Elisa Albert

 3.9 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von Das Buch Dahlia, Einschnitt und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Elisa Albert

Das Buch Dahlia

Das Buch Dahlia

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Erschienen am 01.01.2011
Einschnitt

Einschnitt

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Erschienen am 11.11.2016
Was ist in dieser Nacht so anders?

Was ist in dieser Nacht so anders?

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Erschienen am 01.03.2010
The Book of Dahlia

The Book of Dahlia

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Erschienen am 21.07.2009
How This Night Is Different

How This Night Is Different

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Erschienen am 12.02.2008
After Birth

After Birth

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Erschienen am 17.02.2015
Freud's Blind Spot

Freud's Blind Spot

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Erschienen am 16.11.2010

Neue Rezensionen zu Elisa Albert

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Rezension zu "Einschnitt" von Elisa Albert

Muttersein. Der (Kaiser-) Einschnitt des Lebens. Leider nicht meine Wellenlänge....Teilrezension
Flohvor 2 Jahren

(Meine Rezension zu einem vorzeitig beendeten Buch, welches ich nach Seite 153 von 212 leider nicht weiterlesen mag.)

Ich lese gern humorvolle Romane, verstehe sämtliche Richtungen von Ironie, Sarkasmus und Augenzwinkern. In „Einschnitt“ sollte es um Geburtserfahrungen und das Leben mit einem einjährigen Sohn in einer Ehe als Mutter, Mutter und nochmals Mutter gehen. Ein Kaiserschnitt, der bei der Protagonistin Ari mehr als eine OP-Narbe hinterlassen hat. Die Ausnahmeautorin Elisa Albert greift diese Gedanken, Gefühle, dieses Thema, das Todschweigen und den Blick der (männlichen) Gesellschaft auf und verwebt dieses zu einem Roman, der den Leser wirklich auf eine harte Probe stellt. Einen Roman, der aneckt, kontrovers erscheint, derb spricht, nichts verschönt, verstört, irritiert und überspitzt die Wahrheit einiger Mütter ans Licht bringt. Hier wird vor der eigenen Haustüre gekehrt. Und zwar ordentlich und gründlich…. Die interessanten Pressestimmen und Wortmeldungen zum Buch haben mich doch sehr neugierig gemacht. Was steckt wirklich hinter diesem bissigen Buch „Einschnitt“?... „Einschnitt“ entpuppt sich bereits nach wenigen Zeilen als kein gewöhnlicher Pleiten-Pech-und Pannen Frauen-, Mutter- oder Elternroman, sondern ein ganz besonderes Geflecht, was man erst einmal zu nehmen wissen muss… Humor der besonderen Art mit einem schmalen Grat zur Abgedroschenheit und sehr vulgär und rundheraus. Nicht jedermanns oder jederfraus Sache.
Erschienen im dtv Verlag (https://www.dtv.de/)

„Manche Freundinnen wollen Kinder, haben aber keine, manche haben welche, andere nicht, wieder andere wollen gar keine, können aber nicht zugeben oder reagieren aggressiv, wenn man sie darauf anspricht, und einige Freundinnen haben sich mit der Kinderfrage selbst so verrückt gemacht, dass sie partout nicht schwanger werden. Und dann gibt es welche, die Jahre damit zubringen, für viel Geld Teile von sich eingepflanzt, entfernt und gemixt, im Labor gezüchtet und wieder eingefügt und mit Hormonen gefeuert zu kriegen, und eventuell irgendwann ein, zwei eigene Knuddelzwerge vorzuweisen haben. (Seite 16 / 17)

Inhalt:
"Vor einem Jahr hat Ari ihr erstes Kind zur Weltgebracht. Walker ist ein munteres, fröhliches Kerlchen, doch Ari wurde von dem ungeplanten Kaiserschnitt völlig aus der Bahn geworfen. Sie meint, eine Versagerin zu sein, die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben und fühlt sich unendlich allein. Als Mina Morris, ehemaliger Rockstar und hochschwanger, in ihre Nachbarschaft zieht, hofft sie, in der älteren und selbstbewussteren Frau eine Bundesgenossin zu finden – ihren früheren negativen Erfahrungen mit Frauenfreundschaften zum Trotz.

Auf einem furiosen Ritt durch Aris Leben rechnet Elisa Albert scharfzüngig und schonungslos mit den modernen Mythen rund um Schwangerschaft, Geburt und Frauensolidarität ab."

