Eleonora Hummel

 3.9 Sterne bei 10 Bewertungen
Autorin von Die Fische von Berlin, Die Wandelbaren und weiteren Büchern.
Autorenbild von Eleonora Hummel (©Paul Kuchel)

Lebenslauf von Eleonora Hummel

Eleonora Hummel wurde 1970 in Zelinograd, der heutigen Hauptstadt Kasachstans Nur-Sultan (ehem. Astana), geboren. 1980 zog die Familie in den Nordkaukasus und siedelte zwei Jahre später nach Dresden über. Ihr viel beachtetes Debüt „Die Fische von Berlin“ sowie ihre weiteren Romane „Die Venus im Fenster“ und „In guten Händen, in einem schönen Land“ sind im Steidl Verlag erschienen. Eleonora Hummel hat mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderen den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und den Hohenemser Literaturpreis.

Für Auszüge aus ihrem Roman „Die Wandelbaren“ wurde Eleonora Hummel ein Spreewald-Literatur-Stipendium 2016/2017, ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung Sachsen sowie ein Heinrich-Heine-Stipendium der Stadt Lüneburg 2018 zuerkannt. Sie erhielt außerdem den Schwäbischen Literaturpreis 2017 (1. Preis).

Alle Bücher von Eleonora Hummel

Cover des Buches Die Fische von Berlin (ISBN: 9783865213488)

Die Fische von Berlin

 (5)
Erschienen am 01.03.2010
Cover des Buches Die Wandelbaren (ISBN: 9783990141960)

Die Wandelbaren

 (3)
Erschienen am 01.10.2019
Cover des Buches In guten Händen, in einem schönen Land (ISBN: 9783548287249)

In guten Händen, in einem schönen Land

 (2)
Erschienen am 08.04.2015
Cover des Buches Die Venus im Fenster (ISBN: 9783865218780)

Die Venus im Fenster

 (0)
Erschienen am 02.02.2009
Cover des Buches Spielen (ISBN: 9783957861405)

Spielen

 (0)
Erschienen am 09.11.2017

Neue Rezensionen zu Eleonora Hummel

Neu

Rezension zu "Die Wandelbaren" von Eleonora Hummel

Eine klassische Erzählung die den Leser in seinen Bann zieht
Mari-Pvor einem Jahr

Meine Zusammenfassung 

Arnold, Emilia, Balzer, Violetta und Oswald sind junge Menschen, die eins gemeinsam haben - sie wohnen in der Pampa irgendwo Sowjetunion und stammen alle von einstigen deutschen Aussiedlern ab. Der Staat bestimmt alles, man lebt in einer vom Kommunismus geprägten Umgebung. Die jungen Menschen versuchen sich so gut wie möglich ins System einzufügen und dabei ihre deutsche Vergangenheit zu verheimlichen. 

Doch dann plant die Regierung ein "deutschsprachiges Theater" zu eröffnen und dafür werden junge deutschsprachige Schauspieler zum "Ausbilden" gesucht. Doch Arnold, Emilia, Balzer, Violetta und Oswald beherrschen eher schlecht als recht Deutsch. Trotzdem fällt die Wahl auf sie und so bekommen sie ein Stipendium vom Staat und und finden sie sich alle an der Schauspielschule in Moskau wieder. Von ihrem zukünftigen Leben erwarten sie großartiges - ein spektakuläres Theater, viel Publikum und außerordentlichen Ruhm. Doch wie immer im Leben kommt es anders wie man denkt. 

Meine Bewertung

Eleonora ist eine Schriftstellerin von der alten Schule. Ihr Schreibstil ist sehr klassisch und das nur im besten Sinne. Mir hat es gefallen mal wieder was in dieser Form zu lesen. Dabei hat sie die Geschichte um die jungen Menschen sehr ausführlich und sehr bildlich beschrieben. Mir hat es total viel Spaß gemacht dem Leben der Hauptprotagonisten zu folgen und auch einiges aus einer anderen Zeit mitzunehmen. Eleonora hat sich sehr viel Mühe gemacht alles realistisch wirken zu lassen und dabei scheint es als wäre sie bei ihren Hauptprotagonisten immer dabei gewesen und hätte ihre Geschichte persönlich miterlebt. Ich habe mir noch nie viele Gedanken zu all den "Russlanddeutschen" die damals nach Deutschland zurückgekommen sind gemacht. Sie waren einfach da. Durch dieses Buch wird ihre Geschichte wieder aktuell und das Buch regt zum Nachdenken über all die Menschen an.

