Elif Shafak führt Handlungsstränge aus verschiedenen Zeiten zusammen. Das beginnt in der mesopotamischen Antike, führt aber hauptsächlich ins 19. Jahrhundert und in die Jetztzeit, Durch Keilschrift und das Zeichen für Wasser, Begebenheiten im Zweistromland und die Geschichte der Jesiden ist alles miteinander verbunden.
Im 19. Jahrhundert wird die Geschichte des Assyriologen George Smith in vielen Details nachgezeichnet, der die Keilschrift entzifferte. Im Buch heißt er allerdings Arthur Smyth und weist auch ein paar fiktionale Züge auf. Mit ihm beginnt der Erzählstrang über die Jesiden, die der breiten Öffentlichkeit wohl erst durch die Massaker des Islamischen Staates (IS, ISIS, Daesch) an ihnen bekannt wurden. Über den Glauben und die Geschichte der Jesiden erfahren Leser*innen dabei sehr viel.
Shafak erzählt Smyths Geburt und Jugend in bitterer Armut am Ufer der Thames ebenso wie sein Aufstieg im Britischen Museum und seine Reisen nach Mesopotamien, wo er die Jesiden besser kennenlernt und sich in eine mehr oder weniger schamanische Frau verliebt, allerdings ohne dass es jemals zu einer Erfühllung dieser (beidseitig empfundenen) Liebe kommt.
Die Jetztzeit führt ebenfalls und gleichzeitig ins heutige London zu einer Frau mit mesopotamischen Wurzeln, die aus ihrer Ehe und dem bisherigen Leben ausbricht und ein Wohnboot auf der Thames mietet (ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt), und zu den Jesiden und den beginnenden IS-Massakern. Das ganze Buch ist einerseits wunderschön und mit seinen Liebesgeschichten "bittersüß", andererseits furchtbar tragisch und traurig, und die Schilderungen mancher Ereignisse sind ehrlich gesagt fast nicht zu ertragen. Aber sie sind bzw. waren – leider – Realität!
There are Rivers in the Sky ist ein wunderschönes und wichtiges Buch der türkisch-britischen Autorin. Sie hat es, wie alle späteren Werke, auf Englisch geschrieben. Und auch ich habe es im englischen Original gelesen, das eine wunderbare, flüssige und poetische Sprache hat. Zur deutschen Übersetzung kann ich aus diesem Grund nichts sagen, weil ich sie nicht kenne.
Für mich ist dieses Buch ein wertvoller Beitrag zur Weltliteratur. Absolut empfehlenswert. Und eine kleine Warnung: Empfindsame Leser*innen sollten sich einen Packen Taschenbücher bereitlegen …
