„Mina Morris. Ich bin ein bisschen besessen von ihr. Soll heißen, total besessen, also, besessen eben.“ (Seite 9)

Handlung / das erlebt man im Buch:
Die junge Mutter Ari hat das zur Welt gebracht, was die Gesellschaft von ihre erwartete: Ein Baby. Ein Kind. Ari hat einen bald ein Jahr alten Sohn, Walker, und einen sorgsamen Ehemann, Paul, ein Leben in der Vorstadt, einen Haushalt, Windeln, Stillutensilien, Tragehilfen, durchwachte Nächte, andere Mütter in der Gegend, aber kein eigenes Leben… Keine Freundin und keinen Antrieb. Aber sie hat die Liebe zu ihrem Kind. Sie liebt und vergöttert Walker über alles. So wie es nur Mütter können… Hier schildert Ari gnadenlos von ihrer Geburt. Den Kaiser- (Ein-)schnitt ihres Lebens. Und wie sich die Ehe, ihr Dasein und ihre Welt als Mutter verändert hat. Völlig unzufrieden, ausgelaugt, überfordert, traumatisiert und doch unendlich glücklich über das kleine Wesen in ihren Armen… Ari sucht Anschluss, versucht Freunde zu finden, eine Aufgabe zu bekommen und sich ein neues Leben zu gestalten. Auf diesem Weg begleiten wir diese junge Mutter und ihr Umfeld. Mit all den verstörenden Gedanken, Gefühlen und Wahrheiten….

„Als ich durch war, hielt ich das Buch ganz fest, umarmte das Ding regelrecht. Hatte den Impuls, eine Seite rauszureißen und zu verschlingen, aus demselben Grund, aus dem man sich ein Tattoo machen lässt, damit es Teil von einem bleibt, einen für immer erbaut.“ (Seite 15)

Meinung / Eindrücke:
Der Klapptext und die Inhaltsangabe hält, was es verspricht. Dieser Roman zerschreddert alles und stellt die Welt auf den Kopf. Gnadenlos, erfrischend, ansteckend und absolut offen und ohne Scheu. Sex, bzw. kein Sex, Beziehungen, Sehnsüchte, Schwangerschaft, Katastrophen, Geburtstrauma, OP, Narben, Gebrüll, Erwartungen, Verantwortung, ein paar Kilos zu viel, körperliche Veränderungen, Party, Erwachen und jede Menge derber Töne und Flüche. Der Klapptext hat mich wirklich neugierig gemacht. Geburtserfahrungen? Als junge zweifach-Mama mit zwei unterschiedlichen Geburtserfahrungen (ungeplanter Kaiserschnitt und eine Spontangeburt)hoffte ich, mit Ari mitfühlen und mitreden zu können. Nachdem ich in den ersten Zeilen erst einmal arg Stutzen musste, ob des sonderbaren und knappen Schreibstils und der konfusen Wortfetzen, die ich gar nicht sortieren konnte. Kurz darauf gab es dann aber eine Phase, wo ich mich sehr gut mit Ari und ihren Gedanken identifizieren konnte. Die unpersönliche und schlachtende Kaiserschnittgeburt im OP. Die Kühle und Distanz, bis dann kleine Bündel dann in den Armen liegen darf, man aber vielleicht unzählige Wochen noch Schmerzen hat und sich gar nicht aufrichten oder bewegen kann, da die Narbe schwer verheilt und immer wieder Hindernis ist… Womöglich. Aber diese kurze Phase von Gleichheit, bzw. Sympathie zur Protagonistin ist für mich wirklich zu kurz gewesen, denn schon bald war ich einfach nur verstört über ihre Gefühle und Ansichten. Zwar liebt sie ihren Sohn Walker über alles und kümmert sich (zum Glück!!!!), doch ihre zurückgezogene und eingefahrene Situation kann ich zum Glück nicht ganz nachempfinden und finde es vielleicht auch überzogen. Nicht vielleicht die Situation, dass es Müttern so gehen könnte, sondern die Wortwahl der Autorin. Der Schreibstil wurde mir dann doch zuwider und zu derb und abgedroschen. Nein, das war dann wirklich nicht mehr meine Wellenlänge…

Nach folgendem Satz habe ich dann doch für mich beschlossen, meine Lesezeit anders zu investieren und diesen Roman vorzeitig beendet: „Leute, oh Gott, guck mal. Sie drückt ihre rechte Brust, melkt sich selbst und sprüht eine Fontäne in die Luft. Wir klatschen und johlen und schlagen ein.“ (Seite 152) Tolle Darstellung einer stillenden Mutter (zumal bei einem fremden Kind, nicht ihr Sohn, sondern der Sohn ihrer Freundin Mina, Zev…)

