Elif Shafak Ehre

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Inhaltsangabe zu „Ehre“ von Elif Shafak

Die Zwillingsschwestern Pembe und Jamila sind ein Herz und eine Seele. Doch während Jamila ihre Zukunft in einem kleinen kurdischen Dorf sieht, strebt Pembe nach mehr und zieht mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nach London. Sie ahnt noch nicht, dass über ihrer Familie ein unfassbares Unheil schwebt. Ein bewegendes Familienepos über Hoffnung und Verlust, Vertrauen und Verrat, Liebe und Ehre.

Sprachlos, fasziniert und nun definitiv ein Shafak-Fan!!!

— ichundelaine
ichundelaine

Elif Shafak hat einen grandiosen Leseschatz fabriziert!

— Callso
Callso

Anrührend, spannend, lebendig. Eine Geschichte, die mich ins Herz getroffen hat.

— Bill777
Bill777

Klischeebeladener, bisweilen langatmiger Roman mit wichtigem Thema und oft schöner Sprache.

— Beust
Beust

Kurdische Familiensaga mit überraschendem Ende

— Leseloewe12
Leseloewe12

Ein unglaublich fantastisches Buch, das enorm zum Einfühlungsvermögen in fremde Kulturen beiträgt. Wunderschön geschrieben! Bewegend!

— Book_Bug
Book_Bug

spannendes und tragisches Familiendrama

— AutorinMonaFrick
AutorinMonaFrick

ein Familienepos, das einen völlig in seinen Bann zieht..! Könnte ich mir auch gut verfilmt vorstellen!!

— lovelylibrarian
lovelylibrarian

Ein Buch, das einen fordert, das einem fremd bleibt und das man immer wieder zur Seite legen muss, um das Gelesene zu verdauen.

— leselea
leselea

Ein türkisch-kurdisches Familienepos (50 Jahre) von Euphrat an die Themse. Das Schicksal der Zwillingsschwestern Pembe und Jamila

— Ay73
Ay73

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  • Eine herausragende Geschichte, ein fantastisches Buch!

    Ehre
    Callso

    Callso

    02. June 2017 um 08:06

    Dieses Buch hat mich mehr als überrascht und gehört zweifelsohne zu meinen bisherigen Lesehiglights im Jahr 2017. "Ehre" von Elif Shafak vereint als Roman alles, was man sich von einem guten, wundervollen Buch wünscht. Eine herausragende Geschichte, eine toller Schreibstil, große Gefühle und reichlich Emotionen und zudem eine feine Prise Spannung und Dramatik. Ein ganz tolles und beachtliches Werk!Das Buch über eine kurdische Familie, die über die Station Istanbul nach London ausreist, um dort die (unbamherzigen) Schrecken der Großstadt, der Welt und den unterschiedlichsten Gefühlswelten unterliegt.Dabei erleben wir die Familie in diversen Zeitsprüngen und bleiben als Beobachter immer ganz dicht dran. Pembe und Jamila sind Zwillingsschwestern, deren Lebenslauf ganz unterschiedliche Bahnen einschlagen soll. Pembe heiratet Adem, einen führungslosen und etwas konturenloser Mann, der mit seiner Frau nach London auswandert. Jamila bleibt als Hebamme ohne Anhang mit einem kargen Leben in Anatolien zurück. Pembe dagegen wird dreifache Mutter und wir erleben, wie Iskender, Esma und Yunus sich entwickeln und groß werden.Aber das Großstadtpflaster London bietet den Einwanderern zuviel Sünde, zu viele Möglichkeiten. Adem wird spielsüchtigt, verliert viel Geld, verliebt sich auch noch in eine undurchsichtige Tänzerin und verlässt die Familie. Daran zebrechen die anderen Familienmitglieder. Iskender begeht eine schreckliche Blutat innerhalbe der Familie und landet für viele Jahre im Gefängnis. Während Esma mit der Pubertät kämpft, findet Yunus trost bei Punks und Hausbesetzern. Die sonst so scheue Pembe kämpft mit ihrer überforderten Mutterrolle, ehe sie sich aus dem Nichts in einen anderen Partner verliebt...Als sich der 17-jährige Iskender genötigt sieht, die Familienehre mit einer Bluttat wieder herzustellen, ist die große Katastrophe perfekt.Viel Zündstoff in einer Familie, die ansonsten von Traditionen und - dank der strengen Religon aus - aus einem sehr strengen und engen Korridor mit reichlich Disziplin immer mehr ausbricht.Die Gemeinschaft wackelt, weil Mißtrauen und Liebe verloren gehen.Trotz aller Widrigkeiten und Schwierigkeiten hält das Buch am Ende viel Liebe und einen ordentlichen Hoffnungsschimmer parat.Diese Familie, die sich immer mehr dem Abgrund nähert, auf den 520 Seiten zu beoabachten, hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es war mir eine große Ehre, das Buch zu lesen...

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  • Steinzeitlicher Ehrbegriff

    Ehre
    Beust

    Beust

    16. April 2017 um 19:05

    Der Roman hat ein wichtiges Anliegen: zu zeigen, wie ein archaischer, männlicher Ehrbegriff Familien und familiäre Bindungen zerstören kann. Es ist die in London lebende Kurdin Pembe, die von ihrem Sohn Iskender dafür erstochen wird, dass sie für sich das gleiche Recht in Anspruch nahm wie ihr Mann, nämlich außerhalb der Ehe glücklich zu werden. Die Handlung zeichnet nach, wie die Familie zerfällt bzw. in den Rückblenden zerfallen ist, wie die archaische Welt der kurdischen Berge sie auch nach Jahren im westlichen Ausland einholt und wie die Beteiligten nach dem „Ehrenmord“ mit der Tat umgehen. Elif Shafak geht bei ihrer Erzählung zahlreiche Umwege, die man nicht immer gerne mitgeht. Zeitweilig erscheint der Aufbau der Handlung zu breit angelegt und fesselt erst wieder, wenn die sich von der großzügigen Basis zuspitzt. Immer wieder aber entschädigen schöne sprachliche Wendungen oder sensible Einblicke in ein Gefühlsleben für die Abzweigungen. Am Ende legt man das Buch nachdenklich beiseite, weil es bewegt und anregt. Ich empfehle, dann das Buch noch einmal zur Hand zu nehmen und den ersten Satz erneut zu lesen.  

