Elias Canetti

 4 Sterne bei 358 Bewertungen
Autor von Die Stimmen von Marrakesch, Die Blendung und weiteren Büchern.
Elias Canetti

Lebenslauf von Elias Canetti

Elias Canetti war der Älteste von drei Kindern einer Kaufmannsfamilie. Seine ersten sechs Lebensjahre verbrachte er in Bulgarien. Diese Zeit prägte ihn sehr, was er auch sehr eindrücklich in dem ersten Band seiner Lebensgeschichte beschreibt. Canettis Vater erhält ein gutes Angebot in Manchester, worauf die Familie nach England geht. Ein Jahr später stirbt Canettis Vater, plötzlich und unerwartet. Die Mutter geht mit ihren Kinder nach Wien. Elias lernt innerhalb kürzester Zeit Deutsch von seiner Mutter. Da die Mutter sehr krank ist, wechselt die Familie häufig die Wohnorte. Elias wächst an verschiedenen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. Nach Deutschland geht die Familie, da sich Elias in den Kopf gesetzt hat Dichter zu werden, die Mutter, zu der er bis dahin ein sehr enges Verhältnis hatte, hofft ihn so auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. Elias macht in Frankfurt sein Abitur und entfremdet sich von der Mutter. Deswegen trennte er sich nach seinem Abitur von der Familie und ging alleine nach Wien um Chemie zu studieren. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Veza Taubner kennen, die später selbst schriftstellerisch tätig wurde. Durch die Dichterin Ibby Gordon wurde er in die Berliner Schriftstellerszene eingeführt und lernte zahlreiche Leute kennen. Sein ganzes leben lang hatte Carnetti zahlreiche Beziehungen neben seiner Ehe, von denen seine Frau auch wusste. Veza animierte ihn immer wieder zum Schreiben. 1939 emigrierte die Familie nach London. Canetti führte ein ruhiges Leben, reiste viel umher und schrieb zahlreiche Bücher. Er nahm nach dem Krieg die britische Staatsbürgerschaft an. 1963 verstarb seine Frau Veza. Er heiratete später die Kunstrestauratorin Hera Buschor, die ihm seine einzigste Tochter Johanna gebar. In der Schweiz lebte er sehr zurückgezogen, da er keine Affären mehr hatte und sich ganz seiner Familie widmete. Für seine Biografie erhielt er den Nobelpreis. Als seine Frau starb zog er sich vollkommen aus dem öffentlichen Leben zurück, gab keine Interviews mehr und veranstaltete keine Lesungen. Er starb am 14. August 1994 in Zürich (Schweiz).

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Neu erschienen am 24.09.2018 als Hardcover bei Hanser, Carl.

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Die Stimmen von Marrakesch

Die Stimmen von Marrakesch

 (110)
Erschienen am 01.10.2011
Die Blendung

Die Blendung

 (80)
Erschienen am 21.06.2012
Masse und Macht

Masse und Macht

 (37)
Erschienen am 01.07.1980
Die Fackel im Ohr

Die Fackel im Ohr

 (22)
Erschienen am 01.10.1982
Gesammelte Werke Band 9: Das Augenspiel

Gesammelte Werke Band 9: Das Augenspiel

 (11)
Erschienen am 01.01.1994
Das Gewissen der Worte

Das Gewissen der Worte

 (5)
Erschienen am 01.07.1981
Komödie der Eitelkeit

Komödie der Eitelkeit

 (4)
Erschienen am 01.01.1986
Die Provinz des Menschen

Die Provinz des Menschen

 (3)
Erschienen am 01.12.1986

Neue Rezensionen zu Elias Canetti

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HorKars avatar

Rezension zu "Die gerettete Zunge, Sonderausg." von Elias Canetti

Was für ein Leben wird hier beschrieben!
HorKarvor 2 Jahren

Dieses Buch zu lesen lohnt sich unbedingt. Wer das 20. Jahrhundert und alles was sich daraus entwickelt hat, verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Wie vielschichtig ist Europa und die Welt. Was kann man alles erleben? Was muss man erdulden?

