Elisabeth Waterfeld

Autor von Weinbergmond und Kirmesblut.

Alle Bücher von Elisabeth Waterfeld

Weinbergmond

Weinbergmond

 (1)
Erschienen am 26.02.2015
Kirmesblut

Kirmesblut

 (0)
Erschienen am 25.08.2016

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Rezension zu "Weinbergmond" von Elisabeth Waterfeld

Prolog - Weinbergmond
Elisabeth_Waterfeldvor 3 Jahren

Das eigene Buch sollte man nicht unnötig anpreisen, es soll aber hier auch nicht so stiefmüttlerlich im Regal stehen, daher nur die ersten beiden Seiten der Gardner-Reihe:

Der Neumond half ihm in dieser Nacht nicht wei­ter. Es war so dunkel in der Aue, dass er kaum sei­nen Atem erkennen konnte, der bei dieser Kälte in der Luft kondensierte und zu allem Überfluss die Brille beschlagen ließ.
Wer hatte gesagt, dass so ein frühmorgendlicher Lauf die Stimmung förderte? Ach ja, seine Mutter. Mit ihrem “etwas Fleisch und frische Luft täten dir gut, dann würdest Du auch eine Frau finden!” ging sie ihm schon lange auf die Nerven. Aber wie im­mer hatte er ihr am Ende Recht gegeben und sich im lokalen Laufladen überteuerte Schuhe andre­hen lassen. Jetzt stand er mitten in der Botanik und mühte sich ab, überhaupt zurückzufinden. Er ver­suchte, das Stechen in den Seiten zu ignorieren.
Als Kind im Sportunterricht war ihm vom Lehrer immer gesagt worden, dass das von zu viel quat­schen während des Laufens käme und er selbst Schuld sei, aber dass das kein Grund wäre, den 1000m-Lauf abzubrechen, schließlich bräuchte er noch eine Note von ihm. Dankeschön dafür, er hät­te jetzt liebend gern jemanden zum “Quatschen” dabeigehabt, stattdessen lief er in dunkelster Nacht frierend durch den Park.
Er merkte, dass er keine Orientierung mehr hatte. Wo war die letzte Abzweigung gewesen? Irgendein Baum oder ein wenig Kunst, die ihm Anhaltspunkte lie­fern konnten, wo er war? Verdammtes Kassel, ewig schlechtes Wetter und üble Architektur. Ei­gentlich blöd, sich hier zu verlaufen, wo er doch schon hunderte Male durch die Karlsaue spaziert war und jeden Punkt genau kannte. Aber bei die­ser Dunkelheit konnte man gar nichts sehen. Das Gebiet war zudem ein sehr großes und verzweig­tes. Das hatten die Herren Landgrafen schon ganz gut geplant, dachte er bei sich. Im Sommer war es hier schön, wenn man die Stadt hinter sich lassen konnte. Jetzt wollte er einfach nur weg und zurück in sein Bett.
Plötzlich fiel ihm etwas auf. Abseits des Weges. Er wusste nicht, was es war, zwei rote Punkte viel­leicht, etwas sich Bewegendes. Die letzte Docu­menta war ja schon zwei Jahre her. So ein Werk war ihm nicht bekannt, schon gar nicht hier im Stadtpark. Mit jedem Schritt kam er den Signalen näher und langsam erkannte er Umrisse. Sich be­wegende Umrisse. Er wusste nicht woher, aber dieses Ding kam ihm irgendwie bekannt vor. Ein Gefühl von völliger Hilflosigkeit gepaart mit Angst, die ihn zum Schwitzen brachte und ihn er­starren ließ. Starre.
So ähnlich ließ sich auch das beschreiben, das er jetzt vor sich sah. Eben noch von einer Bewegung angelockt, war es jetzt ein fester Anblick: Im Geäst eines alten, majestätisch anmutenden Baumes bau­melte ein menschlicher Kopf.
Es musste eine Frau gewesen sein, denn lange Haare mit einst feinen Gesichtszügen waren zu einer schrecklichen Maske verzerrt. Augen und Mund weit aufgerissen, konnte er nur ahnen, wel­che Qualen sie erlitten haben musste.
Das Gesicht war zudem weitgehend zerkratzt und wirkte auf­geschwemmt, als hätte sie im Wasser gelegen. Der Hals musste fein säuberlich mit einem scharfen Messer vom Rumpf getrennt worden sein. Ein Anblick, den man so schnell nicht vergessen wür­de.
Gekrönt wurde das Arrangement durch das Ungeziefer im Haar der Frau. Verschiedene Käfer, aber vor allem kleine und große Blindschleichen rangen um ihren Platz und um die beste Beute im Haupt der Verstorbenen.

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