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  • Kurdische Familiensaga

    Ehre
    Leseloewe12

    Leseloewe12

    07. April 2017 um 18:17

    Da sind Pembe und Jamila, ein eineiiges Mädchen-Zwillingspaar welche am Ende der Reihe von weiblichen Nachkommen eines kurdischen Ehepaars stehen. Sie wachsen in ärmlichen, einfachen Verhältnissen in Ostanatolien auf. Kaum sind sie erwachsen trennt sich Ihr Lebensweg, der am Ende mit einem Ehrenmord endet. Soweit kurz zum Inhalt, tatsächlich beschreibt das Buch aber nicht "nur" Pembes und Jamilas Geschichte, sondern es ist eine Familiensaga und wird aus der Sicht der Familienmitglieder über die Jahrzehnte erzählt. Für mich ein sehr gutes Buch, um einen besseren Einblick in die Lebenswelt und Herkunft von Gastarbeiterfamilien, in unserer westlichen Welt zu erhalten. Gut auch das überraschende Ende.

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  • Ehre ...

    Ehre
    AutorinMonaFrick

    AutorinMonaFrick

    04. September 2016 um 15:37

    Interessant aufgebautes Familiendrama, in dem jedes Familienmitglied seinen Teil dazu tut, dass schließlich einer die Herstellung der Familienehre in die Hand nimmt und dafür ins Gefängnis kommt, wo er büsen und bereuen wird ... Spannender Einblick in die Schwierigkeiten, die Einwanderern aus anderen Kulturkreisen beim Leben in Europa widerfahren können, wo sie meist Widerständen ggü stehen. Doch gelingt den einen die Integration, wohingegen andere daran zerbrechen. In dieser speziellen Familie führt ein unglücklicher Umstand zum anderen, was schließlich zu einem Ehrenmord führt. Es wird nicht entschuldigt, nur erklärt. Objektiv und subjektiv. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und werde mir auch noch andere Bücher der Autorin ansehen.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Ehre.

    Ehre
    leselea

    leselea

    27. June 2016 um 15:40

    Ehre. Es ist ein kurzes, dabei aber so bedeutungsschweres Wort, das Elif Shafak zum Dreh- und Angelpunkt ihres gleichnamigen Romans macht. Ein Wort, das in unserer westlichen Gesellschaft zwar bekannt, jedoch keine zentrale Rolle mehr spielt, dafür aber in anderen, traditionelleren Kulturen von umso größerer Relevanz ist. Wie groß, das zeigt die Autorin anhand der Geschichte einer türkisch-kurdischen Familie, die sich zwischen einem kleinen Dorf am Euphrat und der großen Metropole London abspielt und eine Zeitspanne von knapp 50 Jahren umfasst. Ehre erzählt primär das Leben von Pembe, die mit ihrer Zwillingsschwester Jamila und ihren sechs weiteren Schwestern in einem kleinen kurdischen Dorf aufwächst. Als sie später mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern nach London zieht, erhofft sie sich die große Welt, die sie sich schon als kleines Mädchen erträumt hat. Doch das Glück will sich nicht einstellen: Die Sprachbarriere, die verschiedenen Traditionen scheinen zu groß, um in der neuen Kultur des Landes aufzugehen. Hinzu kommt, dass ihre Ehe, die von Anfang an unter keinem guten Stern stand, zerbricht: Ihr Mann gibt sich erst seiner Spielsucht, dann einer russischen Tänzerin hin. Erst als Pembe den Koch Elias kennenlernt, findet sich die Freude am Leben wieder. Doch mit der Affäre bringt Pembe nach Ansicht vieler ihrer Landesleute die Ehre ihrer Familie in Gefahr – und als Mann im Haus liegt es in der Hand ihres ältesten Sohn Iskender, die Sache zu klären… Elif Shafak nimmt schon im ersten Kapitel das Ende der Geschichte vorweg: Iskender verübt an seiner eigenen Mutter einen Ehrenmord. Dennoch weiß die Geschichte zu fesseln und den Leser an sich zu binden. Das liegt einerseits natürlich am Sujet selbst, das so unverständlich ist, das man hofft, auf den über 500 Seiten eine Antwort auf die Frage „Warum?“ zu bekommen, andererseits aber auch am geschickten Aufbau des Romans: Shafak wechselt in ihrem Roman stetig Ort, Zeit und Erzählperspektive. Auf diese Weise verweben sich die einzelnen Erzählstränge mit Dauer der Lektüre immer mehr, erhellen und revidieren sich gegenseitig, sodass der Roman trotz vermeintlicher Vorhersehbarkeit noch einige Überraschungen bereithält. Interessant ist an dieser Erzählweise zudem die damit einhergehende Sympathielenkung: Der Täter erscheint nicht als das personifizierte Böse, als das man ihn gern sehen würde, während das Opfer nicht gänzlich unschuldig am Verhalten des eigenen Sohnes ist (selbstredend wird die Tat in ihrer Grausamkeit damit nicht entschuldigt oder geschmälert). Vielmehr wirken beide – Pembe und Iskender – gleichermaßen als Gefangene ihrer Kultur und den vermeintlichen Regeln für ein „gutes“ Zusammenleben. Weiterhin positiv zu bewerten, ist der atmosphärische, leichte Schreibstil. Man findet sich schnell in der Geschichte zurecht, kennt die einzelnen Figuren, hat die beschriebenen Orte vor Augen. Nichtsdestotrotz ist ein vollkommenes Aufgehen im Roman meiner Meinung nach nicht möglich: Das Fremde der beschriebenen Kultur springt einem als westlicher Leser immer wieder ins Gesicht, viele Szenen entziehen sich einfach unserem Verständnis. Immer wieder musste ich das Buch zwischendurch zuklappen, war ich doch einfach geschockt und abgestoßen von seinem Inhalt, den ich nicht verstehen kann und – so ignorant das klingen mag – auch nicht verstehen will. Die Lektüre stellt daher kein klassisches Lesevergnügen da, sondern ist vielmehr als fordernd und anstrengend zu bezeichnen. Eine angemessene Bewertung von Ehre fällt mir daher schwer, kann ich doch nicht sagen, dass mir das Buch „gefallen“ hat. Doch bei guter Literatur geht es nicht unbedingt darum, dass diese dem Leser gefällt. Sie soll belehren, mahnen, aufzeigen, kritisieren, eine Stimme verleihen. Das alles vermag Ehre und daher kann ich den Roman abschließend nichtsdestotrotz empfehlen. Für die volle Punktzahl reicht es bei mir aufgrund einiger „handwerklicher“ Mängel dennoch nicht. Häufig kam mir der Gedanke, dass, wäre das Buch nicht von einer Türkin geschrieben worden, es sich der Kritik der Klischeehaftigkeit nicht hätte entziehen können, zu tragisch, zu übertrieben kommt das Erzählte häufig daher: Iskender, der Muttermörder, gerät kurz vor der Tat in die Fängen von Agitatoren; Adem, Pembes Ehemann ist seit seiner Kindheit, die geprägt von einem trinksüchtigen Vater und einer weggelaufenen Mutter war, zerrissen; Jamila, die Zwillingsschwester, wird in ihrer Jugend entführt und gilt seitdem als geschändet; eine weitere Schwester wird in den Selbstmord getrieben etc. Mir ist bewusst, dass die Autorin damit Muster aufdecken will, Themen, die sich wiederholen, mir war es aber insgesamt zu viel. Gleichzeitig hält die Elif Shafak das Drastische ihrer Erzählung nichts bis zum Ende aufrecht, sondern flüchtet sich hier in die Möglichkeiten der Fiktion: Das beschert dem Leser zwar eine (zugegebenermaßen spezielle) Art von Happy End, hier hätte ich mir aber doch Konsequenz gewünscht. Zuletzt hatte ich bisweilen das Gefühl, die Autorin hätte noch näher an das Thema herangehen können, hätte es noch besser analysieren können, hätte noch mehr den Finger in die Wunde legen können. Hier gestehe ich aber zu, dass es wohl schwierig ist, dass Thema Ehrenmord befriedigend zu bearbeiten, gibt es doch vor allem für den westlichen Leser einfach keine zufriedenstellende Antwort, die die Gräueltat nachvollziehbar macht. Ehre ist für mich ein forderndes Buch, das mich mit seiner Fremdheit immer wieder verstoßen, mit seiner gut erzählten Geschichte zugleich aber angelockt hat. Ein Buch, das sich auf gelungen Weise eines wichtigen Themas annimmt und daher trotz einiger bleibender Zweifel meine Leseempfehlung bekommt.