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leobuchs avatar

Rezension zu "Das Buch gegen den Tod" von Elias Canetti

Ein Lächeln, das den Tod aufhält
leobuchvor 3 Jahren

Aus Respekt vor seinem Werk. Aus Respekt vor seiner Stilfestigkeit. Aus Respekt vor seinem Ernst. Aus Respekt vor dem Thema. Man tut sich schwer, zu diesem Buch eine Kritik zu äußern. Zumal: "Ich bin von einer tiefen Abneigung gegen jede Form von Kunstkritik erfüllt, sie steigert sich, wo sie sich meiner eigentlichen Sphäre nähert." Und: "Ich schwöre, daß mir mein Leben gleichgültig ist." Und: Canetti zitiert: "Er will unsterblich werden." Dagegen er sich wehrt, denn "Gott, den es nicht gibt, sei mein Zeuge, daß ich nichts von alldem gemeint habe: Ich bin weder Liebhaber, noch Christ, noch Künstler, aber ich anerkenne nicht den Tod, und das ist alles."

Das ist schon Essenz des Buches. Er anerkennt den Tod nicht. Er schreibt gegen ihn an. Mit Sätzen, Worten, Sätzen, Worten, mit Zitaten, Sammlungen von Geschichten, von 1942 bis 1994. Man könnte fortwährend zitieren. So wie es auf dem Klappentext geschieht. Wie es im Nachwort von Peter von Matt geschieht. Das Buch der Bücher über den Tod, will ich es für mich nennen. Wer nur einmal oder zweimal Naherfahrungen mit dem Tod hatte oder hat, für den ist dieses Meisterwerk eine bessere Andacht als jede Zeremonie. Es wird einem der Tod nicht näher gebracht, man ist nicht ergriffen von ihm, man ist nicht in der Sehnsucht nach ihm, man will sich mit ihm nicht anfreunden, man hat in ihm einen Widergänger Gottes, "Daß die Götter sterben, macht den Tod noch frecher." Oder: "Gott, dein Henker." Oder "Als Teufel ist Gott wirklich unsterblich." Das sind noch Wirksätze in der Naherfahrung zweiter Weltkrieg und dem Massenmord an Juden. "Gott, als Paranoiker, der die Menschen zerstört, weil er sich von ihnen verfolgt fühlt." Da ist Canetti gerade 40 Jahre alt und nach England emigriert. Es ist dies ein Canetti Buch, wie ich es nicht erwartet hätte.

Nach "Masse und Macht", nach "die gerettete Zunge", nach "die Fackel im Ohr" und nach "Der Ohrenzeuge" war ich längst Canetti müde, er schien mir unbezwingbar, er schien mir zu groß, gewaltig, zu erzürnend, einfach zu schwergewichtig für meine noch unversohlte und naive Seele – ein Solitär der deutschsprachigen Literatur, dem ich nicht mehr folgen konnte, dem ich hoffnungslos ergeben war – psychologisch, soziologisch, sprachlich, inhaltlich.

Und nun dieses Buch. Ein mir inzwischen Unbekannter schreibt: Seinerseits ergeben, unterlegen, eine naive Seele, die sich das ewige Leben schreibt, die den Tod in seine Schranken weisen will. Mit einer Sprache, die ich so nicht mehr in Erinnerung hatte. Das ist keine schwermütige Literatur. Das ist keine Gottes Stimme Literatur. Das ist auch keine umfassende und alles erklärende Canetti-Stimme. Was die Literaturkritik in meinem Kopf aus ihm gemacht hat, was der Nobelpreis für Literatur aus ihm gemacht hat. Was so gar nicht zusammenkommt mit seinem Leben, seinen Büchern – die er ja erst spät zu veröffentlichen begann. Ich kann nach diesem Buch nur vermuten, warum: Das war ein Getriebener ohne große Antworten. Das war ein Getriebener nach dem schönsten Satz: "Einmal will ich Sätze finden, dass Gott sich vor mir schämt." Wenn man weiß, wen er da bekämpft, dann wird dieser Satz zum Ausdruck einer Wut, einem Zorn, einer Gewalt gegen die Gewalt, der er sich ausgesetzt fühlt: "Einmal will ich Sätze finden, dass Gott sich vor mir schämt. Dann wird niemand mehr sterben."

