Elisa Levi

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Cover des Buches Anderes kenne ich nicht (ISBN: 9783986970017)

Anderes kenne ich nicht

(9)
Erschienen am 01.09.2022

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Cover des Buches Anderes kenne ich nicht (ISBN: 9783986970017)
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Rezension zu "Anderes kenne ich nicht" von Elisa Levi

Booklove91
Ein ganz besonderer Blick auf das Leben

Meine Meinung und Inhalt


Als ich „Anderes kenne ich nicht“ von Elisa Levi las, war ich sofort in der Welt von Lea gefangen. Ihre Geschichte fühlte sich so nah an, als ob ich selbst in diesem kleinen, abgelegenen Dorf leben würde – einem Ort, der zugleich fremd und vertraut wirkt. Es ist ein Dorf mit wenigen Straßen, einer Kirche und einem Wald, den sie nie betreten hat. Diese Szenerie hat etwas Magisches, aber auch Beklemmendes, und ich konnte mich sofort in diese Atmosphäre hineinversetzen.


Was ich an Lea, der Protagonistin besonders mochte, war ihre Begegnung mit dem Mann, der seinen Hund verloren hat. Während sie mit ihm spricht, erzählt sie ihm beiläufig, warum sie glaubt, dass die Welt „gestern untergegangen“ ist. Diese Szene hat für mich den Kern des Romans perfekt getroffen – sie bringt das Gefühl von Desillusionierung und das Suchen nach Bedeutung in einer Welt, die scheinbar immer gleich bleibt, auf den Punkt.

Für mich war dieses Buch eine Entdeckungsreise in die Welt einer jungen Frau, die in einer Realität lebt, die so sehr von meiner eigenen abweicht. „Anderes kenne ich nicht“ ist nicht nur ein Blick in das Leben einer Einzelnen, sondern auch ein Spiegel, der uns dazu anregt, unsere eigene Umgebung, unsere Beziehungen und unsere Wahrnehmung des Lebens zu hinterfragen. Es hat mich auf eine sehr ruhige, aber tiefgründige Weise zum Nachdenken gebracht. Ein Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde.


               

Cover des Buches Anderes kenne ich nicht (ISBN: 9783986970017)
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Rezension zu "Anderes kenne ich nicht" von Elisa Levi

Gwhynwhyfar
Ein emotionales Buch, ein Monolog, eine literarische Perle

«Porque la muerte es un día y la vida son varios.» – Denn der Tod ist ein Tag, und das Leben ist mehrere.


Ein Roman, für den ich ein paar Seiten brauchte, um hineinzufinden – und dann packte mich der Sog. Es ist ein emotionales Buch, ein Monolog, eine literarische Perle. Das Setting, ein kleines Dorf in Spanien, eins der fast verlassenen Dörfer, in Bergen, irgendwo im Nichts. Eine Stadt am Meer wird erwähnt, die in erreichbarer Nähe ist. Aber wer hier wohnt, der kommt nie aus dem Dorf heraus, wie die neunzehnjährige Lea, die ständig ein Brennen im Bauch fühlt – die hier weg will. Ein Dorf mit vier Straßen, einer Kirche, einem Lebensmittelladen und einem Wald, den sie nie durchquert hat, weil er gefährlich ist. Am Waldrand trifft sie auf einen Mann, dem sein Hund weggelaufen ist. Sie warnt ihn, in den Wald hineinzugehen. Wer dort hineingeht, kommt nie zurück. Aber die Hunde finden allein hinaus. Sie bittet ihn, sich auf eine Bank zu setzen, auf den Hund zu warten, und sie erzählt ihm, warum die Welt gestern unterging. 


«Ich weiß ja nicht, wo sie herkommen, aber von hier läuft man weg und kommt nicht wieder. Wir sind verflucht. Unser Fluch ist ein Wald, aus dem es keinen Ausweg gibt ... Die Leute bilden sich ein, dass der Wald tödlich ist, dass die Bäume töten, aber das liegt nur daran, dass sie nichts anderes kennen. ... Ich glaube, dass diejenigen, die im Wald verschwinden, nicht sterben, sondern woanders hingelangen, dass sie den Stumpfsinn des Landlebens der kleinen Dörfer überwinden.»


