Elisa Schwarz Das andere Ende der Brücke

(2)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(0)
(1)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das andere Ende der Brücke“ von Elisa Schwarz

Nach dem Unfalltod seines Mannes gerät Patrick in eine graue Emotionslosigkeit. Nicht nur sein Beruf als Fotograf ist gefährdet, in dem er die Welt in aller Farbenpracht durch seine Linse gesehen hat, sondern auch in seinem normalen Leben hat er jede Hoffnung verloren. Erst durch die Begegnung mit einem alten Bekannten und eine dramatische Nacht mit ihren Folgen verändert sich sein Leben schlagartig.

Mit Einfühlungsvermögen erzählter, aber langatmiger Einblick in die Trauerbewältigung des Protagonisten, die wenig Überraschendes bietet.

— marstraveller
marstraveller

Stöbern in Romane

Der Vater, der vom Himmel fiel

Ein "Glücksgriff" in Buchform: Witzig, geistreich, einfach.nur.zum.Brüllen.komisch - und so wahr ;) 5 Sterne reichen hier nicht aus ;))

SigiLovesBooks

Underground Railroad

Eine tolle Heldin, die trotz aller Widrigkeiten nie aufgibt und immer wieder aufsteht, auch wenn es das Schicksal nicht gut mit ihr meint.

Thala

Swing Time

Eine sehr lange, gemächliche Erzählung, der streckenweise der Rote Faden abhanden zu kommen scheint. Interessanter Schmöker.

kalligraphin

Vintage

Überraschend gute und spannende Unterhaltung für jeden Blues- und Rock'n'Roll-Fan und alle die es noch werden wollen!

katzenminze

Die Geschichte der getrennten Wege

Fesselnd und langatmig, mal begeisterte mich der Roman, mal las ich quer. Ein gemischtes Leseerlebnis.

sunlight

Wie der Wind und das Meer

Liebesgeschichte, die auch einen Teil der deutschen Geschichte wiederspiegelt - mir fehlten die Emotionen

schnaeppchenjaegerin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Einblicke in eine endlose Trauerbewältigung

