Elizabeth Strout Die Unvollkommenheit der Liebe

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Inhaltsangabe zu „Die Unvollkommenheit der Liebe“ von Elizabeth Strout

Leben, denke ich manchmal, heißt Staunen. Als die Schriftstellerin Lucy Barton längere Zeit im Krankenhaus verbringen muss, erhält sie Besuch von ihrer Mutter, die sie jahrelang nicht mehr gesehen hat. Zunächst ist sie überglücklich. Doch mit den Gesprächen werden Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend wach, die sie längst hinter sich gelassen zu haben glaubte … Der neue Roman von Elizabeth Strout ist ein psychologisches Meisterstück, zutiefst menschlich und berührend. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg geht, eine Geschichte über Mütter und Töchter und eine Geschichte über die Liebe, die, so groß sie auch sein mag, immer nur unvollkommen sein kann. Lucy Barton erzählt ihre Geschichte. Sie muss sie erzählen, weil sie auf der Suche nach der Wahrheit ist, als Schriftstellerin wie als Mensch. Und es gibt zu vieles, was ihr Leben geprägt hat und ihr immer noch keine Ruhe lässt. Das wird ihr klar, als sie wegen einer unerklärlichen, lebensbedrohenden Infektion nach einem Routineeingriff längere Zeit im Krankenhaus bleiben muss und plötzlich ihre Mutter an ihrem Bett sitzt. Ihre Mutter, die sie nicht mehr gesehen hat, seit sie ihr Zuhause in einem kleinen Kaff in Illinois verlassen hat. Während sie erschöpft und glücklich der Stimme ihrer Mutter lauscht, die ihr Geschichten von den Leuten aus ihrer Heimat erzählt und was aus ihnen geworden ist, während Mutter und Tochter ein neues Band zu formen scheinen, auch wenn sie nur schweigend aus dem Fenster auf das beleuchtete Chrysler Building gegenüber schauen, kommt alles wieder hoch: die bettelarme Kindheit, die Schwierigkeiten in der Familie, der Mangel an Zärtlichkeit und Zuneigung. Wie der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, ihr half, ihre Ängste zu bekämpfen, wie fremd sie sich dennoch manchmal in New York vorkommt. Ihre Ehe mit einem Mann aus einem wohlbehüteten Elternhaus und die vielen Abgründe, die sich zwischen ihnen auftun, trotz des gemeinsamen Lebens und der zwei heißgeliebten Töchter …

unvollkommenes Durcheinander

— Petra54
Petra54

Großartige Zustandsbeschreibung einer komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung

— Buecherfreundinimnorden
Buecherfreundinimnorden

Toll erzählte Geschichte in Episoden, die viele Stärken hat. 4,5 Sterne!

— Isaopera
Isaopera

Interessante Idee, die mich trotz guter Sprache nicht überzeugen konnte!

— YvetteH
YvetteH

Interessante Erzählsituation mit durchaus starken Szenen. Letztendlich blieb mir der Roman aber zu nichtssagend und zu belanglos.

— leselea
leselea

Wunderbar geschriebenes Buch über das Leben an sich und seiner problematischen Beziehungen. Nicht für jeden Leser geeignet

— Cambridge
Cambridge

Hölzerner, altmodisch wirkender Erzählton und ungeistige Dialoge suchen ein Familiendrama

— Bücherfüllhorn-Blog
Bücherfüllhorn-Blog

Bitte nicht durch den kitschigen Titel von diesem tollen Roman abhalten lassen. Es lohnt sich!

— hexhex
hexhex

Ein ungekünsteltes Buch mit feinen Tönen!

— Miamou
Miamou

Die Geschichte ist nicht nur interessant und sehr gut geschrieben, sie bietet auch viel Raum für Interpretationen.

— AgnesM
AgnesM

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    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Petra54

    Petra54

    20. July 2017 um 09:48

    Die Erzählerin liegt im Krankenhaus, ihre Mutter sitzt an ihrem Bett und berichtet bruchstückhaft von ehemaligen Nachbarn. Doch es gibt kein wirkliches Gespräch, keine Verbindung, eigentlich auch keinen Sinn. Eine zusammenhängende Geschichte beginnt nie. 

    Der Titel müsste lauten: Die Unvollkommenheit einer Geschichte. Ich habe abgebrochen und kann das Buch nicht empfehlen.

  • Die Liebe für ein ganzes Leben

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Buecherfreundinimnorden

    Buecherfreundinimnorden

    25. June 2017 um 16:48

    Lucy hat eine schwierige Kindheit hinter sich, irgendwo in der Einöde des mittleren Westens der USA ist sie auf einer Farm grossgeworden. Im täglichen Überlebenskampf haben die ELtern nicht viel Zeit für die drei Kinder - weder materiell noch emotional geht es Lucy gut. Sie, die sich stets nach der Liebe der Mutter sehnt, geht zunächst überwiegend leer aus. Jahre später, Lucy ist inzwischen selbst Mutter zweier Töchter, scheint sich die Chance zu eröffnen, die Beziehung zu ihrer Mutter aufzuarbeiten. Das geht jedoch nur, wenn beide Frauen es wollen...ich fand das Buch großartig. Erstmalig habe ich, die keine derart schwere Kindheit erleben musste, begriffen, wie schwer ist, mit einem solchen Defizit zu leben. Es zu verstehen und zu überwinden und obendrein die eigenen Kinder nicht damit zu belasten: Herkulesarbeit. Für mich ist Misses Strout eine der größten zeitgenössischen Autorinnen der USA. Nobelpreisreif. Auch wenn das Buch neben vielen anderen Dingen sehr genau erklärt, warum gerade ihr dieses Lob vermutlich von Herzen egal ist: Unbedingt Lesen!!!

