Elisabeth Schmidauer Sommer in Ephesos

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Inhaltsangabe zu „Sommer in Ephesos“ von Elisabeth Schmidauer

Erste Liebe und begrabene Hoffnungen: Nach diesem Sommer ist alles anders.

Einen Sommer lang verbringt Anastasia in Ephesos, da ist sie siebzehn. Statt ihre Mutter, die
Tänzerin, mit deren wechselnden Liebhabern durch Amerika zu begleiten, lernt sie bei den Grabungen
die lebenslange Obsession ihres Vaters kennen, an der nicht nur seine Ehe zerbrochen ist – Ephesos, die Stadt, die immer nur in ihren Träumen existierte und in den Büchern des Vaters, eines berühmten Archäologen. Dort trifft sie auch Hubert wieder, ihre erste Liebe, seinen Lieblingsschüler, der einmal im Haus der Eltern ein und aus ging, doch das ist lange her. In diesem Sommer glaubt Anastasia noch, ihre Zukunft würde beginnen, doch der Sommer endet in einer Katastrophe. Als sie viele Jahre später die Nachricht erhält, dass ihr Vater tot ist, erfährt sie, was damals und davor wirklich geschehen ist. Und warum er und auch Hubert nichts mehr mit ihr zu tun haben wollten – das war am Ende dieses Sommers.

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  • Ein Sommer mit der Göttin

    Sommer in Ephesos

    J-B-Wind

    15. April 2013 um 15:28

    »Du warst,hat die Mutter einmal gesagt, von Anfang an ein Vaterkind. Der Vater, hat sie gesagt, hat dich angesehen, du warst winzig, verknittert, blau und blutig, du hast ihn ins Herz getroffen. Weißt du das? Mehr als ich ihn je getroffen habe, hat sie gesagt. Er hat aufgehört mich zu lieben, als du da warst. Das stimmt nicht, sagte ich, doch, sagte sie.« Und dennoch reden Vater (ein hochangesehener Archäologe) und Tochter (Architektin) 13 Jahre lang nicht miteinander. Als Anastasias Vater stirbt, überlässt es ihr die Mutter, eine durchs Leben stolpernde Tänzerin, seine Beerdigung zu organisieren. Dadurch muss sich Anastasia mit düsteren Kapiteln ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Was hat für das Zerwürfnis von Vater und Tochter gesorgt? Was ist in der Vergangenheit geschehen? »Manchmal zwischen Schlafen und Wachen, sehe ich die weiße Stadt. Manchmal gehe ich, im Traum, die Marmorstraße entlang, die Kuretenstraße, die Arkadiane. Die Malven schaukeln im Wind, die Zikaden schrillen in den Hanghäusern, und die aufgehende Sonne taucht die Kapitelle und Säulen der Bibliothek in rosiges Gold. Ich gehe durch die leere Stadt als gehörte ich hierher, ich weiß es wieder, dass ich hierher gehöre, immer habe ich es gewusst, und einmal, da war ich siebzehn, einen Sommer lang, gehörte die Stadt mir.« Um diesen titelgebenden Sommer in Ephesos rankt sich ein Familiengeheimnis, das in Elisabeth Schmidauers Debutroman erst nach und nach frei gelegt wird. Schicht für Schicht werden längst vergangene Jahre und alte Verletzungen abgetragen, parallel dazu erlebt man mit wie in Ephesos, bei den archälogischen Ausgrabungen, die Erde über der Göttin, Schicht für Schicht abgetragen wird. Mit dem Ausgraben der Göttin enthüllt sich auch das Geheimnis, um den Streit zwischen Vater und Tochter. Elisabeth Schmidauer bedient sich hier mehreren Zeitebenen, die sie geschickt miteinander verknüpft. Wir lernen Anastasia als kleines Mädchen kennen, das mit ihren Eltern in einer schicken Villa lebt, dann als Halbwüchsige, deren Eltern sich scheiden lassen, was einen Umzug in eine kleine Wohnung und somit ein anderes Leben bringt, den Teenager Anastasia, der sich zum ersten Mal verliebt, und die erwachsene Anastasia, die sich - bindungsunfähig - von einem Männerabenteuer ins nächste stürzt - somit ihrer(verhassten) Mutter gar nicht unähnlich ist -. Dabei wird selbst dem Laienpsychologen klar, dass der Geschichte ein verschüttetes Trauma zugrunde liegen muss. Die erste große Liebe prägt. Anastasias erste große Liebe mündet hingegen in eine Tragödie, die den Leser, genauso wie das unvorhersehbare Ende, überrascht. Auch Anastasia erfährt erst mit der Zeit, was damals wirklich passiert ist, warum sich sowohl ihre große Liebe Hubert als auch ihr Vater - für immer - von ihr abgewandt haben. Elisabeth Schmidauer ist hier ein großartiges Debut gelungen, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und mitreißt. Schmidauers Sprache besticht durch Eleganz, eine abwechslungreiche Nuancierung und Tiefe. Sie versteht es, teilweise subtil, Spannung aufzubauen -- die niemals gewollt oder aufgesetzt wirkt -- und die Gefühle, Träume und Wünsche der Figuren glaubhaft darzustellen. Die Stimmung in den einzelnen Passagen erlaubt dem Leser ganz leicht von einer Szene in die andere zu wechseln. Die (Ausgrabungs)stätten und Orte werden so detailliert und bildhaft beschrieben, dass man nach der Lektüre meint, selbst dort gewesen zu sein. Schmidauer spielt mit Sätzen und Wörtern, die teilweise verschachtelt sind. Wie so viele Literaten verzichtet auch Schmidauer auf Satzzeichen der direkten Rede, was nur anfangs irritiert. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Stil. Sicher ist: Man sollte sich Zeit nehmen, dieses Werk zu lesen. Ein >Überfliegen< der Seiten ist nicht möglich. Für Liebhaber >leichter Abendlektüre< ist das Buch deshalb nicht die erste Wahl. Fazit: Alles in allem ein sehr gelungener Debutroman, von einer vielversprechenden Autorin, die es versteht den Leser Satz für Satz in einen düsteren Abgrund zu ziehen, ihn zu fesseln, zu tragen, zu überraschen und ihn danach sanft wieder auf Wolken zu betten.- Unbedingt lesen!

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