Elizabeth Gaskell Norden und Süden

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Inhaltsangabe zu „Norden und Süden“ von Elizabeth Gaskell

In ihrem vierten großen Roman schildert Elizabeth Gaskell die Geschichte der neunzehnjährigen Margaret Hale, die, als sie nach Helstone in ihre Heimat im Süden Englands zurückkehrt, nachdem sie zehn Jahre bei ihrer Tante Shaw und ihrer Cousine Edith in London gelebt hat, die Idylle im ruhigen, ländlichen Süden nur kurz genießen kann. Denn ihr Leben ändert sich grundlegend, als ihr Vater, der Seelsorger der kleinen Gemeinde Helstone, der anglikanischen Kirche den Rücken kehrt und beschließt, mit der Familie künftig in der Fabrikstadt Milton im Norden Englands zu leben. Aus dem überschaubaren, ruhigen Leben in Helstone wird die junge Frau mitten in die Geschäftigkeit, den Lärm und den Schmutz einer im Zuge der Industrialisierung rasch wachsenden Stadt katapultiert. Zwar hält sich Margaret für stark genug, es mit allen Wechselfällen des Lebens aufnehmen zu können, doch auf die Verhältnisse in ihrer neuen Heimat ist die junge Frau nicht gefasst: konfrontiert mit der Armut und den Nöten der arbeitenden Klasse, der Selbstherrlichkeit reicher Fabrikanten und der sich daraus fast zwangsläufig ergebenden Arbeitskämpfe, sowie schicksalhaften Wendungen, die ihr einerseits die Menschen nehmen, die sie am meisten liebt, und sie andererseits mit Menschen in Berührung bringt, um deren Liebe sie sich nie bemüht hat und die sie gar verachtet, muss Margaret ihre Werte und Prinzipien unter völlig veränderten Umständen und unter einem gänzlich anderen Menschenschlag als dem bisher gewohnten behaupten. Elisabeth Gaskell veröffentlichte „North and South“ ursprünglich als Fortsetzungsroman in Charles Dickens’ Wochenmagazin „Household Words“. Das Buch wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2004 von der BBC mit Richard Armitage in der Rolle des John Thornton. Überarbeitete Fassung auf Basis der von der Autorin erweiterten Buchausgabe mit zusätzlichen Anmerkungen.

Eine Geschichte mit vielen Konfliktthemen der damaligen Zeit und 2 bemerkenswerten Hauptfiguren, die Anfangs wenig voneinander halten.

— Betsy
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  • Gegensätze und ihre Wirkung aufeinander

