Elizabeth H. Winthrop

 4,4 Sterne bei 58 Bewertungen
Autor*in von Mercy Seat, The Mercy Seat und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Elizabeth Hartley Winthrop, 1979 geboren, lebt mit ihrer Familie in Massachusetts. Sie studierte englische und amerikanische Literatur an der Harvard University und erwarb ihren Master of Fine Arts in Fiction an der University of California in Irvine. Sie hat Erzählungen und bislang drei Romane veröffentlicht.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Elizabeth H. Winthrop

Cover des Buches Mercy Seat (ISBN: 9783406719042)

Mercy Seat

 (56)
Erschienen am 28.02.2018
Cover des Buches December (ISBN: 9780340961438)

December

 (1)
Erschienen am 26.12.2008
Cover des Buches The Mercy Seat (ISBN: 9781473672499)

The Mercy Seat

 (1)
Erschienen am 14.06.2018

Neue Rezensionen zu Elizabeth H. Winthrop

Cover des Buches Mercy Seat (ISBN: 9783406719042)
Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Mercy Seat" von Elizabeth H. Winthrop

Dieses Buch lässt einen nicht kalt
Igelmanu66vor 8 Monaten

»Gabes Frage während des Abendessens fällt ihm wieder ein: Tut es weh? Und dann denkt er an das plötzliche Aufbäumen und den dumpfen Schlag, die Gänsehaut und das Anschwellen, das Zusammensinken und den aufsteigenden Rauch, all die Dinge, für die er heute Nacht verantwortlich ist.«

 

Louisiana im Jahr 1943. In einer kleinen Stadt kommt ein Lieferwagen mit einem elektrischen Stuhl an, auf dem ein junger Mann sterben soll. Sein Vergehen ist, dass er schwarz ist und ein junges, weißes Mädchen liebt. Ihr Vater überraschte beide beim Liebesspiel und nun soll der achtzehnjährige Will wegen Vergewaltigung hingerichtet werden. Vor Gericht stand die einsame Aussage Wills gegen die der anständigen weißen Bürger und seine Freundin, die theoretisch für ihn hätte aussagen können, brachte sich nach seiner Inhaftierung um.

 

Das Buch erzählt aus verschiedenen Perspektiven den Tag der Hinrichtung. Dabei wird mehr als deutlich, dass alle wissen, dass das Urteil falsch ist. Angefangen vom Bezirksstaatsanwalt, über den Sheriff, einen Geistlichen und diverse Einwohner der Stadt bis letztlich sogar zu den Wutbürgern, denn die mussten bestimmte Hebel ziehen, um das von ihnen gewünschte Urteil zu erhalten. Für einen weißen Jungen in einem vergleichbaren Fall wäre wohl nie die Höchststrafe verhängt worden und dieser Fakt ist selbst den Leuten klar, die Will für einen Vergewaltiger halten.

 

Wie erlebt man nun diesen letzten Tag, wenn man von einem schlechten Gewissen geplagt wird? Oder von Wut oder Verzweiflung wegen der schreienden Ungerechtigkeiten auf dieser Welt? Wie erlebt Will diesen Tag, vor dem er sich einerseits fürchtet, der aber auch ein Ende seiner Qualen in Aussicht stellt?

 

Die kurzen Kapitel mit ständig wechselnden Perspektiven fesseln ans Buch, obwohl man gleichzeitig merkt, wie sehr man in einen Strudel aus Hass und Verzweiflung hineingezogen wird. Ich hätte abwechselnd schreien und weinen können, das Buch ist extrem intensiv und berührt zutiefst, zumal es auch noch auf einem wahren Fall beruht. Alles andere als eine entspannende Lektüre, aber aufgrund der Rassismus-Thematik leider immer aktuell und lesenswert.

 

Fazit: Extrem intensiv und berührend, dieses Buch lässt einen nicht kalt.

Cover des Buches Mercy Seat (ISBN: 9783406719042)
Suse33s avatar

Rezension zu "Mercy Seat" von Elizabeth H. Winthrop

Innerlich und äußerlich grandios.
Suse33vor 2 Jahren

Eine langsam und ruhig erzählte Story, die sich um Gewalt, Rassismus und Trauer dreht. Die verschiedenen Perspektiven erzählen ihre eigene Geschichte und sind dennoch miteinander verwoben. Dieses Buch hat eine sehr bedrückende Stimmung und verlangt einem viel ab. Großartiges Werk.

Cover des Buches Mercy Seat (ISBN: 9783406719042)
Woerterkatzes avatar

Rezension zu "Mercy Seat" von Elizabeth H. Winthrop

Elizabeth H. Winthrop: Mercy Seat
Woerterkatzevor 4 Jahren

Als “Mercy Seat” wird der transportierbare elektrische Stuhl bezeichnet, der von Ort zu Ort zur Vollstreckung des Todesurteils am jeweiligen Tatort des Verbrechens gebracht wird, damit die Ortsansässigen der Hinrichtung beiwohnen können.

Der Titel passt eindeutig zur Handlung des Werkes. Winthrop erzählt in vier Teilen den Tag der Vollstreckung des skandalösen Urteils an dem jungen Schwarzen Will. Jedes einzelne Kapitel wird aus der Sicht eines Charakters erzählt, damit man nicht durcheinander kommt,  wird der Name in der Kapitelüberschrift erwähnt. So erlebt man den ganzen Tag mit, sei es durch Wills Vater und Polly, dem Staatsanwalt, die direkt mit der Situation von Will zu tun haben, aber auch durch eigentlich unbeteiligte Personen, wie Lane oder Ora. Gerade bei diesen Charakteren fragt man sich, was sie mit Will zu tun haben und im Laufe der Handlung fügen sich diese losen Fäden, die nebenbei laufen, zusammen.

“Mercy Seat” hat mich von der ersten Seite gefesselt und auch wenn die Handlung im Jahr 1943 in Louisiana spielt, ist sie mit ihren Grundthemen Rassismus, Trauer, Verlust, Todesstrafe so aktuell wie nie.  Denn Rassismus existiert auch heute noch nicht nur in den Südstaaten, mit seinem Ku-Klux-Clan, sondern auch in den anderen Bundesstaaten und in der restlichen Welt. Rassismus ist allgegenwärtig und gipfelt heute in der Black Lives Matter Bewegung und der Polizeigewalt gegen Schwarze.

“Mercy Seat” ist heftig und mir liefen immer wieder die Tränen übers Gesicht. Es gab Szenen da musste ich innehalten und das Buch zur Seite legen. Es ist erschreckend, nicht nur die Szene mit “Mercy Seat”, sondern auch die Rahmenhandlung drum herum. Die Einschüchterung, die Verzweiflung über den Verlust eines Sohnes, die unausgesprochenen Worte zwischen den Menschen und das Gefühl eines jeden, dass es falsch ist.

Meine Stimmung während des Lesens schwang immer wieder zwischen unheimlicher Wut, wer das Buch gelesen hat, kann sich die betreffenden Szenen denken, und zwischen tiefer Traurigkeit.

Winthrop gelingt es mit ihren Worten ein Bild einer gespaltenen Gesellschaft zu zeigen, die auf der einen Seite Gerechtigkeit will, aber auf der anderen Seite in ihren Strukturen und Dogmen so gefangen ist, dass sie diese nicht überwinden können.

“Mercy Seat” zeigt immer wieder die Atmosphäre in den Südstaaten auf, das Zusammenleben zwischen Schwarzen und Weißen, den endlosen Baumwollfeldern, den Alligatoren und das Misstrauen untereinander. Man hat immer noch das Gefühl, dass die Zeit stillsteht und sich nichts in den Jahrzehnten danach verändert hat, wenn man heute die Nachrichten aus den Vereinigten Staaten hört.

Die meisten Charaktere sind mir während des Lesens ans Herz gewachsen und man merkte oft, dass sie mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden sind, aber es Situationen gab, in denen sie nicht anders entscheiden konnten. Sehr oft habe ich mich gefragt, wie ich mich entschieden hätte, in dieser Situation, in dieser Zeit, mit diesem Hintergrund und ich bin auch jetzt eine Woche noch zwiegespalten. Ich wünschte, dass ich heute sagen könnte, so ein wahrer Fall würde heute nicht mehr so passieren, aber das Leben lehrte mich schon anderes.

Denn der Rassismus, Ressentiments und Hass sind immer noch nicht überwunden und auch nicht die Fehlurteile durch Jurys. In einer Welt, in der immer noch Unterschiede nach der Hautfarbe gemacht werden, kann es keine absolute Gerechtigkeit geben.

Fazit

“Mercy Seat” ist ein packender Roman, der auf dem Fall Willie Francis, von 1946, aufbaut.  Ein Buch gegen Rassismus, gegen die Todesstrafe mit einer ungeheuren Sprachgewalt, dass einen emotional abholt und noch sehr sehr lange nachklingt.

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