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    • 2
  • Ehre - Ein Familienepos zwischen Euphrat und Themse

    Ehre
    Ay73

    Ay73

    23. February 2016 um 13:03

    Das Buch erzählt die Geschichte eigentlich vom Ende zum Beginn hin... wir erfahren schon auf den ersten Seiten, dass eine junge Frau in London ihren Bruder aus dem Gefängnis abholt, und dieser Bruder ist der Mörder ihrer Mutter. Ein kurdisches Dorf in der Türkei am Euphrat. 1945 - nach 6 Töchtern hofft die Mutter endlich auf den ersehnten Sohn, doch sie bekommt Zwillingsmädchen - Pembe und Jamila. Bildhübsche und zuckersüße Babys. Sie wachsen in dieser rauen und kargen Landschaft auf, dürfen als Mädchen die Schule besuchen und lernen auch die türkische Sprache und haben doch eine glückliche Zeit. Eines Tages taucht Adem in diesem kargen Dorf auf und lernt eine der Zwillingsschwestern kennen und verliebt sich in sie.. es stellt es sich raus es ist Jamila, die ihm gegenüber auch nicht abgeneigt ist aber: sie wurde entführt, unversehrt zurückgebracht aber schweigt ob ihre EHRE noch vorhanden ist... und das ist nicht EHRENHAFT für Adem, und heiratet stattdessen Pembe.. denn sie hat "angeblich" EHRE. Also heiraten  Adem und Pembe und ziehen nach Istanbul. Ihr ältester Sohn Iskender und die Tochter Esma wachsen bis zum 7. Lebensjahr in Istanbul auf.. Derweil ist Jamila im Dorf am Euphrat geblieben, hat sich zur Hebamme mit ausbilden lassen und lebt ein zurückgezogenes Dorf Leben.. man nennt sie die "jungfräuliche Hebamme". Sie kommt mit den sogenannten Räubern gut klar, hilft Babys auf die Welt, und die zwei Schwestern schreiben sich in regelmäßigen Abstände Briefe. Dann ziehen Adem und Pembe nach London... den dort hat er eine Arbeit in der Keksfabrik gefunden.. Pembe bekommt noch einen Sohn den sie Yunus nennt. Aber Adem hat eine Schwäche, er zockt.. und er zockt nicht um wenig Geld und er verliebt sich in Roxanna, der russischen Tänzerin, und verlässt Pembe und die drei Kinder... er kommt einfach nicht mehr nach Hause. Auch der Bruder von Adem betreibt einen kleinen Supermarkt in London und ist der Überzeugung die EHRE seiner Schwägerin und deren Kindern zu übernehmen. Pembe sucht sich Arbeit bei einer Friseurin als Aushilfe und lernt den smarten Koch Elias kennen. Aber sie ist sich ihrer Gefühle nicht sicher bzw. schamhaft, denn sie verheiratet. Natürlich bekommen die Familienmitglieder von dieser UNEHRENHAFTEN Beziehung mit. Pembe offenbart sich ihrer Schwester per Brief und diese will nur ihrer Schwester zur Seite stehen. Und Iskender, der älteste Sohn soll die EHRE wieder herstellen. Und eines Tages, sieht er seine Mutter nach Hause kommen und sticht auf sie ein. Soviel dazu, mehr möchte ich nicht mehr von der Geschichte schreiben. Dies war mein erstes Buch der Autorin und ich bin begeistert. Eine sehr, wirklich sehr schöne Sprache gebraucht Elif Shafak in dieser Geschichte... und ich werde definitiv weiter von ihr lesen. Ein Buch das mich sehr berührt hat...

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  • Beeindruckend

    Ehre
    Ajani

    Ajani

    28. May 2015 um 20:14

    Vielleicht war ich etwas zu blauäugig, als ich bei einem Buch mit dem Titel Ehre, das von einer türkischen Autorin geschrieben wurde, eine aufregende Geschichte über Integration und Emanzipation erwartete. Tatsächlich ist die Handlung ziemlich deprimierend, denn sowohl Frauen als auch Männer fallen in diesem Roman ihrer Kultur, den Zwängen und Tabus zum Opfer. Die Autorin lässt in ihrer einfülsamen Erzählung keinen Zweifel daran, dass unter all diesen Regeln niemand wirklich frei oder glücklich werden kann. Die Handlung springt zwischen mehreren Jahrzehnten, sechs Hauptpersonen, einer Reihe von Nebencharakteren, und zwischen London und der Türkei hin und her. Da nahezu jede Person auch noch ohne Vorwarnung Flashbacks erlebt, ist das oft ziemlich chaotisch. Da halfen auch die eingefügten Daten zu Kapitelbeginn nicht mehr gegen die regelmässige Verwirrung, wo und bei wem die Geschichte denn gerade war. Ich brauchte stets ein paar Zeilen, um mich wieder zu orientieren. Das gesagt, sind die vielen Charaktere denen man begegnet lebendig und einzigartig (vielleicht auch gelegentlich ein klein wenig klischeehaft) und auch wenn ich schnell meinen Liebling gefunden hatte, so sind doch alle zugleich liebenswert, glaubwürdig und tragisch. Elif Shafak beschäftigt sich in diesem Roman mit einem sehr schwierigen und leider immer noch aktuellen Thema: dem "Ehrenmord". Wie kommt es dazu, dass aufgrund eines absurden moralischen Konstruktes Brüder ihre Schwestern und Söhne ihre Mütter töten? Eine richtige Antwort darauf habe ich bei der Lektüre nicht gefunden, vermutlich gibt es sie auch nicht. Aber zumindest bietet "Ehre" einen gewissen Einblick in die Verzweiflung und Einsamkeit, die die Beteiligten vielleicht umgibt. Was die Spannung anbetrifft, war ich etwas enttäuscht. Viele Situationen waren mir zu vorhersehbar, oder der Ausgang stand ohnehin schon fest. Vor allem die wohl als große Überraschung geplante Wendung zum Schluß hin war für mich bereits ab der Mitte des Buches klar. Ich hätte mir gewünscht, dass man erst kurz vor der Auflösung die Puzzleteile zusammenfügen kann. Trotzdem habe ich die Geschichte gerne gelesen und empfehle sie weiter. "Ehre" wünsche ich mir schon bald in jeder Bücherei, damit es durch viele Hände geht und viele Menschen nachdenklich machen kann. Aufmachung Das Hardcover ist schlicht und edel. Der Schutzumschlag ist in Wirklichkeit übrigens viel schöner, als auf dem Bildschirm. Die Schrift ist nicht gelb, sondern golden und das Grün-Türkis wirkt nicht so giftig. Auch die Innengestaltung ist sehr gelungen, mit zurückhaltender Typografie, schönen Initialen und Mediävalziffern für die Seitenzahlen. Genauso gelungen sind die Kapitelüberschriften. Zu meiner großen Freude gibt es sogar ein Lesebändchen und - was ich als absolut vorbildlich empfinde - einen Code um den Roman gratis als eBook herunter zu laden. Zwar übersteht das überraschend handliche Hardcover auch den Transport in der Tasche und viele Zugfahrten ohne abgestoßene Kanten oder Knicke im Umschlag, für Besitzer eines eReaders ist diese Option aber sicherlich praktisch.

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  • Anatolisches Allgäu

    Ehre
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    04. September 2014 um 09:45

    Als anatolische Bauern in Westeuropa zu Arbeitern wurden, traten sie aus „dem Schatten Gottes auf Erden“. Die Industrialisierung der Türkei hatte ohne sie stattgefunden. Sie kamen in eine fremde Moderne. Der Kulturschock war ihr Geheimnis. Elif Shafak schlägt Kapital aus dieser Erschütterung. In „Ehre“ legt sie die Wurzeln einer kurdischen Familie frei, für die Türkisch eine Fremdsprache und Mündlichkeit Tradition ist. Shafak folgt den Lebensbahnen der Zwillingsschwestern Pembe und Jamila. Eine kommt herum und um, die andere bleibt als Hebamme und Heilerin ledig in der alpinen Vaterwelt. Erzählt wird aus den Perspektiven aller möglichen Familienangehörigen. Da ist Pembe, die den Großstädter Adem heiratet, der sich lieber mit ihrer Zwillingsschwester verbunden hätte. Pembe verlässt mit Adem ein anatolisches Allgäu, in dem ein animistischer Islam wie hinter Schneewittchens sieben Bergen kräuterkundig in den Strom der Generationen fließt. Sie folgt ihm nach London und verliert ihn an eine Tänzerin. Sie verliert einen haltlosen Spieler als Gatten und gewinnt einen kosmopolitischen Koch als Liebhaber. Doch diese Volte im Leben von Entwurzelten hat in der archaischen Logik tödliche Konsequenzen. Elif Shafak gibt dem Leser eine Chance, die Zwangsläufigkeit zu erkennen, in der alles auf Tod (zur Abwehr der Schande) hinausläuft. Zumal dann, wenn die Krux der Ehre erklärt wird, unterstützt der Roman die Einbildungskraft, so als säße man im Kino. Man liest einen Film. * Schwäche nistet in Adem, sie ist sein Schicksal. Er unterwirft sich ohne Zwang und ergibt sich ohne Not. Aus dem Istanbuler Jungen wird ein trauriger Zocker in den indischen Spielhöllen von Hackney. Sein ältester Sohn Iskender sucht den fremdgehenden Vater, um ihm von der abwegigen Mutter zu berichten. Der eine erwartet vom anderen ein Strafgericht nach alter Väter Sitte. So verdient sich Elif Shafaks Roman seinen Titel „Ehre“. Der Mord bleibt als Tat am Sohn hängen. Er fängt dafür vierzehn Jahre, die er in Shrewsbury ausbrütet. Vielleicht ist das Motto von „Ehre“ direkt auf ihn gemünzt: „So weit seine Erinnerung reicht, hat er sich als Prinz des Hauses gefühlt und seine Mutter als seine fragwürdige Gönnerin und besorgte Beschützerin.“ (J.M. Coetzee. „Der Junge. Eine afrikanische Kindheit“) Da der Einfluss einer Frau mit ihren Söhnen wächst, sind sie Helden in den türkischen Mütterbiografien. Elif Shafak schreibt über die abgeleitete Macht der Mütter. Aus der westeuropäischen Perspektive liest sich das wie eine diskrete Kritik an Herrschaftsverhältnissen, Iskenders Schwester Esma obliegt es, den Mörder ihrer Mutter an seinem Haftende abzuholen. Ihren Zwillingstöchtern verschweigt sie das biblische Verbrechen des Onkels: „Die Wahrheit … zu vergraben, … ist bei uns eine Familientradition.“ Die Autorin leuchtet in Verhältnisse ohne Elektrizität, wenn sie die Geschichte von Jamila und Pembe erzählt. Sechs Töchter brachte Esmas Großmutter zur Welt. Sie fühlte sich von Gott geschnitten, da er sie keinen Sohn gebären ließ. In ihrer Welt bleibt Frauen nur Scham, während Männer Stolz haben. Hier überlebt ein Glaube an Geister, die im Ginster hocken, und den Frieden der Mädchen mit Schande gefährden. Auch Jamila gerät nach einer Entführung in den Strudel der Verdächtigungen, die sich auf nichts anderes als auf ihre Virginität beziehen. Sie wird ihrem Milieu unheimlich. Das ist dann ihre Rolle, isoliert und beinah stigmatisiert am Rand der Dorfgemeinschaft zu existieren. Am Rand der Gesellschaft siedelt ferner Pembe, in der Migration verstärkt sich das Einengende. Die Minderheiten kapseln sich mit hermetischen Auslegungen ihrer überkommenen Wertvorstellungen ab. Pembe arbeitet in einem Haushalt als billige Kraft. Iskender vertritt den abwesenden Vater mit der Verständnislosigkeit seiner Jugend. Zudem wird er agitiert. Man suggeriert ihm die Unvereinbarkeit westlicher und muslimischer Vorstellungen. Man bläut ihn mit einem Ehrbegriff, der erst Iskender und dann seine Familie sprengt. Vor ein paar Jahren hätte ich diesen Begriff von Ehre noch hohl genannt, aber längst steht außer Frage, dass er seine Gegenstände immer weiter findet. Vielleicht erklärt das die Faszination von „Ehre“. Im England der erweiterten Gegenwart wehren sich ethnisch differente Randgruppen mit dem Konservatismus ihrer Herkunftsgesellschaften gegen eine Mischung aus Rassismus und Aufklärung. Elif Shafak, „Ehre“, Roman, Kein & Aber, 528 Seiten, 24.90 €

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  • Ein neuer Blickwinkel

    Ehre
    Palandurwen

    Palandurwen

    18. August 2014 um 19:33

    Die Zwillingsschwestern Pembe und Jamila verbingen in einem abgelegenen, kurdischen Dorf ihre Kindheit ungetrennt und stets eng miteinander verbunden. Doch das Schicksal treibt die beiden Mädchen im Erwachsenenalter auseinander. Während Jamila unabsichtlich in ein Leben als "ewig jungfräuliche Hebamme" gleitet, wird Pembe aus ihrer Heimat fortgeweht - weiter, als sie es sich in ihrem Fernweh jemals erträumt hat: nach London.  Dort versucht sie mit der neuen Kultur, den anderen Sitten und den lauernden Gefahren einer fremden Welt fertig zu werden und gleichsam ihre drei Kinder aufzuziehen. Doch während sie selbst als Kind gegen die Strenge ihrer Familie angekämpft hat, driftet sie nun als Mutter selbst in ein solches Verhalten ab. Mit katastrophalen Folgen! Denn gerade als Pembe versucht, sich aus der misslichsten Lage ihres Lebens - neues Land, neue Sprache, Dasein als Alleinerziehende Mutter - mit Hilfe eines neugewonnenen Freundes zu erheben, da spielt das Schicksal ihr erneut einen grausamen Streich und ihre Vergangenheit holt sie ein.  "Ehre" ist das leitende Motiv, welches sich auf vielschichtige Weise durch die gesamte Erzählung zieht. Während wir Europäer darunter etwas spirituelles und sehr ambivalentes verstehen, scheint es aus unserer Sicht in der türkisch-islamischen Kultur eher ein Begriff der Keuschheit und Jungfräulichkeit zu sein - etwas, dass lediglich den Frauen auferlegt wird, wie ein Zwang und aufgrund dessen Frauen, die um ihre Freiheit kämpfen, stets vom Tode bedroht oder schließlich auch davon eingeholt werden. So zumindest unsere Annahme. Doch Elif Shafak zeichnet in ihrem Roman ein viel weiteres Bild, ein umfassenderes Gefühl, was es mit diesem Wort auf sich hat. Bereits Pembe und Jamilas Mutter Naze ist tief durchdrungen davon. Für sie ist es eine große Qual ihrem geliebten Ehemann keinen Sohn geschenkt zu haben, sondern nur acht Töchter. Der Gram, den sie empfindet, als die Zwillinge das Licht der Welt erblicken, scheint sich wie ein unsichtbares Tuch auch über Pembe gelegt zu haben - empfindet sie doch in England ähnliche Schuldgefühle, als sie beginnt sich über ihre Tradition hinwegzusetzen und ein neues Leben anzufangen. Stets begleiten sie Schuldgefühle, befleckt sie dadurch doch ihre und die Ehre ihrer Familie. Und das, obwohl sie aus unserer Sicht alles Recht dazu hat - betrügt und verlässt ihr spielsüchtiger Mann sie doch. Aber Pembe kann sich nicht lösen. Und auch ihr Sohn Iskender, den sie zu einem ehrenhaften Mann heranziehen will, kommt von diesem Weltbild nicht los. Er wird davon getrieben, die Rolle des Mannes im Haus einzunehmen. Und auch, wenn es den Jungen fast umbringt, so fühlt er sich doch dazu verpflichtet, seine Mutter zu beschützen, sie auf den rechten Weg zurückzubringen und die Ehre zu verteidigen. Mit welchen Mitteln auch immer. Shafak zeigt Figuren, die sehr klar und nachvollziehbar beschrieben werden. Es sind Menschen aus einer anderen Kultur und doch wird ihr Innerstes deutlich, man meint zu verstehen. Jeder der Handelnden darf seine Sicht darlegen. Es entsteht ein Geflecht aus Erinnerungen, Momentaufnahmen, größeren und kleineren Strängen, die schließlich alle an einem Punkt zusammenlaufen und im Hier und Jetzt münden. In dem Moment, als Er wieder frei ist. Und als seine Mutter gestorben ist. Zweimal.  Sprachlich besticht der Roman durch ungewöhnlich Bilder und Vergleiche. Er liest sich sehr angenehm und flüssig, die wenigen türkischen oder kurdischen Begriffe sind sogar in einem Glossar erklärt.  Mein Fazit: Ich bin mit dem Gedanken an das Buch herangetreten, wirklich harte Kost vor mir zu haben, wahrscheinlich getränkt in Hass und Leidenschaft, Blut und Ehre. Doch gefunden habe ich einen spannenden Teppich, bei welchem alle Fäden nebeneinander laufen, sich ab und an kreuzen und zusammen ein Bild ergeben, welches so kostbar und zierlich ist, dass ich ganz überrascht davon bin. Selbst die Täterfigur Iskender ist für mich ein Sympathieträger, während die Hauptfigur Pembe mich teilweise schon mit ihren Schuldgefühlen erdrückte. Man möchte sie am liebsten wachschütteln und warnen, gleichzeitig aber auch beschützen. Insbesondere der jüngste Sohn Yunus und die Schwester Jamila sind mir beim Lesen jedoch ans Herz gewachsen. Beides sehr faszinierende und schöne, offene Charaktere. Um so mehr hat mich allerdings das Ende überrascht! Außerdem hat mich noch die Art und Weise der Grundmentalität tief beeindruckt. Sie besagt, man solle die Menschen, die Natur, ja die ganze Welt so nehmen, wie sie ist - Gott hat sich dabei etwas gedacht.  Mit diesen Eindrücken im Gepäck kann ich für "Ehre" eindeutig eine Empfehlung aussprechen. Denn, auch wenn Ehrenmorde furchtbar sind, so wird hier eine andere Sicht gezeigt und es bleibt kein Hass oder keine Blutgier, keine Aggression, sondern lediglich Trauer, Nachdenklichkeit und auch Liebe. Man taucht in eine andere Welt ein, sieht die eigene mit fremden Augen und geht schließlich mit einem neuen, tiefgehenderen Verständnis und Mitgefühl aus den Buchseiten hervor.

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  • Der Begriff der Ehre

    Ehre
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Ehre ist in unserer Kultur ein Wort und ein Begriff, der seit längerer Zeit eher ein Nischendasein führt. Was soll das eigentlich sein, die Ehre? Deshalb fallen uns bei diesem Wort meist andere Kulturen ein, z.B. die türkische, in der das ganz anders ist. Zumindest in den traditionsverhafteten Familien, in denen, die jenseits des westlichen Einflusses, oft irgendwie in der Provinz leben. Dass Ehre aber auch ein Begriff ist, der sich in unsere Welt, in unseren Alltag einschleichen kann und wieder den längst vergessenen Stellenwert beansprucht, erfahren wir immer wieder schmerzlich, wenn ein Ehrenmord geschieht. Für die meisten von uns unbegreiflich, oft von den jungen, vermeintlich gut integrierten Männern, den Brüdern, Söhnen, Neffen oder Cousins verübt, erschüttert das unser Wertesystem. Wie kann so etwas geschehen. Einen Versuch, sich des Themas zu nähern, unternimmt Elif Shafak in ihrem neuen Roman. "Männer haben ihre Ehre, Frauen ihre Scham" sagt einmal eine der Protagonistinnen. Leider ist die Ehre der Männer allzu sehr an die Scham der ihnen (an)gehörenden Frauen geknüpft. Pembe und Jarmila sind Zwillingsschwestern, geboren als siebte bzw. achte Tochter irgendwo in einem Dorf an den Ufern des Euphrats. Die Mutter stirbt bei der Geburt der neunten Tochter, als beide noch Kinder sind. Der Vater lässt seine Mädchen zumindest die Schule besuchen, eher ungewöhnlich in diesem Umfeld. Beide hängen sehr aneinander, beide träumen aber auch von einem anderen Leben. Dieses scheint sich zu bieten, als ein junger Istanbuler ins Dorf kommt, Adem. Er verliebt sich in Jarmila, traut sich aber letztendlich nicht, sie zu heiraten, da nach einer früheren Entführung Gerüchte über ihre Unbeflecktheit kursieren. Zum Trost heiratet er Pembe, zieht mit ihr zunächst nach Istanbul und dann nach London. Ein großer Fehler, wie sich zeigen wird, denn die Ehe wird unglücklich, Adem entflieht ihr in die Spielsucht und die arme einer britischen Tänzerin, Pembe muss ihre drei Kinder mehr oder weniger alleine durchbringen. Als sie eine zarte Beziehung zu einem Mann knüpft, hat das dramatische Folgen. Elif Shafak beleuchtet besonders, wie die Erziehung besonders der Jungen Einfluss auf ihren Weg nimmt, wie sie zerrieben werden zwischen Traditionen, die sie für die Familie wahren sollen und ihrem eigenen, oft schon westlichen Leben. Welche ungute Rolle dabei auch gerade die Frauen und besonders Mütter dabei spielen. Der Autorin gelingt es dabei eine durchweg hohe Spannung beizubehalten, obwohl der schicksalhafte Verlauf von Anfang an klar ist. Die verschachtelt dabei verschiedene Zeit- und Ortsebenen, macht dies aber für den Leser gut nachvollziehbar. Ihre Sprache ist reich, sinnlich und schön. Manchmal hätte sie für meinen Geschmack noch näher ran gehen können, den Finger noch tiefer in die Wunde legen können. Aber das Thema ist sehr komplex und Elif Shafak ist auch eine Autorin, die große Leserkreise ansprechen möchte. Sie widmet das Buch all jenen, die "hören und sehen". Sie gehört auch in der Türkei zu den wichtigsten Autoren. Es ist zu hoffen, dass sie mit diesem wichtigen Thema und diesem wunderbaren Buch möglichst viele erreicht.

