Elizabeth Kostova

 4 Sterne bei 448 Bewertungen
Autorin von Der Historiker, Die Schwanendiebe und weiteren Büchern.
Autorenbild von Elizabeth Kostova (© Darldarl)

Lebenslauf von Elizabeth Kostova

Magische Welten und berührende Geschichten: Die US-amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Kostova wurde 1964 in Connecticut geboren und wuchs in Knoxville, Tennessee auf. Nach ihrem B.A. of British Studies machte sie ihren Master in Creative Writing an der Universität in Michigan. Mit ihrem Debütroman "Der Historiker", der im Jahr 2005 veröffentlicht wurde, landete sie gleich einen Bestseller der sogar daraufhin in 40 Sprachen übersetzt wurde. Ihr zweiter Roman "Schwanendiebe" erschien 2010 und wurde genauso erfolgreich wie ihrer erste Veröffentlichung. Ihr drittes Buch "Das dunkle Land" verspricht wieder eine große Leserschaft für das Werk der bekannten Autorin zu begeistern. Wenn sie nicht an einem neuen Roman schreibt, ist sie als Mitbegründerin in der Elizabeth Kostova Foundation tätig oder unterrichtet an unterschiedlichen Universitäten. Sie lebt mit ihrer Familie in Philadelphia.

Neue Bücher

Cover des Buches Das dunkle Land (ISBN: 9783442490752)

Das dunkle Land

 (9)
Erscheint am 20.09.2021 als Taschenbuch bei Goldmann.

Alle Bücher von Elizabeth Kostova

Cover des Buches Der Historiker (ISBN: 9783833303944)

Der Historiker

 (303)
Erschienen am 06.10.2006
Cover des Buches Die Schwanendiebe (ISBN: 9783833307379)

Die Schwanendiebe

 (53)
Erschienen am 16.04.2011
Cover des Buches Das dunkle Land (ISBN: 9783442490752)

Das dunkle Land

 (9)
Erscheint am 20.09.2021
Cover des Buches Die Schwanendiebe (ISBN: 9783492977456)

Die Schwanendiebe

 (0)
Erschienen am 16.06.2017
Cover des Buches Der Historiker (ISBN: 9783833714344)

Der Historiker

 (9)
Erschienen am 29.08.2005
Cover des Buches The Historian (ISBN: 0316067946)

The Historian

 (40)
Erschienen am 01.06.2008
Cover des Buches The Swan Thieves (ISBN: 9780316065795)

The Swan Thieves

 (4)
Erschienen am 03.11.2010
Cover des Buches The Shadow Land (ISBN: 9781911231103)

The Shadow Land

 (2)
Erschienen am 11.04.2017

Neue Rezensionen zu Elizabeth Kostova

Cover des Buches Der Historiker (ISBN: 9783833303944)David_Lindsams avatar

Rezension zu "Der Historiker" von Elizabeth Kostova

Aus Geschichte werden Geschichten
David_Lindsamvor 16 Tagen

Der Titel des Buches (engl. „The Historian“) ist zugleich Motto, Charakterisierung aller Hauptpersonen und Auflösung eines großen Rätsels zum Ende hin – und könnte damit kaum treffender gewählt sein.
 Eingleisig oder gar schmalspurig wird der Roman deshalb nicht. Im Gegenteil. In drei Generationen spielt die Handlung und wir reisen in verschiedenen Zeiten des 20. Jahrhunderts (30er, 50er, 70er) von Amsterdam, nach Istanbul, Budapest, Südfrankreich und Rumänien, immer auf den Spuren Vlad III. und den Zeugnissen über ihn aus dem 15. Jahrhundert. Die treibenden Kräfte sind die großen Fragen: Wo ist das Grab des vermeintlichen Grafen Dracula? Und liegen dort wirklich seine sterblichen Überreste?

