Elizabeth Gaskell

 4.2 Sterne bei 137 Bewertungen
Autorin von Frauen und Töchter, Norden und Süden und weiteren Büchern.
Autorenbild von Elizabeth Gaskell (©kein Urheberrecht mehr)

Lebenslauf von Elizabeth Gaskell

Elizabeth Cleghorn Gaskell - † 12. November 1865 in Holybourne

Alle Bücher von Elizabeth Gaskell

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Cover des Buches Frauen und Töchter (ISBN: 9783717582328)

Frauen und Töchter

 (21)
Erschienen am 01.09.1997
Cover des Buches Norden und Süden (ISBN: 9788490079393)

Norden und Süden

 (14)
Erschienen am 20.08.2015
Cover des Buches Norden und Süden (ISBN: 9783738654462)

Norden und Süden

 (8)
Erschienen am 13.10.2015
Cover des Buches Mr. Harrisons Bekenntnisse (ISBN: 9783717522584)

Mr. Harrisons Bekenntnisse

 (7)
Erschienen am 27.09.2010
Cover des Buches Erzählungen (ISBN: 9783717518877)

Erzählungen

 (2)
Erschienen am 16.02.2010
Cover des Buches Onkel Peter: Erzählung (ISBN: B00JRD1RIU)

Onkel Peter: Erzählung

 (1)
Erschienen am 16.04.2014
Cover des Buches Die Halbbrüder: Erzählung (ISBN: B00JSTSBL4)

Die Halbbrüder: Erzählung

 (1)
Erschienen am 18.04.2014

Neue Rezensionen zu Elizabeth Gaskell

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Rezension zu "Norden und Süden" von Elizabeth Gaskell

Liebesroman-Klassiker aus den Anfangsjahren der Industrialisierung
Cliovor 7 Monaten

Der 1855 veröffentlichte Roman North and South zählt heute zu den bekanntesten Werken von Elizabeth Gaskell. Trotz seiner Dauer von 20 Stunden (!) hat das Hörbuch nur wenige Längen und ist vor allem durch die Beschreibungen unterschiedlicher Haltungen zur Industrialisierung interessant zu hören. Die Autorin schildert glaubwürdige Charaktere – selbst Nebenfiguren malt sie mit sehr viel Liebe und sehr vielen Facetten. Gaskell eröffnet dem Leser nicht nur Einblick in Margarets Seelenleben, sondern schildert auch das ihres Gegenübers John Thornton sehr detailliert und nachvollziehbar, was für eine Autorin ja zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war. Auch die industriellen Probleme und Chancen schildert sie sehr anschaulich. Sie wirbt für beide Seiten – die Herren und die Arbeiter – und vermittelt viel Hintergrundwissen über die Gewerkschaft in den Anfangsjahren der Industrialisierung.

Wie man unschwer schon am Titel erkennt, stellt die Autorin im Roman den Norden und den Süden Englands exemplarisch an den handelnden Figuren gegenüber (wenn auch sehr stereotyp). Der Süden ist farbenfroher, enger mit der reinen Natur verbunden, die Menschen sind, auch wenn sie arm sind, ausgeglichener, angepasster und würden nie auf den Gedanken kommen, gegen ihre wohlhabenderen Nachbarn aufzubegehren, die ihren Teil in Form von wohltätigen Aktivitäten leisten. Die dortige Gesellschaft ist eher im vorindustriellen Gestern verhaftet, als „die Welt noch in Ordnung war“.
Im Gegensatz dazu ist der Norden grauer und eintöniger; bezeichnenderweise steht ein grauer, kalter Winter vor der Tür, als die Hales dorthin ziehen. Auch der dortige Menschenschlag ist pragmatischer, geschäftiger, distanzierter. Man hat wenig Sinn für Muse oder dafür, die eigenen vier Wände mit Dekogegenständen zu verschönern. Die Menschen sind zukunftsorientiert und ehrgeizig – und die Arbeiter zögern nicht, aufzubegehren, um sich das zu erkämpfen, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht und von den Fabrikbesitzern vorenthalten wird.

