Elias Canetti Die Blendung

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Inhaltsangabe zu „Die Blendung“ von Elias Canetti

Kien, ein bedeutender Sinologe, führt in seiner 25.000 Bände umfassenden Bibliothek ein groteskes Höhlenleben. Seine Welt ist im Kopf, aber sein Kopf ist ohne Sinn für die Welt. Als er, von seiner Haushälterin zur Ehe verführt, mit dem ganz 'normalen' Leben konfrontiert wird, kann er sich nur noch in den Wahnsinn 'retten'. Dieser Roman, 1935 in Wien zum ersten Mal veröffentlicht, nimmt in der Literatur des 20. Jahrhunderts einen zentralen Platz ein. Wie Joyce’ ›Ulysses‹ ist ›Die Blendung‹ eine mächtige Metapher für die Auseinandersetzung des einsam reflektierenden Geistes mit der Wirklichkeit. Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.

Der Anfang war eindrucksvoll und sehr stark, danach hatte die Geschichte zu viele Längen, was mich enttäuschte, das Ende war wieder stark.

— SicaUee

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    Die Blendung

    dominona

    Gleich vorweg: zu Ende gelesen habe ich dieses Buch nicht, ich konnte einfach nicht. Weder der Protagonist noch seine spätere Frau sind mir sympathisch. Er ist 40 und hat nur Bücher im Kopf, auch zurecht, denn er ist ein angesehener Professor, aber wie man lebt, weiß er trotzdem nicht und aus einem Anfall heraus heiratet er seine Putzfrau, die ihn dann tyrannisiert und aus der Wohnung schmeißt, wo er dann wahnsinnig wird. Das alles zieht sich in Form von Gedanken und endlosem sinnieren über 500 Seiten - Nein danke. Allerdings liegt's nicht am Schreibstil per se, der ist gar nicht übel, nur diese endlosen Gedankenschleifen...

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  • Rezension zu "Die Blendung" von Elias Canetti

    Die Blendung

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. June 2011 um 22:49

    Lange her, dass ich es las, aber es ist immer noch sehr präsent in meinem Lesegedächtnis.

  • Rezension zu "Die Blendung" von Elias Canetti

    Die Blendung

    HeikeG

    17. April 2011 um 14:22

    Die gesammelten Dummheiten der Menschen . "Ich bin in einer Irrenanstalt!" Diese Worte spricht Peter Kien, vierzigjähriger Hauptprotagonist in Elias Canettis monströsen und befremdlichen, einzigen Roman gegen Ende des ersten Teils aus. Und zu diesem Urteil ist mittlerweile auch der Leser gekommen, allerdings in einem umfassenderen Sinn, als es der Stoßseufzer des Geblendeten, Privatgelehrter von Beruf und "der größte Sinologe seiner Zeit", ausdrückt. Der lebt in seiner riesigen Bibliothek wie in einer Muschel, aller Welt entfremdet, wortlos und einsam. Sein abstraktes Denken macht es ihm unmöglich, die Realität zu begreifen: "Man näherte sich der Wahrheit, indem man sich von den Menschen abschloss. Der Alltag war ein oberflächliches Gewirr von Lügen." . Bis ihn seine sechzehn Jahre ältere Haushälterin durch einen schamlosen Trick in die bestimmt grauenhafteste Ehe der Weltliteratur lockt. Von da an kämpfen beide verbissen um die 25.000 Bände starke Bibliothek des Sinologen und um vermeintlich höchst lukrative Testamente. Thereses blauer gestärkter Rock wird zum obsessiven Voodoo-Kult. Kien tut sich in Folge mit einem buckligen Zwerg und Zuhälter namens Fischerle zusammen, den er in der Bar "Zum idealen Himmel" kennenlernt. Therese wiederum findet einen Beschützer in dem gewalttätigen Hausbesorger Benedikt Pfaff, der bereits Frau und Tochter zu Tode prügelte. Alle zusammen bewegen sich in einer exzessiven Gefühls- und Geistesverfassung, die an die Grenzen der Tollheit stößt. . "Die Blendung" offenbart nichts Gutes. Jedermann ist Jedermanns Feind und bekämpft einander buchstäblich bis zum Wahnsinn. Canettis Figuren haben zwar Jedermanns-Gesichter, aber ihnen gelingt es aus jeder Normalität einen Prozess zu machen. Nichts Unmenschliches ist ihnen fremd. Alle Figuren der Handlung, vom Kanalräumer bis zum Polizeioffizier, vom Hausmeister bis zum Psychiater, sind zugleich irre und gewöhnlich. Der Autor siedelt das Geschehen in einer Sphäre des Grotesken an, wo das Ungeheuerliche als das Normale erscheint. Am Ende kriegen alle ihre Strafe: Fischerle wird auf grausame Weise ermordet, Therese und Pfaff werden von Kiens Bruder kaltgestellt, und Kien selbst verbrennt in seiner Bibliothek. . In drei Bücher gliedert sich der Roman: "Ein Kopf ohne Welt", "Kopflose Welt" und "Welt im Kopf"; erst im dritten Teil stellt der Erzähler die eigentliche Schlüsselfigur, Kiens Bruder, seines Zeichens Psychiater, genauer vor. Die inneren und äußeren Monologe der einzelnen Protagonisten, ihr halblautes Vorsichhin-Murmeln, ihre irren Selbstgespräche, bei Kien vor allem seine Ich-Gespaltenheit im Wachzustand, sind dabei die "Sahnehäubchen" des Romankonstrukts. Jeder Mensch, so lautet das Credo Canettis, lässt sich auf seine akustische Maske reduzieren. Und diese hat er in dem Buch par excellence herausgearbeitet. Primitive Sätze reiht er wie Dominosteine aneinander und offenbart damit die komplexe Psychose, "den einzigen Krüppel", "die einzige Bestie" mit Namen Menschheit. "Betrachte der Menschen Art zu sein, beobachte die Beweggründe ihres Handelns, prüfe das, woran sie Befriedigung finden. Wie kann ein Mensch sich verbergen! Wie kann ein Mensch sich verbergen!", lässt Kien Konfuzius verzweifelt ausrufen. . Letztendlich leitet Canetti durch die eigentliche Hauptfigur George, Psychiater und Bruder Peter Kiens, auf sein späteres Hauptwerk "Masse und Macht" über. Im Drang der Menschen, in einer höheren Tiergattung, der Masse, aufzugehen und sich darin so vollkommen zu verlieren, als hätte es nie EINEN Menschen gegeben, erkennt dieser die viel tiefere und eigentliche Triebkraft der Geschichte. Bildung sieht er dabei als "Festungsgürtel des Individuums gegen die Masse in ihm selbst" an. "Den sogenannten Lebenskampf führen wir, nicht weniger als um Hunger und Liebe, um die Ertötung der Masse in uns. Unter Umständen wird sie so stark, dass sie den einzelnen zu selbstlosen oder gar gegen sein Interesse laufenden Handlungen zwingt. (...) Zahllose Menschen werden verrückt, weil die Masse in ihnen besonders stark ist und keine Befriedigung findet." . "Vorbild" für die Figur Peter Kiens soll dem Autor übrigens Immanuel Kant gewesen sein. Zunächst nannte Canetti den pedantischen Weltverächter seines Romans "Brand", dann "Kant" und gab ihm schließlich den Namen "Kien". 1927 brennt ihn Wien der Justizpalast, 1933, Canetti wartete noch immer auf einen Verleger für seinen Weltenbrand, brennen in Deutschland die Bücher. Im Oktober 1935 erschien "Kant fängt Feuer" letztendlich unter dem Titel "Die Blendung". Und hier lässt er dann seinen imaginären Philosophen sein ganzes trockenes Denkgebäude in Brand stecken. Zurück bleibt die Frage: "Bis zu welchem Grad von Leichenstarre kann es ein Mensch maximal bringen, der noch atmet und dessen Herz schlägt?" "Die Blendung" jedenfalls ist ein schrecklich großartiger Roman, der solch grauenhaft-abstrakten Seelenlandschaften en masse zu Tage fördert.