Unerwarteter Erfolg für einen viktorianischen Roman …

Als der Debütroman von Elizabeth Kostova 2005 in den USA erschien, landete er direkt auf Platz 1 der amerikanischen Bestsellerlisten (New York Times u.a.). Zwei Jahre zuvor war „The Da Vinci Code “ von Dan Brown (dt. „Sakrileg“) erschienen und zu den Topsellern in der Branche aufgestiegen. Das Publikum war begierig auf Thriller, die Action und die Suche nach Rätseln in der Geschichte verbanden, weshalb die Verlagswelt sich in einer Auktion um die Rechte für dieses Werk überbot und damit ein groteskes Stück Buchgeschichte schrieb. Nachdem der Verlag Little, Brown and Company bereits 2 Millionen als Honorar für die Autorin aufgewendet hatte, musste ein gigantisches Marketing mit TV-Werbung und zehntausenden Vorabexemplaren folgen. Ein riskantes Buchpokerspiel …

Am ersten Tag des Erscheinens wurde in den USA 80.000 Exemplare verkauft. Nach nur einer Woche lagen die Verkaufszahlen bereits so hoch (ca. 700.000), dass The Historian sich auf den Platz 1 geschoben hatte. Das ist eine waschechte american success story und in diesem Fall ein besonderer Glücksfall für die Leserwelt. Durch spekulative Marktmechanismen wurde ein sonst eher leises und anspruchsvolles Werk in Welt der Massenware hochgepusht.  

Niemand war mehr über den Erfolg erstaunt als die Autorin selbst: „It’s a literary novel, not a commercial novel“. Nach ihrer Meinung hatte sie einen langsamen, viktorianischen Roman geschrieben. Ihre Helden stolpern nicht abgebrüht, abenteuerlustig und plündernd wie India Jones durch unentdeckte Überreste der Vergangenheit, sondern sie sind echte Historiker und Bibliothekare, die sich in mühevoller Kleinarbeit durch vergilbte Karteikartenkataloge kämpfen und die Geheimnisse der Vergangenheit in unzugänglichen Faksimiles akribisch entziffern.

In Deutschland erschien das Buch noch im gleichen Jahr (2005) bei Bloomsbury (engl. Verlag, bei dem Harry Potter im Original erschien), aber die Resonanz war sehr verhalten. Ich kann nur mutmaßen, ob das vergleichsweise schmale Marketing der Grund war, oder vielleicht die etwas eigene deutsche Leserschaft. Tatsächlich dominierten den deutschen Fantasy-Markt in dieser Ära Zwerge, Orks, Elfen und natürlich die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei. Obwohl ebenfalls 2005 (und auch bei Little, Brown and Company) Stephenie Meyer mit dem ersten Buch ihrer Twilight-Serie einen Vampir-Boom in den darauffolgenden Jahren auslöste, wurde Der Historiker von dieser Welle nicht mitgerissen. Mein böser Verdacht ist, dass das deutsche Fantasy-Publikum schlicht keine anspruchsvolle Kost gewohnt war und deshalb das Dargebotene nicht zu würdigen wusste. Das Urteil mildernd muss ich hinzufügen, dass der viktorianische Schauerroman eine lange und würdige Tradition in den englischsprachen Ländern besitzt und die Geschmacksnerven der Leserschaft besser auf einen über 800 Seiten langen Roman eingestellt sind, in dem der interessante, aber normale Historiker-Alltag nur an einzelnen Stellen von dem Unheimlichen durchbrochen wird. Hoch spannend bleibt es allemal – auf zum Inhalt:

Geschichten über Geschichte

In ihrer Kindheit bereiste Elizabeth Kostova (geb. 1964) mit ihrer Familie die südeuropäischen Ostblockstaaten und erinnert sich gerne an die Geschichten, die ihr Vater zur Unterhaltung auf den langen Fahrten über Dracula erzählte. Damit war nicht nur ihr Interesse an dieser schillernden Gestalt zwischen Mythos und historischer Realität geweckt, sondern auch die Erzählform für ihren ersten Roman gefunden. In dem fiktiven Epilog stellt sich eine amerikanische Geschichtsprofessorin vor, die in Rückblenden von ihren Erlebnissen als Sechzehnjährige berichtet, natürlich auf Reisen durch Europa mit ihrem Vater, dem sie ganz langsam das große Geheimnis um ein kleines Büchlein entlockt, das in seinem Inneren nur einen großen, zornigen Drachen beherbergt – das Zeichen des Ordo Draconis, dem Vlad der III. angehörte, weshalb er den Beinamen Drăculea trug.

