Elise Valmorbida

 4,1 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Die Madonna der Berge, Happy End und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Elise Valmorbida

Elise Valmorbida ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin und preisgekrönte Filmproduzentin. Als Kind italienischer Eltern wuchs sie in Australien auf. Sie studierte Englisch und Graphikdesign und unterrichtet heute Kreatives Schreiben an der University of the Arts in London. Die Madonna der Berge ist ihr erster Roman im Diana Verlag.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Elise Valmorbida

Cover des Buches Die Madonna der Berge (ISBN: 9783453292062)

Die Madonna der Berge

 (7)
Erschienen am 20.08.2018
Cover des Buches Happy End (ISBN: 9783426654590)

Happy End

 (2)
Erschienen am 09.01.2009
Cover des Buches The Happy Writing Book (ISBN: 9781913947118)

The Happy Writing Book

 (0)
Erschienen am 30.09.2021

Neue Rezensionen zu Elise Valmorbida

Cover des Buches Die Madonna der Berge (ISBN: 9783453292062)
Graufis avatar

Rezension zu "Die Madonna der Berge" von Elise Valmorbida

Historischer Roman
Graufivor 6 Monaten

Ich fand das Buch sehr interessant. Die Geschichte spielt in den Nachkriegszeiten des 1. Weltkrieges über den 2. Weltkrieg bis in die 50er Jahre. 

Man erfährt viel über die damalige Zeit aus Sicht der Protagonistin Maria, welche mir allerdings zum Schluss hin leider etwas unsympathisch wurde.

Über deren Heirat, Eheleben und die Erziehung ihrer 5 Kinder in den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges und den anschließendem schweren Zeiten für die italienische Bevölkerung.

Den Stern Abzug gibt es nur aufgrund der aufkommenden Unsympathie wie oben bereits erwähnt. 

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Cover des Buches Die Madonna der Berge (ISBN: 9783453292062)
S

Rezension zu "Die Madonna der Berge" von Elise Valmorbida

Bella figura
StefanieFreigerichtvor 4 Jahren

"Ihr Vater hatte sich aufgemacht, um ihr einen Ehemann zu suchen. Er hat sein Maultier genommen, eine Fotografie und Proviant eingesteckt ..". Der Erste Weltkrieg und die Spanische Grippe haben viele junge Männer dahingerafft, also ist ist Maria mit ihren 25 Jahren in Gefahr, unverheiratet zu bleiben. Doch sie bekommt ihren Ehemann, einen guten Mann sogar, ohne Verstümmelungen und stark und fleißig und sogar gut sieht er aus. Sie darf vor der Hochzeit fast nicht mit ihm reden und weiß recht wenig, was sie erwartet. Eine Jungfrau muss bluten, aber sie weiß nicht, wie und warum. Nur dass sie arbeiten kann und wird, das weiß sie von klein auf, als eine von sechs Schwestern und mit mehren Brüdern, mit nur drei Schuljahren.

Der Roman begleitet die Familie Marias durch die Zeit von 1923 bis 1950, meist aus der Sicht von Maria geschrieben. Das Leben ist geprägt von harter Arbeit, es gibt Selbstversorgungsanbau, alles wird verwertet, die Moralvorstellungen sind streng. "Hier geben Mütter ihren Söhnen mehr Essen als ihren Töchtern, damit die Söhne groß und stark werden und sich im Alter um sie kümmern". Ehemann Achille erwirbt einen Lebensmittelladen, der weiter mit der gleichen Arbeitsbereitschaft nach vorne gebracht wird. Maria erfährt Glück mit der Geburt der ersten Kinder, Eifersucht, Verluste. Sie bekommt die Macht der Männer über die Frauen zu spüren, die Politik. Die Familie erlebt den Faschismus, den Zweiten Weltkrieg, die unmittelbare Nachkriegszeit. Um sie herum werden nacheinander die Österreicher verteufelt, die Faschisten, die Deutschen, die Alliierten, die Partisanen, die Kommunisten. 