    Das andere Ende der Brücke
    marstraveller

    marstraveller

    20. July 2017 um 13:18

    Patrick hat durch einen Unfall seinen langjährigen Partner und damit seinen Lebensinhalt verloren. Das erlebte Trauma lähmt auch anderthalb Jahre später noch sein Leben und lässt ihn wechselweise in Schmerz- oder Panikattacken verfallen. Der Autorin gelingt es auf sehr einfühlsame und anschauliche Weise, die emotionale Verfassung ihres Protagonisten darzustellen und seinen Weg zurück ins Leben, den er in winzig kleinen Schritten beschreitet, aufzuzeigen. Der Teil dieses Weges, der in der Romanhandlung beleuchtet wird, erstreckt sich über gut vier Monate und wird im Epilog noch durch einen kurzen Ausblick, der weitere vier Monate später angesiedelt ist, ergänzt. Wie Patrick langsam kleine Inseln der Normalität zurückgewinnt und dabei von einer ganzen Reihe liebenswerter Menschen unterstützt wird, wird sehr detailliert (auf über 500 Seiten) beschrieben. Dass den „Helfern“, die der Reihe nach in Patricks Leben treten, quasi aus jeder Pore die pure Selbstlosigkeit, emotionale Größe und therapeutische Kompetenz fließen, hat mich beim Lesen jedoch sehr gestört. Ich hätte mir gewünscht, dass die anderen Figuren ein wenig mehr Kanten und Unzulänglichkeiten zeigen und dadurch realistischer wirken. Nur einer der Helfer-Figuren wird eine charakterliche Schwäche zugestanden, diese wird aber auf die Zeit vor Einsetzen der erzählten Handlung beschränkt. Die Interaktion des Protagonisten mit seinen Mitmenschen, die innerhalb der Romanhandlung eine Rolle in seinem Leben spielen, ist ausnahmslos durch die vollkommen selbstlose, liebevolle Zuwendung der Helfer-Riege geprägt, die vereint und von allen Seiten den Versuch unternimmt, der von Schmerz gezeichneten Hauptfigur den nötigen Halt für ihre Genesung zu geben. Das Buch hat mir sehr viel Geduld abverlangt (und ich war immer wieder versucht, es abzubrechen oder zwischendurch mal hundert Seiten zu überspringen), weil die Handlung sich nahezu ins Unendliche dehnt. Es wirkte auf mich so, als würde ich mir einen Film anschauen, der komplett in Zeitlupe gedreht ist und der damit jedes kleinste, oft auch unwichtige Detail in Szene setzt. Was während der ersten hundert Seiten noch als anschauliche und überzeugend ausführliche Darstellungsweise wirkt, um die Gefühlswelt des Ich-Erzählers möglichst eindringlich offenzulegen, erhält im weiteren Verlauf der Erzählung den unschönen Beigeschmack der Redundanz. Bis in einzelne Formulierungen hinein hatte ich das Gefühl, dass immer wieder das Gleiche gesagt wird. Da ist zum Beispiel ständig von dem Grau die Rede, das die Seele des Protagonisten überschattet und das sich stellenweise durch besondere Erlebnisse ein wenig lichtet. Und immer wieder wird die für meinen Geschmack sehr abgegriffene Metapher der „Achterbahn“ verwendet, um Patricks Gefühlschaos zu beschreiben. Überstrapaziert wurde für mein Empfinden auch das Stilmittel Pars pro toto, wenn ständig von den himmelblauen, dunkelblauen, grünen oder grauen (usw.) Augen die Rede ist, die sich jeweils vor das innere Auge des Protagonisten schieben, um die gedankliche Präsenz eines bestimmten Menschen zu symbolisieren. Auch die Handlungsschritte, vor allem in Bezug auf die Beziehungen, die Patrick zu anderen Männern pflegt oder neu aufbaut, sind von Wiederholungen geprägt, auch wenn es kleine Variationen der insgesamt sehr gleichförmig wirkenden Konstellationen und Interaktionen gibt. Trotz der detailreichen Darstellungsform werden die Hintergründe, welche die Hauptfigur zu ihren jeweiligen Handlungen und Reaktionen führen, erzähltechnisch nicht immer genügend verdeutlicht. Eine Konzentration auf einige wesentliche Schritte auf Patricks Weg zurück ins Leben anstelle der ausufernden und von Wiederholungen geprägten Darstellung jeder einzelnen Befindlichkeit und jeder noch so winzigen inneren sowie äußeren Bewegung des Protagonisten hätte die Qualität des Romans meiner Ansicht nach deutlich gesteigert. Dann hätte mich die Handlung, die grundsätzlich gut konzipiert ist, sicher auch gefesselt und dann wäre auch nicht so schnell das gespannte Warten auf den nächsten Entwicklungsschritt erlahmt. Das Buch kann ich insgesamt somit nur denjenigen empfehlen, die einen langen Atem besitzen und ein Erzählkonzept schätzen, das wenig äußere Handlung, sehr viel Introspektion und einen Stil bietet, bei dem alles explizit ausgesprochen und vieles mantraartig wiederholt wird. Leser, die eher einen sparsameren, von Andeutungen geprägten Stil bevorzugen, der noch Spielraum für eigene Bilder und Gedanken lässt, werden von diesem Roman wahrscheinlich ähnlich enttäuscht sein wie ich.

    Mehr
  • Berührendes, sehr emotionales Buch

    Das andere Ende der Brücke
    Koriko

    Koriko

    16. February 2017 um 11:46

    Story: Seit Patricks Ehemann bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, besteht das Leben des Fotografen aus Tristesse, Traurigkeit und Einsamkeit. Statt sich helfen zu lassen, verkriecht er sich oder versucht auf unorthodoxe Art und Weise mit dem Schmerz in seinem Innern klar zu kommen. Erst als er zufällig Zeuge eines Angriffs betrunkener Rechtsradikaler auf einen Fahrradfahrer wird, reißt Patrick aus seiner Lethargie und zwingt ihn dazu sich mit dem Tod seines geliebten Mannes auseinander zu setzen. Dabei stehen ihm nicht nur neue und alte Freunde zur Seite, nach und nach ist er auch wieder in der Lage sein Herz zu öffnen und einer neuen Liebe Platz zu machen – auch wenn ein steiniger Weg vor ihm liegt … Eigene Meinung: Mit „Das andere Ende der Brücke“ legt Elisa Schwarz nach „Eigentlich …“ ihren zweiten Roman bei deadsoft vor. Dabei schlägt sie dieses Mal eher ernste Töne an, denn es geht um Trauerbewältigung und die damit einhergehenden Verlustängste und psychischen Probleme. Daher ist „Das andere Ende der Brücke“ wesentlich dramatischer als ihr Debüt. Die Geschichte setzt über ein Jahr nach dem Unglücksfall ein und man lernt Patrick als in sich gekehrten, verzweifelten Mann kennen, der von seiner Umwelt kaum etwas mitbekommt und über den Tod seines Ehemanns nicht hinwegkommt. Die Autorin lässt sich viel Zeit seinen desolaten und trauernden Zustand zu beschreiben, der sich mitunter auch selbstzerstörerisch auswirkt. Erst nach und nach taucht Patrick aus seines Isolation auf – teils durch Freunde, die ihn aus den Tiefen seiner Trauer ziehen, teils durch einen Psychologen, der sich seinen Problemen widmet und ihn dabei unterstützt den Tod seines Mannes zu verarbeiten. Auch das Finden einer neuen Liebe wird für Patrick im Laufe des Buches möglich, wenngleich er dafür einige Hürden zu überwinden hat. Dabei ist es angenehm, dass der Leser nicht weiß, wer Patrick letztendlich für sich gewinnen kann, auch wenn man natürlich einige Vermutungen hat. Elisa Schwarz lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte und erzählt Patricks Wandlung vom Eigenbrötler zu einem Mann, der neuen Mut gefasst hat auf fast 600 Seiten. Dadurch gelingt es ihr sehr umfassend und eingehend auf Patricks Gefühlswelt einzugehen und seine unterschiedlichen Stadien genau zu beschreiben. Man kann sich gut in ihn hineindenken und lernt seine Vergangenheit erst nach und nach kennen – zumeist dann, wenn er sich dieser selbst stellen muss. Dadurch gelingt der Autorin ein sehr tiefgründiges, berührendes Buch, das nicht nur gut umgesetzt, sondern auch gut recherchiert ist. Einzig die Längen am Anfang sind ein wenig störend, da sie ein schnelles Eintauchen ins Buch ein wenig hemmen und man das Gefühl hat, dass zum Ende hin viele Punkte übersprungen werden, die durchaus so ausführlich hätten beschrieben werden können, wie am Anfang. Die Charaktere sind passend und authentisch in Szene gesetzt und können durchweg überzeugen. Sei es Patrick, der einen weiten Weg aus der Trauer und Dunkelheit zurücklegen muss, um ins Leben zurückzufinden, oder seine Freunde und Familie, die bedingungslos zu ihm halten und alles daran setzen ihn dabei zu unterstützen. Alle werden eingehend beleuchtet, wenngleich der Schwerpunkt natürlich auf Patrick liegt und man ihm als Leser ganz besonders nahe kommt. Stilistisch ist „Das andere Ende der Brücke“ gut umgesetzt und verspricht angenehme, sehr emotionale Lesestunden. Elisa Schwarz hat einen sehr feinfühligen, manchmal aber auch recht ausschweifenden Stil, über den man ganz zu Beginn immer wieder stolpert. Hin und wieder verliert sie sich in ausufernden Beschreibungen, die den Lesefluss hemmen und dem Buch den Schwung nehmen. Das ist natürlich Geschmackssache, doch an einigen Stellen wäre weniger mehr gewesen. Nichtsdestotrotz schafft sie es die Gefühle und Gedanken ihres Protagonisten sehr eingehend und mitreißend darzulegen und den Leser zu fesseln. Fazit: „Das andere Ende der Brücke“ ist ein gelungenes Drama, in dem es um Verlust, Tod und Trauer geht. Die emotionale, tiefgründige Geschichte wartet mit sehr authentischen, gut nachvollziehbaren Charakteren und einem einfühlsamen Schreibstil auf, der die Gefühls- und Gedankenwelt des Hauptcharakters gut portraitiert. Bis auf einige Längen am Anfang ein wundervolles Buch, das den Leser berührt und nachdenklich zurücklässt. Wer dramatische, tiefgründige Romane mag, sollte einen Blick in Elisa Schwarz‘ Buch werfen.

    Mehr