In diesem kleinen Dorf gibt es keine Privatsphäre, hier weiß jeder alles, jedes kleinste Geschehen ist ein Ereignis. Drum haben Schauergeschichten, Verschwörungstheorien, beste Möglichkeiten, sich zu verfestigen. Und gerade hält sich das Gerücht, die Welt wird untergehen. Für Lea ist die Welt bereits untergegangen – was wir am Ende erfahren werden. Ihre Mutter führt den kleinen Lebensmittelladen, hält die Familie gerade so über Wasser. Der Vater ist verstorben; und dann ist da noch Nora, Leas Schwester, «mit einem leeren Kopf». Sie ist ein Jahr älter als Lea, kann sich nicht bewegen, sitzt im Rollstuhl, bzw. liegt im Bett, muss umfänglich von der großen (die Mutter) und der kleinen Lea gepflegt werden.


«Als ob die Welt irgendwann einmal für meine Schwester bereit wäre. Nein, Señor, das wird nie geschehen. Für meine Schwester ist die Welt in dem Augenblick gestorben, als sie geboren wurde.»


Es gibt vier Jugendliche im Dorf. Javier, der nicht weiß, wie man über Liebe spricht, der von Lea küssen möchte – sie liebt ihn nicht. Aber es gibt ja nur Javier und Marco. Catalina, ihre beste Freundin (es gibt ja keine andere), die weint und weint und weint, ständig in irgendwen verliebt ist, und Lea hat Marco, der ihr Geschenke auf der Fußmatte hinterlässt, der ihr sagt: «Ich weiß, dass du eine Schwester hast, die so nutzlos wie ein Ferkel ist.» Gegenüber den Fremden, die das Haus ihrer Großmutter gekauft haben, ist sie misstrauisch. Lea weiß nichts über andere Dinge, aber was sie weiß, was sie weiß, kann sie überall gebrauchen. Ihre Mutter ist überfordert in ihrer Trauer, mit der Pflege der Tochter und dem Lebensmittelladen, ihr fehlt manchmal die Kraft. Lea hilft, wo sie kann, insbesondere bei der Pflege der Schwester. Wir hören ihr zu, stellvertretend für den Mann, der auf der Bank sitzt, der kein Wort sagt – dazu käme er auch gar nicht – hin und wieder mit Mimik ein Lächeln oder ein Erstaunen zeigt. Lea möchte von diesem Ort verschwinden, in die Stadt am Meer gehen. Aber sie kennt nichts anderes, als zu pflegen und zu lieben; sie hat Angst vor einem anderen Leben dort draußen.


«Denn so ist es hier schon immer mit der Liebe gewesen: Die Leute tun sich aus Trägheit mit dem zusammen, der in Reichweite ist, und dann schweigen sie sich beim Abendessen an und lassen sich auf dem Nachhauseweg Zeit, um nicht so schnell anzukommen. Und deshalb denke ich, ich muss von hier fortgehen.»




Der Wald bildet die Grenzen für alles, was auf dieser Seite geschieht (und auch für das, was nie geschieht) Ein Monolog, aber trotzdem eine Erzählung, Dorfgeschehen; tief emotional mit wundervollen literarischen Passagen, erklärt uns Lea, dass der Tod ein Tag ist und das Leben der Rest. Das schlimme Leben, das die Erinnerung füllt, auch wenn der Schmerz ein wenig zurückgeht. Doch wir müssen aufmerksam sein für neue Dinge, weil das Leben weitergeht, und dass die Liebe kompliziert ist, die Verantwortung für andere noch komplizierter. Denn die Liebe bindet und verankert, und wenn man einen Ort verlässt, dann entweder, weil man nicht mehr geliebt wird, nicht lieben kann, oder weil man die Enge nicht mehr aushält, weil man glaubt, dass es woanders viel besser sein könnte. Eine harte Geschichte, grobe Worte, die aber gleichzeitig durch die Emotionalität so weich wird, fast zu Tränen rührt.


«Die Leute wissen es nicht, aber Dörfer riechen nach Kuhscheiße und toten Tieren, die aufgestapelt werden, und nach Angst und Missgunst und Langeweile und Schmerzen und Hass, der von Generation zu Generation weitergegeben wird.»


Im Landesinneren von Spanien leben nur wenige Menschen, viele Dörfer sind ganz verlassen, in anderen wohnt nur eine Handvoll Menschen. 75 Prozent der spanischen Gesamtbevölkerung lebt in Großstädten und an der Küste. Das Landesinnere hinterlässt den Eindruck gähnender Leere. Wenige verstreute Dörfer. Geister-Dörfer – über 3000 Dörfer sind heute in Spanien komplett verlassen. Fein beschrieben in «Leeres Spanien von Sergio Del Molino». Ebenso beschäftigen sich die Bücher «So forsch, so furchtlos von Andrea Abreu (Panza de Burro) und «Singe ich, tanzen die Berge von Irene Solà» (Canto yo y la Montaña Baila) mit dem trostlosen Landleben in Spanien. Dieses Drama berührt, wurde zu Recht in Spanien gefeiert. Eine junge Autorin, von der wir noch viel hören werden.


