Weihnachten steht (leider) schon wieder bevor und wie immer beschäftigt die Menschen nichts mehr als die immer gleiche Frage, wie denn nun dieses Jahr diese lästige Zeit schnellstens und möglichst ohne weitere Traumatisierungen zu bewältigen wäre.
Der Rezensent kann hier aus dem Vollen schöpfen, denn sein Opa väterlicherseits steigerte die traditionellen Weihnachtsstreitereien an einem zweiten Feiertag auf ein vorher nie dagewesenes Level. Um was es ging, konnte der kleine Thomas damals nicht begreifen, aber das festliche Schlusswort seines Großvaters, als er zum Weihnachtsbaum ging und an einer elektrischen Kerze drehte, um die gesamte Baumbeleuchtung damit auszuschalten, geht ihm bis heute nicht aus dem Kopf: "So, und jetzt ist Weihnachten vorbei."
Tröstlich, dass die Herren Hauck samt Bauer ähnliche Katastrophen in ihrem aktuellen Büchlein skizzieren, wenn auch nicht in dem Ausmaß des zuvor Genannten. Ähnliche zwar und eher jene, die wir alle kennen und die nicht wenigen von uns das Fest der Feste zu einer Belastung werden ließen, die es gilt, rasch hinter sich zu bringen.
Die unvermeidlichen Verwandtenbesuche stehen natürlich an erster Stelle. In direktem Zusammenhang stehen dann Einzelheiten wie die Auswahl der zu übergebenden Geschenke, denn schließlich ist die Bude voll und das eine oder andere Exponat könnte man doch loswerden. Hierbei ist jedoch höchste Vorsicht geboten. Vor allem aber ein gutes Gedächtnis...
Fatal wird es für Menschen, die nicht gerne Geschenke unter Beobachtung auspacken oder die sich gar überhaupt nicht mehr freuen können. Für die schon genannte Streitproblematik gibt es sogar mehrere Problemlösungsstrategien. Schiefgehen kann stets etwas, doch eine der schlimmsten Pannen kann die Übergröße des vielerorts unvermeidlichen Weihnachtsbaumes sein.
Auch Nonverbales kommt in diesem Büchlein nicht zu kurz, der Rätsel aufgebende Stern von Bethlehem ebenfalls, Gratiszugaben werden ad absurdum geführt, und als Bereicherung unseres Allgemeinwissens lernen wir, wie Wutbürger und Atheisten das Fest begehen.
Traurig und lustig zugleich ist diese Zeit dennoch, und genau in diesem Sinne erzählt uns Kristof Magnusson am Ende seine melancholische Weihnachtsgeschichte.
Wenn einem also so viel Gutes wird beschert, dann ist es das Weihnachtsbüchlein, liebevoll nach allen Regeln der Buchdruckerkunst gestaltet, und ein Sammlerstück sowieso, von Hauck & Bauer mehr als wert.
Elias Hauck
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Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Elias Hauck
Kurz bevor ich auf meinem Blog mit der Rubrik LEKTÜRE ZUM FEST feierliche Stimmung verbreite und meiner Lust an weihnachtlicher Besinnlichkeit in literarischer Form fröne, möchte ich allen Advents-Muffeln gerne dieses aparte Büchlein (14,5 x 9,5 cm) wärmstens ans Herz legen. Da gibt es Mitmenschen, die schon jetzt kaum mehr in den Schlaf finden, da sie mit Grausen einer Zeit mit zu viel Lebkuchen, zu viel Kitsch, zu viel Lametta, zu viel „Last Christmas“, zu viel „von allem“ entgegenzittern. Diese bemitleidenswerten Zeitgenossen haben mit CARTOONS ZU WEIHNACHTEN aus der Ideenschmiede von Hauck & Bauer nun ein wirksames Antidot gegen die zu erwarteten Grausamkeiten. Dabei setzt die Wirksamkeit dieses Gegenmittels nicht erst ab der Einnahme einer höheren Dosis ein, auch bei homöopathisch genossenen Mengen zeigt sich durchaus schon eine Wirkung.
Beim Cartoonisten-Duo Hauck & Bauer handelt es sich um Elias Hauck (Zeichnungen) und Dominik Bauer (Text). Größere Bekanntheit erreichten sie ab 2003 mit dem wöchentlich erscheinenden Comicstrip „Am Rande der Gesellschaft“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Veröffentlichungen in der Titanic, bei Spiegel Online sowie in der Apotheken Umschau sollten ebenso folgen wie div. Preise und Auszeichnungen.
Hier nehmen sie nun das Fest der Liebe mit spitzer Feder und flinkem Wort aufs Korn und offenbaren uns so sehr treffsicher die Gedanken einer piefigen Spießbürgerlichkeit. Ups, ich übersah, es sind ja gar keine Gedanken: Dieses Wort wurde im Titel durchgestrichen und durch „Cartoons“ ersetzt. „Gedanken“ klingt ja auch irgendwie nach „rauchendem Schädel“, „weltverändernden Erkenntnissen“ und „Kritik am Establishment“. Nein, so weit wollen die Zwei nicht gehen: Sie haben doch „nur“ ein paar Bildchen gemalt und mit Wörtern verschönt.
