Mercy Seat

von Elizabeth H. Winthrop 
4,5 Sterne bei28 Bewertungen
Mercy Seat
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Das neue Buch von Elizabeth H. Winthrop erscheint am 31. Dezember 2018 mit dem Titel "Mercy Seat" als Hardcover bei C.H.Beck.

Neue Kurzmeinungen

CorneliaPs avatar

eine gute Geschichte, Bildgewaltig, aber mir persönlich zu unaufgeregt

Bibliomanias avatar

Erinnert an Stephen Kings "Green Mile", jedoch ohne den Phantastik-Anteil

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Inhaltsangabe zu "Mercy Seat"

Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes.
Nach einer wahren Begebenheit, psychologisch fein und in einer an William Faulkner erinnernden multiperspektivischen Intensität erzählt Elizabeth Winthrop die tragischen Ereignisse bis zum überraschenden Ende. Ein meisterhaftes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt und das niemanden kaltlassen wird.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406719042
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:31.12.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Erinnert an Stephen Kings "Green Mile", jedoch ohne den Phantastik-Anteil
    Schande in Amerika der 40er Jahre

    Will ist schwarz. Er liebte Grace, doch wirft man ihm Vergewaltigung vor und hat ihm zum Tod durch den elektrischen Stuhl verurteilt.

    Nun wartet er die letzten Tage auf seine Hinrichtung. Er ist 19 und völlig überfordert. Er schwankt zwischen Alleinsein-Wollen und der Verzweiflung sterben zu müssen - verständlicherweise.
    In diesem Roman, der 1940 in Louisiana spielt, kommen verschiedene Figuren, die mehr oder weniger in Bezug zu Will stehen, zu Wort. Zu meinem Glück jedoch nicht in der Ich-Form.
    Wills Eltern sind verzweifelt und wollen unbedingt einen Grabstein an seine Gedanken herbeischaffen. Wills Anwalt ist eigentlich ein Philanthrop und dessen Frau missbilligt die Art der "Verteidigung", aber es gibt auch Menschen, die absolut rassistisch eingestellt sind und nur unbedingt sehen wollen, wie "der Nigger geröstet wird".
    Schande und Fremdschämen bilden die grundsätzlichen Gefühle, die mich bei der Lektüre überkamen. Umso schlimmer, dass wir diese Zeit nicht längst überwunden haben. Im Gegenteil, gerade ist es schlimmer als je zuvor.
    "Mercy Seat" ist eine Geschichte, die die Vergangenheit in die Gegenwart holt und damit voll ins Schwarze trifft. Dabei treten meiner Meinung nach jedoch zu viele Figuren für diese knapp 250 Seiten auf. Würde nicht immer der Name am Anfang stehen, käme man schnell durcheinander. Einige Figuren halte ich auch für gänzlich überflüssig, was den Lesefluss auch beeinträchtigt. Hingegen hätte der Roman für mich mehr aus Wills Perspektive vertragen. Zusätzlich lässt mich das Ende recht unzufrieden zurück, aber es ist ein wichtiges Thema, das heute umso mehr Brisanz und Wichtigkeit verlangt. Rassismus ist eines der größten Übel unserer Zeit, die meiner Meinung nach endlich in den Griff bekommen werden sollte. Und dabei sollte jeder bei sich selbst anfangen. Warum ist ein friedliches Nebeneinander nicht möglich? Was lässt Menschen denken, sie seien besser als andere? Gedanken, die ich nicht nachvollziehen kann und die ich dramatisch und verachtenswert finde. Dabei sollte in meinen Augen nur eine Wahrheit existieren: Wir sind alle Menschen.

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    Mone80s avatar
    Mone80vor 15 Tagen
    [Rezension] Mercy Seat

    Dieses Buch ist mir vor ein paar Monaten in der kleinen Sternenwarte von AstroLibrium aufgefallen und es stand schnell fest, dass ich dieses Buch lesen musste.

    Der junge Schwarze Will soll ein weißes Mädchen vergewaltigt haben. Was keiner wahrhaben möchte ist, dass Will und das Mädchen eine Beziehung führten, eine Beziehung, die es im Jahr 1943 in Louisiana nicht geben durfte und noch heute von manch Bürgern nicht gern gesehen wird.
    Das Urteil ist ein Skandal, der Junge soll auf den elektrischen Stuhl, weil weiße Bürger dem Staatsanwalt drohen, seinen Jungen zu entführen.

