Im Armenviertel von Monterey, Kalifornien, leben kurz nach Ende des 1. Weltkriegs Danny und seine Freunde in einer Hütte, die Danny geerbt hat. ‚Paisanos‘ nennt man die Bewohner des Stadtteils ‚Tortilla Flat‘, die spanisch-indianisch-mexikanisch-kaukasische Wurzeln in sich tragen. Man könnte Danny, Pilon, Pablo, Jesus Maria, Big Joe und den Piraten als Lebenskünstler bezeichnen, freundlich noch als Tunichtgute, weniger freundlich als Taugenichtse, Faulenzer oder gar als kleinkriminelle Hinterhofgauner und Hühnerdiebe. Jede dieser Bezeichnungen träfe durchaus zu. Denn mit Ausnahme des Piraten und seinem Rudel von 5 Hunden, die Holz sammeln und verkaufen, geht keiner der Bewohner von Dannys Hütte einer geregelten Arbeit nach. Und das nicht, weil es keine gäbe, sondern aus freiem Entschluss. Zu ihrem Tagesablauf gehört nach dem Aufstehen das Dösen auf der Veranda, das Warten auf das Mittagessen, das vom Piraten besorgt wird, danach das Trinken von Wein, nicht flaschen- sondern gallonenweise, und die wichtige Frage, auf welche Weise noch mehr Wein aufzutreiben und damit der Abend zu gestalten sei. Wie diese seltsame Wohngemeinschaft entstand, was sie umtrieb und zusammenhielt und wie sie am Ende doch zerbrach, erzählt Steinbeck mit Ironie und Augenzwickern in launigen, komischen, manchmal tragischen Episoden. Ein früher kleiner Schelmenroman dieses wunderbaren Erzählers.
Elisabeth Rotten
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Die wunderlichen Schelme von Tortilla Flat
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Als Danny 1919 aus dem Krieg heimkehrt, erfährt er, dass sein Großvater ihm zwei Holzhäuser in der kalifornischen Siedlung Tortilla Flat vererbt hat. Eines davon überlässt er obdachlosen Freunden, und als es bald darauf abbrennt, nimmt er sie alle bei sich im zweiten Haus auf, wo sie gemeinsam in den Tag hineinleben – bis Danny sich verändert ...
John Steinbecks nostalgischer und humorvoller Schelmenroman "Tortilla Flat" besteht aus einem Vorwort und siebzehn locker verknüpften Episoden. Sie handeln von kalifornischen Außenseitern, die nicht am New Deal teilhaben und lieber nichts besitzen. Die sogenannten Paisanos sind nicht in der amerikanischen Gesellschaft angekommen, stehen außerhalb: Während der Ort Monterey vor allem von Fischern italienischer Herkunft besiedelt ist, denen es wirtschaftlich etwas besser geht als den eingesessenen Paisanos, leben diese in ihrer eigenen Siedlung, ihrer eigenen Welt, der „Tortilla Flat“. Tagediebe und Lebenskünstler, die sich mehr recht als schlecht durchschlagen. Das erzählt Steinbeck so unterhaltsam und liebevoll, dass einem die Außenseiter richtig vertraut werden. Rund um die beiden Häuser drehen sich die Geschichten, dort spielen sich die kleinen Tragikomödien ab, Dialoge voller Witz und ungewollter Weisheit. Diesen Ton trifft John Steinbeck so unnachahmlich gut, ironisch, lakonisch, ein wenig nostalgisch und so locker, dass sich die Burlesken allein dafür zu lesen lohnen.
Mein Fazit: Wer hier einen tiefgründigen schweren John Steinbeck erwartet, wird enttäuscht sein. Lässt man sich aber einmal auf den lockeren Stil und den galanten Charme dieses Büchleins ein, so wird man viel Freude daran finden und viel Tiefgründigeres als gedacht.
Lennie und George ziehen als Wanderarbeiter durch Kalifornien. Das harte Leben meistern sie, indem sie an ihrem Traum von einem eigenen Stückchen Land festhalten, auf dem sie sich zur Ruhe setzen wollen. Doch Lennie ist nicht nur bärenstark, sondern auch geistig zurückgeblieben und gerät damit immer wieder in Schwierigkeiten. George fürchtet, dass der Tag kommen wird, an dem er ihn nicht mehr schützen kann.
Von der ersten Zeile an traf mich Steinbeck mitten ins Herz. Die Sprache ist großartig (die Übersetzung ist von Elisabeth Rotten). Sie macht die Geschichte sofort lebendig, die Charaktere materialisieren sich geradezu neben dem Leser. Gleichzeitig schmerzt die Lektüre auch bereits beim ersten Satz, denn die Ausweglosigkeit der Geschehnisse ist augenblicklich klar. Die Charaktere werden an der Realität zerschellen – unverdient, gnadenlos und qualvoll. Trotzdem flackert die Hoffnung im Leser, dass es doch noch eine unerwartete Wendung zum Guten geben wird. Diese beiden Extreme zerren den Leser unerbittlich durch die Ereignisse, wie das Leben selbst einen offenen Auges durch die Schmerzen und Trauer peitscht – ohne Chance ihnen zu entgehen.
Steinbeck hat alles erfüllt, was ich von ihm befürchtet habe. Schmerzhafte Geschichten, Charaktere und Ereignisse, die mir das Herz zerreißen und Träume, die ich so gerne festhalten würde und doch nur ins Leere greife. Womit ich nicht gerechnet habe, war die Sogwirkung seiner Geschichte. Die Sprache hat mich gefangen genommen und wird mich erneut zu seinen Büchern greifen lassen – wohlwissend, dass ich wieder einer gnadenlosen Welt ausgeliefert sein werde, die doch so lebendig ist, dass ich ihr nicht widerstehen kann.
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