Ihr Vater, den wir als Paul kennenlernen, berichtet von den seltsamen Begebenheiten, wie er in den 50ger Jahren als Student in Oxford bei seinen Unterlagen plötzlich dieses leere Buch fand. Als er seinen Geschichtsprofessor Rossi zu Rate zieht, offenbart ihm dieser, dass auch er ein solches Buch besitzt und seine Nachforschungen ihn zu dem walachischen Fürsten (heutiges Rumänien) aus dem 15. Jahrhundert geführt haben. Aus unerfindlichen Gründen übergibt der sonst so rationale Professor Paul die Aufzeichnungen über seine Suche nach dem Grab und fügt fast ängstlich hinzu: „Dracula … Vlad Țepeș … lebt noch“ (35). Am gleichen Abend verschwindet Rossi spurlos; zurück bleiben nur ein paar Tropfen Blut. Verzweifelt sucht Paul in den Unterlagen nach Hinweisen, was seinem Professor passiert sein könnte, und trifft in der Bibliothek auf eine junge Doktorandin, die Rumänin Helen. Nach einer zaghaften Annäherung der beiden zeigt sich, dass Helen den Professor durch ihre Arbeit über Vlad III beeindruck möchte, weil sie dessen uneheliche Tochter ist. Paul erzählt ihr von seinem Verdacht, was mit dem Professor geschehen sein könnte, aber ein Bibliotheksangestellter belauscht das Gespräch und beißt Helen in den Hals. Überhastet brechen die beiden nach Istanbul auf, wohin eine erste Spur weist.

Immer weiteren Dokumenten und ihren Geheimnissen folgend reisen Paul und Helen nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien, werden von Untoten heimgesucht, entdecken nach langen Mühen tatsächlich das Grab des Fürsten, treffen auf den sterbenden Professor, erfahren die wahre Geschichte der Begegnung zwischen ihm und Helens Mutter aus seinen persönlichen Aufzeichnungen und begegnen dem leibhaftigen Vlad Dracula … Mehr kann ich leider nicht verraten, ohne doch auf gemeine Art zu spoilern.

Inzwischen ist jedoch auch der Vater der Erzählerin spurlos verschwunden und die 16-Jährige macht sich in Südfrankreich auf die Suche nach ihm, denn sie vermutete ihn an einem der letzten Orte, wo Dracula noch eines seiner geheimen Gräber besitzt. Sie wird von unheimlichen Wesen verfolgt, aber auch von einem studentischen Gentleman wacker unterstützt.

Die verschiedenen Erzählebenen verflechten sich im Laufe des Romans so stark miteinander, dass man als Leser die Geschehnisse in drei Zeiten fast synchron erlebt. Von Rossi erfahren wir durch seine Briefe und Tagebucheinträge, von Paul aus dessen eigenen Schilderungen auf der Reise mit seiner Tochter und zuletzt und parallel alles in der Erzählgegenwart von dieser selbst. Historik und die persönlichen Schicksale verweben sich auf brillante Art in den Historikern selbst.

Durch Geschichten in der Kindheit der Autorin wird das Interesse an Geschichte geweckt und daraus entsteht wieder die Lust auf Geschichten … Das ist die Geschichte des Buches Der Historiker.

Übrigens sind die historischen Hintergründe und Orte des Romans sehr gut recherchiert und stimmig, nur die Fakten um das Grab sind fiktiv und die Dokumente und Zeugnisse dazu fast komplett erfunden (ich habe selbst schon zum Thema Vlad III. geforscht).

Eine eigenwillige Hommage an Bram Stoker

Der Historiker liegt weitab vom üblichen Fantasy-Mainstream und ist durchaus ein Art Kunstwerk. Elizabeth Kostova hat 10 Jahre daran gearbeitet – manche der bekannteren Fantasy-Autoren bringen deutlich mehr als ein Werk pro Jahr heraus. Daraus lässt sich ersehen, welche Arbeit hinter diesem Buch steckt. Das macht einen Unterschied und der Unterschied ist spürbar.

Die Autorin hat sich eine interessante Mischung ausgedacht, indem sie historische Briefe, Dokumente und persönliche Berichte mit der Rahmenhandlung einer Ich-Erzählerin verbindet, die uns als LeserIn zu einer Entdeckungsreise in die Vergangenheit einlädt. Dabei nutzt die Amerikanerin ein Gestaltungsprinzip ihrer großen literarischen Vorlage, Bram Stokers „Dracula“ (1897), der seine Vampir-Geschichte als Tatsachendokumentation in Form von Tagebucheinträgen und Zeitungsartikel präsentiert.

