Elizabeth H. Winthrop

 4,5 Sterne bei 55 Bewertungen
Autor von Mercy Seat, The Mercy Seat und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Elizabeth H. Winthrop

Cover des Buches Mercy Seat (ISBN: 9783406719042)

Mercy Seat

 (53)
Erschienen am 01.03.2018
Cover des Buches December (ISBN: 9780340961438)

December

 (1)
Erschienen am 26.12.2008
Cover des Buches The Mercy Seat (ISBN: 9781473672499)

The Mercy Seat

 (1)
Erschienen am 14.06.2018
Cover des Buches The Why of Things (ISBN: 9781444755497)

The Why of Things

 (0)
Erschienen am 10.04.2014

Neue Rezensionen zu Elizabeth H. Winthrop

Cover des Buches Mercy Seat (ISBN: 9783406719042)Woerterkatzes avatar

Rezension zu "Mercy Seat" von Elizabeth H. Winthrop

Elizabeth H. Winthrop: Mercy Seat
Woerterkatzevor einem Jahr

Als “Mercy Seat” wird der transportierbare elektrische Stuhl bezeichnet, der von Ort zu Ort zur Vollstreckung des Todesurteils am jeweiligen Tatort des Verbrechens gebracht wird, damit die Ortsansässigen der Hinrichtung beiwohnen können.

Der Titel passt eindeutig zur Handlung des Werkes. Winthrop erzählt in vier Teilen den Tag der Vollstreckung des skandalösen Urteils an dem jungen Schwarzen Will. Jedes einzelne Kapitel wird aus der Sicht eines Charakters erzählt, damit man nicht durcheinander kommt,  wird der Name in der Kapitelüberschrift erwähnt. So erlebt man den ganzen Tag mit, sei es durch Wills Vater und Polly, dem Staatsanwalt, die direkt mit der Situation von Will zu tun haben, aber auch durch eigentlich unbeteiligte Personen, wie Lane oder Ora. Gerade bei diesen Charakteren fragt man sich, was sie mit Will zu tun haben und im Laufe der Handlung fügen sich diese losen Fäden, die nebenbei laufen, zusammen.

“Mercy Seat” hat mich von der ersten Seite gefesselt und auch wenn die Handlung im Jahr 1943 in Louisiana spielt, ist sie mit ihren Grundthemen Rassismus, Trauer, Verlust, Todesstrafe so aktuell wie nie.  Denn Rassismus existiert auch heute noch nicht nur in den Südstaaten, mit seinem Ku-Klux-Clan, sondern auch in den anderen Bundesstaaten und in der restlichen Welt. Rassismus ist allgegenwärtig und gipfelt heute in der Black Lives Matter Bewegung und der Polizeigewalt gegen Schwarze.

“Mercy Seat” ist heftig und mir liefen immer wieder die Tränen übers Gesicht. Es gab Szenen da musste ich innehalten und das Buch zur Seite legen. Es ist erschreckend, nicht nur die Szene mit “Mercy Seat”, sondern auch die Rahmenhandlung drum herum. Die Einschüchterung, die Verzweiflung über den Verlust eines Sohnes, die unausgesprochenen Worte zwischen den Menschen und das Gefühl eines jeden, dass es falsch ist.

Meine Stimmung während des Lesens schwang immer wieder zwischen unheimlicher Wut, wer das Buch gelesen hat, kann sich die betreffenden Szenen denken, und zwischen tiefer Traurigkeit.

Winthrop gelingt es mit ihren Worten ein Bild einer gespaltenen Gesellschaft zu zeigen, die auf der einen Seite Gerechtigkeit will, aber auf der anderen Seite in ihren Strukturen und Dogmen so gefangen ist, dass sie diese nicht überwinden können.

“Mercy Seat” zeigt immer wieder die Atmosphäre in den Südstaaten auf, das Zusammenleben zwischen Schwarzen und Weißen, den endlosen Baumwollfeldern, den Alligatoren und das Misstrauen untereinander. Man hat immer noch das Gefühl, dass die Zeit stillsteht und sich nichts in den Jahrzehnten danach verändert hat, wenn man heute die Nachrichten aus den Vereinigten Staaten hört.

Die meisten Charaktere sind mir während des Lesens ans Herz gewachsen und man merkte oft, dass sie mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden sind, aber es Situationen gab, in denen sie nicht anders entscheiden konnten. Sehr oft habe ich mich gefragt, wie ich mich entschieden hätte, in dieser Situation, in dieser Zeit, mit diesem Hintergrund und ich bin auch jetzt eine Woche noch zwiegespalten. Ich wünschte, dass ich heute sagen könnte, so ein wahrer Fall würde heute nicht mehr so passieren, aber das Leben lehrte mich schon anderes.

Denn der Rassismus, Ressentiments und Hass sind immer noch nicht überwunden und auch nicht die Fehlurteile durch Jurys. In einer Welt, in der immer noch Unterschiede nach der Hautfarbe gemacht werden, kann es keine absolute Gerechtigkeit geben.

Fazit

“Mercy Seat” ist ein packender Roman, der auf dem Fall Willie Francis, von 1946, aufbaut.  Ein Buch gegen Rassismus, gegen die Todesstrafe mit einer ungeheuren Sprachgewalt, dass einen emotional abholt und noch sehr sehr lange nachklingt.

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Cover des Buches The Mercy Seat (ISBN: 9781473672482)Q

Rezension zu "The Mercy Seat" von Elizabeth H. Winthrop

Schmerzhaft, schrecklich, großartig!
Quacki24vor einem Jahr

4,5 Sterne. Es spielt in Lousianna 😍, damit hat man mich im Prinzip direkt. Ein atemberaubender Show-don't-tell Schreibstil geleitet uns durch Momentaufnahmen verschiedener Protagonisten in einer Kleinstadt um 1943. Alles kreist um einen, wegen Vergewaltigung zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilten, schwarzen jungen Mann. Schmerzhaft, schrecklich, großartig!

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Cover des Buches Mercy Seat (ISBN: 9783406719042)NiWas avatar

Rezension zu "Mercy Seat" von Elizabeth H. Winthrop

Drückend wie vor einem Sommergewitter
NiWavor einem Jahr

1940er-Jahre in Louisiana. Der elektrische Stuhl "Grausame Gertie" wird nach St. Martinsville transportiert. Ein junger Schwarzer wartet auf seinen letzten Gang, und eine Stadt gibt sich der schwermütigen Atmosphäre hin.

In "Mercy Seat" erzählt Elizabeth H. Winthrop auf meisterhafte Weise wie die "Grausame Gertie" nach St. Martinsville gebracht wird, und Will seiner Hinrichtung entgegensieht.

In diesem kleinen Büchlein steckt ein enormer Roman! Obwohl es nicht viele Seiten umfasst, wird eine intensive Geschichte erzählt. 

Die Autorin bedient sich dazu mehrerer Perspektiven und Nebenschauplätzen. Sie schafft eine drückende Atmosphäre, die einen an die Stunden vor einem schweren Sommergewitter denken lässt. Seite um Seite sehnt man sich den erleichternden Regen herbei, hingegen wird es schwerer, schwüler und man ringt nach Luft, weil man kaum atmen kann.

Vordergründig ist der junge Schwarze namens Will, welcher wegen der Vergewaltigung an einem weißen Mädchen zum Tode verurteilt ist. Obwohl er zentral für die Handlung ist, nimmt seine Figur nur einen kleinen Part im Geschehen ein. Stoisch schaut er dem letzten Gang entgegen, sitzt die Zeit bis zum Ende ab, und ist sich der Intensität des Lebens in jedem Augenblick bewusst. 

Die "Grausame Gertie" wird währenddessen zu ihrem tödlichen Rendezvous chauffiert. Begleitet von einem Wachmann und einen Freigänger, erlebt man den Transport des Hinrichtungsgeräts. Die letzten Meter wird sie getragen, noch einmal richtig in Schale geworfen, und sieht ihrem Einsatz entgegen. 

In der Zwischenzeit sind vom nahenden Tod des Verurteilten mehrere Familien betroffen: Die Eltern, die ihre eigene Mission verfolgen, der Staatsanwalt, der nicht begreift, wie er das tun konnte, sein Sohn, den die Neugier drängt, die Ehefrau, der ein Stein im Magen liegt, und ein Ehepaar - das ebenfalls vom Sterben gequält wird. 

All diese Perspektiven steuern auf das Finale, den Tod Wills, zu. Obwohl kaum etwas geschieht, und die Ereignisse chronologisch abgearbeitet werden, baut die Autorin bedrückende Spannung auf. 

Am Ende gibt es eine grausame Überraschung, die selbst manch hartgesottenen Leser den Atem verschlägt. Dabei zielt die Autorin auf keine Effekthascherei, sondern verarbeitet belegte Fakten, die in groben Zügen auf diese Weise passiert sind. 

Allerdings - ich weiß, es gibt Leser, die das stört - zeigt Elizabeth H. Winthrop in ihrem Roman kein Erbarmen. Obwohl man sich sehnlichst Erlösung am Ende wünscht, lässt sie den Schluss offen, und regt somit das Gedankenkarussell an.

„Mercy Seat“ ist ein gewaltiger, drückender Roman, in dem man sich unwohl fühlt. Genau deshalb ist er meiner Meinung nach exzellent. Die Stimmung ist elektrisch geladen, sie strömt auf den Leser ein, wird mit jeder Seite heftiger, und schlägt sich auf den Magen. 

Meiner Meinung nach ist „Mercy Seat“ in seiner Schlichtheit ein imposantes Werk, tiefgreifend und intensiv. Winthrop zeigt dem Leser den Tod vor Augen, sodass man um Erbarmen fleht. Beeindruckend. 

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