Doch diese Bildchen mit Wörtern haben es durchaus in sich: Da gibt es so manchen Streit am und um den Weihnachtsbaum. Sie verraten etliche pikante Anekdötchen zu Christis Geburt – direkt vom Rand der Krippe und somit brandaktuell. Es geht um nachhaltiges Bauen zu Grimmschen Zeiten: Da steht selbst bei der Knusperhexe die Ökobilanz ihres Lebkuchenhauses im Vordergrund. Auch der Weihnachtsmann mit all seinen Nöten findet ebenso Gehör wie die Klagelieder so manch armer Kreaturen, die auf der Suche nach einem passenden Geschenk für Familie, Verwandtschaft oder Kollegium sind. Und die Serie „Gedanken zum Advent mit Elmar Punsch“ wird selbstverständlich in vier Teilen kredenzt.
Dabei schrammt das kreative Autoren-Duo häufig knapp an der Grenze der „political correctness“ vorbei, bekommt aber immer wieder rechtzeitig die Kurve. So stutzte ich häufig und schaute mir den Cartoon durchaus ein weiteres Mal an, um sicher zu sein, dass ich die Botschaft verstanden habe. Erst dann brach ich in ein schallendes Gelächter aus. Geschickt vermeiden die Zwei ein „Zuviel“, ein „über das Ziel hinausschießen“, da dies bei mir sicherlich keine Lachen ausgelöst sondern eher zu einer unangenehmen Befangenheit geführt hätte.
Gekrönt wir diese Ansammlung humoresker Skizzen mit einer festlichen Geschichte von Kristof Magnusson: Sollte hier nun eine spritzig-witzig-satirische Erzählung erwartet werden, da muss ich leider enttäuschen. Vielmehr schenkt Magnusson uns eine kleine traurig-anrührende Geschichte, die einen deutlichen Kontrast zu den Cartoons bildet und so umso mehr ihre Wirkung entfaltet.
Einziger Nachteil dieses Büchlein: das kleine Format! Der Zeichenstil von Elias Hauck in Kombination mit den Texten von Dominik Bauer wirken so filigran, dass es mir manches Mal schwer fiel, Details im Bild bzw. die Schrift deutlich zu erkennen.
Ansonsten: Frohe Weihnachten!
Das Leben ist eines der schlimmsten. Wie soll man sich in diesem Chaos noch zurechtfinden? Eine Orientierung in diesem heillosen Durcheinander, jenem gigantischen Gemischtwarenladen, prall gefüllt mit Liebe, Hass, Frieden, Krieg, Leben und Sterben, ist kaum mehr möglich. Zu allem Überfluss behaupten dann noch zwei Dahergelaufene - der eine versucht zu schreiben, der andere zu zeichnen - dass wir an diesem schier ewig währenden Desaster auch noch selbst schuld sind. Ja also das ist doch...!
Leider muss man zugeben, dass Hauck & Bauer mit allerhand Beweisen diese These glaubwürdig zu untermauern wissen. Das fängt ja schon auf Seite 7 mit jenem Ehepaar an, welches sich nicht mehr allzu gut zu verstehen scheint. Pech. Aber leider die Regel.
Die ganze Tragik der menschlichen Unfähigkeit, vernünftige Dialoge zu führen, wird bereits mit den nächsten zwei Cartoons unterstrichen. Allgemeine Empathielosigkeit ist angesagt. Na ja, was soll man auch anderes sagen? Ist doch eh schon alles geschwätzt.
Und zudem kennen wir die ganzen Schauplätze, seien sie noch so angedeutet, sehr gut und/oder aus gutem Grund. Da wären zum Beispiel die Kneipe um die Ecke, die spießige Hütte des Nachbarn oder ein Markt, auf dem es, wie gewohnt, allerhand Sinnfreies zu erwerben gibt. "Gemischtes veganes Hack" zum Beispiel.
Aber gut, es gibt trotz allem auch aktive Hilfeangebote, wie dem Irrsinn ein Schnippchen geschlagen werden kann. Denn was ist beispielsweise zu tun, wenn ein Alkoholiker mit einem Hausverbot in seiner Stammkneipe bestraft wurde? Einfach in ein anderes Etablissement wechseln? Keineswegs! Die Lösung ist genial und eine echte Hilfe zur Selbsthilfe...
... wobei uns andererseits "Radieschenbrote" wieder aus geordneten Bahnen werfen können oder gar alkoholfreies Bier besoffen macht. Elias Hauck und Dominik Bauer geben uns Seite für Seite eins auf die Mütze und setzen der Absurdität unserer Existenz ein Krönchen auf.
Und ja, ich muss zugeben, dass wir wahrscheinlich und tatsächlich selbst schuld an allem sind. Gott sei Dank, dass die Herren Hauck & Bauer das alles nicht so ernst meinen, gell!?
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