Für besonderen Humor und abgedrehte Storys bin ich einfach immer gern zu haben. Wenn es dann um Muttersein, Kinderkriegen, Schwangerschaft, Alltag, Beziehung und Liebeschaos geht, bin ich als junge Mutter zweier bezaubernder Kinder natürlich besonders angesprochen. Da ich Kerstin Gier mit „Die Müttermafia“ gern gelesen habe, dachte ich, „Einschnitt“ würde das Muttersein vielleicht ähnlich ansprechend aufs Korn nehmen, oder sogar, was auch toll gewesen wäre, ernste Töne anschlagen und Mütter mit ähnlichen Gedanken erreichen… Leider musste ich beim Lesen doch bereits sehr früh feststellen, dass mich diese Art von Ton und Aussprache in diesem Buch überhaupt nicht anspricht und ich es einfach too much und überfrachtet finde, auf fast jedem zweiten Abschnitt die Worte „ausgeleiert“, „Busen“, „Milchdrüsen“, „Babykotze“ oder ähnliches zu lesen. Nö, da war mein Maß schnell voll und ich konnte dem Buch leider so gut wie gar nicht mehr positiv entgegen sehen. Ich bin keinesfalls spießig oder verklemmt, aber diese Geballtheit an vulgärer Gossensprache ist etwas, was ich nun wirklich nicht brauche. Sehr schade. Es hätte bestimmt noch lustig und witzig werden können, oder vielleicht auch sogar ernst und gehaltvoll. Doch ehrlich gesagt sträubt es mich, hier weiter zu lesen und ich glaube nicht, dass mich das Ende noch anders ansprechen würde. Ich habe den Roman vorzeitig auf Seite 136 von 212 Seiten beendet. Vielleicht irgendwann einmal, oder ich muss es einfach mal für mich als persönlichen Flop hinnehmen….

„Eine Frau in einem Zimmer muss sich um so viele Menschen kümmern, wie sich in diesem Zimmer befinden…“ (Seite 62)

Die Autorin:
"Elisa Albert, geboren 1978 in Los Angeles, hat an der Brandeis University, Massachusetts, und an der Columbia University in New York Literatur studiert. Ihre Texte erscheinen in verschiedenen Magazinen und Anthologien. Daneben ist sie als Lehrbeauftragte an der Columbia School of the Arts tätig. Für ihre Short Storys hat sie verschiedene Auszeichnungen erhalten, eine Auswahl erschien 2006 unter dem Titel ›Was ist in dieser Nacht so anders‹ (dtv 24749). 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, ›Das Buch Dahlia‹ (dtv 13949). Elisa Albert lebt mit ihrer Familie in Upstate New York."

Fazit:
Für mich ein auf jeden Fall einschneidendes Leseerlebnis. Ein sehr grenzwertiges Buch mit sehr offener und teils sehr geballter vulgärer Aussprache und Provokation. Das war mir dann doch too much, obwohl ich leicht ironische „Mütterromane“ im Grunde sehr mag, mir hier sogar mehr Tiefe und Ernst vorgestellt hatte. Die Verarbeitung eines traumatischen Geburtserlebnisses durch Kaiserschnitt und die spätere Rolle als liebende und sorgende Mutter. Ein Flop, leider.

Hier geht es zu meiner persönlichen Lesechronik mit meinen einzelnen Eindrücken:
https://www.lovelybooks.de/bibliothek/Floh/lesestatus/1359899664/

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Bücherwahnsinns avatar

Rezension zu "Das Buch Dahlia" von Elisa Albert

Diagnose Krebs... Dahlias Weg
Bücherwahnsinnvor 5 Jahren

Dieses Buch hab ich vor 3 Jahren bei einem Lesemarathon gewonnen. Es stand schon damals ne recht lange Weile auf meiner WuLi. und ich hab mich wirklich gefreut es nun zu haben. Warum es doch noch mal so lange gedauert hat es zu lesen...? Hm... Da sag ich immer, jedes Buch hat seine Zeit. Und jetzt war es eben der richtige. Aber nun zum Buch.

Das Cover fiel mir damals schon auf und ich fand es wirklich schön. Nicht nur das der Name der Protagonistin in mit der Dalie im Kopf aufgenommen wird, nein auch der wachsende Hirntumor wird so gleichtauch noch mit aufgenommen. Find ich wirklich eine schöne Idee. Und der Titel dazu, schlicht. Wirklich schön. 