    Norden und Süden

    Betsy

    05. May 2017 um 23:58

    Die englische Pfarrerstochter Margaret Hale zieht mit ihren Eltern von der ländlichen Idylle im Süden Englands nach Milton, einer Fabrikstadt im Norden, wo sie auf eine gänzlich andere Welt trifft. Nach einiger Zeit jedoch findet sich Margaret immer mehr in ihrem neuen Leben zurecht und knüpft neue Kontakte. Eine dieser neuen Bekanntschaften ist der Fabrikant Mr. Thornton, den sie durch ihren Vater kennenlernt und von dem sie anfänglich herzlich wenig hält. Als ein Streik die Fronten zwischen Arbeitern und Fabrikanten verhärtet, wird auch Margaret unerwartet mit hineingezogen und ihre und Mr. Thorntons Bekanntschaft bekommt eine unerwartete Wendung.Obwohl es stellenweise schon sehr stark an Stolz und Vorurteil von Jane Austen erinnert, greift diese Geschichte zugleich viel mehr Themen und Konflikte der damaligen Zeit auf als man erwarten würde und zeigt sehr umfangreich wie stark sich hier sowohl die Lebens- als auch die Sichtweisen der Menschen in den verschiedensten Gesellschaftsschichten unterscheiden. Während die romantischen Verflechtungen eher im Hintergrund passieren, wird hier vorrangig viel Augenmerk auf die persönliche Entwicklung der Charaktere sowie auf die Probleme einer Industriestadt gelegt. Angefangen mit der Luftverschmutzung, den Arbeitsbedingungen in den Fabriken, das Unverständnis zwischen Arbeitern und Fabrikanten, den langsamen Veränderungen in den herrschenden Gesellschaftsschichten, die fatalen Auswirkungen eines Streiks auf beiden Seiten uvm. Nichtsdestotrotz wird aber auch die vermeintlich ländliche Idylle im Süden nicht nur verherrlicht, sondern man bekommt durchaus einen guten Eindruck davon wie schwer auch dieses Leben sein kann.Wir haben in dieser Geschichte viele interessante und vielschichtige Charaktere sowie deren Beziehung zueinander, aber besonders Margaret und Mr. Thornton sind hier zwei extrem starke Figuren die gegensätzlicher in ihren Auffassungen nicht sein könnten und dennoch auch vieles gemeinsam haben, wie zB die Liebe zu ihrer Familie, ihren Stolz, ihre scheinbare Unnachgiebigkeit und ihre Wissbegierigkeit. Beide sind dem Leser anfänglich durchaus nicht zu 100% sympathisch, da sie ziemlich festgefahren in ihren Ansichten scheinen und als herablassend und kühl empfunden werden, obwohl man nebenbei auch ihre andere Seite immer mehr entdeckt und sehr schnell merkt, dass vieles einfach nur zum Selbstschutz ist. Margaret erlebt in ihrem jungen Leben einige einschneidende Erlebnisse und im weiteren Verlauf muss sie mit einigen Verlusten zurechtkommen, doch sie lernt auch viel über sich selbst und verändert sich nach und nach. Angefangen im ländlichen Helstone, danach lange Zeit im eleganten London und zuletzt der Umzug in die triste Industriestadt Milton findet sie in der jeweiligen Umgebung ihren Platz. Sie ist ein unglaublich komplexer Charakter und besonders für eine Frau der damaligen Zeit sehr selbstständig, nicht auf den Mund gefallen, mitfühlend und sich selbst immer erst an die zweite Stelle setzend. Während die anderen Frauen über Kleider, Kinder, Ehe und andere nichtssagende Themen reden, ist sie viel mehr daran interessiert das aktuelle Geschehen zu verstehen, den Männern zuzuhören und auch selbst ihre Ansicht darzulegen. Oftmals wirkt sie arrogant und kalt, doch je näher man sie kennenlernt, desto klarer wird, dass es ein Schutzmechanismus ist und sie oftmals missverstanden wird, weil sie einfach nicht der Typ dafür ist, der Gefühle offen zeigt, sondern immer versucht eine unbekümmerte Fassade aufrechtzuerhalten. Mr. Thornton, ist hier ebenfalls jemand, der anfänglich schwer einschätzbar ist und genau wie Margaret recht hart wirkt, der aber immer mehr an Sympathie gewinnt, obwohl er zeitweise genauso mit seinen Ansichten beim Leser aneckt. Dennoch ist er jemand der selbst weiß, was es heißt zu arbeiten und etwas aus eigener Kraft zu schaffen, weshalb er mit anderen gerade deswegen vielleicht so hart in seinem Urteil ist, in der Annahme, dass auch andere nur hart genug arbeiten müssen um etwas zu erreichen. Während er im geschäftlichen sehr konsequent und professionell ist, ist er in Gefühlsdingen ebenso unsicher wie alle anderen und hat genauso mit seinen Emotionen zu kämpfen, was ihn dann wieder total liebenswert erscheinen lässt, weil es ihn so menschlich macht.Es ist total interessant die Sichtweise von Arbeitern und Fabrikherren zu hören und genau wie Margaret lernt man nach und nach beide Seiten besser kennen und verstehen. Wobei hier ein großes Thema die jeweilige Abgrenzung ist und das Unwissen über die andere Seite, die dann leicht außer Kontrolle geraten kann, weil beide Parteien sich im Recht fühlen und nicht nachgeben wollen. Teilweise braucht es beim Lesen einiges an Konzentration, besonders bei den manchmal ziemlich ausschweifenden Gedankengängen von Margaret oder Mr. Thornton, sowie bei manch elendslangen Sätzen, wo es heißt nicht den Faden zu verlieren. Ansonsten gibt es aber durchaus auch sehr unterhaltsame Stellen und viele tiefsinnige Gespräche.Ich fand, dass Ende dann durchaus gelungen (wenn auch leider etwas sehr schnell abgehandelt) und sogar sehr amüsant, dennoch darf man sich hier keinesfalls zuviel Romantik erwarten die allzu offensichtlich ist, diese Geschichte lebt von den leisen Zwischentönen und bietet trotzdem einiges an Unterhaltungswert, auch wenn die Figuren wohl oftmals unbewusst amüsant für den Leser sind.Fazit: Viele großartige Figuren, die diese Geschichte, trotz all der ernsten und traurigen Momente sehr spannend und unterhaltsam machen. Dieses Buch erzählt unglaublich interessant die Probleme einer Industriestadt und wie gegensätzlich dazu das Landleben erscheint, ohne dieses allerdings zu rosa einzufärben. Mittendrin eine junge Frau, die in der ihr neuen und völlig fremden Welt versucht zurechtzukommen und dabei mehr und mehr über sich hinauswächst. Trotz des etwas abrupten Endes eine tolle Geschichte über Gegensätzlichkeiten, Vorurteile, Veränderungen und dem Kampf mit den eigenen Emotionen.

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