Der Roman beschreibt das Leben der einfachen Leute, die Sozialmoral, das Familien- und Frauenbild im ländlichen Italien der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, die Auswirkungen der Kriege. Mich hat die Sprache abgeholt, es ist nichts gekünsteltes, dafür wird viel mit Andeutungen gearbeitet, quasi schwebenden Halbsätzen, Aussagen, die plötzlich im Raum zu stehen scheinen: "Er hat sie noch nie vor jemand anderem geschlagen, nur vor den Kindern." Nur.

Das wirkt insgesamt sehr unaufgeregt; mir drängte sich auf, als habe die Autorin darstellen wollen, dass sie Zustände beschreibt als das, was eben typisch ist, nicht anklagt. Überhapt, die Moral. Zu Beginn des Romans ist Maria noch die brave naive Unschuld, die nach Sünden sucht, die sie beichten kann, bereit ist zur Selbstkasteiung. Dann, durch die Ereignisse des Lebens, wächst ihre Erkenntnis, gleichzeitig steigt das Leid. Später kommt es zu einer Art Emanzipation (es passt nicht vom Alter her, aber lieber noch möchte ich "coming of age" sagen) - und dennoch kann Maria in Bezug auf ihre eigene Tochter nicht aus der Engstirnigkeit heraus, ist ebenso borniert und philisterhaft verlogen, wie es ihr Umfeld in ihrer Jugend war.

Interessant fand ich, dass die Kirche zwar präsent war, aber der Ehrbegriff quasi außerhalb davon existierte, fast archaisch wirkte. Die Ehre der Frau ist die Ehre der Familie - das verbindet man gerne mit anderen Kulturkreisen. Es gilt, "bella figura" zu machen: vor den Leuten, vor der Familie, mit dem richtigen Kleid zur Hochzeit, dem angemessenen Verhalten. Dabei wird zwar der Spiegel als Teufelswerk verdammt, gleichzeitig aber sehr darauf geachtet, anderen die eigene Stellung deutlich zu vermitteln.
 
Es gibt für die Hauptfigur Maria in ihrem Leben gleich zwei moralische Instanzen: Da ist zum einen "die Madonna der Berge", die Madonna unter Glas, die Maria aus ihrem Elternhaus migenommen hat und zu der sie betet, die sie überall hin mit umziehen lässt. In ihren Gebeten antwortet ihr die Madonna, ist ihr schlechtes Gewissen, ihr alter ego, treibt sie an, ihre sündigen Gedanken durch Selbstkasteiung zu zügeln, oder macht ihr Vorwürfe. Zum anderen ist da für Maria eher unfreiwillig bis widerwillig La Delfina, die Dorf-Verrückte, die vielleicht gar nicht so verrückt ist. Sie ist die einzige Frau, die ohne Hemmungen lebt, offen ausspricht, was sie gehört hat, bloßstellt. Beide sind Leitbilder - die eine ist strafend, streng und gnadenlos, die andere gnadenlos ehrlich und direkt. Letzlich werden beide Maria nicht loslassen.

Ich war insgesamt sehr beeindruckt von dem sehr unaufgeregten Roman, einzig das Ende war mit etwas zu überzuckert. 4,5 Sterne.

Kommentare: 2
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Cover des Buches Die Madonna der Berge (ISBN: 9783453292062)
Angie*s avatar

Rezension zu "Die Madonna der Berge" von Elise Valmorbida

Ärmliche Bergwelt in Italien,,,
Angie*vor 4 Jahren

Inhalt/Klappentext:
Venezien 1923: Maria Vittoria muss dieses Jahr heiraten, sonst wird es nie geschehen. Sie ist schon fünfundzwanzig, trotzdem findet ihre kleine Schwester sie schön. Ihr Vater findet einen Ehemann für sie, und Maria hat Glück: Gut sieht der Fremde aus, er ist kein alter Mann, er ist nicht kriegsversehrt. Sie ist dem neuen Inhaber des Dorfladens eine gute Frau, gebärt ihm über die Jahre fünf Kinder, und an Arbeit mangelt es nicht. Doch die Zeiten sind beschwerlich in den italienischen Bergen. Und man muss sich in Acht nehmen. Denn im Faschismus ändern die Regeln sich fast täglich. Maria ist fest entschlossen, ihre Familie zu beschützen. Koste es, was es wolle.
DIE AUTORIN: Elise Valmorbida ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin und preisgekrönte Filmproduzentin. Als Kind italienischer Eltern wuchs sie in Australien auf. Sie studierte Englisch und Graphikdesign und unterrichtet heute Kreatives Schreiben an der University of the Arts in London. Die Madonna der Berge ist ihr erster Roman im Diana Verlag. Der Link führt zur Verlagsseite.  Elise Valmorbida.

Meine Meinung: In dieser facettenreichen Familiengeschichte reise ich in das Jahr 1923, in die Lebenszeit meiner Mutter, allerdings nicht nach Deutschland, sondern in die wilden Berge Italiens, in ein kleines, ärmliches Dorf in Venezien. Das beeindruckende Cover des gebundenen Buches zeigt eine Frau in den Bergen , die bewusst ein Ziel vor Augen hat. Dieses Bild ist bestimmend für die Charakterstärke dieser besonderen Frau, die für damalige Zeiten spät in den Bund der Ehe eintritt, aber umso gezielter für  den Schutz ihrer fünf Kinder und des geliebten Ehemannes Achille kämpft. Der Vater hat ihr den Ehemann sorgfältig ausgesucht und er ist für Maria ein guter und starker Gefährte. Die beiden Eheleute eröffnen einen Dorfladen und ihre Ehe verläuft harmonisch.  Wäre da nicht der Faschismus und Mussolini. Diese Katastrophe erreicht auch die abgelegenen Orte Italiens und seine Menschen. 
Der faszinierende Schreibstil von Elise Valmorbida hat mich gefesselt und begeistert. Schlicht, einfach, in kurzen und prägnanten Sätzen schildert sie das Leben im Dorf und den täglichen Kampf um das Überleben. Den Hunger. Die Denunziationen und Veränderungen des Dorflebens. Menschen werden beschrieben, die ihr Mäntelchen nach dem Wind ausrichten. Immer wieder lebt, liebt und arbeitet Maria Vittoria für ihre Familie. Gibt all ihre Kraft und Leidenschaft einem Leben für Gerechtigkeit und Frieden und dem Schutz der Ihrigen hin. Fast schon poetisch wirken die  Sätze von Elise Valmorbida auf mich. Das Leben und Umfeld von Maria Vittoria zeigt sich bildhaft und eindrucksvoll in meinem Kopf. Ich bin erschüttert und bewundere diese starke und gläubige Lebenseinstellung. Denn Maria Vittoria hat einen Halt in ihrem ärmlichen Dasein. Zusätzlich zu ihrer handgefertigten Aussteuer hat sie eine Madonnenstatue mit in die Ehe gebracht. Sie hält Zwiesprache mit der Statue und holt sich Kraft, Rat und Hilfe.  Der zweite Welt-Krieg greift immer mehr in das Leben der Italiener ein. Die deutsche Besatzung ist allgegenwärtig.
Die Gliederung des Buches in acht Kapitel hat mir sehr gut gefallen.  Die Autorin beschreibt in Zeitangaben die Entwicklung und  das Aufkeimen des Faschismus in den Jahren 1923, 1928 - Faschistische Ära Jahr VI, 1936-Faschistische Ära XIV, 1942-Faschistische Ära XX, 1944-Faschistische Ära XXII, 1948, 1950.
Der Anhang des Buches über ESSEN mit REZEPTEN, FAMILIE und GESCHICHTE lockert diesen ernsten Roman etwas auf und verführt geschickt zum Nachkochen der einfachen Gerichte.
 
Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige und faszinierende Buch.

Mein Dank für das überragende Leseerlebnis geht an die Autorin und den Diana-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar ! 

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