Elisabeth Binder Orfeo

(2)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Orfeo“ von Elisabeth Binder

Im Zug nach Venedig: Der Schweizer Fabrikant Bauer will dort nach einer Frau suchen, die er einst begehrte, die dann seine Ehefrau wurde und die ihn kurze Zeit darauf verließ. Stella, aufregend schön, eine Sensation in dem verschlafenen Schweizer Dorf damals, die er nie vergessen konnte. Jetzt, gegen Ende seines Lebens, will er wissen, was aus ihr geworden ist. Elisabeth Binder schreibt in diesem wunderbaren kleinen Roman, der seine Geheimnisse an der Oberfläche versteckt, über die Hoffnung, ohne die wir keine Stunde leben können und die uns doch zum Narren halten kann, Jahrzehnte lang. Bauer sucht seine einstige Geliebte in den Gassen und Restaurants der Stadt, auf den Plätzen und Brücken. Und er findet sie - verliert sie wieder und begegnet ihr in einem Rencontre, das völlig anders ausgeht, als er es sich je hätte vorstellen können. Das erzählerische Raffinement und die fast halluzinatorische Klarheit lassen die Lektüre dieses Buchs zu einem literarischen Abenteuer werden. Nicht wenige der Momente dieses Romans haben wir so ähnlich auch schon erlebt - déjà vu. Wo warst du wirklich all die Jahre, denkt nicht nur der Held, als er den Wassern der Lagunenstadt den Rücken kehrt.

Stöbern in Romane

Heimkehren

So spannend und fesselnd, wie schon eine Weile kein Buch mehr!

Privee2801

Wo noch Licht brennt

Mir hat leider der Schreibstil überhaupt nicht gefallen, aber ich vergebe trotzdem 3 Sterne weil man viel von Güls Gedanken mitbekommt.

AmyJBrown

Sieben Nächte

Die schöne Sprache kann den enttäuschenden Inhalt leider nicht retten! (**)

Insider2199

Gott, hilf dem Kind

Anders als ich es erwartet habe, dennoch nicht schlecht. Für meinen Geschmack leider viel zu kurz für all die wichtigen Themen im Buch...

LiveReadLove

Sieh mich an

Wunderbar geschriebener Roman mit leider fadem Ende, das dem Buch den Glanz nimmt

skaramel

Und es schmilzt

Ein Buch voller Trostlosigkeit und ohne Hoffnungsschimmer, sehr schwer zu ertragen. Das schöne Cover passt leider nicht zum Inhalt.

TanyBee

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Orfeo" von Elisabeth Binder

    Orfeo
    HeikeG

    HeikeG

    27. June 2007 um 21:11

    Orpheus' Gesänge in Venedig Ein moderne, lyrische Überarbeitung des Librettos von Glucks Oper Orfeo ed Euridice hat Elisabeth Binder mit ihrem neuen Roman "Orfeo" geschaffen. Der dritte Roman der 56-jährige Schweizerin wird oft mit der griechischen Mythologie und Monteverdis Oper L'Orfeo verglichen: Die Geschichte des thrakischen Sängers Orpheus, dessen Braut - die Nymphe Eurydike - durch einen von ihm verschuldeten Schlangenbiss getötet wird. Orpheus steigt in die Unterwelt hinab, um seine Geliebte zurückzuholen. Doch die "Auflage", sich beim Aufstieg aus dem Hades (das "untergehende", sinkende Venedig wird in vorliegendem Roman als Synonym für den Ort der griechischen Mythologie gesehen) nicht umzuschauen, übertritt er und Eurydike bleibt im Totenreich zurück. Ich habe das Buch etwas anders gelesen und interpretiert. Für mich stand das Libretto von Christoph Willibald Glucks Oper Pate. Denn im Gegensatz zu Monteverdis Version wird der tragische Ausgang der Fabel bei ihm in einen freudigen verwandelt, und zwar durch Amor, den Gott der Liebe, der dem Helden den rettenden Weg zeigt: So auch in Elisabeth Binders "Orfeo"... Erster Akt: Orpheus beweint am Grab der Eurydike deren Verlust "Es regnete und regnete und regnete." Der Schweizer Textilwarenfabrikant Hans Bauer sitzt im Zug nach Venedig. ("Was sucht ein alter Mann in Venedig?") Dort hofft er seine ehemalige Frau Stella - eine Italienerin - zu finden. Ihre kurze und leidenschaftliche Ehe ging vor 40 Jahren in die Brüche und Stella kehrte nach Italien zurück. Doch sie "hatte ihn nie losgelassen, nie." Und tatsächlich findet er sie - die Schönheit von damals - nun eine alte Frau, auf einen Stock gestützt, "nur noch auf das Gehen konzentriert." Diese plötzliche Begegnung verkraftet er nicht und bricht zusammen ("Es war zu schnell gegangen, er hätte noch ein wenig Zeit gebraucht"). Zweiter Akt: Amor, der Liebesgott Mühsam schleppt sich Hans Bauer in eine Bar, wo ihm ein mysteriöser kleiner Zigeunerjunge (Amor?) einen Stoß versetzt ("als habe dieser Schlag etwas in ihm freigeschlagen") und eine rote Rose auf dem Tisch liegen lässt: ein Symbol? ("Was sollte er mit einer Rose in der Hand?") Bauer trifft Stella wieder und fasst dieses Mal den Mut, sie anzusprechen. Die beiden verabreden sich - fahren zum Lido, gehen in die Oper, sehen sich Kunstausstellungen an. Auch Cerberus - der Wächter des Eingangs zur Unterwelt (Stellas Hund?) - scheint besänftigt. Als plötzlich eine tote Taube vom Himmel fällt, hat der geheimnisvolle Zigeunerjunge erneut seinen Auftritt (Die tote Taube ein Synonym für den gewagten, aber verbotenen Blick Orpheus zurück?) Dritter Akt: Amor lässt Eurydike wiedererwachen und die Oper glücklich enden Bauer, durch die gemeinsamen Unternehmungen in einem Hochgefühl ("noch einmal zur Welt gekommen, wie neu geboren - neben einer alten Frau... mit einemmal das erhebende Gefühl, als sei sein Leben doch nicht sinnlos gewesen, ... , als sei doch etwas gewachsen in diesen vierzig Jahren und gereift"), begleitete Stella auf eine Reise nach Triest. Doch ihre "Lebensbeichte" lässt ihn zutiefst verstört zurück. Er beschließt wieder abzureisen. Aber Amor bzw. der kleine Zigeunerjunge spielt wieder einmal Schicksalsgott... Das Ende bleibt offen. Ob Hans Bauer abreist, erfährt der Leser nicht. Vielleicht ist es nur sein altes - nicht wirklich gelebtes - Leben, welches die Autorin in Gestalt einer Fähre fortschickt? ("Sie fuhr sehr langsam, so daß man sie lange noch sah. Und als man sie nicht mehr sah, konnte man sich doch vorstellen, in welches Abendlicht sie hinausfuhr, in welche Bläue.") Traumbilder Elisabeth Binders "Gesänge" ("Es ist das Murmeln des Wassers, das singt ...") sind von einer großartigen Lyrik und Mystik durchzogen, die von einer unterschwelligen Wehmut und Einsamkeit geprägt sind ("Stimmen, die aus der Tiefe, Wärme, Dunkelheit kamen."), einer Schönheit ("fast unirdisch schön") zwischen den Zeilen und an der Oberfläche. Sehr feinfühlig projiziert die Autorin das Seelenleben zweier älterer Menschen in die Atmosphäre Venedigs. Dabei fordert sie den Leser auf, das Bild der beiden Lebensläufe selbst fertig zu malen und die Farbschattierungen eigenständig zu bestimmen. Sie hebt am Ende die Gegenwart auf und gestaltet das Finale zeitfern. Binder erzählt uns eine "auf ihren paradiesischen Kern geschrumpfte Geschichte, zu der man sich nur noch bücken brauchte, wie zu einem reifen, roten Apfel. " Eine "Anstrengung" die sich unbedingt lohnt. "Orfeo" ist ein zauberhaftes, melancholisches und lyrisches Buch, auf seine Art genauso wunderbar wie Glucks Oper und dessen Libretto von Calzabigi.

    Mehr