Kostova stellt dieses Prinzip nicht in Frage, ironisiert es nicht. Eingebettet in eine rückblickende Erzählung umspinnt sie auf diese Weise unseren modernen, rational und historisch geprägten Geist und verführt uns für die Zeit des Lesens, daran zu glauben, dass Dracula tatsächlich noch bis ins letzte Jahrhundert sein Unwesen getrieben hat und, wenn ich den Epilog richtig verstehe, vielleicht sogar noch heute.

Vampirisches?

Kommen Vampir-Freunde auf ihre Kosten? Vielleicht nicht, je nach dem. Wer Bram Stokers Dracula mag, wird den Historiker noch weit mehr mögen, weil die Erzählweise viel moderner und weniger weitschweifig, blumig und umständlich ist. Und ein paar typische Gerne-Elemente finden sich durchaus. Bisse, Blut, Werkzeuge für die Vampirjagd (Silberdolch), Angriffe durch dienende Untote (Vampire), bezwingende Hypnose, Fledermausschatten, Särge und Grüfte …
Am meisten enttäuscht am ganzen Buch hat mich die Begegnung mit Dracula selbst – er ist anders als meine Vorstellung von ihm … und nicht übermäßig böse. Schade – ich hätte mich gerne mehr gegruselt.
 Die Büchlein mit den leeren Seiten und dem Drachen hat er übrigens selbst gedruckt und verteilt … Warum? Wenn ich das mal so ganz verstanden hätte. Ich finde es nicht stimmig.

Trotz der Umfänglichkeit des Buches bleibt vieles über Vlad Dracula offen, wie er zum Vampir wurde, wie viele seiner Art es noch gibt – reizvoll und unbefriedigend zugleich, aber in jedem Fall anregend für
 die eigene Fantasie. Und das schätze ich durchaus.

Einordnung in der Literatur und Kritik

Ein Feuilletonist der FAZ betitelte (2005) seine Rezension sarkastisch „wie man einen Roman pfählt“ und spielte damit auf die grausamen Hinrichtungsmethoden des historischen Vlads und auf Längen des Romans an, eine beliebte Kategorie der Literaturkritik, die wenig besagt. Tatsächlich ging es mir an einigen Stellen aber ähnlich und ich musste zwischendurch mein Durchhaltevermögen bemühen, um dran zu bleiben. Die Frage ist, wodurch diese Längen entstehen.
Ausführlichere Berichte von der Reise, Beschreibungen der Landschaft und der Städte, Details des Interieurs – all das gehört zum Schmuckwerk und literarischen Gewand eines Romans, der sich an die viktorianische Erzählweise des 19. Jahrhunderts anlegen will, dennoch wirkt es ungewohnt. Die Gothic Novel lebt davon, dass in die alltäglich erlebte Wirklichkeit plötzlich das Übersinnliche hereinbricht und alles in Frage stellt, weshalb man in der Literaturforschung von magischem Realismus spricht.
Die Längen haben also System. Trotzdem erwarten die Lesegewohnheiten des 21. Jahrhunderts etwas mehr Spannung. Mir hätte es geholfen, wenn die äußeren Orte ähnlich wie bei Dan Browns Thriller in einem direkten Zusammenhang mit der historischen Detektivarbeit gestanden hätten. Aber man kann auch nicht alles in einem Buch haben.
Der Historiker bietet zudem eine wunderschöne und tragische Liebesgeschichte, lässt das Leben im Rumänien und Bulgarien der 30er und 50er Jahre szenisch vor Augen treten und erzeugt eine leicht gruselige, melancholische Stimmung, die perfekt zu der Erzählung passt.

