Elisabeth Binder

 4 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Der Wintergast, Orfeo und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Elisabeth Binder

Der Wintergast

Der Wintergast

 (4)
Erschienen am 01.04.2011
Orfeo

Orfeo

 (2)
Erschienen am 01.04.2007
Der Wintergast

Der Wintergast

 (0)
Erschienen am 01.01.2017
Sommergeschichte

Sommergeschichte

 (0)
Erschienen am 01.02.2004
Der Nachtblaue

Der Nachtblaue

 (0)
Erschienen am 01.01.2000

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Rezension zu "Der Wintergast" von Elisabeth Binder

Rezension zu "Der Wintergast" von Elisabeth Binder
michael_lehmann-papevor 8 Jahren

Poesie der Gemeinschaft.

Ein wunderbares, poetisches, bildkräftiges Buch hat Elisabeth Binder in gewohnt hochwertiger, treffender, poetischer Sprache verfasst, die jedem einzelnen der auftretenden Charaktere einfühlsam gerecht wird.

Die Geschichte von dem Maler Andreas, dem kranken Adler und der schönen Frau Maddalena, eingebettet in der majestätischen und ebenfalls sprachlich bestens geschilderten Natur eines abgeschiedenen Bergdorfes an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz künden von dem großen Abenteuer der Begegnung mit der Wirklichkeit.

Das Leben selbst ist es, das Elisabeth Binder feiert, jene Wirklichkeit, auf die man Tag für Tag trifft und die bei geöffneten Augen doch, welch treffendes Wortspiel, unbekannter und größer denn bekannter und kleiner wird.

Andreas ist der eigentliche Protagonist des Buches, der zunächst alles andere als die Wirklichkeit im Sinn hat, als er sein Zimmer im Palazzo des Dorfes bezieht, um dort den Winter zu verbringen. Auf Einladung einer Gönnerin ist er dort, die helfen will, seine Schaffenskrise zu beheben.

Zu sich finden, zu sich als Künstler, das ist seine Aufgabe in der Abgeschiedenheit, die mit bedacht gewählt wurde. Abgeschieden eben von jener Welt, jener Wirklichkeit, in der sein künstlerischer Funke zu ersticken drohte. Wer hätte gedacht, dass gerade an diesem gottvergessenen Winkel der Berge er die Wirklichkeit in all ihren Farben antreffen wird und bestaunen lernt. Nicht jene Wirklichkeit der lärmenden Technik und der umfassenden Zerstreuung, sondern die wirkliche Wirklichkeit der Liebe und der inne liegenden Gemeinschaft der Menschen des Dorfes. Einer Gemeinschaft im Schatten hoher Berge, ein Ort mit ganz besonderen, andren Lichtverhältnissen, für die gerade Andreas als Maler empfänglich ist und doch nicht zu seiner Besinnung kommt. Zunächst zumindest nicht.

Denn als erstes trifft er auf einen verletzten Adler, der im Dorf einen Pflegeplatz gefunden hat, initiiert von Maddalena, der unbekannten Schönen. Schritt für Schritt nähert sich der eigentlich Zurückgezogenheit suchende Künstler dieser eng gerahmten Welt. Seite für Seite begleitet ihn Elisabeht Binder und lässt dabei die Geschichte der Bewohner sich entblättern. Der menschlichen und tierischen Bewohner, wohlgemerkt.

Und wie das so ist, zunächst mit Misstrauen betrachtet, tauen die wenigen Bewohner des Dorfes dem Fremden gegenüber doch mehr und mehr auf. Als um die Weihnachtszeit dann ein Kind im Dorf verschwindet, ist Andreas dann mitten drin. Teil der sich sorgenden Gemeinschaft. Und bleibt doch nicht auf Dauer. Aber er fliegt gut weg im gelben Postbus, das ist was zählt, auch im Abschiedsschmerz.

Ein Kammerspiel ist es, dass Elisbaeth Binder als Form im eigentlichen Sinne wählt. Ein beschränkter Raum, eine überschaubare Zahl an Personen und das wichtigste der Geschichte geschieht im eigentlichen Sinne nicht in den äußern Ereignissen, sondern in den inneren Haltungen und Erlebnissen, die in vielfältiger Form miteinander verflochten sind, sich beeinflussen und bedingen und im gesamten einen wunderbaren Teil der Wirklichkeit abbilden. Die meist sogar unausgesprochene Nähe in einer Gemeinschaft, das Leben in und mit der Natur, die zaghaften und stärker werden Gefühle, die den Maler Andreas letztlich wieder in das Licht seiner Möglichkeiten führen werden und nicht in einem unpassenden, schwülstigen Happy End ausufern.
Ein wunderbares Buch über das Leben und die Kraft der Gemeinschaft.

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Rezension zu "Der Wintergast" von Elisabeth Binder

Rezension zu "Der Wintergast" von Elisabeth Binder
Gospelsingervor 8 Jahren

Was für ein wunderbares Buch!
Ein ausgebrannter Maler kommt in einem kleinen Bergdorf an, in dem er als Gast einer ehemaligen Opernsängerin den Winter verbringen will. Zur gleichen Zeit wird auch ein verletzter Adler im Dorf aufgenommen und gepflegt.
Das Dorf ist weit weg vom Puls der Zeit, die Jahreszeiten laufen immer gleich ab. Man weiß ganz genau, wo auf welchem Haus die Strahlen der ersten Frühlingssonne zu sehen sind.
Sonne bekommt dieses Dorf allerdings sehr wenig, zu hoch sind die Berge, die es umgeben. Nur ein Stückchen weiter ist das anders, dort beginnt Italien, dort ist mediterranes Klima. Dieses Dorf jedoch ist auf der kühleren Seite der Klimagrenze.
Die mächtigen Berge dominieren das Dorf und die Menschen. Klein fühlt man sich angesichts dieser archaischen Landschaft. Die besonderen Lichtverhältnisse schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Eine ideale Umgebung, um sich darin zurück zu ziehen und wieder zu sich zu kommen.
So geht es auch dem Maler, der durch den Aufenthalt in der urwüchsigen Umgebung und durch den Kontakt mit den Menschen eine positive Entwicklung durchmacht.
Die Geschichten der Dorfbewohner werden behutsam Stück für Stück enthüllt, auch die der dort lebenden Tiere. Selbst ein Berggeist lebt dort, und es kommt einem ganz selbstverständlich vor.
Das Buch ist in einer wunderschönen poetischen Sprache geschrieben und wirkt lange nach.
Wer demnächst Bergwandern geht, sollte dieses schöne kleine Buch mitnehmen, es passt in jeden Rucksack. Und wer wie ich weit weg von den Bergen wohnt, wird Sehnsucht bekommen.
Ein ganz besonders schönes Buch, dem ich gern 10 Sterne geben würde.

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Rezension zu "Der Wintergast" von Elisabeth Binder

Rezension zu "Der Wintergast" von Elisabeth Binder
Gretavor 8 Jahren

dieses buch wollte ich sofort haben, weil es (aus meinen augen / mit meinen augen betrachtet) so schön aussieht. ich habs im affekt gekauft, wie man vielleicht sagen kann. "schön" sage ich zu dem buch, hier ein bisschen verunsichert, denn gleich könnte vielleicht wieder jemand kommen, der findet: "nee, nicht so schönes buch. gibt schönere bücher." und dann würde mir nur wieder klar, wie sinnlos das ist, gerede über ästhetik und geschmack und kulturgüte und ich will ins bett oder schwimmen gehen. und rezensionen über bücher im scheißinternet, auch so eine sache. so weiß ich von mir, dass ich die passagen, die ich auf dem arbeitsweg hin und zurück las, immer mit gemischten gefühlen las und einiges zu gefühlig fand, zwischen drei und vier kulturgütesterne, befand ich da schon über die maßen voreilig. die seiten aber, die ich daheim las, im bett oder auf dem sofa, fand ich schlicht großartig, fünfsternegüte. und die geschichte, der buchinhalt, ohnehin: ein bergdorf in der schweiz. eine vogelstation! zwei handvoll menschenfiguren bewegen sich in der geschichte hin und her, mal gehen sie in die berge, mal in die kirche. bevor sie zu viel denken oder tun, beginnt der nächste absatz. tiere kommen vor, schweine, ein hund, viele vögel auch, eine wilde waldohreule, ein zutraulicher adler, spatzen am rande. am ende war ich minutenlang gerührt und trauerte um eine weitere nicht eingeschlagene karriere, die mir sicher gut zu gesicht gestanden hätte (chefin einer vogelstation!). es gibt nichts zu meckern. die ubahn mit ihren ubahngeräuschen und ubahnmenschen ist schuld an dem einen stern kulturgüteabzug, deshalb werden abstriche gemacht, wegen ubahnen!
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STELLEN:
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"und obschon der bauer, der sonst kein unhold war und schon recht zu seinen kühen, nur eben die schweine ein bisschen wie den letzten dreck behandelte, zunächst bloß brummte und etwas vom möglichst-schnell-dickwerden sagte, war ein paar tage später der misthaufen doch ein ein paar meter weiter weg aufgeschichtet und um die wiese ein zaun gespannt (eine arbeit von vier stunden insgesamt)- waren die schweine, die buchstäblich ihren augen nicht trauten, ihren kleinen, neugierigen schweineaugen, und sich anfangs kaum hinaustrauten aus ihrem über und über verschissenen vorgärtchen, auf einmal im freien.
im freien, dann wieder im stall, wie sie wollten."
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"und wer ihn einmal, schmähreden führend, angetroffen hatte, wie er mit seinen zwei ziegen sprach, wusste, dass in dieser verkommenheit etwas ursprünglich zärtliches angelegtes zäh überlebt hatte. gerade in dieser wildnis und einsiedelei besser als unter den menschen, unter denen er sich wie abschaum vorkam, die er nicht ertrug und ohne die er es doch auf die dauer nicht aushielt, so dass er noch jedesmal von diesen ausflügen in die gesellschaft von artgenossen sturzbetrunken nach hause wankte."
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"wahrscheinlich müssen wir doch hierbleiben, sagte er, während er ihnen die bäuche streichelte, die von dem saufutter ewig rumorenden. vielleicht gibt es gar keine bessere welt. vielleicht ist die kleine wiese doch schon alles.
ja, sagten die vier schweine leise, im schlaf, im traum."
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"hinter dem brunnen, wo sich in einer senkung des pflasters eine mit sand gefüllte kuhle gebildet hat, nehmen zwei spatzen, abwechselnd und mit viel gezwitscher, ein sandbad, bis ein dritter hinzukommt, so dass ein streit um den badeplatz entsteht, bis jemand aus dem laden kommt und alle drei wegfliegen, zum kirchturm hinauf, zum glockenstuhl, wo sie auf der brüstung der rundbogenöffnung einen moment lang einträchtig sitzen bleiben."

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