Protagonistin Margaret Hale ist zu Beginn der Geschichte 18 Jahre alt. Sie lebt seit neun Jahren in London bei ihrer wohlhabenden Tante Shaw. Ihre Cousine Edith ist ihre beste Freundin und schon fast wie eine Schwester für sie. Obwohl sie bereits so lange in der britischen Hauptstadt lebt und nur gelegentlich „Heimatbesuche“ macht, denkt sie sehr nostalgisch an ihre südenglische Heimat, das kleine Dörfchen Helstone. Dieses scheint eine zeitlose Idylle zu bieten: große Wälder, einfache, naturverbundene Menschen, die nicht viel brauchen, um glücklich zu sein. Es sind „ihre“ (Margarets) Menschen, denen sie sich zutiefst verbunden fühlt und ohne die sie sich ihr Leben gar nicht vorstellen kann.
Selbst als sie London hinter sich lassen muss und zu ihrem ärmlichen Leben in Helstone zurückkehrt, verliert sie ihre Gleichmut nicht. Auch dann nicht, als sie mit einer phlegmatischen, depressiven Mutter konfrontiert wird – und als ihr ebenso weltferner Vater ihr eröffnet, dass er seine Stelle als Pfarrer aus Gewissensgründen an den Nagel hängt und in das nordenglische Milton ziehen will. Margrets Langmut und Opferbereitschaft zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Es gibt zahlreiche Szenen, in denen ich an ihrer Stelle zweifellos das Handtuch geworfen und einen ausgewachsenen Wutanfall bekommen hätte – nicht so Margret. Gleichgültig, wie sich ihre Eltern ihr und den Verhältnissen gegenüber verhalten, gleichgültig, wie andere Menschen ihr begegnen: Sie reagiert nahezu in jeder Situation verständnisvoll und geduldig. Was es mir hin und wieder erschwerte, mich in ihre Situation hineinzuversetzen bzw. mit ihr mitzuempfinden. M. E. ist Margaret Hale als Romanfigur einfach eine Spur zu perfekt geraten – aber wahrscheinlich ist gerade das das Idealbild der gehorsamen Tochter, das man damals propagierte.
An dieser Stelle kommt auch ein weiterer Kritikpunkt ins Spiel: An einer Stelle weist Mr Hale – Margarets Vater – sie darauf hin, dass sie nicht an einer Beerdigung teilnehmen darf (wie übrigens alle Damen ihrer gesellschaftlichen Stellung), weil Frauen im Gegensatz zu den Männern ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Und das, obwohl die Autorin erst im vorangegangenen Kapitel beschrieben hatte, dass die Männer in Margarets Familie angesichts des Todesfalls völlig die Kontrolle verloren und in Tränen aufgelöst waren, während es ihre Aufgabe war, sich zusammenzureißen und dafür zu sorgen, dass der Haushalt weiterlief. Und die Protagonistin nimmt dies auch noch sang- und klanglos hin!

Margarets Eltern haben bei mir beim Lesen regelrechte Hassgefühle geweckt. Ihr Vater hat sich zwar ohne größere Ambitionen in der kleinen Ortschaft eingerichtet, scheint sich aber innerlich schon länger von seiner eigenen Familie distanziert zu haben. Bereits seit Monaten treiben ihn Zweifel um – am christlichen Glauben, aber vor allem an den Grundlagen seiner Kirche (der Methodistische Kirche) –, ohne dass er sich mit seiner Frau darüber austauscht. Während diese sich in ihre Räumlichkeiten zurückzieht, vergräbt er sich in seinem Arbeitszimmer. Selbst als er sich zu einer Entscheidung durchringt – seinen Vorgesetzten davon in Kenntnis setzt und seine Anstellung kündigt –, verheimlicht er dies vor seiner Frau. Stattdessen offenbart er sich seiner Tochter, erklärt dieser, dass sie 24 Stunden Zeit habe, um ihrer Mutter die Neuigkeiten beizubringen, und flüchtet sich aus dem Haus. Doch das ist nicht das Ende seiner Feigheit. Auch den innerhalb von zwei Wochen über die Bühne zu bringenden Umzug nach Nordengland überlässt er völlig seiner Tochter. Ganz zu schweigen davon, dass er sich auch weder um eine neue Wohnung noch eine neue Anstellung kümmert. Dass diese Männlichkeit von der Autorin (durch ihre Protagonistin) als Empfindsamkeit, übergroße Liebe zu Frau und Kind und der Angst davor, diese zu verletzen, verkauft wird, hat mich über weite Strecken wirklich wütend gemacht!
An seiner Haltung ändert sich sowohl beruflich als auch in seinem persönlichen Leben nach dem Umzug nach Milton weiterhin nichts: Obwohl seine Frau sterbenskrank ist, was seine Tochter ihm vorsichtig beizubringen versucht, verschließt er seine Augen davor und weist diese stattdessen als Schwarzmalerin zurecht. Und statt den Industriellen in Milton und anderen, die zumindest ansatzweise Interesse an Bildung haben (die die einzigen sind, die sich seine „Dienste“ als Lehrer leisten können) Vorträge zu Themen zu halten, mit denen sie in dieser Lebenswelt etwas anfangen können, referiert er über sakrale Baukunst und ähnliche „abwegige“ Themen. Augenscheinlich ist er nicht willens, sich mehr als nur oberflächlich mit diesen Menschen zu beschäftigen, deren Lebenswelt sich stark von der im Süden bzw. von seiner eigenen unterscheidet.