Dieses Buch ist mehr als ein Buch. Wer lesen kann und will. Hier steht alles drin. Man sucht und sucht nach Büchern, die einem entsprechen, die einem eine Melodie, einen Ton – einen Inhalt geben, die einem entgegenkommen in der Suche nach dem, was man nicht erklären kann. Und da man es nicht kann, es auch nicht mehr sucht. Und genau das macht Canetti. Er schreibt das Unbeschreibbare. Er schreibt nicht nur gegen Gottes Tod, nicht nur gegen seinen Feind, den Menschentod (bezeichnet sich selbst als Todfeind), er schreibt sich selbst ein Denkmal. Ich glaube ihm, dass er das nichtmal beabsichtigte. Weil es so gut geschrieben ist, mit einer Sprache, die nicht abhebt, die ohne Fachsprache auskommt, und trotzdem erzählt oder versucht zu erzählen, in Notizen, auch Scherzen – man kann hin und wieder auch mal schmunzeln – kleine Hintergründigkeit - "ein Lachen wie aus der Unterwelt".

Das ist kein Requiem, auch kein Todeslied. Im Gegenteil. Das Buch macht jeden Wimpernschlag bedeutend. Im Atmen ist jeder Mensch noch frei, so er noch atmen kann. Der Titel legt nah, dass es um die Zornesröte gegen den Tod geht – auch das. Aber dem entgegen steht das Leben jedes Einzelnen: ohne dass er mich moralisch fordert, sehe ich mich ermahnt: Elias Canetti schreibt das Buch fürs Leben. Und jeder der einen Menschen verloren hat, weiß und spürt, wovon er schreibt. Denn: "Es soll so werden, daß jeder es versteht und daß ich mich vor niemand dafür schämen muß. Denn wenn ich dieses Stück, meine erste verbindliche Stellungnahme zum Tod, nicht fertig hinterlasse, habe ich nicht gelebt." (1951).

Wie gesagt: Ich könnte fortwährend zitieren – will und kann jetzt nicht auf die literarischen Feinheiten eingehen, noch irgendeine Deutungshoheit über diesen Text erheben – das sollen gerne berufene Philologen machen – nur eins will ich: mich höflich verneigen vor dem mir unbekannt und fremd Gebliebenen, denn für mich gilt auch:

"Er fühlt sich aus dem Jenseits geküßt." Und: "Ein Toter telefoniert. (Idee zu einem Stück.)"

Der Verlag sagt, es sei ein wichtiges Buch. Das kann ich unterstreichen:

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dominonas avatar

Rezension zu "Die Stimmen von Marrakesch. SZ-Bibliothek Band 7" von Elias Canetti

surrealer Reisebericht
dominonavor 4 Jahren

Das ist kein typischer Reisebericht, sondern eher eine literarische Umschreibung von Fremdheit. Canetti beobachtet und schildert dann für ihn besondere Eindrücke, die in Marrakesch jedoch zum Alltag gehören. Auch seltsame Begegnungen sind dabei. Zu so einer Sammlung von Eindrücken passt Canettis Schreibe meiner Meinung nach besser als zum Roman. Es wirkt fast wie aus einer anderen Dimension.

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Elias Canetti wurde am 24. Juli 1905 in Rustschuk (Bulgarien) geboren.

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