Elizabeth Poliner

 3 Sterne bei 7 Bewertungen

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Wie der Atem in uns

Wie der Atem in uns

 (7)
Erschienen am 18.07.2017

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Rezension zu "Wie der Atem in uns" von Elizabeth Poliner

Wenn Familie erdrückend wird
lesemaedelvor 4 Monaten

Das Buch habe ich zwiegespalten beendet. Einerseits habe ich auf jede weitere Enthüllung, jedes Häppchen aus dem Leben und Wesen der Familienmitglieder gewartet - anderseits war ich auch froh, dass es zu Ende ging. Die Familie hat sich selber unglücklich gemacht. Keine Person ist ihrem Glück gefolgt bzw hat für sich entschieden. Jede Genaration hat den gleichen Fehler gemacht und immer im Namen der Religion und der Familie. Arg, ich war zwischendrin sehr wütend und auch genervt. Trotzdem war ich von den - teilweise autopsieartigen - Beschreibung der Beziehungsverflechtungen und Gefühlen gefesselt. Die Story deckt einen Zeitrahmen von über 60 Jahren ab. Der Ausgangspunkt der Handlung ist aber immer der Tod, der wohl einzigen selbstbestimmten und im Moment lebenden Person - dem jüngsten Spross der Familie.
Das Buch ist auch gleichzeitig ein Sitten- und Gesellschaftsporträt der jüdischen Einwanderer Anfang 1900 in den USA. Wer eine tiefgründige und sprachlich mitreißende Familiengeschichte sucht, sollte "Wie der Atem in uns" nicht ungelesen lassen.

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sternenstaub178s avatar

Rezension zu "Wie der Atem in uns" von Elizabeth Poliner

Enttäuschung
sternenstaub178vor 2 Jahren

Da ich Familiengeschichten mag habe ich mich auf das Buch gefreut hatte aber gleich ein paar Bedenken. Die Geschichte hört sich auch interessant an doch sie konnte mich beim Lesen leider gar nicht überzeugen. Jedes Jahr im Sommer trifft sich die jüdische Familie doch irgendwann kommt es zu einem schlimmen Unfall, der alles verändert. Im Buch wird von der Zeit vor dem Unfall erzählt und vor allem, was sich dadurch verändert hat und nicht mehr so wie früher ist. Wem so etwas gefällt ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Leider hat es mich überhaupt nicht vom Hocker gerissen.

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Claris avatar

Rezension zu "Wie der Atem in uns" von Elizabeth Poliner

Jüdisches Leben und Schicksalsschläge....
Clarivor 2 Jahren

Molly Leibritzky ist die Icherzählerin einer typisch jüdischen Familiengeschichte in Middletown/ Connecticut. Die Familie verbringt die Sommer am Meer in Woodmont /Connecticut. Wie so viele Juden sind die Ahnen der Familie ursprünglich vor Jahrzehnten aus dem Osten nach Amerika zugewandert. Mit ihrem Kaufhaus hat sie eine einträgliche Einkommensquelle, so dass sie sich ein gutes Leben leisten kann. Man hilft sich untereinander und steht sich in allen schwierigen Fragen des Lebens zur Seite. Doch wie überall auf der Welt gibt es in der Familie nicht nur eitel Sonnenschein. Schicksalsschläge und Querelen untereinander geben so manchen Anlass zur Sorge und zu Zwietracht.

Der Sommer 1948 prägt sich allen ins Gedächtnis ein, denn es ist der Sommer, in dem Davy, der Jüngste der Familie, zu Tode kommt. Er ist damals erst acht Jahre alt.

Molly, seine Schwester, versucht in ihrem Rückblick nach Jahren Ordnung in die Geschehnisse von damals zu bringen.
Auf diese Weise erfahren wir etwas vom Zusammenleben ihrer Mutter Ada mit ihren Schwestern Vivie und Bec.

Ada ist in Laufe der Jahre mit drei Kindern gesegnet worden und hat ihre unbefangene frühere Lebensfröhlichkeit verloren. Vivie hat ihrer Schwester lange verübelt, dass sie ihr den Mann einst ausgespannt hat. Doch nun ist sie früh zu einem gewissen Gleichmut und einer korrekten Realitätseinschätzung gelangt. Mit Leo und ihrer gemeinsamen Tochter Nina führt sie schließlich eine ruhige und treue Ehe. Bec, die jüngste der Schwestern, hat einen ganz eigenen Weg genommen.

Elizabeth Poliner zeichnet ein lebhaftes Bild der Gemeinschaft in ihrem Sommerdomizil. Man isst zusammen, treibt Sport, geht schwimmen und verlustiert sich auf vielerlei Weise.

Elizabeth Poliner vermittelt das Bild einer jüdischen Familie, wie wir sie aus zahlreichen Familiengeschichten schon kennen. Wichtig ist allen, dass man unter sich bleibt. Die jüdische Familie fordert bedingungslose Achtung bei der Einhaltung ihrer Traditionen und fest gefügten Lebensmuster. Das fällt nicht jedem leicht! Die Liebe erfährt Veränderungen und sprengt den Rahmen dessen, was jeder zu leisten vermag.
Als in Sommer 1948, der Gründung des Staates Israel, Davy tödlich verunglückt, bricht das mühsam konsolidierte Familienleben zusammen.

Die tragischen Ereignisse um Davys Tod berühren jeden tief.

Warum interessiert einen dieser Roman so sehr?

Er sprüht vor Lebendigkeit, erzählt von Klima, Luft und Familiensinn mit feiner Beobachtungsgabe und beinhaltet zudem eine Menge Erkenntnisse zu dem, was das Menschsein ausmacht. Hinzu kommt eine Einsicht, die so oft zum Leben gehört: Zufälle können eine unerwartete Wende bringen, die das Leben aller Beteiligen erschüttert. Keiner bleibt unberührt, wenn ein junges Leben vorzeitig endet. Und die Erwartungen an aneinander sind, wie sich zeigen wird, nicht immer erfüllbar.
Zitat:
Zitat:“Doch so sind Familien: sie sagen uns, was wir sind, und das sind wir dann, und deshalb besteht ein Teil des großen Lebenskampfes darin, sich jenseits der Last der erdrückenden kollektiven Definition selbst kennenzulernen " S.88)

So klar ausgesprochene tiefsinnige Betrachtungen findet man selten in diesem Roman. Sie fassen aber zusammen, worum es in der Geschichte geht: Selbstfindung, Identitätssuche und Überlebensstrategien. Am Ende ist die Geschichte schlüssig und man legt das Buch mit dem Wissen aus der Hand, dass hier wieder einmal ein Roman lehrt, wie das Leben so spielt und wie viele Variablen es beinhaltet. 

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