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  • Rezension zu "Die Blendung" von Elias Canetti

    Die Blendung

    couchpotatogirl

    11. July 2007 um 09:25

    "Die Blendung" enstand 1931/32 in Wien und ist das erste Werk und der einzige Roman von Elias Canetti. Im Augenspiel beschreibt er die Reaktionen seiner Bekannten auf den damals noch unveröffentlichten Roman, der noch den Arbeitstitel "Kant fängt Feuer" trug. Titel und Inhalt des Buches wurden als angsteinflößend empfunden, zumindest der Änderung des Titels stimmte Canetti zu. Der Inhalt ist schnell erzählt. Der Sinologe Peter Kien lebt zurückgezogen in seiner Privatbibliothek, und gibt sich der geistigen Arbeit hin, bis er schließlich seine Haushälterin heiratet. Diese "erschlich" sich die Ehe, in dem sie Interesse und Sorge für die Bücher vortäuschte, in Wahrheit ist sie jedoch nur hinter Kiens Geld her. Freilich war ihm dieser Gedanke nie gekommen, wer könnte schon Geld dem Wissen und den Büchern vorziehen, schließlich arbeitet er selbst täglich stundenlang an wissenschaftlichen Abhandlungen, ohne sie zu Geld zu machen. Erst nach einiger Zeit erkennt er die wahre Natur seiner Frau, die ihm sein Leben zur Hölle macht. Der gutgläubige Büchermensch, der von den Menschen keine Ahnung hat, wird aus der Wohnung getrieben, und verbündet sich darauf hin mit einem Zwerg und später mit seinem Hausmeister, um seine Frau los zu werden. Doch auch diese beiden betrügen ihn, um seines Geldes willen. Abgeschnitten von seinen Büchern und seiner Arbeit verfällt Kien schließlich dem Wahnsinn, vor dem ihm auch sein Bruder, ein berühmter Nervenarzt, nicht mehr heilen kann. Trotz des grotesken Inhalts, ist es die Sprache Canettis, die den Roman zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Er erschafft die Figuren so plastisch, dass man sich selbst mitten in der Handlung glaubt. Ob man will oder nicht, man leidet mit dem armen Kien mit und wünscht sich ihm und einem selbst die Frau vom Hals. Obwohl er noch am ehesten Sympathieträger ist, kommt man nicht umhin, ihn für seine Leichtgläubigkeit die schon an Dummheit grenzt zu verachten. Kurz gesagt: Sehr empfehlenswert, jedoch auf keinen Fall leichte Kost. Die ersten 50 Seiten sind etwas zäh, doch wenn man sich in den verrückten Geist Kiens eingefühlt hat, kann man kaum aufhören zu lesen.

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