Und noch ein Zitat:

„Es ist eine Tatsache, dass wir Historiker uns für Dinge interessieren, die zum Teil unser eigenes Ich widerspiegeln, vielleicht den Teil, den wir am liebsten nicht näher untersuchen würden, es sei denn auf dem Feld der Wissenschaft. Und je mehr wir in unsere Interessen eintauchen, desto mehr ergreifen sie von uns Besitz.“ (314)

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Das dunkle Land (ISBN: 9783336547920)Ana80s avatar

Rezension zu "Das dunkle Land" von Elizabeth Kostova

Roadtrip durch Bulgarien
Ana80vor 16 Tagen

Die junge Amerikanerin Alexandra Boyd kommt nach Bulgarien, um dort in Sofia Englisch zu unterrichten. Durch Zufall gelangt sie aber in den Besitz eines Holzkästchens mit der Asche des verstorbenen Musikers Stoyan Lazarov. Sie begibt sich auf eine abenteuerliche Reise durch das Land, um der Familie die Urne zurück zu geben und erfährt so nach und nach vieles über die dunkle Vergangenheit von Bulgarien und das Schicksal des Musikers.

Elizabeth Kostova nimmt den Leser mit diesem Roman mit auf eine Reise durch die Geschichte und die Landschaft Bulgariens. Sie erzählt die Geschichte des Romans in unterschiedlichen Zeitebenen. Der Hauptstrang sind die Erlebnisse der jungen Amerikanerin und ihres Taxifahrers Bobby, aber mit jedem neuen Ort und jedem neuen Menschen dem sie begegnen kommen mehr und mehr Erzählungen aus der Vergangenheit dazu. Für mich wirklich sehr gelungen umgesetzt.

Dieses Buch ist ein „Roadtrip“ durch Bulgarien, der seine LeserIn tief eintauchen lässt in die Geschichte, Kultur und Besonderheiten eines Landes, über das die Meisten vermutlich nur sehr wenig wissen. Mir gefiel die Kombination aus Abenteuer, Kultur, Geschichte und Spannung wirklich gut. Ich habe das Buch auf seinen über 700 Seiten als liebevoll geschrieben und nie als langweilig empfunden und empfehle es interessierten Menschen sehr gerne weiter. 


Kommentieren0
2
Teilen
Cover des Buches Der Historiker (ISBN: 9783833303944)Webbees avatar

Rezension zu "Der Historiker" von Elizabeth Kostova

Der Historiker
Webbeevor 5 Monaten

Die Erzählerin dieser Geschichte ist selbst Historikerin und sie berichtet über Ereignisse, die sie vor 36 Jahren, als 16jähriges Mädchen erlebte. Der Anlass über ihre Erlebnisse zu berichten, war ein Ereignis, auf das ganz am Ende des Romans eingegangen wird und das aus der gesamten vorher erzählte Geschichte ein weiterhin ungeklärtes Mysterium macht. 


 Ebenfalls ein Mysterium bleibt der Name der Ich-Erzählerin, die anhand ihrer Erinnerungen durch Geschichte führt. Sie erinnert sich an ihren Vater - einen Historiker - hierzulande würde man wahrscheinlich Geschichtswissenschaftler sagen, der in den 1950er Jahren an einer amerikanischen Universität promoviert und während dieser Zeit Unvorstellbares erlebt hatte.


Sie selbst erfährt von den Erlebnissen ihres Vaters nachdem sie als 16jährige in dessen Bibliothek auf ein seltsames Buch und einen Stapel Briefe gestoßen war. Diese Briefe begannen alle mit den Worten „Mein lieber, unglücklicher Nachfolger“


 Sie lebten damals in Amsterdam, denn ihr Vater war mittlerweile Diplomat und bereiste sämtliche europäische Länder, vornehmlich jedoch die in Südosteuropa. Auf diesen Reisen, zu denen er sie manchmal mitnahm, eröffnete er ihr nach und nach sein Geheimnis und das der Briefe, die sie gefunden hatte.


 Während der Zeit seiner Promotion in den 50er Jahren fand er ein seltsames Buch in der Universitätsbibliothek. Es war alt und völlig unbeschrieben. Nur in der Mitte des Buches war doppelseitig ein Drache abgedruckt und das Wort „Drakulya“. 


Er stellt ein paar Nachforschungen an und landet schnell bei Vlad Tepes - dem eigentlichen Fürsten Dracula - und den Legenden, die sich um ihn ranken. Als er seinem Doktorvater Professor Rossi von dem Fund berichtet, löst das in diesem eine unerwartete Reaktion aus. Er zeigt Paul sein eigenes Exemplar dieses Buches, welches er vor vielen Jahren ebenfalls gefunden hatte und nie wieder loswerden konnte. 