«Deshalb rauchen wir so gern Marcos Gras, Señor, weil sich dann jeder in den Bildern in seinem eigenen Kopf verliert, selbst wenn wir vier zusammen dind, wenn wir uns im selben Raum befinden, am selben Tisch sitzen, und dort findet uns keiner, und wir selbst finden uns auch nicht.»


Elisa Levi wurde 1994 in Madrid geboren und studierte Audiovisuelle Kommunikation und Darstellende Kunst an der Universidad Europea de Madrid sowie Dramaturgie an der Royal Academy of Dramatic Art in London. 2019 veröffentlichte sie ihren ersten Roman «Por qué lloran las ciudades», den Gedichtband «Perdida en un bol de cereales» (2016) und das Theaterstücks «Ramitas en el pelo», das 2017 in Madrid uraufgeführt wurde. Mit ihrem zweiten Roman «Yo ne sé de otras cosas» (Anderes kenne ich nicht) gelang ihr nun der Durchbruch in Spanien: Nach landesweiter Berichterstattung in Medien wie El País, der größten Tageszeitung in Spaniens, gilt sie als eine der neuen literarischen Stimmen des Landes.



Cover des Buches Anderes kenne ich nicht (ISBN: 9783986970017)
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Rezension zu "Anderes kenne ich nicht" von Elisa Levi

textwerkbremen
Der Wald, das Dorf und ein großer Abgrund

Ich-Erzählerin Lea kennt vieles nicht, aber eines kennt sie ganz genau und das ist der Weg in den Wald. Und wer in den Wald hineingeht, kommt nicht mehr raus, gelangt nirgendwohin, geht für immer verloren. Das weiß Lea. Glaubt sie zu wissen? Gibt sie vor, zu wissen? Lea spricht einen Senor an, der seinen Hund vor dem Wald sucht. Lea will diesem Fremden ihre kenntnisreiche Geschichte erzählen. Oder will sie ihn an diesem Ort, im Schatten des Waldes festhalten?

Im zweiten Roman der spanischen Autorin Elisa Levi wird der Ort des Waldes symbolisch stark aufgeladen. Ist Handlungsort und zugleich eine formale Grenzzone, zwischen der die Rahmenhandlung, in der Ich-Erzählerin Lea auf den Fremden trifft, und die eigentliche Geschichte, die Lea dem Fremden berichtet, hin und her wechseln.

Lea wird von ihrem winzigen Flecken Erde erzählen, auf dem sie mit ihrer Familie lebt. Lea wird von ihrer Schwester Nora erzählen, die bei ihrer Geburt zu wenig Sauerstoff bekam, nur wenige Laute von sich geben kann und an die Lea komplett gebunden ist.

Lea wird von ihrer dörflichen Zwangsgemeinschaft erzählen, die von der Außenwelt abgeschnitten und vergessen scheint, aus der niemand weggeht und falls doch, nicht zurückkehrt. Ein traditionsbehaftetes Dorf, in dem jeder jeden kennt, jeglicher Alltag und jede Erfahrung miteinander geteilt und sich wenige Nettigkeiten und umso mehr Grausamkeiten angetan werden. Jedes noch so zerstörte kleine Leben läuft hier einfach immer weiter. Nur der Wald und der Tod nehmen einige Bewohner einfach weg.

Lea wird erzählen, dass sie nichts sehnlicher möchte, als dieses Leben zu unterbrechen und von diesem Ort wegzugehen.

Der Einstieg von ANDERES KENNE ICH NICHT ist fesselnd: Sperrige Figuren, fordernde Beziehungen, eigenwillige Gefühle, mythische Elemente - viele Fragen und große Spannung entstehen. Doch dieses Setting entwickelt sich in keine verständnisfördernde Richtung, insbesondere die krasse, oft abwertende Beschreibung von Leas Schwester Nora hat mich überfordert. In Leas Leben, Fühlen und Sprechen ist so viel durcheinandergeraten und der Text gibt mir keine Hinweise, diesen großen Knoten etwas zu entwirren. Schade!

 

[unbezahlte Werbung, selbstgekauft]

#namethetranslator: Aus dem Spanischen von Kirsten Brandt

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