Elizabeth Harrower

 3.1 Sterne bei 14 Bewertungen

Lebenslauf von Elizabeth Harrower

Elizabeth Harrower, geboren 1928 in Sydney, veröffentlichte in den fünfziger und sechziger Jahren vier Romane, für die sie viel Anerkennung erhielt. Als ihre Mutter starb, der sie sehr nahestand, beendete sie abrupt ihre Schriftstellerkarriere. Seit einigen Jahren wird ihr Werk in immer mehr Ländern als literarische Wiederentdeckung gefeiert. Auf Deutsch liegt bislang nur ihr erst 2014 aufgefundener letzter Roman »In gewissen Kreisen« vor.    

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Elizabeth Harrower

Cover des Buches In gewissen Kreisen (ISBN: 9783351036331)

In gewissen Kreisen

 (8)
Erschienen am 16.05.2016
Cover des Buches Die Träume der anderen (ISBN: 9783351037642)

Die Träume der anderen

 (6)
Erschienen am 08.11.2019

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Rezension zu "Die Träume der anderen" von Elizabeth Harrower

Abhängig
buecherwurm1310vor einem Jahr

Als der Vater unverhofft stirbt, ändert sich das Leben der Familie gravierend. Die Mädchen Laura und Clare können ihre teuren Privatschulen nicht mehr besuchen. Laura muss einen Job annehmen und die sieben Jahre jüngere Schwester geht auf eine staatliche Schule. Die Mutter Stella Vaizey ist überfordert und kümmert sich kaum um ihre Töchter. Laura muss für den Unterhalt der Familie sorgen. Ihr Chef Felix Shaw will Laura heiraten und dann auch für Clare sorgen. Laura geht auf diesen Vorschlag ein, nichtsahnend was sie erwartet. Dann bricht auch noch der Krieg aus.

Schon der Klappentext lässt ahnen, dass es keine unterhaltsame Lektüre wird. Aber es wurde tragischer, als ich es erwartet habe. Dieser Roman geht unter die Haut. 

Der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Nach dem Tod des Vaters sind die Mädchen verunsichert und brauchten erste einmal Trost und Zuwendung. Doch die Mutter ist kalt und egoistisch und zeigt kein Interesse an ihren Töchtern. Die Träume, die Laura von ihrer Zukunft hatte, muss sie vergessen, denn sie muss arbeiten, um Geld zu verdienen. Die Mutter geht bald ihren eigenen Weg und lässt ihre Töchter zurück. Laura erhofft sich von der Ehe mit dem älteren Fabrikbesitzer finanzielle Sicherheit für sich selbst und ihre Schwester. Doch Felix Shaw ist ein sadistischer Mann, der zudem alkoholabhängig ist. Der psychische Terror, dem Laura und Clare ausgesetzt sind, ist schrecklich. Laura gibt sich auf, denn sie kann dem nicht entgegensetzen. Anders Clare, die sich nicht fügen will. Dass Schlimme daran ist, dass sich die Schwestern nicht einmal gegenseitig stützen können, denn sie werden sich zunehmend fremd.

Frauen haben es schwer in jener Zeit. Die Bildungschancen und damit die berufliche Entfaltung sind für Frauen nicht so möglich, wie sie für Männer ganz selbstverständlich sind. Wenn man vom Mann finanziell abhängig ist, hat man keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.  

Es ist eine schrecklich beklemmende Atmosphäre, die schwer auszuhalten ist.

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Rezension zu "Die Träume der anderen" von Elizabeth Harrower

Bedrohung
JoBerlinvor einem Jahr

Als der Vater stirbt, müssen Laura und Clare ihre teuren Privatschulen verlassen. Die ältere, Laura, geht als Buchhalterin arbeiten, die jüngere, Clare,  kommt auf eine staatliche Schule. Zuhause regiert die egozentrische, am Schicksal der Mädchen desinteressierte Mutter[JO1] in kalter, liebloser Atmosphäre. Die unerfahrenen Mädchen sind so auf sich selbst gestellt und fühlen zum ersten mal Hilflosigkeit, Sinnlosigkeit, Frustration. Der zweite Weltkrieg bricht aus.

Elizabeth Harrower beschreibt diese kleinen und großen Katastrophen in lapidaren Sätzen. Nichts ist zu viel, nichts ausgeschmückt.

Der Fabrikbesitzer Felix Shaw findet Gefallen an Laura und macht ihr einen Antrag. Kann das der Ausweg aus dem desolaten Zuhause sein und gleichzeitig  die weiterführende Ausbildung der jüngeren Schwester sichern? So heiratet sie, „weil es eben passte und weil es vernünftig war“.

Und auch der zukünftige Ehemann sagt dazu bloß „bringen wir’s hinter uns“.

Damit wird ein Leben angestoßen, dass gleichsam einem Zug losrauscht, ohne weitere Verbindung zu Laura. Sie fühlt sich trotz Ehemann allein und isoliert. „Nichts ….. nicht den Krieg, die Hochzeit …. hatte sie geplant. Wer hatte das für sie getan? Sie kam sich vor wie ein Gegenstand.“

Der neue Ehemann stellt sich schnell als ebenso lieblos und aggressiv wie die Mutter heraus, zwar ist er zunächst nicht offen gewalttätig, zuvor „.. wollte er sie mit seinen Worten plattmachen“. Das gelingt ganz gut, Laura hat nichts entgegenzusetzen.

Elizabeth Harrower schreibt so gut, so präzise in Formulierung und Inhalt, dass ich Herzklopfen bekomme, die  Bedrohung sozusagen aus dem Buch auf mich überspringt.

Angespannt lese ich weiter……





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Rezension zu "Die Träume der anderen" von Elizabeth Harrower

Tiefe Beschreibung einer (Co-) Abhängigkeit sowie ein Plädoyer für Gleichberechtigung
helena33vor einem Jahr

Titel, Cover, Klappentext und Leseprobe machten mich sehr neugierg und liessen in mir  Erwartungen erwachsen, die dann nicht gänzlich zum tatsächlichen Inhalt passten. Der Roman ist viel heftiger, als ich dachte...

Sydney, 40er Jahre. Als Lauras und Clares Vater stirbt, ändert sich alles. Sie müssen die gute Schule verlassen und umziehen. Ihre Mutter kümmert sich kaum um sie, ist sie doch vor allem mit sich selbst beschäftigt. Da sie ihren Töchtern vieles verbietet, leben Laura und Clare recht isoliert. Zudem tragen sie die Hauptverantwortung für den Haushalt. Laura, sie wollte eigentlich Ärztin oder  Opernsängerin werden, beginnt in einer kleinen Fabrik zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Nach einiger Zeit verlässt die Mutter ihre Töchter gänzlich, da sie auf Europareise gehen möchte. 

Um (finanziell) abgesichert zu sein, heiratet Laura den 20 Jahre älteren Fabrikbesitzer Felix. Und nun beginnt ein schrecklicher Alptraum. Felix entpuppt sich als psychisch gestört und als Quartalstrinker. Laura und Clare, diese begabten und talentierten Frauen, können sich in Folge aus dieser Fesselung, diesem hoffnungslosem Leid, kaum mehr lösen.

Oh mein Gott. Die Autorin schafft ein eindrückliches, sehr beklemmendes Psychogramm einer teils  schwer gestörten Familie. Sie zeigt welche Strukturen und Befindlichkeiten, welche Grausamkeiten und Schrecklichkeiten in solch kaputten Beziehungen entstehen können. Felix ist alkoholabhängig,  narzisstisch gestört und sadistisch. Laura ist das passende depressiv gefärbte Pendant, die irgendwann stark co- abhängig wird und sich selbst verliert. Clare wird in die Dynamik hineingezogen und es wird ihr nicht erlaubt, das System zu verlassen. Die Opfer werden zu Tätern.

Die Autorin beschreibt dies herausragend realistisch, gleich einer psychologischen Fallstudie. Sie geht dabei tief in die menschliche Seele und zeigt die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen der Beteiligten in all ihrer Dynamik innerhalb dieses Dreiersystems. Sie nimmt mal Clares und mal Lauras Perspektive ein. Sie zeigt die Entwicklung der Personen über einige Jahre hinweg. Die Schwestern entfremdem sich immer mehr – einander und sich selbst.

Ich litt mit den Schwestern mit, die sich immer wieder einredeten, vor allem natürlich Laura, dass sich Felix ändern wird, auch ich glaubte daran... bis doch wieder eine Schrecklichkeit geschah.  

Die Atmosphäre ist beklemmend, häufig auch dumpf und niederdrückend. Erst zum Ende gelangt wieder etwas Leichtigkeit in den Roman.

Das alles geschieht vor der Kulisse des 2. Weltkrieges. Die Autorin verbleibt nicht nur auf der persönlichen Ebene, sondern zeigt immer wieder die ungleichen Bildungs-, Arbeits- Entwicklungs- und Lebenschancen von Frauen auf. Auch wird deutlich, wie soziale Zwänge, Armut und Not mögliche Handlungsspielräume einengen.

In der ersten Hälfte musste ich mich sehr zwingen weiter zu lesen, ich schleppte und quälte mich so dahin. Der Stil war mir irgendwie zu holprig, zu sprunghaft und gefiel mir häufig nicht. (Lag das an der Autorin oder an der Übersetzung?) Auch thematisch bot der Roman wenig Erhellendes, wenig Spannendes. In der zweiten Hälfte änderte sich das ein wenig. Hier wurde ich mehr gefesselt und war sehr erstaunt über die tiefe und erbarmungslose Beschreibung dieses kranken Familiensystems. Die Autorin nutzte oft Clares Stimme, um einiges zu erklären. Besser hätte mir  jedoch gefallen, hätte sie die Dinge mehr gezeigt. 

Fazit: Stilistisch und inhaltlich macht dieser Roman nicht immer Spass. Er fasziniert jedoch durch die ungewöhnlich tiefe Psychologie eines Co-abhängigen Familiensystems, zeigt deutlich soziale Misstände, insbesondere die Diskriminierung der Frau auf und beinhaltet viele kluge Gedanken.

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