    Ich mag das Cover in der Farbe und mit dem Druck eines Bildes darauf. Es strahlt, trotz der drückenden Thematik, Hoffnung aus.

    Die Geschichte wird aus vielen kleinen Perspektiven erzählt, wo ich mich als Leser erst einmal zurechtfinden musste. Es gibt so viele Personen, die etwas dazu beizutragen haben, und nicht bei allen ist es sofort ersichtlich. Ich habe mich, gerade am Anfang ein wenig schwergetan. Doch dann kommt der Punkt, der einen nicht mehr loslässt von der Geschichte.

    Es ist ein sehr gefühlvolles Buch, so emotional geschrieben, dass mir oft die Sicht verschwamm, weil ich Tränen in den Augen hatte. Die Gefühle und auch die Stimmung sind so gut eingefangen und werden von der Autorin so intensiv beschrieben, dass man nicht anders kann, als in das Buch einzutauchen.

    Auch wenn das Setting in der Vergangenheit liegt, ist dieses Thema auch heutzutage aktuell. Denn die Wut ist gerade in diesen Tagen wieder deutlich zu spüren.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Viele Erzählperspektiven schmälern die Emotionalität der traurigen Wahrheit über eine Hinrichtung. Dennoch interessant und kurzweilig.
    Ich sterbe nicht!

    „Es ist wie die Erinnerung an Schmerz, nachdem der Schmerz abgeklungen ist. Es ist eine Erinnerung. Der Schmerz hat aufgehört.“


    Inhalt


    Will Jones wartet geduldig auf seine Hinrichtung, denn ihm bleibt nichts anderes übrig, nachdem er an der Vergewaltigung einer jungen weißen Frau angeklagt wird, die in Wahrheit seine große Liebe war. Zu diesem Zweck wird extra der elektrische Stuhl in die kleine Ortschaft St. Martinsville in den Bundesstaat Louisiana transportiert. Seine letzten Tage erträgt er still, in Erinnerung an eine Zeit, jenseits all seiner Sorgen. Er hat sein Urteil akzeptiert, möchte es nur noch schnell vollstreckt wissen und erfasst den unmenschlichen Sinn des Vorhabens dennoch nicht. Wäre er kein Mensch mit schwarzer Hautfarbe, so hätte es sich möglicherweise zu kämpfen gelohnt, doch so freut sich der Mob bereits auf ein grausiges Spektakel und wartet mit Spannung auf den letzten Atemzug des jungen Mannes. Und selbst die berechtigten Zweifel einzelner Beteiligter werden beiseite geschoben, um ein weiteres Beispiel zu demonstrieren, zu welch grausamen Strafen, die Spezies Mensch im Namen der Gerechtigkeit bereit ist …


    Meinung


    Basierend auf einer wahren Begebenheit schildert die junge amerikanische Autorin Elizabeth H. Winthorp das besondere Schicksal eines Mannes, vor dem Hintergrund eines sehr fragwürdigen Rechtssystems, geprägt von korrupten Mitbürgern, abhängigen Staatsanwälten und sensationslüsternen Bewohnern einer Kleinstadt, denen zwar allerlei Gedanken bezüglich menschlichen Versagens durch den Kopf gehen, die aber eine anscheinend unumkehrbare Entscheidung getroffen haben, die sie nun um jeden Preis vollziehen werden. Gleich zu Beginn des Buches wird der Leser mit einer Vielzahl von Akteuren konfrontiert, die alle ein winziges Puzzleteilchen im Getriebe der angesetzten Vollstreckung sind und aus ihrer jeweiligen Perspektive heraus schildern, was sie antreibt, was sie bewegt und welche Dinge chronologisch passieren. Doch gerade diese Vielfalt der Erzählstimmen hat mir den Roman etwas vergällt, weil den Mensch Will Jones dadurch nicht die für mich erhoffte Präsenz hatte und alles sehr distanziert und objektiv beschrieben wurde.


    Jeder Charakter im Buch hat sein eigenes Päckchen zu tragen und eine mitunter für den Fall unerhebliche Sichtweise auf die Dinge. Hätte sich die Autorin auf weniger Protagonisten berufen und diese mehr von ihrem Innenleben erzählen lassen, wäre mir die an sich bedrückende Geschichte einer geplanten Hinrichtung sicherlich näher gegangen.


    Etwas schade empfand ich auch die Tatsache, dass man als Leser schnell erahnt, auf was diese Geschichte hinausläuft, dass nimmt der Sache die Spannung, die Unvorstellbarkeit des Ganzen und versetzt die Leserschaft in die Rolle des stillen Beobachters. Und obwohl sich die Autorin große Mühe gibt, ihre Wahrheiten und Einsichten in schöner Sprache zu vermitteln, konnte ich mich in keinem, vor allem nicht in den unrechtmäßig Verurteilten Will hineinversetzten – sehr schade. Mag sein, dass sie keinen fiktiven Roman über eine historische Begebenheit schreiben wollte, dass sie sich lieber an die Tatsachen gehalten hat und ihre zur Verfügung stehende literarische Freiheit ganz bewusst nicht nutzen wollte, doch mich hat das etwas enttäuscht.


    Fazit


    Ich vergebe 3,5 Lesesterne (aufgerundet 4) für diesen historisch inspirierten Roman, der ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte aufarbeitet, der sich mit Themen wie Schuld und Reue, Angst und Akzeptanz, Glauben und Wundern beschäftigt und dennoch sachlich bleibt. Echte Nähe und Emotionalität habe ich vermisst, dafür aber ein unterhaltsames, kurzweiliges Buch gefunden, in dem Einige über sich selbst hinauswachsen, andere trotz ihres Unverständnisses auf der Strecke bleiben und die Hoffnung auf ein Morgen durchaus spürbar wird.

     

    Kommentare: 5
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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Historisches Setting eines weiter aktuellen Themas - emotional und mitreißend
    Rassismus in den Südstaaten Amerikas in der Mitte des 20. Jahrhunderts

    Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes.


    Die Autorin erzählt Willies Geschichte bzw. die Geschehnisse am Tag seiner geplanten Hinrichtung aus vielen verschiedenen Perspektiven. In irgendeiner Weise kommen alle Personen direkt oder indirekt mit dem Anlass in Berührung. Anfangs hatte ich etwas zu tun, die Erzählenden  bzw. ihre Beziehungen untereinander  auseinander zu halten. Insgesamt fand ich die Art der Darstellung aber sehr gelungen. Es zeigt, dass es nicht nur den Angeklagten und beispielsweise seine Familie gibt, sondern dass viele, wenn nicht sogar alle, Bewohner seines Ortes mit den Geschehnissen in Berührung kommen, sich dem Grauen nicht entziehen können, selbst wenn sie ganz bewusst nicht an der Hinrichtung teilnehmen.  Es entstehen viele kurze Szenenwechsel, wodurch eine gewisse Distanz bleibt. Dennoch empfand ich den Roman nicht als oberflächlich, sondern intensiv, und konnte mich in die Akteure gut hinein versetzen. Besonders gern habe ich die Nebengeschichte von Ora und Dale gelesen, die mich in verschiedenen Aspekten berührte. 
    Das Ende wird für alle Beteiligten offen gelassen, keine der einzelnen Geschichten erhält einen Abschluss. In diesem Fall hat mich das nicht gestört, ich habe im Kopf automatisch für jeden etwas weiter gesponnen. 

    Fazit:
    Für mich war es eine kurze, aber intensive Lektüre. Die vielen Verzweigungen zwischen den Protagonisten empfand ich als authentisch und gut dargestellt, gerade wegen des umfassenden Effektes, den ein solches Hinrichtungsurteil auf eine ganze Gemeinde haben muss. Der Roman ist zwar vor ca. 80 Jahren angesiedelt, dennoch ist das Thema Rassismus leider weiter allgegenwärtig und deswegen so wichtig.

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Thema, gut erzählt, aber für mich nicht fesselnd genug.
    Ein wichtiges Thema, gut erzählt, aber für mich nicht fesselnd genug.

    Ein wichtiges Thema, gut erzählt, aber für mich nicht fesselnd genug.

    Die 1979 in New York geborene Autorin studierte englische und amerikanische Literatur an der Harvard University und erwarb ihren Master of Fine Arts in Fiction an der University of California in Irvine. Sie hat Erzählungen und bislang drei Romane veröffentlicht und lebt mit ihrer Familie in Massachusetts.

    Inhalt (Klappentext): Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes.
    Nach einer wahren Begebenheit, psychologisch fein und in einer an William Faulkner erinnernden multiperspektivischen Intensität erzählt Elizabeth Winthrop die tragischen Ereignisse bis zum überraschenden Ende. Ein meisterhaftes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt und das niemanden kaltlassen wird.

    Meine Meinung: Ein sprachlich sehr gutes Buch, an dem mich leider ein paar Dinge gestört haben: zum einen nimmt der Klappentext, der ein „überraschendes Ende“ ankündigt und allein schon der Titel (der Stuhl, der für sein Opfer „Mercy“, also Mitleid zeigt) das Ende vorweg, somit konnte es mich weder überraschen, noch kam beim Lesen davor irgendwelche Spannung auf; zum anderen gab es sehr viel „Füllwerk“ (u.a. ein Paar in einer Tankstelle, dessen Sohn im Krieg stirbt), das mit der eigentlichen Kernhandlung leider nichts zu tun hatte und das Tempo entsprechend enorm bremste.

    Wenn ich das Buch mit dem thematisch ähnlichen „Dead Man Walking“ (Film mit Sean Penn) vergleiche, fand ich den Plot dort um einiges faszinierender und interessanter, v.a. geht einem das Thema Todesstrafe auch viel näher. Hier in dem Buch wird der Leser durch die vielen Perspektiven doch stark auf Distanz gehalten und ich konnte leider nicht wirklich mit irgendeiner Figur warm werden, nicht einmal mit dem Leidtragenden Will.

    Fazit: Ein wichtiges Thema, gut erzählt, aber für mich nicht fesselnd genug: das Ende wird bereits im Titel verraten, die vielen Perspektiven schaffen eine zu große Distanz zum Leser und es gibt leider sehr viel Füllwerk, das mit der eigentlichen Kernhandlung nicht viel zu tun hat. Sprachlich jedoch besser als nur Durchschnitt, daher vergebe ich 3,5 Sterne.

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    kleine_welles avatar
    kleine_wellevor 2 Monaten
    Sehr emotional

    Will soll ein Mädchen vergewaltigt haben. Dafür wurde er zum Tode verurteilt. Nun ist der Stuhl auf den Weg nach St. Martinville um das Urteil zu vollstrecken.

    Das Cover gefällt mir gut. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber die Farben ziehen mich in ihren Bann.
    Man ist direkt in der Geschichte kurz vor der Hinrichtung drinnen. Diese wird aus der Sicht von vielen verschiedenen Personen wahrgenommen und erzählt. Man erfährt viel über ihre Gefühle und Gedanken und wie sie nicht nur dieses Ereignis mitbekommen, sondern allgemein den Missstand zwischen schwarz und weiß.
    Mir haben zwar diese unterschiedlichen Sichtweisen sehr gefallen, jedoch war ich manchmal etwas verwirrt wie die Personen zur Geschichte passen. Denn gerade am Anfang kommen ständig neue dazu und man kann da leicht mal den Überblick verlieren.
    Aber lässt man sich darauf ein, liest man hier eine sehr emotionale Geschichte, die einen so schnell nicht loslässt.
    Ich war einfach so gefesselt von der gefühlvollen Schreibweise der Autorin, man kann sich dieser einfach nicht entziehen.
    Die klare Sprache, die trotzdem berührend und tiefsinnig ist, beschreibt viele einzelne Schicksale, die doch irgendwie miteinander verwoben sind.
    Ich fand es sehr gut, dass die Autorin nicht auf die Vorgeschichte eingegangen ist. Man erfährt also nicht im Detail was mit Will und dem Mädchen wirklich passiert ist. Jedoch erhält man Andeutungen und kann sich so sein eigenes Bild zusammensetzen.
    Und wenn man eine ungefähre Vorstellung von der damaligen Zeit, die 40er Jahre in den USA, hat, ist das kein großes Problem.
    Vorverurteilungen und Rassismus werden hier natürlich sehr groß geschrieben und trotzdem hatte ich nicht den Eindruck als wollte die Autorin ihre Geschichte mit erhobenen Zeigefinger erzählen. Es ist einfach eine Beschreibung der Missstände und dieses Unrechtes.
    Obwohl natürlich ein Prozess dieser Hinrichtung vorangegangen ist, erfährt man so einiges was nicht richtig gegangen ist.
    Elizabeth H. Winthorp ist bei ihrem Buch von einer wahren Begebenheit inspiriert worden und man kann sich diese Geschehnisse wirklich gut in der Realität vorstellen. Denn der Rassismus in den Köpfen der handelnden Personen scheint nicht nur damals noch vorhanden zu sein.
    So wurde ich an einigen Stellen an die Situation mit den Flüchtlingen in unserem Land erinnert. Auch hier werden Menschen die anders sind direkt vorverurteilt und viele meinen zu wissen, was genau passiert sein muss, wenn ein Refugee in eine schwierige Situation gerät.
    Und bei Will geschieht dasselbe. Ein schwarzer und ein weißes Mädchen? Das kann ja nur Vergewaltigung sein. Noch dazu hat sie Grace danach umgebracht. Kann es eindeutiger sein? Ein gefundenes Fressen für jeden Rassisten.
    Das Ende hätte ich mir vielleicht weniger offen gewünscht. Ein bisschen mehr Abschluss wäre mir vielleicht lieber gewesen. Aber vielleicht macht genau diese Offenheit ein gutes Ende aus?

    Mein Fazit: Ein wahnsinnig emotionales Buch, das einen fesselt und dann einfach nicht mehr loslässt. Nicht nur Wills Schicksal wird klar beschrieben, auch die anderen Personen im Buch erzählen von ihren individuellen Schicksalen und ziehen einen in ihren Bann. Vielleicht hätten ein paar weniger Figuren auch gereicht. Aber trotz allem ist es ein sehr gutes Buch, das man nicht einfach so nebenbei lesen kann.  

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    Yolandes avatar
    Yolandevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wichtiges und empfehlenswertes Buch
    Ein wichtiges und empfehlenswertes Buch

    Elizabeth Hartley Winthrop wurde 1979 in New York City geboren. Sie studierte englische und amerikanische Literatur an der Harvard University und erwarb ihren Master of Fine Arts in Fiction an der University of California in Irvine. 

    Sie hat Erzählungen und bisher 3 Romane veröffentlicht.
    Elizabeth Hartley Winthrop lebt mit ihrer Familie in Massachusetts.
    (Quelle: Wikipedia und Klappentext)

    Inhalt (Klappentext):
    Louisiana, die 1940er Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzwe iflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes...

    ACHTUNG - KÖNNTE EVENTUELL SPOILERN!!

    Die Geschichte umfasst nur den Tag der Hinrichtung und wird fortlaufend aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das gibt es Lane, den Freigänger aus dem Bezirksgefängnis, der gemeinsam mit einem Aufseher, den elektrischen Stuhl zur Hinrichtungsstätte fährt. Hannigan, der zweifelnde Priester, der den Verurteilen in seinen letzten Tagen begleitet. Dale und Ora, ein Ehepaar, das mit Einsamkeit, Entfremdung und der Sorge um ihren im Krieg kämpfenden Sohn beschäftigt ist. Staatsanwalt Polly Livingstone, seine Frau Nell und sein Sohn Gabe und natürlich der Verurteilte Will Jones sowie sein Vater Frank. 
    Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven setzt sich nach und nach eine eindringliche und bedrückende Geschichte zusammen, die mich sehr berührt und beschäftigt hat. Es ist für mich immer wieder aufs Neue schockierend, über die Auswirkungen und den Alltag mit dem Rassismus in Amerika zu lesen.
    Einzig mit dem Ende war ich unzufrieden. Ich fand es ziemlich unbefriedigend und für mich bekommt die Geschichte dadurch den Eindruck, als wäre alles nur ein Hauch ohne Auswirkungen gewesen. Das empfand ich als frustrierend, hatte ich mir doch mehr positive Effekte erhofft. 
    Trotz allem ist es ein sehr wichtiges und empfehlenswertes Buch und ich bin froh darüber, es gelesen zu haben.

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    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: So fern und doch so nah! Mit beeindruckender Intensität verfasst, ohne zu Beschönigen/Werten.
    So fern und doch so nah!

    Klappentext (Lovelybooks):

    Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes.

    Meine Meinung:

    "Man muss nicht erst sterben, um in die Hölle zu kommen."

    Die Autorin präsentiert mit „Mercy Seat“ einen absolut beeindruckenden Roman, bei dem sie durch verschiedene Perspektiven die letzten Stunden im Umfeld eines zum Tode Verurteilten portraitiert. 

    Die fortlaufenden schnellen Perspektivwechsel sorgen für ein recht hohes Erzähltempo und bieten gleichzeitig eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der geplanten Hinrichtung. 