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    • 2
  • Die Tragödie einer Familie zwischen den Kulturen

    Ehre
    Schreibschnegel

    Schreibschnegel

    Ein Sohn bringt seine Mutter um. Um diese erschütternde Tat drehen sich die Geschichten und die Figuren in Elif Shafaks fesselndem Roman „Ehre“. Von Anfang an weiß der Leser, was geschehen ist - oder geschehen wird, denn der Text mäandert zwischen unterschiedlichen zeitlichen Ebenen und Perspektiven, die alle mit der Familie Toprak zusammenhängen. Da sind die Zwillingsschwestern Pembe und Jamila, die in einem kleinen kurdischen Dorf aufwachsen und innig miteinander verbunden bleiben, auch nachdem Pembe mit ihrem Ehemann und ihren Kindern nach London auswandert. Da ist Esma, Pembes einzige Tochter, die in einem kulturellen Zwiespalt aufwächst und fest daran glaubt, zu etwas Großem bestimmt zu sein. Da ist Elias, der Mann ohne Wurzeln, für den Pembe so empfindet wie für niemanden zuvor. Und da ist Iskender, der älteste Sohn, der Augapfel seiner Mutter. Der Mörder. Gerade die Unausweichlichkeit des Geschehens macht „Ehre“ so dramatisch und so packend. Der Leser lernt die unterschiedlichen Figuren intim kennen, ihre Ängste und Sehnsüchte, ihre Geheimnisse und Werte - und hat dabei stets die Tragödie vor Augen, die sie ereilen wird. Elif Shafak schildert dabei alle Blickwinkel mit der gleichen Sensibilität und Überzeugungskraft. Selbst Iskender, dem nicht einmal seine Geschwister vergeben können, rückt beim Lesen unbehaglich nahe. Seine Kapitel sind mit die eindringlichsten des Romans, denn ihn zu verstehen ist ein schwieriges, fast unmögliches Unterfangen - und doch schreckt die Autorin auch davor nicht zurück. Die Geschichte ist clever erzählt - die einzelnen Kapitel sind so aufeinander abgestimmt, dass immer wieder neue Bruchstücke von Informationen offenbart werden, die das Gesamtbild verändern und etablierte Figuren in einem neuen Licht dastehen lassen. Und obwohl der Leser meint, den Ausgang von Anfang an zu kennen, wartet am Ende noch eine überraschende Wendung, die vielleicht nicht allen zusagen wird, aber die Geschichte geschickt in eine neue Richtung lenkt. „Ehre“ ist ein Roman über kulturelle Differenzen, Generationenwandel, das Erwachsenwerden, die Liebe und die Suche nach sich selbst - aber vor allem über eine Familie, deren Schicksal einem unerwartet nahe geht. 

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    • 2
  • beeindruckende Familiengeschichte

    Ehre
    sab-mz

    sab-mz

    07. June 2014 um 13:21

    Elif Shafak ist eine renommierte Autorin in der Türkei. Sie lebt u.a. in London und lässt auch die Handlung ihres Buches teilweise dort spielen. Pembe und Jamila sind Zwillingsschwestern. Die beiden sind Kurdinnen und sind sich sehr nahe. Erwünscht waren die Mädchen von ihrer Mutter Naze nicht. Diese wollte Söhne. Die Mutter hadert mit ihrem Schicksal. Warum straft Allah sie mit 2 weiteren Mädchen? Sie hat doch schon 6. Sie wollte die Mädchen Bext und Bese nennen, was kurdisch ist und Schicksal und Genug heisst, auf Türkisch Kader und Yeter. Ihr Mann Berzo aber wollte Allah nicht weiter erzürnen und verkündete die Namen seiner Töchter: Pembe und Jamila, was Rosarot und Schön bedeutet. All dies spielte sich 1945 in einem kleinen kurdischen Dorf ab. In einer Gegend, die noch nicht einmal etwas vom 2.Weltkrieg gehört hatte. Pembe bekommt 17-jährig einen Sohn, einen Jungen, der ihrer Mutter stets verwehrt blieb. Der Sohn wird nach Alexander dem Großen auf Kurdisch Askander, auf Türkisch Iskender genannt. Pembe und ihr Mann Adem gehen nach London, Jamila bleibt zurück und arbeitet als Hebamme. Pembe hat 3 Kinder und wird nie glücklich in ihrer Ehe. Adem liebte ja auch Jamila und tröstete sich mit deren Schwester Pembe in dem Irrglauben, dass Zwillingsschwestern genau gleich sind. Im Laufe der Zeit lernt Pembe dann in London Elias kennen. Elias ist Koch und ein sehr einfühlsamer Mann. Natürlich passt das Verhältnis der Beiden nicht in die Pembes Welt. Es kommt wie es kommen muss, ein Ehrenmord passiert. Die Autorin schildert sehr behutsam und mit grossem Einfühlungsvermögen die Geschichte der ganzen Familie. Sie beschreibt die Personen von den Großeltern bis hin zu den Enkelkindern und deren Schicksal so exakt, dass man glaubt die Personen zu kennen. Da sie ja selber den Weg von der Türkei nach London ging, kann sie aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Mein Fazit: ein eindrucksvolles und fesselndes Buch, in dem die Geschichte einer kurdischen Familie über 3 Generationen erzählt wird. Eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen, mit kulturellen und religiösen Zwängen und mit 2 Zwillingsschwestern, die durch ihre unterschiedlichen Lebenswege getrennt werden. Einfach mitreissend ist das Buch.

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  • beeindruckende Familiengeschichte

    Ehre
    sab-mz

    sab-mz

    07. June 2014 um 13:21

    Elif Shafak ist eine renommierte Autorin in der Türkei. Sie lebt u.a. in London und lässt auch die Handlung ihres Buches teilweise dort spielen. Pembe und Jamila sind Zwillingsschwestern. Die beiden sind Kurdinnen und sind sich sehr nahe. Erwünscht waren die Mädchen von ihrer Mutter Naze nicht. Diese wollte Söhne. Die Mutter hadert mit ihrem Schicksal. Warum straft Allah sie mit 2 weiteren Mädchen? Sie hat doch schon 6. Sie wollte die Mädchen Bext und Bese nennen, was kurdisch ist und Schicksal und Genug heisst, auf Türkisch Kader und Yeter. Ihr Mann Berzo aber wollte Allah nicht weiter erzürnen und verkündete die Namen seiner Töchter: Pembe und Jamila, was Rosarot und Schön bedeutet. All dies spielte sich 1945 in einem kleinen kurdischen Dorf ab. In einer Gegend, die noch nicht einmal etwas vom 2.Weltkrieg gehört hatte. Pembe bekommt 17-jährig einen Sohn, einen Jungen, der ihrer Mutter stets verwehrt blieb. Der Sohn wird nach Alexander dem Großen auf Kurdisch Askander, auf Türkisch Iskender genannt. Pembe und ihr Mann Adem gehen nach London, Jamila bleibt zurück und arbeitet als Hebamme. Pembe hat 3 Kinder und wird nie glücklich in ihrer Ehe. Adem liebte ja auch Jamila und tröstete sich mit deren Schwester Pembe in dem Irrglauben, dass Zwillingsschwestern genau gleich sind. Im Laufe der Zeit lernt Pembe dann in London Elias kennen. Elias ist Koch und ein sehr einfühlsamer Mann. Natürlich passt das Verhältnis der Beiden nicht in die Pembes Welt. Es kommt wie es kommen muss, ein Ehrenmord passiert. Die Autorin schildert sehr behutsam und mit grossem Einfühlungsvermögen die Geschichte der ganzen Familie. Sie beschreibt die Personen von den Großeltern bis hin zu den Enkelkindern und deren Schicksal so exakt, dass man glaubt die Personen zu kennen. Da sie ja selber den Weg von der Türkei nach London ging, kann sie aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Mein Fazit: ein eindrucksvolles und fesselndes Buch, in dem die Geschichte einer kurdischen Familie über 3 Generationen erzählt wird. Eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen, mit kulturellen und religiösen Zwängen und mit 2 Zwillingsschwestern, die durch ihre unterschiedlichen Lebenswege getrennt werden. Einfach mitreissend ist das Buch.

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  • „Kein Stolz ohne Schande“

    Ehre
    Ginevra

    Ginevra

    05. June 2014 um 20:43

    Ein kleines kurdisches Dorf und das mondäne London sind die Hauptschauplätze dieser Familiensaga, die sich über mehrere Generationen in den Jahren 1945 – 1992 erstreckt. Pembe und Jamila Toprak sind Zwillinge – innerlich sind sie eng miteinander verbunden, äußerlich ist alles an ihnen spiegelverkehrt. Sie schlagen völlig verschiedene Wege ein: während die neugierige Pembe mit Ehemann Adem nach London auswandert, bleibt Jamila in ihrem kurdischen Dorf als „jungfräuliche Hebamme“, der das Heiraten untersagt ist. Pembe gebiert drei Kinder: den hitzigen Iskender, die sprachbegabte Esra und den verträumten Yunus. Ihre Kindheit wird überschattet durch die Eheprobleme, die zwischen Pembe und Adem auftreten. Abseits der strengen Überwachung ihrer kurdisch-türkischen Familie gerät Adem in den Strudel der Spielsucht und einer fatalen Affaire, während Pembe verzweifelt versucht, die Familie zusammenzuhalten – bis sie sich in den Libanesen Elias verliebt. Die drei Kinder zerbrechen fast an den Widersprüchen zwischen den kulturellen Werten der beiden Welten und den auseinanderdriftenden Elternteilen. Auch Jamila beschließt, ihrer Zwillingsschwester zu helfen. Eine Katastrophe nimmt ihren Lauf… Die türkische Schriftstellerin Elif Şafak (* 25. Oktober 1971 in Straßburg, Frankreich; englische Schreibweise: Shafak), gehört zu den meistgelesenen Schriftstellerinnen in der Türkei sowie außerhalb. Das Pseudonym Şafak bedeutet „Morgenröte“ und ist der Vorname ihrer Mutter. Als Tochter einer Diplomatin und eines Soziologieprofessors wuchs sie in Madrid und Amman auf, studierte Internationale Beziehungen in Ankara und promovierte an derselben Universität in Politischen Wissenschaften. Sie arbeitete als Assistenz-Professorin und forscht an der Kingston Universität London. Ihr politisches Engagement spiegelt sich in ihren zahlreichen Romanen wider – diese wurden z.T. preisgekrönt, z.T. sind sie in der Türkei aber auch heftig umstritten. Mich hat dieser Roman tief beeindruckt. Elif Shafak gelingt es, dem Leser die Werte der kurdisch- türkischen Kultur und ihre Reibungspunkte mit der westlichen Kultur in Romanform zu vermitteln. Durch den häufigen Perspektivenwechsel werden Themen wie Schande, Familienehre und Ehrenmord verstehbar. Den strengen Regeln stehen die lockeren westlichen Werte gegenüber – und schneiden nicht unbedingt besser ab. Beide Haltungen haben ihre Schattenseiten: die extrem „altmodisch“ denkenden Romanfiguren unterdrücken ihr Selbst zugunsten von Familie und Gesellschaft, die extrem „modern“ denkenden Figuren führt ihr Individualismus in Einsamkeit und Sucht. Wem der Spagat zwischen beiden Haltungen gelingt, kann zu einem Kompromiss zwischen Familie und Selbstverwirklichung finden. Fazit: ein intelligent konstruierter, emotional bewegender Roman, den ich gerne weiterempfehle – an alle, die sich für fremde Kulturen und Schicksale interessieren. 5 von 5 Sternen!

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