Ähnlich erging es mir bei Margarets Mutter. Diese unternimmt im Gegensatz zu ihrer Tochter nicht einmal den Versuch, sich in den neuen Gegebenheiten im nordenglischen Milton einzurichten. Allerdings haben ihre „Probleme“ bereits deutlich früher begonnen. Sie stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie und hat durch ihre Liebesheirat mit dem armen Landpfarrer deutlich unter ihrem Stand geheiratet. Zur Zeit der Ereignisse, die im Roman geschildert werden, scheint die Beziehung zu ihrem Mann schon deutlich abgekühlt zu sein (ohne dass sich beide Parteien dies eingestehen). Wiederholt fordert sie ihn – vergebens – auf, sich doch um eine andere, prestigeträchtigere Pfarrei zu bemühen. Sie verlässt auch kaum das Haus, um den Kontakt zu den Menschen des kleinen Ortes zu suchen, sondern beschränkt sich darauf, wohltätige Aktivitäten „aus der Ferne“ zu planen. Im nordenglischen Milton verstärken sich ihre Depressionen und ihr Phlegma, sodass sie sich regelrecht in ihre Erkrankung hineinfallen lässt.

Mit John Thornton betritt ein ungewöhnlicher Held die Bühne. Er ist kein romantischer Held wie Mr Darcy, sondern ein waschechter Industrieller. Er stammt aus einem eher wohlhabenden Elternhaus, allerdings hat sein Vater das Geld der Familie bei unsicheren Investitionen durchgebracht und sich mit einem Selbstmord aus der Affäre gezogen. Thornton ist im Teenageralter, als dies geschieht. Die kleine Familie (er, seine Mutter und seine kleine Schwester Fanny) ziehen daraufhin in einen Vorort, wo er sich eine Anstellung sucht und hart dafür arbeitet, um die Familie wieder zu Wohlstand zu bringen. Was ihm gemeinsam mit seiner Mutter auch gelingt.
Er ist von Beginn an von Margaret Hale fasziniert und gleichzeitig abgestoßen. Sie ist einerseits so ganz anders als die Frauen, die er in Milton kennengelernt hat. Andererseits lehnt er sie für ihre unbarmherzige, vorurteilsbehaftete Sicht des Nordens ab. Sie erlaubt sich Urteile über die Menschen – vor allem die Fabrikbesitzer –, ohne die Gegebenheiten überhaupt zu kennen. Dennoch ist er bereit, sich ihre Anmerkungen zur Situation der Arbeiter anzuhören und – wenn er es für richtig hält – auch entsprechende Schritte zu ergreifen, um daran etwas zum Positiven zu verändern.