Wer jetzt aber auf einen spannenden Roman mit viel Action hofft, der liegt falsch. Sagen wir es so, der Roman ist auf seine Art und Weise interessant, das liegt aber an den vielen verschiedenen Menschentypen, die der Leser dort auf ihrem Werdegang verfolgt. Es es ist eine Art Biographie dieser Menschen und daher gibt es natürlich ein auf und ab an Gefühlen, richtig Action aber nicht. Nichtsdestotrotz zieht das Buch und deren Protagonisten einen in den Bann. Ich konnte es stellenweise nicht weglegen, weil ich unbedingt wissen wollte ob z.B. Arnold seine Nelli jetzt heiratet oder nicht. Auch wie es mit dem Theater endet war immer ein offenes Thema.
Der Leser verfolgt die Protagonisten von ihrer Jugendzeit bis zu ihren fünfziger Jahren. Da ist viel Zeit dazwischen und manche Stellen haben mich ehrlich gesagt doch ein wenig gelangweilt. Vielleicht war es etwas zu langatmig.

Mit dem Ende komme ich nicht so ganz klar. Irgendwie war es zu abgehackt, als wollte man noch was schreiben, hat es aber gelassen, weil die Seitenanzahl eh schon so hoch war. Irgendetwas hat mir da noch gefehlt (wie das Salz in der Suppe). Stellenweise wurden die Kapitel und deren Inhalt zum Ende auch etwas zu unübersichtlich - von den Zeitsprüngen her.


Aber das ist Gemecker auf hohem Niveau, das Buch ist toll und wirklich interessant. Verpackt ist die ganze Geschichte in einem tollen Hardcovereinband, der richtig was hermacht.
Lasst euch nicht vom Preis des Buches abschrecken, manchmal lohnt es sich einen kleinen Bücherschatz wie diesen mit nach Hause zu nehmen. Soweit ich aber weiß plant Eleonora auch ein E-Book davon herauszubringen.

Kommentieren0
1
Teilen

Rezension zu "Die Wandelbaren" von Eleonora Hummel

Eine ruhige, im besten Sinne altmodisch erzählte Geschichte
dr_y_schauchvor einem Jahr

Sie heißen Arnold Bungert, Violetta Kraushaar oder Emilia Riedel – doch außer ihrem deutschen Namen und ebensolchen Vorfahren verbindet sie nichts mit Deutschland oder der deutschen Sprache, die jungen Menschen in der kasachischen Steppe. Doch das soll sich ändern, auf Wunsch der höchsten Kultur-Gremien in Moskau, denn man will ein deutschsprachiges Theater gründen. Und wer wäre für das benötigte Ensemble besser geeignet, als die Nachfahren der deutschen Siedler? Blöd nur, dass keiner der Jugendlichen wirklich Deutsch spricht … Dennoch wagen sie sich ins ferne Moskau an die renommierteste Schauspielschule des Landes, werden zu Schauspieler*innen ausgebildet, verlieben und entlieben sich, bekommen ungeplant Kinder, heiraten … Sie werden fast unmerklich erwachsen, arrangieren sich mit den Verhältnissen, auch, als es statt in die großen Metropolen nur nach Temirtau, die Metallurgenstadt, in der das Wasser eine merkwürdige Färbung hat und das deutschsprachige Publikum rar gesät ist. Und irgendwann dämmert Glasnost herauf …

Es ist eine wunderbare, im besten Sinne altmodisch erzählte Geschichte, die Eleonora Hummel ihren Leser*innen schenkt. Es ist ein Ausflug in eine vergangene Zeit, auf weizengelbe Felder, in verstaubte Theaterkulissen und graue Industriestädte, mit außerordentlich liebenswerten Figuren und einer Story, die so ruhig dahinfließt, dass man sich sehr gern mit ihr treiben lässt. Die Sprache ist gleichbleibend angenehm und, man kann es nicht anders sagen, ausgesprochen hübsch formuliert – und das ist, so paradox es klingt, leider auch eine Schwachstelle des Romans. Die Handlung wird aus Sicht der einzelnen Figuren jeweils in der ersten Person und über einen Zeitraum von rund vierzig Jahren erzählt – das hätte aus meiner Sicht bedeutend nuancierter ausfallen dürfen; stellenweise musste ich an den Kapitelanfang zurückblättern, um mich noch einmal zu vergewissern, wer gerade erzählt. (Alternativ wäre eine auktoriale Erzählperspektive vielleicht die bessere Wahl gewesen?) 

Manch eine*n könnten auch die fehlenden bzw. allenfalls beiläufig erwähnten Bezüge zum sozialen und politischen Geschehen der jeweiligen Zeit stören. Auch ich habe mich während der Lektüre zwischendurch gefragt, ob man darauf nicht hätte stärker eingehen müssen. Doch dann gefiel mir gerade das, unterstreicht es doch diesen ganz eigenen Kosmos, die in sich geschlossene Welt des Theaters, diese Blase, in der die Protagonisten leben. 

Deshalb gibt es von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Die Wandelbaren" von Eleonora Hummel

…ein gelungenes Stimmungsbild innerhalb einer sich verändernden Gesellschaft!
AndreasKueckvor einem Jahr

Vier junge Menschen, die nichts miteinander gemein zu haben scheinen, werden von der Regierung „auserwählt“, die deutsche Sprache auf den Bühnen der sowjetischen Republik erklingen zu lassen. Denn das ist die einzige Gemeinsamkeit dieser jungen Menschen: ihre deutschen Wurzeln. Diese Wurzeln waren bisher mehr Last als Freud im kommunistischen Russland und galten eher als Makel und Stolperstein für ein berufliches Vorwärtskommen. Ihre deutschen Wurzeln: Bisher von ihnen gering beachtet oder möglichst verschwiegen, sollen sie ihnen nun Tor und Tür für eine ruhmreiche Karriere auf der Bühne des deutschen Nationaltheaters Russlands öffnen. Gäbe es da nicht ein klitzekleines Problem: Keiner dieser jungen Menschen spricht mehr die Sprache ihrer Ahnen…!

Autorin Eleonora Hummel blättert ein interessantes Kapitel deutscher Identität auf – beginnend in den 70er Jahren bis zur jüngsten Vergangenheit. Wir begleiten Arnold, Violetta, Emilia und Oswald durch die beschwerliche Schauspiel-Ausbildung in Moskau zum ersten Engagement am Theater in der öden Steppe Termirtau und sehen ihr Bemühen um gesellschaflicher Veränderung im Herbst 1989 in Zeiten von Glasnost und Perestroika.

Zwischen Proben mit wechselnden Regisseuren, Tourneen durch alle möglichen und unmöglichen Orte und der Alltagsbewältigung in einer Mangelwirtschaft, werden Ehen geschlossen, Kinder geboren und Wehrdienste abgeleistet. Doch nie scheint dem übermächtig wirkenden Staat die Mühe ihrer Genossinnen und Genossen zu genügen. Der Erhalt der deutschen Sprache wird zwar staatlich gefördert, gleichzeitig aber kritisch beäugt und vom KGB bespitzelt. Und so wirkt das Bemühen des sowjetischen Staates um die deutsche Sprache eher wie Zuckerguss, der über einen Kuchen verteilt wird, um die angebrannten Stellen zu übertünchen: Deutsch ja, aber nicht zu Deutsch, kritisch ja aber nicht zu kritisch. Unter der Oberfläche brodelt der Widerstand, und Rufe werden laut nach einer deutschen Identität in einer eigenen deutschen Wolgarepublik…!

Hummel lotet die Charaktere ihrer Held*innen sehr detailliert aus, lässt diese selbst zu Wort kommen und offenbart somit deren Innerstes: ihre Wünsche, Ängste und Sehnsüchte, ihr Zaudern und Streben. Jede*r Protagonist*in erhält so in einem unverwechselbaren Profil einen eigenen Ton, der sich im Laufe der Handlung verändert: Die Autorin erlaubt ihren Charakteren eine (Weiter-)Entwicklung. Für Arnold, Violetta, Emilia, Oswald und ihren Mitstreitern entpuppen sich „die Bretter, die die Welt bedeuten“ mehr und mehr zur Einbahnstraße. Die Träume nach Ruhm und Anerkennung, das Sehnen nach Identität und Verbundenheit, das Hoffen auf einen Platz im sowjetischen Gefüge, um dort heimisch zu werden – dies alles wird unter dem Mühlstein der politischen Willkür zermahlt,…

…und weicht einem resignierten Pragmatismus: Am Schluss bleibt nur die Flucht zum kapitalistischen Klassenfeind, die schmerzhafte Anpassung an die neuen Verhältnisse und eine bittere Erkenntnis: Der Kommunismus ist nicht „die beste aller möglichen Welten“!

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Community-Statistik

in 19 Bibliotheken

auf 6 Wunschzettel

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks