Cover des Buches Sturmwolken am Horizont (ISBN: 9783865919212)kubines avatar
Rezension zu Sturmwolken am Horizont von Elisabeth Büchle

Stürmische Zeiten

von kubine vor 8 Jahren

Review

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kubinevor 8 Jahren
1914: 6 Jahre sind vergangen, seit Demy van Campen unfreiwillig in Berlin eine neue Heimat gefunden hat. Aus dem aufmüpfigen und rebellischen Teenager ist eine junge Dame geworden, deren Aufgaben im Hause Meindorff sie immer mehr vereinnahmen. Zwar wird sie in ihrer Hauptaufgabe als Gesellschafterin ihrer Schwester kaum gebraucht, da Tilla sich ohne Demy mehr und mehr in der Weltgeschichte herumtreibt, um sich nicht mit ihrer zerrüttenden Ehe auseinandersetzen zu müssen, dafür warten andere Herausforderungen auf sie. Da die Meindorffschen Söhne im Krieg sind, der alte Rittmeister krank und Tilla als Hausherrin nicht da ist, obliegt es nun Demy, den Haushalt zu führen und sich um wichtige Belange zu kümmern. Außerdem kann sie auch ihr großes Herz, vor den Nöten der Armen nicht verschließen. Hilfe bekommt sie ab und zu von Philippe, dem Ziehsohns des Rittmeisters, wenn auch nur widerwillig. Ob Demy all den Anforderungen gewachsen ist?

Ihre Schwester Anki in Sankt Petersburg ergeht es nicht besser. Zwar hat sie in dem Arzt Robert Busch ihre große Liebe gefunden, aber der Krieg macht viele Pläne zunichte. Deutsche sind nicht mehr sicher in der Stadt an der Newa, das bekommt auch Anki zu spüren. Doch die Loyalität ihren Arbeitgebern, dem Fürstenpaar Chabenski gegenüber, lässt Anki in der russischen Metropole bleiben. Kein leichter Schritt, in der so turbulenten Zeit...

Im 2. Band der Meindorff-Saga katapultiert Elisabeth Büchle den Leser direkt in die ersten Jahre des 1. Weltkriegs. In gewohnter Manier schuf sie dabei einen sehr gut recherchierten und auch spannenden Roman, bei dem das Kopfkino auf Hochtouren läuft und ein Weglegen des Romans kaum möglich ist.

Wie schon in Band 1, wechseln sich die Erzählstränge miteinander ab. Mal spielt es in Berlin, mal in Sankt Petersburg, dann wieder an der Westfront. Eingebettet in den historischen Kontext und ohne zu sehr ins Detail zu gehen , ist es der Autorin dabei gelungen, mit gekonnt beschriebenen Szenerien Düsterheit, Not, Elend, Grauen und den Tod für den Leser greifbar zu machen. Aber auch zu zeigen, wie Gottvertrauen in Zeiten der Angst die Dunkelheit vertreiben kann.

Und Vertrauen in Gott brauchen ihre Protagonisten wirklich. Als ob die damaligen Zeiten nicht schon schwer genug waren, hat Elisabeth Büchle für den einen oder anderen noch manch unliebsame Überraschung bereit. Seit 6 Jahre wölbt sich der "Himmel über fremden Land" über Demy und sie ist nicht nur älter, sondern auch erwachsener geworden. Zwar konnte sie ihre sie prägenden Charakterzüge nie ganz loswerden und ihrem vermeintlichen Schicksal, das ihr von anderen aufgezwungen wird mal wieder nicht entfliehen, aber sie übernimmt, genau wie ihre Schwester Anki in Sankt Petersburg, Verantwortung für die ihrer Hilfe bedürftigen Personen. Dass sie das Herz am rechten Fleck hat, muss sich auch Philippe eingestehen, der immer mehr Respekt vor Demy bekommt.Die beiden sind sich so ähnlich und ihre kleinen Kappeleien sind ein amüsanter Lichtblick in der doch so unheilvollen Zeit.
Ein größerer Teil des Buches ist diesmal auch Anki und den Ereignissen in Sankt Petersburg gewidmet. Sie hat ebenso wie ihre jüngere Schwester das Herz am rechten Fleck, wenn sie auch nicht so draufgängerisch ist wie Demy. Auch Anki bleibt von Schicksalsschlägen nicht verschont, doch ihr tief verwurzelter Glaube geben ihr die Kraft, die Sachen durchzustehen.
Auch Hannes muss eine Wandlung durchmachen, vielleicht die härteste von allen. Als junger Offizier voller Begeisterung für den Krieg, treiben ihm die realen Erlebnisse, diese Euphorie bald aus.

Durch die überaus gelungene Charakterisierung der handelnden Personen sieht man diese förmlich vor sich, freut sich und leidet mit ihnen. Man versteht, zumindest bei den meisten, ihre Handlungen und kann sie nachvollziehen.
Obwohl "Sturmwolken am Horizont" den mittleren Band der Trilogie darstellt, kann man ihn auch gut lesen, ohne den Vorgängerband zu kennen. Er ist in sich auch eigentlich abgeschlossen. Allerdings gibt es kleinere Begebenheiten, deren ganze Geschichte noch nicht erzählt ist. Ich zumindest habe mir nach Beendigung des 2. Bandes gewünscht, schon Band 3 in den Händen zu haben und mich weiter mit der spannenden Geschichte um die Meindorffs zu beschäftigen.

Doch das muss noch etwas warten, da Band 3 erst im Frühjahr erscheint. Trotzdem kann ich das Buch ebenso wie den Vorgänger "Himmel über fremden Land" allen Liebhabern gut recherchierter und gefühlvollen historischen Romanen wärmstens an Herz legen.
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