Mrs Thornton, Johns Mutter, ist eine sehr faszinierende Figur. Sie liebt ihren Sohn über alles (aber nicht auf eine krankhafte Weise!), kümmert sich aber primär um ihre Tochter Fanny, weil sie sich bewusst ist, dass diese nicht die Stärke des Sohnes besitzt und auch nicht dessen Selbstdisziplin. Auch sie lehnt Margaret von Beginn an ab, weil sie spürt, dass diese ihren Sohn ablehnt, ohne ihn wirklich zu kennen. Darüber hinaus hat sie aufgrund ihrer Lebensgeschichte (der Ruin der Familie, der anschließende Selbstmord ihres Mannes und der harte Kampf zurück nach Milton) wenig Verständnis für schwache Menschen – und genau dafür hält sie die Hales. Bei Margarets Eltern hat sie damit durchaus recht, aber es soll sich zeigen, dass auch sie die junge Frau vorschnell verurteilt.

Neben den interessanten Figuren gibt es im Roman vor allem viele interessante Gespräche über Religion (primär zwischen Margaret und Bessie Higgins, der schwerkranken Tochter eines Arbeiters) sowie über Gesellschafts- und Wirtschaftskonzepte (primär das Verhältnis zwischen den Fabrikbesitzern und den Arbeitern). Gaskell beleuchtet dies von beiden Seiten, sodass man auch beide Positionen nachvollziehen kann (sowohl ihre guten als auch ihre schlechten Seiten). Dabei tauchen in diesem Roman aus dem Jahr 1855 (!) bereits Gedanken bzw. Argumente auf, die dem heutigen Leser nur allzu vertraut sind: dass Industrielle darüber nachdenken, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, weil man aufgrund der „hohen“ Gehälter im internationalen Vergleich nicht konkurrenzfähig ist, da die ausländischen Anbieter ihre Waren zu Dumpingpreisen auf den Markt werfen.

Über das Hörbuch

Gelesen wird das Hörbuch von Gabriele Blum. Sie hat eine warme, reife Stimme und liest die Geschichte in einem angenehmen Tempo vor. Dezent schlüpft sie in die handelnden Figuren – in Margarets naive Cousine Edith genauso überzeugend wie in den Fabrikbesitzer Thornton, was das Hören zu einem spannenden Ereignis macht. Schwierigkeiten hatte ich lediglich mit ihrer Art und Weise, weinende, hysterische Frauenfiguren zu lesen – dies tut sie wirklich sehr authentisch –, aber das dürfte eher auf meine Abneigung solcher Figuren zurückzuführen sein und weniger auf Blums Künste.

Mein Fazit: Im Mittelteil hatte der Roman meines Erachtens einige Längen; gerade die umfangreichen Gespräche über Religion und Industrialisierung, die das Buch von Stolz und Vorurteil abheben, verlangen dem Zuhörer Geduld ab, sind aber ein besonderer Aspekt dieses Buches.

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Rezension zu "Wives and Daughters" von Elizabeth Gaskell

Wunderbares Lesevergnügen
Schlehenfeevor 2 Jahren

„Wives and Daughters“ (zu deutsch: Frauen und Töchter) ist der letzte Roman von Elizabeth Gaskell, erschienen 1866 und leider unvollendet (aber man weiß wie es ausgeht). Der Untertitel lautet „An everyday story“ (eine alltägliche Geschichte) und somit sei gesagt, dass der Fokus des Romans auf den zwischenmenschlichen Beziehungen der damaligen Gesellschaft liegt.

Protagonistin ist die junge Molly Gibson, die nur mit ihrem Vater, einem Arzt, aufwächst, bis dieser wieder heiratet. Mollys Stiefmutter bringt eine gleichaltrige Tochter namens Cynthia mit in die Ehe. Fortan muss Molly lernen, mit den geänderten Familienverhältnissen zurechtzukommen sowie mit neuen Gefühlen, denn sie verliebt sich.
Nahe Mollys Heimatörtchen Hollingford gibt es auch noch die Familie Hamley, die seit Generationen ihren Landsitz dort hat. Squire Hamleys Söhne Osborne und Roger sind grundverschieden und müssen sich beide an den Erwartungen und Ansichten ihres Vaters messen.

Die familiären Beziehungen der Gibsons und der Hamleys sind der Dreh- und Angelpunkt von Elizabeth Gaskells über 700 Seiten starkem Roman. Ich habe jeden Tag nur ein paar Kapitel gelesen und konnte so perfekt in die viktorianische Beschaulichkeit des Landlebens eintauchen.

Von den Charakteren gefiel mir der alte Squire Hamley am besten, da er auf mich am authentischsten wirkte. Er hat seine Fehler, aber unter der rauen Schale steckt ein gutmütiger Kern.
Dr. Gibsons neue Frau Hyacinth ist dagegen ein Ausbund an Oberflächlichkeit und Geschwätzigkeit und erinnerte mich an einige Charaktere aus Jane Austens Werken.

Die Autorin thematisiert auch die Standesunterschiede im Dorf und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Normen. Natürlich spielen auch die Liebe, Verlobungen und Todesfälle eine Rolle, eine alltägliche Geschichte halt.

„Wives and Daughters“ hat mir viele vergnügliche Lesestunden geschenkt und mich in die „gute, alte Zeit“ entführt. Ein toller Klassiker!

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Rezension zu "Frauen und Töchter" von Elizabeth Gaskell

Heimliche Verlöbnisse, Heiraten und die ländlichen Intrigen im England des 19. Jahrhunderts
KaterinaFrancescavor 2 Jahren

Die junge Molly Gibson lebt mit ihrem verwitwetem Vater, einem Arzt, im ländlichen Hollingford, führt ein beschauliches und doch sehr glückliches Leben. Dies erfährt einen radikalen Wandel, als ihr Vater, in der Hoffnung seiner, nun zur jungen Dame herangereiften Tochter, eine angemessene Anstandsdame in Form einer Stiefmutter zukommen zu lassen. Die neue Mrs Gibson bringt allerdings zahlreiche Allüren und einen gehörigen Egoismus mit, nebst ihrer koketten Tochter Cynthia. Schon bald sieht sich die liebenswerte Molly in zahlreiche Verwirrungen verstrickt, sowohl gesellschaftliche, als auch romantische.

"Frauen und Töchter" ist ein farbenfrohes Sittenporträt des ländlichen Englands im 19. Jh. Die Protagonistin Molly ist ein Kind ihrer Zeit, von ihrem Vater sehr behütet, folgsam und demütig, dabei hat sie allerdings ihre eigenen Meinungen und ist sehr wahrheitsliebend. Die zärtliche Vetrautheit zu ihrem Vater erfährt jedoch durch das Eintreffen der vermeintlich liebevollen Stiefmutter eine merkliche Abkühlung. Mollys Kontrastbild ist ihre Stiefschwester, die wunderschöne und kokette Cynthia, die selbst von sich behauptet, nicht zu Liebe fähig zu sein. Trotz ihrer Unterschiede verbindet die beiden eine enge, liebevolle Bindung, auch wenn diese durch Cynthias manchmal fragwürdige Grundsätze Prüfungen ausgesetzt wird.
In der überschaubaren ländlichen Gesellschaft treten zahlreiche Akteure auf: Die adlige Familie auf Cumnor Towers, die mit Lady und Lord Cumnor ein denkbar satirisch gezeichnetes Ehepaar bildet. Der Squire Hamley mit seinen zwei Söhnen Osborne und Roger, von denen der Erstere der Gutaussehende, aber auch romantisch veranlagte ist, während Letzterer eher unscheinbar, dabei jedoch klug und verlässlich ist. Angenehm ist auch, dass Mollys Zuneigung nicht klischeehaft dem "Märchenprinzen/Erben" zufliegt, sondern sich dem freundlichen und tatkräftigen Roger zuwendet, auch wenn ihr selbst dies gar nicht bewusst ist. Mrs. Hamley wiederum bildet das ruhige Pendant zu ihrem teilweise aufbrausenden Gatten, der allerdings für seine kränkliche Frau alles tun würde. Trotz der Länge des Romans fliegen die Seiten nur so dahin und amüsieren mit witzigen Dialogen zwischen den klatschenden alten Jungfern der Gegend, den schlagfertigen Antworten Cynthias auf die verborgenen Eitelkeiten ihrer Mutter und der satirischen Beschreibung der huldvollen, tryannischen Lady Cumnor. Während Molly klar die Sympathieträgerin des Romans ist, löst Cynthia eher zwiespältige Gefühle aus, auch wenn man unweigerlich Mitleid mit ihr bekommt. Von ihrer Mutter als Kind vernachlässigt, hatte sie kaum einen Vertrauten und sehnt sich danach von allen vorbehaltlos geliebt zu werden. Gelichzeitig ist ihre Unfähigkeit, Fehler vor anderen eingestehen zu müssen auch Quelle für manches Unheil. Mr Gibson, eifrig auf Mollys Zukunft bedacht, macht nicht selten Fehler, scheint sich aber seine eigene Fehlbarkeit nicht gerne vorzuhalten, sodass manchmal richtig Ärger in einem aufkommt, wenn er seine neue Frau schalten und walten lässt, ohne an die Gefühle seiner Tochter zu denken. Mrs Gibson ist ein beinah lächerlicher Charakter, ursprünglich Gouvernante auf Cumnor Towers, fürhte sie zuletzt eine Schule und gibt sich als Frau des Doktors gesellschaftlichen Allüren hin. Ihr ganzes Selbstwertgefühl ist Äußerlichkeiten unterjocht und in ihren Aussagen widerspricht sie sich selbst gerne. Zugleich hegt sie fast kindliche Gefühle der Eifersucht, die in ihrem tiefsitzenden Egoismus sitzen, doch wird sie trotzdem nie zur "bösen Stiefmutter", es liegt ihr nur nicht, an andere als sich selbst zu denken.
Zahlreiche Diskurse des Jahrunderts wie Rogers und Lord Hollingfords Interesse an den Naturwissenschaften, die Konflikte zwischen Adel und einfacher Bevölkerung lassen diese Zeit Englands vor dem inneren Auge auferstehen und vermitteln ein authentisches und feingezeichnetes Bild. Auch kritische Impulse, wie die Entfremdung des Squires von Osborne durch dessen heimliche Tat und der Angst, seinem Vater davon zu berichten, die Dynamik von Klatsch und dessen Auswirkungen regen zum Nachdenken an.
Bedauerlich ist, dass der Roman durch den vorzeitigen Tod der Autorin unvollendet bleibt, auch wenn sich der Ausgang bereits ankündigt.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Norden und SüdenN
Willkommen zur aktuellen Leserunde der Gruppe Klassiker Leserunden.  
Wir wollen ein bisschen Leben in die altehrwürdige Literaturwelt bringen. Daher haben wir beschlossen, einige Klassiker gemeinsam zu lesen. 