Der Schreibstil der Autorin ist speziell. Schwierig für mich um rein zu kommen. Auch später im Verlauf fällt es mir manchmal echt etwas schwer flüssig zu lesen, denn sie arbeitet mit sehr viel Zwischensätzen und darin auch noch mit Klammern. Aber ich muss sagen, es passt so gut zur Protagonistin Dahlia. Aber man muss wirklich konzentriert sein, sonst stockt man zu viel und es nervt dann nur noch. 

Und die Geschichte, keine leichtes Thema. Krankheiten in einer Geschichte sind meist nicht ganz einfach, Krebs ist da meist besonders schwierig. Obwohl die meisten Menschen heute nicht daran sterben. Man hat da einfach zu viele Ängste vor. Krebs ist eine Krankheit die halt eben mit sehr vielen Behandlungen beslastet sind die nicht nur dem Körper alles abverlangt. Bestrahlung, Chemo... eine Zeit die wirklich schlimm ist. An der viele fast zu Grunde gehen... Aber die meisten schaffen es und besiegen den Krebs. Und doch, ein paar wenige eben nicht... 

Dahlia ist eine junge Frau die mit 29 die Diagnose gestellt bekommt. Hirntumor... Und was jetzt? Wie soll sie damit umgehen? Am besten gar nicht, ignorieren, so tun als wär es nichts. Das wird schon wieder. Ja, so kann man reagieren. Während Dahlias Eltern nur das "Beste" für sie wollen und ihr immer wieder sagen wie sie sich zu verhalte hat, was gut für sie ist und so weiter, will Dahlia es erst mal mit ignorieren versuchen. Und doch nimmt sie ein Buch mit, ein Ratgeber, der ihr hilft auch was Gutes aus der Diagnose zu ziehen. Sie fängt also an das Buch zu lesen... Kapitel für Kapitel, Schritt für Schritt. 

Das Buch ist eben so aufgeteilt, die Kapitel tragen die Überschrift des Buches und danach kommt Dahlias Geschichte, wie siedazu steht, wie sie damit umgeht und was sie so denkt. Sie versucht sich dann mehr undmehr mit dem Buch auseinander zu setzen, das heisst auch mit sich, mit ihrem Leben. Und so erfahren wir viel über sie, ihre Beziehung zu den Eltern und dem Bruder und verstehen auch mehr und mehr warum Sie so verbittert, so abweisend ist. Und manchmal auch recht unterkühlt rüber kommt. 

Verbittert wurde sie nicht erst durch die Diagnose... Was mich etwas traurig macht. 29 und schon so verbittert? Das tut mir wirklich leid. Und doch... sie wächst einem schnell ans Herz, die verwöhnte Göre. ;) Sie macht eigentlich nicht viel aus ihrem leben, sie zählt auf Papi der sie unterstützt, nicht nur finanziell. 

Während des lesens gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Da mich das Thema auch Persönlich getroffen hat, nicht mich selbst, aber meine Mutter, damals, kenne ich viele Gedanken schon... sie haben sich zum Teil sicher verändert aber man fragt sich natürlich immer wieder, wie man sich selber verhalten würde. Was würde man selber tun? Würde man kämpfen? Schnell aufgeben oder bis zum Schluss durchhalten? Wie würden andere damit umgehen? Mit mir? Würden sie sich abwenden? Würde ich neue Freundschaften knüpfen? 

Ja, kein Leichtes Thema, das Thema Krebs und der Tod sind wirklich Thema die man so lange wie Möglich von sich schiebt... Was, wie ich denke, menschlich ist, aber nicht empfehlenswert.Ich musste mich früh mit dem Thema Tod und sterben auseinandersetzen... Und ich bin nicht daran zerbrochen. Ich denke es hilft später sogar... Je früher desto besser. Der eigenen Sterblichkeit bewusst werden, solche Bücher helfen uns dabei mal tiefer zu gehen, in uns hinein zu hören, fühlen. 

Das Buch Dahlia ist ein wunderschön trauriges Buch, dennoch Kraftspendend und es lässt Platz für Hoffnung. 

Meine Lieblingstelle:

Dann mal ehrlich:  Es spielt keine Rolle, wie verachtenswert, egozentrisch, deprimierend, faul, schlampig, verwöhnt oder vermurkst sie war: LEBEN ist LEBEN.  Und das ist entweder grundsätzlich bedeutsam oder nie, du Schmock; keine Differenzierung.
Ich kann euch das Buch wirklich nur empfehlen. Auch wenn viele sicher eher denken sie können es nicht lesen weil es einem zu Nahe geht. Aber ich empfand es eben gar nicht so. Es kommt schon mal öfters vor das ich heulen muss, bei diesem Buch aber nicht. Also, versucht es einfach, es lohnt sich...