Auch dieser Historiker hatte damals begonnen, Nachforschungen anzustellen. Die führten ihn bis nach Istanbul. Dort jedoch geschahen Dinge, die ihn veranlassten, seine Suche ein für alle Mal zu beenden und sich nie wieder mit diesem Thema zu beschäftigen. 


Rossi behauptete nämlich herausgefunden zu haben, dass Dracula noch lebt. Daraufhin händigte er Paul seine gesamten Forschungsunterlagen zu diesem Thema aus und wollte nicht mehr darüber reden.


Am selben Abend verschwand der Professor unter mysteriösen Umständen.


Paul machte sich auf die Suche nach seinem Doktorvater und ihm wurde schnell klar, wenn er Rossi finden wollte, musste er nach Dracula suchen.


 Auf dieser Suche lernt er Helen kennen, die angebliche Tochter seines Doktorvaters. Sie haben beide das Ziel, Dracula aufzuspüren und so schließen sie sich zusammen und machen sich auf eine gefährliche Reise die sie nach Istanbul, Ungarn und Bulgarien führt. 


Nach und nach decken sie nicht nur die Geheimnisse von Vlad Tepes auf, sondern auch die von Professor Rossi, Helen und ihrer Mutter. Denn sie alle verbindet viel mehr mit Dracula als nur ein paar obskure Bücher. 


 Die in dem Roman erzählten Geschichten, die sich von den 30er bis zu den 70er Jahren erstrecken und dabei einen historischen Zeitraum von ungefähr 500 Jahren abdecken, werden zum Großteil in Briefform wiedergegeben. 


Wenn die Ich-Erzählerin nicht gerade selbst spricht, liest man die Briefe von Professor Rossi oder ihrem Vater oder die von Mönchen und anderen Zeitzeugen aus dem 15. Jahrhundert. 


Auf diese Weise wird ein sehr wirklichkeitsnahes Miterleben der Ereignisse erzeugt und das ist auch die Faszination, die von diesem Roman ausgeht. Die Orte an denen sich die Handlung hautsächlich abspielt tragen ebenfalls zu dieser Stimmung bei. Es sind Universitäten und deren Bibliotheken, uralte Archive, aus der Zeit gefallene Dörfer des Balkans, Kirchen und Klöster.


 Der Autorin ist es gelungen, eine Stimmung zu erzeugen, die den Geruch von altem Papier, die erhabene Ruhe von Bibliotheken und jede Menge düstere Ahnungen transportiert. 


Auch wenn das Buch ab der zweiten Hälfte einige Längen aufweist, die nicht unbedingt notwendig gewesen wären, reißt die unterschwellige Spannung eigentlich nie ab. Die Gefahr ist allgegenwärtig; Misstrauen und Verzweiflung drohen der Geschichte immer wieder ein vorzeitiges Ende zu setzen.  


Nicht jeder überlebt die gefährliche Suche nach der Wahrheit um Vlad Tepes und Professor Rossi und nicht jeder von dem man es glaubt, ist wirklich tot. 


 Der Historiker ist ein Roman der dem magischen Realismus zuzuordnen ist. Er spielt in unserer Welt und in Zeiten, die für uns noch greifbar sind. Er hat jedoch diese mystische oder auch magische Komponente - in diesem Fall den Vampirismus. 


Dadurch dass die Autorin die Traditionen und Überlieferungen der mittelalterlichen Balkan-Region sehr ausführlich und aus wissenschaftlichem Sicht darlegt, erlangt man tatsächlich eine spannenden und durchaus neuen Zugang zu diesem Thema. Nach der Lektüre dieses Romans wird man die Geschichten um Dracula möglicherweise ab sofort in einem etwas anderen Licht betrachten.


 Fazit


 Der Historiker ist ein absolut lesenswerter, atmosphärisch dichter und fesselnder Roman, der einige Überraschungen bereithält. Wer mit „der Historiker“ am Ende wirklich gemeint ist, ist eine davon. 

Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Elizabeth Kostova wurde am 26. Dezember 1964 in New London (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Elizabeth Kostova im Netz:

Community-Statistik

in 735 Bibliotheken

von 48 Lesern aktuell gelesen

von 3 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks