anfängt.

Es ist dieser sich auch in der hervorragenden sprachlichen Umsetzung von Elena Chizova zeigende Eigensinn, der die Bedrückung und die mit einer lähmenden Angst infiltrierte gesellschaftliche Atmosphäre dieser Zeit für den Leser und wohl auch für die Protagonisten selbst erträglich macht. Sie sind sich ihrer stillen Macht sehr wohl bewusst, haben nichts mehr zu verlieren und retten so ein kleines Mädchen vor einem ungewissen Schicksal.

Man muss dieses wunderbare Buch sorgfältig lesen, die von der Übersetzerin Dorothea Trottenberg am Ende angebotenen historischen Erklärungen immer wieder durchlesen. Dann kann man dem Ablauf der Ereignisse und der anspruchsvollen Sprache Chizovas sehr gut folgen.
Dorothea Trottenberg hat das Buch in gewohnter Sachkenntnis ihres historischen Gegenstandes übersetzt. Etwa zeiggleich mit dem Erscheinen dieses Buches bei DTV hat sie für herausragende Übersetzungen ins Deutsche den mit 15.000 Euro dotierten Paul-Celan-Preis 2012 bekommen für ihr Gesamtwerk.

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Rezension zu "Die stille Macht der Frauen" von Elena Chizhova

Rezension zu "Die stille Macht der Frauen" von Elena Chizhova
michael_lehmann-papevor 6 Jahren

Vom großen Mut

Es war keine einfache Zeit für Menschen, gerade weibliche, die anders dachten, anders waren. Für Frauen, welche die Individualität und die innere Freiheit als Wert nach oben setzten und dementsprechend lebten. Nicht nach außen, unbedingt, wohl aber im ,Kleinen“, im Inneren.
Es war keine einfache Zeit für so etwas Ende der 50er Jahre im Russland kurz nach dem Tode Stalins, in dem Misstrauen, Gleichschaltung, Diktatur herrschte.

Keine einfache Zeit also für Ariadne, Glikerija und Jewdokia, jene drei älteren Frauen, von denen dieses leise, hintergründige und berührende Buch vor allem handelt. Drei Frauen, die gar nicht anders können, als dem ihnen anvertrauten Kind, Susanna, genau jene Werte angedeihen zu lassen und vorzuleben, die ihnen selbst wesentlich und wichtig sind. Das kränkliche Kind einer Mitbewohnerin, das besondere Betrauung zu Hause benötigt. Eine Betreuung, die Antonia, die Mutter, nicht leisten kann mit ihrer Berufstätigkeit. Und später nicht mehr in ihrer Krankheit.

So nehmen die Dinge ihren Lauf, kümmern sich die drei Frauen, schöpfen dabei aus ihrem eigenen Leben, das immer ein Stück anders verlief als das durchschnittliche Leben in Russland. Lebenswege, die ebenfalls im Buch erzählt werden, die immer wieder eingestreut werden in die Haupthandlung des Schutzes des Kindes und, später, der Versorgung der Mutter Susannas. Ein Schutz, der gefährlich und drängend wird, als Antonia, die Mutter, schwer erkrankt und später stirbt und dem Kind das russische Kinderheim droht, vor dem die drei Frauen das Kind nach allen Regeln der Kunst und mit all ihren (kleinen) Möglichkeiten zu bewahren gedenken. Frauen, die ihren christlichen Glauben nicht ablegen im strikt atheistischen Umfeld der Sowjet-Gesellschaft. Die ihre Möglichkeiten und ihre Bildung nicht hinten anstellen, um einfach nur aus Angst zu funktionieren.

Drei Babuschkas mit Angst, ja, aber auch mit Kraft und Mut, mit Findigkeit und Durchhaltevermögen. Gegenüber einer gefährlichen Atmosphäre mit einer Mischung aus Kontrolle und Misstrauen.

„„Wieso“, frage ich, „darf man das nicht?“ „Doch“, antwortet sie, „bei uns darf man alles. Bloß muss man es dem Gewerkschaftskomitee melden““.

Ganz hervorragend versteht es Elena Chizhova den Leser hinein zu nehmen in diese dumpfe, drückende, und mit Angst besetzte Atmosphäre jener Zeit Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre im sowjetischen Russland. Und ebenso hervorragend lässt sie den Leser immer tiefer eintauchen in das Leben und die Persönlichkeiten ihrer Protagonisten, bei denen so manches nicht wirklich heroisch oder auch nur sympathisch im Raume steht, deren Kampf für sich selbst aber jederzeit anrührt. Sprachlich nicht immer einfach und im Ablauf er Ereignisse braucht es schon ein wenig Konzentration, all die Puzzleteile und kleinen Hinweise auf die Geschichte der Protagonisten einander zuzuordnen, eine Mühe aber, die sich lohnt in dieser Geschichte von Mitmenschlichkeit und innerem Leben unter schwierigen Bedingungen.

Drei alte, nicht einfache Frauen mit einem nicht einfachen Schicksal, die an diesem Kind und für dieses Kind noch einmal aufblühen und zu kämpfen bereit sind, mit keinen Mitteln und mit einem großen Teil an innerer Zuwendung. Eben mit der „stillen Macht“ der Frauen, die Chizhova wie nebenbei herausarbeitet und immer mitschwingen lässt.

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Rezension zu "Die stille Macht der Frauen" von Elena Chizhova

Rezension zu "Die stille Macht der Frauen" von Elena Chizhova
Gospelsingervor 6 Jahren

In der Sowjetunion der 60er Jahre sind die Wohnverhältnisse eng. Da ist es für Antonina schon ein Glücksfall, aus einem Wohnheim mit Mehrbettzimmern in ein eigenes Zimmer in einer Gemeinschaftswohnung ziehen zu können, weil sie ein Kind hat. Allerdings muss sie irgendwie mit den drei alten Frauen klarkommen, die schon länger in der Wohnung wohnen.
Und die mischen sich auch prompt massiv in die Erziehung ein, taufen die kleine Susanna sogar heimlich, und benennen sie in Sofja um.
Aber diese enge Bindung hat auch zur Folge, dass die drei Babuschki dafür sorgen, dass die Kleine, die aus unerfindlichen Gründen nicht spricht, nicht in den Kindergarten gehen muss.
Und als dann die Mutter stirbt, setzen die drei alles daran, ihre Sofja vor dem Kinderheim zu bewahren, auch wenn das gefährlich ist und ungewöhnliche Maßnahmen erfordert.
Ich hatte zu Beginn des Buches arge Probleme mit der Sprache und mit der nicht immer eindeutigen Kennzeichnung, aus wessen Sicht gerade erzählt wird. Beinahe hätte ich das Buch sogar abgebrochen, aber dann habe ich doch weiter gelesen.
Zum Glück. Denn nach den Anfangsschwierigkeiten hat dieses ungewöhnliche Buch mich in seinen Bann gezogen.
Die bedingungslose Menschlichkeit, der Mut und die Herzenswärme der drei Babuschki hat mich tief beeindruckt, und das Buch hat lange nachgewirkt.

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