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Rezension zu "Das Buch Dahlia" von Elisa Albert

Dahlia Finger - egozentrisch und liebesbedürftig - ihre Zerrissenheit mit der Welt ist Thema
Eltragalibrosvor 5 Jahren

Inhalt:

Dahlia Finger ist Ende Zwanzig, lebt in einem schönen Haus, das ihr Vater ihr gekauft hat, doch was sie mit ihrem Leben anfangen soll, das weiß sie nicht. Sie ist kein Menschenfreund, doch ihr verhasster Bruder, der Star der Familie, ist in ihren Augen noch viel niederträchtiger. Als Dahlia die Diagnose – ein bösartiger Hirntumor – erhält, macht sie nicht nur alle Stadien der Trauer durch, sondern lässt ihr Leben, samt der Menschen darin, Revue passieren.

Meinung:

Unter diesem hochgelobten Buch habe ich mir vor dem Lesen eine ganz andere Geschichte vorgestellt, als die, die Autorin Elisa Albert geschrieben hat. Ja, Dahlia hat Krebs, einen Tumor in ihrem Kopf, der sie ohnmächtig werden lässt, der dafür sorgt, dass sie immer mehr vergisst und ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle hat.

Und doch ist Das Buch Dahlia kein Roman über die Leidensgeschichte einer Krebserkrankten, sondern es ist die Geschichte von Dahlia, einer jungen Jüden aus Los Angeles, die in einer zerrütteten Familie aufgewachsen ist, in welcher ihr Bruder eine abstoßende Wut und Hass gegen sie seit ihrer Kindheit ausgelebt hat, in der die Mutter nach Israel zurückgekehrt ist und ihre Kinder verlassen hat, in der der Vater alles versucht zurechtzubiegen, ohne dass es ihm gelingt.

Dahlia Finger ist die innerlich zerrissenste Protagonistin, die mir je in der fiktiven Welt begegnet bin. Sie ist exzentrisch, verletzlich, egoistisch und vieles mehr. Sie hasst andere Menschen, kommt mit keinem so wirklich klar, ihre Collegefreunde liegen in der Vergangenheit, in der Gegenwart präsentieren sich nur Leute, die Dahlia aufgrund ihres Lebensstils – den sie in der Jugend immer verachteten und nun selbst leben. Dahlia Finger ist bemitleidenswert, deshalb, weil sie die Welt und ihre Umgebung durchschaut, sich aber nicht traut diese nach außen zu kommunizieren. Und doch gelingt es ihr soweit, dass sie als Außenseiterin lebt, dass sie irgendwie immer ihr Ding durchgezogen hat, aber nie so, dass man es als erfolgreich bezeichnen kann.

Dahlia Finger versöhnt sich nicht mit Gott und der Welt, nur weil der Tod an ihre Türe klopft. Nein, dann erst recht besteht sie auf ihre Meinung, auf ihre Lebensweise, auf ihr Dasein. Und doch zwängt sich darin auch immer die Angst vor dem Vergehen, dem unbemerkten Verschwinden, wenn sie geht und keine Spur auf der Welt zurücklässt. Sie sucht nach Liebe, Liebe von ihrer Mutter und Liebe von ihrem Bruder, von Männern und Frauen. Eine beinahe schizophrene Persönlichkeit liegt Dahlia Finger an den Tag, die genauso aber auch nur das Innen und Außen eines Menschen sein kann, der täglich eine Maske trägt, um akzeptiert zu werden.

Fazit:

Viele schreiben, man brauche Empathie für dieses Buch. Und ja, es lebt von der Empathie für eine Person, die das Leben immer wieder beutelt, die sich nicht in das System einfügen kann, ohne daran zu zerbrechen. Aber es lebt nicht von der Empathie für eine Totkranke, sondern für eine Eigenbrötlerin, eine, die verzweifelt ihren Weg sucht und dabei eine innerliche Zerrissenheit an den Tag legt, die Autorin Elisa Albert zu beschreiben weiß. Dieses Buch ist Dahlia Finger, in all ihren Facetten, ob liebens- oder hassenswert. Ein Buch, das mehr einer Person gleichkommt, und eine Geschichte, die vom Leben, mit all seinen zu überwindenden Schwierigkeiten, erzählt.
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