Beginn: 10. April 2017 

Wichtig: Bei dieser Leserunde lesen wir unsere eigenen Bücher, es werden keine Exemplare verlost!
Für den April haben wir uns „Norden und Süden“ ausgesucht. 


Die Leserunde beginnt am 10.04.2017 und die Klassiker-Leserunden-Gruppe freut sich über jeden, der gemeinsam mit uns lesen will.:-) 

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Wichtig ist, dass es auch von diesem Klassiker verschiedene Ausgaben gibt. 

Sollten hier markante Unterschiede auffallen, gebt bitte in der Rubrik Meine Ausgabe Bescheid, damit wir die Einteilung dementsprechend anpassen können. Soweit man sich in der Leserunde orientieren kann, ist natürlich jede Version in Ordnung. 
Wir freuen uns über zahlreiche TeilnehmerInnen! 


• Bitte schreibt eure Beiträge in die bestehenden Kategorien, damit  die Leserunde übersichtlich bleibt. 
• Bitte denkt auch daran, den Spoiler-Haken zu setzen!
149 Beiträge
Cover des Buches Norden und Süden

Von Charles Dickens beauftragt - heute ein Klassiker

Der Industrieroman "Norden und Süden" von Elizabeth Gaskell, der erstmals als Fortsetzungsgeschichte in einer von Charles Dickens Zeitschriften erschien, ist heute ein absoluter Klassiker. Er versetzt uns in die Zeit der Industrialisierung und stellt uns vor eine Wahl, die auch heute noch aktuell ist: Der ländliche, schöne Süden oder die moderne Großstadt? Gabriele Blum gelingt es mit ihrer angenehmen Stimme die richtige Atmosphäre für Elizabeth Gaskells zeitlosen Roman zu erschaffen.