    Diese setzt bei einem Teil der Charaktere sehr tief gehende Gedankenimpulse in Gang, die auch mich stark beschäftigt haben.

    Geradezu erschreckend greifbar wird ein vielschichtiges damaliges Gesellschaftsbild dargestellt, welches durch Rassenhass und der damit verbundenen starken Gewaltbereitschaft geprägt ist. Geleitet von meinem hohen Gerechtigkeitssinn, hat mich eine stetig wachsende Wut auf die Geschehnisse begleitet und mich nicht vergessen lassen, dass Rassismus noch immer ein aktuelles Thema ist.

    Nicht nur das sehr überraschende Ende sorgt dafür, dass dieses Buch sicher noch lange in mir nachklingen wird und ich werde über eine eigene Recherche versuchen, etwas über den wahren Fall zu erfahren, der dieser Lektüre zugrunde liegt.

    Fazit:

    Mit beeindruckender Intensität verfasst, ohne zu Beschönigen/Werten. 

    Kommentare: 4
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    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 3 Monaten
    Lässt mich zwiegespalten zurück

    Kurzmeinung:
    Ein sehr großes Thema: Rassismus, ein Todesurteil aufgrund der Hautfarbe, ein Junge, der seine letzten Tage vor seiner Hinrichtung schildert. Leider konnte das Buch bei mir persönlich nicht das halten, was ich mir von der Geschichte versprochen habe. Wegen des wichtigen Themas und den starken Abschnitten über den Verurteilten ist es aber trotzdem lesenswert. 


    Meine Meinung:
    Ein Buch mit einem unglaublich wichtigem Thema, mit sehr viel Potential. Ich wünschte, ich hätte es mehr mögen können. Aber irgendwie hat es mich nicht so richtig berühren können.
    Wills Abschnitte sind mir echt unter die Haut gegangen, aber davon gab es so wenig. Und die anderen Abschnitte haben mir einfach zu oft gewechselt. Ingesamt wird die Geschichte aus Sicht von 9 verschiedenen Personen erzählt. Und das sind mit einfach zu viele Perspektiven, zu viele Wechsel, als das ich da mit jemandem wirklich hätte mitfühlen können. Dadurch sind für mich die Gefühle und Motive der einzelnen Personen manchmal auch zu sehr an der Oberfläche geblieben.

    Dieses Buch befasst sich wirklich mit krassen Themen. Todesstrafe. Rassismus. Ein Junge, der aufgrund seiner Hautfarbe sterben muss. Man bekommt Einblicke in seine Gedanken, wie er seine letzten Tage au Erden erlebt. Das ging mir wie gesagt wirklich unter die Haut. Aber man lernt auch viele andere Charaktere kennen. Den Pfarrer, der nicht weiß, wie er dem Jungen und seinen Eltern helfen kann, welchen Rat er geben soll und wie er Trost spenden kann. Die Wutbürger, die nichts haben, außer ihrem Hass. Den Vater, der seinen Sohn im Krieg verloren hat und nicht weiß, wie er es seiner Frau sagen soll. Alles sehr ergreifende Schicksale und bedrückende Ereignisse. Durch die vielen und schnellen Perspektivwechsel ist mir aber trotzdem keine der Personen so wirklich nahe gekommen und die Stimmung kam nicht so richtig bei mir an. Vielleicht war das aber auch ganz gut so. Vielleicht hätte ich die Lektüre anders auch gar nicht ertragen, gerade weil es um so unglaublich bewegende Themen geht.

    Sehr gut transportiert hat das Buch aber die (auch teils gespaltene) Stimmung in der Gesellschaft zu der Zeit, und auch die Tatsache, dass trotz so gravierender Ereignisse und diesem schlimmen Schicksal von Will, jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat.


    Fazit:
    Ein Buch, das mich irgendwie gespalten zurücklässt. Ich habe mich im Vorfeld ein bisschen vor der Lektüre gefürchtet, weil ich Angst vor diesem bewegenden Thema hatte. Angst, dass es mich zu sehr mitnimmt. Dann auch noch vor dem Hintergrund, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Doch dann ist quasi das Gegenteil passiert: Das Buch konnte mich nur in seltenen Momenten wirklich berühren. Vielleicht war es ganz gut so, weil man so dieses schwierige Thema leichter ertragen konnte. Dennoch: dieses Thema darf wehtun, finde ich. Es darf (und sollte vielleicht sogar) bewegend, aufrütteln und erschüttern.
    Durch die vielen Perspektivwechsel und die an der Oberfläche bleibenden Schilderungen wurde da meiner Meinung nach Potential verschenkt.
    Dennoch lohnt sich die Lektüre, um sich ein Bild von der gesellschaftlichen Stimmung in den Südstaaten der 1940er zu machen. Um sich mit dem Thema Rassismus und dieser grenzenlosen Ungerechtigkeit zu konfrontieren. 

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    Lykes avatar
    Lykevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Schonungsloses, wichtiges Mahnmal für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Weil wir noch lange nicht fertig sind.
    Schonungsloses, wichtiges Mahnmal

    „wenn wir im kindergarten menschen mit dunkler haut malten, nahmen uns die erzieherinnen [...] den stift aus der hand, und sie nahmen einen hellrosanen aus der buntstiftdose [...] diese farbe nenne man hautfarbe.“ (aus „Vor der Zunahme der Zeichen, S. 94)


    Elizabeth H. Winthrop ist ein zutiefst erschütterndes, mutiges Buch gelungen, das aufgrund der gegenwärtigen Zunahme rechtsextremer und rassistischer Bewegungen nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Vor noch nicht einmal hundert Jahren bestimmte die Hautfarbe über Leben und Tod - nicht der eigentlich Tatbestand oder die Beweise -, denn vor Gericht galten andere Gesetze für weiße und schwarze Bürger. Vor diesem Hintergrund wirkt „Mercy Seat“ wie ein Mahnmal für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Lassen wir es nie wieder so weit kommen.


    Ein drückend heißer Sommer liegt über dem Bundesstaat Louisiana im Jahr 1943. Drückend auch die Stimmung in der kleinen Stadt St. Martinsville, denn in nur wenigen Stunden soll ein junger, schwarzer Mann auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden. Schuldig gesprochen wurde Will für ein schlimmes Verbrechen, das er jedoch nicht begangen hat: die Vergewaltigung eines weißen Mädchens. Grace war seine Geliebte, doch eine Aussage zugunsten des Geliebten ist durch ihren verzweifelten Freitod nicht mehr möglich. Unruhig wartet Will in seiner Zelle auf die Vollstreckung seines Urteils um Mitternacht und ahnt nicht, dass seine letzten Stunden auch das Leben vieler weiterer Personen beeinflussen...


    Ganz ehrlich, die Lektüre dieses Romans ging mir durch Mark und Bein und noch jetzt muss ich heftig schlucken, wenn ich daran zurückdenke. Es ist ein schonungsloses, emotionales Kammerspiel, das Winthrop auf nur 250 Seiten erschaffen hat. Mit jeder Seite, die man liest, wird man tiefer in diese bedrohliche Atmosphäre hineingezogen; mit jeder Seite, die man umblättert, tickt der Sekundenzeiger schneller und Wills verbliebene Zeit verstreicht. Je weiter ich mich in der Geschichte auf Mitternacht zubewegte, desto öfter hatte ich Tränen in den Augen, die ich irgendwann einfach nicht mehr zurückhalten konnte. Dabei ist der Erzählstil alles andere als emotional, sondern vielmehr beobachtend, beschreibend. Doch genau diese klare Sprache schafft Ehrlichkeit, Mitgefühl und klagt an. Winthrop erzählt die Geschichte multiperspektivisch und eröffnet dem Leser damit ein Kaleidoskop an Personen und Schicksalen. Was anfangs etwas verwirrt, faszinierte mich von Kapitel zu Kapitel mehr, denn die verschiedenen Erzählstränge verweben sich ineinander und verdichten sich zu einem intensiven Bild der damaligen Gesellschaft, die von Hass, Rassismus und Gewalt geprägt war. Und doch ist unterschwellig schon etwas von der Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er Jahre zu spüren: leise, kritische Stimmen, die diese himmelschreienden Ungerechtigkeiten nicht (mehr) hinnehmen wollen.


    „Mercy Seat“ ist kein einfaches Buch. Es ist grausam und fordernd. Aber es führt uns vor Augen, was wir schon erreicht haben und wofür es sich weiter zu kämpfen lohnt. Weil unterbewusster, versteckter Rassismus uns tagtäglich begegnet. Weil offener Hass und Fremdenfeindlichkeit Themen sind, die jeden etwas angehen. Und weil wir noch lange nicht fertig sind.

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