Mehr zum Hörbuch:
England inmitten der industriellen Revolution: Die ebenso selbstbewusste wie prinzipientreue Pfarrerstochter Margaret Hale zieht mit ihren Eltern vom ländlichen Süden in eine aufstrebende Metropole im Norden. Nur langsam gewöhnt sie sich an den Rauch, den Lärm und den rauen Umgangston. Als sie den erfolgreichen Fabrikbesitzer John Thornton kennenlernt, wird er zur Zielscheibe ihrer Vorurteile. Noch ahnt sie nicht, welch einflussreiche Rolle er bald in ihrem Leben spielen wird.

Mehr zur Sprecherin:
Gabriele Blum ist Mitbegründerin der Bremer Shakespeare Company sowie des Theater aus Bremen/TAB. Als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin hat sie an zahlreichen Theaterinszenierungen mitgewirkt. Vielseitigkeit zeichnet auch ihre Arbeit als Hörbuchsprecherin aus. Ob klassische Stoffe, Kinderbuch oder blutige Krimis – mit ihrer warmen, reifen Stimme macht sie jede Lesung zu einem spannenden Ereignis.

>> Hier geht es zur Hörprobe

Zusammen mit dem argon Verlag vergeben wir 10 Hörbücher unter allen Bewerbern*, die uns bis zum 06.12. folgende Frage beantworten:

Würdet ihr lieber in einer industriellen Großstadt oder auf dem ruhigen Land leben und warum zieht ihr das eine dem anderen vor?

Wir sind gespannt auf eure Antworten und drücken euch die Daumen!

*Bitte beachtet, dass wir die Hörbücher nur innerhalb Europas verschicken können.
198 BeiträgeVerlosung beendet
Cover des Buches Norden und Süden


Weihnachtszeit ist Buchschenkzeit!

Kennt ihr das auch? Auf einmal sind die Regale der Supermärkte voll mit Lebkuchen, Stollen und Zimtsternen. Plötzlich sind die Straßen in der Stadt hell erleuchtet und wie durch ein Wunder steht der Weihnachtsmarkt da. Mal wieder ist die Zeit ganz schnell vergangen, Weihnachten steht plötzlich vor der Tür und man hat noch nicht alle Geschenke besorgt!

Wir von LovelyBooks möchten dazu beitragen, dass die Vorbereitungen auf das schönste Fest des Jahres noch schöner und entspannter werden. Deshalb verlosen wir während der ganzen Vorweihnachtszeit Buchgeschenke für deine Freunde oder Familienmitglieder!

Und so kannst du mitmachen:
Sag uns bis zum 13.12.2015, wem du das zu verlosennde Hörbuch schenken möchtest und warum dieser Mensch genau dieses Hörbuch bekommen muss. Du bist dabei, Indem du dich einfach über den blauen "Jetzt-bewerben"-Button bewirbst und uns deine Geschichte erzählst.
Gib im Adressfeld bitte unbedingt die Adresse der Person an, die beschenkt werden soll und nicht deine eigene.

Sollten wir deinen Beitrag auslosen, schicken wir ein schön verpacktes Weihnachtsgeschenk mit dem Hörbuch, süßen Leckereien, kleinen Überraschungen und einer Grußbotschaft in deinem Namen auf den Weg zu deinem Wunsch-Beschenkten.

Zusammen mit Argon verlosen wir 5 Hörbücher des zeitlosen Klassikers von Elizabeth Gaskell "Norden und Süden". 

Zum Inhalt
England inmitten der industriellen Revolution: Die ebenso selbstbewusste wie prinzipientreue Pfarrerstochter Margaret Hale zieht mit ihren Eltern vom ländlichen Süden in eine aufstrebende Metropole im Norden. Nur langsam gewöhnt sie sich an den Rauch, den Lärm und den rauen Umgangston. Als sie den erfolgreichen Fabrikbesitzer John Thornton kennenlernt, wird er zur Zielscheibe ihrer Vorurteile. Noch ahnt sie nicht, welch einflussreiche Rolle er bald in ihrem Leben spielen wird.
79 BeiträgeVerlosung beendet
M
Letzter Beitrag von  marsuvor 5 Jahren
Vielen Dank! Mein Bruder freut sich bestimmt sehr.

Zusätzliche Informationen

Elizabeth Gaskell wurde am 28. September 1810 in London (Großbritannien) geboren.

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