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    • 7
  • Tolle Sprache

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Isaopera

    Isaopera

    13. March 2017 um 10:54

    Dieses Buch war mein erster Roman von Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Strout und ich muss sagen, dass mich ihre ERzählweise sehr begeistert hat. In Kritiken liest man öfter, in diesem Buch sei "kein Wort zu viel" - das stimmt tatsächlich! Es ist eigentlich ein sehr reduzierter Roman, in Episoden erzählt und eher Blitzlicht-artig, ohne aber dabei zu offen zu sein. Einiges wenige wird nur angedeutet, aber ansonsten werden die Begebenheiten wirklich authentisch erzählt und das hat mir gut gefallen.Die Protagonistin ist schon irgendwie eine Sympathieträgerin, allerdings hat sie es auch nicht leicht gehabt. Als Leser fragt man sich immer, was man eigentlich weiß und was vielleicht noch dahinter steckt.Sehr gefallen hat mir eine Schlüsselszene, in der sie mit einer Autorin spricht und diese ihr quasi eine Interpretation der Geschichte vorgibt, die ich als Leserin so selbst noch gar nicht geschlossen hatte...sehr spannend! Insgesamt hätte ich mir bei dieser Geschichte tatsächlich ein paar Seiten mehr gewünscht, vor allem bei dem stolzen Preis von 18,00 Euro, dennoch lohnt es sich auf jeden Fall, das Buch zu lesen.Für mich ein 4,5-Sterne-Roman und da mir die Erzählweise wirklich gut gefallen hat, runde ich auf :)

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  • Ein armes Mädchen aus Amgash, das seine Mama liebhatte

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    leselea

    leselea

    18. January 2017 um 14:33

    Sie schreiben über einen Mann, der jeden einzelnen Tag seines Lebens zerquält wird von dem, was er im Krieg getan hat. Sie schreiben über eine Ehefrau, die bei ihm geblieben ist, weil das in dieser Generation so üblich war, und diese Frau kommt zu ihrer Tochter ins Krankenhaus und erzählt zwanghaft von lauter kaputten Ehen, sie merkt es selber gar nicht, es ist ihr überhaupt nicht bewusst, Sie schreiben über eine  Mutter, die ihre Tochter liebt. Unvollkommen. (S. 114) Lucy Barton erzählt ihre Geschichte. Sie beginnt im Krankenhaus, in dem Lucy einmal in ihrem Leben für längere Zeit liegen muss, da sie an einer unerklärlichen, jedoch lebensbedrohlichen Infektion erkrankt. Eines Tages sitzt überraschenderweise ihre Mutter am Fuße ihres Bettes – ihre Mutter, die sie nicht mehr gesehen hat, seitdem sie ihr Zuhause in Illinois verlassen hat. Ihre Mutter erzählt von den Lebenswegen alter Bekannten und stellt Lucy damit doch unbewusst den eigenen Lebensweg vor Augen: die Kindheit in Armut, geprägt von Misshandlungen und Lieblosigkeit; die Erkenntnis, Schriftstellerin werden zu müssen; ihre Ehe, aus der zwei wunderbare Kinder hervorgegangen sind, und die doch keinen festen Halt findet… Elizabeth Strout ist eine preisgekrönte amerikanische Autorin. Für ihren Roman Mit Blick aufs Meer bekam sie 2009 den Pulitzer-Preis. Die Unvollkommenheit der Liebe stand auf der Longlist des Man Booker Prize und scheint mir auch von der Leserschaft insgesamt sehr positiv bewertet worden zu sein. Mich persönlich konnte Strout mit ihrem Roman allerdings nicht begeistern, zu gewöhnlich und nichtssagend – und nicht wie vom Klappentext angekündigt „ aufrüttelnd[], wahrhaftig[], unvergesslich[]“ –  kam mir die Geschichte daher. Dabei gefällt mir die gewählte Erzählweise von Strout prinzipiell sehr gut: Sie lässt Lucy rückblickend auf ihr Leben schauen und sich dabei vor allem in die Tage im Krankenhaus zurückversetzen. Diese werden durch zwei Faktoren bestimmt: Lucy ist gebeutelt von ihrer mysteriösen Krankheit auf sich selbst zurückgeworfen. Gleichzeitig tritt ihre Mutter wieder in ihr Leben und beginnt, Sherazade ähnlich, zu erzählen – zwar nicht, um den Tod abzuwenden, aber doch um das Eigentliche, was zwischen ihr und ihrer Tochter liegt, nicht in Worte fassen zu müssen. Generell ist Erzählen – ob mündlich oder schriftlich – immer wieder ein Thema des Romans, ist Lucy doch selber Schriftstellerin und wird in ihren Erinnerungen auch immer wieder ein Schreibworkshop bei einer bekannten Autorin zum Thema gemacht. Wer mich kennt, weiß ich, dass ich großer Fan von Büchern bin, die Literatur und Fiktion verhandeln, und auch Die Unvollkommenheit der Liebe konnte in diesem Fall bei mir Punkte sammeln. Der Roman bietet viel Raum zur Interpretation, versucht er doch, die Wahrheit zu fassen, ohne sie immer deutlich auszusprechen. Gleichzeitig stellt genau diese Machart für mich ein Problem dar, wenn es darum geht, was (jenseits der Metaebene) in diesem Roman erzählt wird. Strout verhandelt (wie der furchtbar kitschige deutsche Titel schon andeutet) die unvollkommene Liebe in einer kaputten Familie, die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die durch die Vergangenheit bis heute geprägt. Allein „diese Vergangenheit“ blieb mir zu wage, zu schwammig, zu weit weg von mir: Es wird immer wieder gesagt, wie „schlimm“ Lucys Kindheit war, doch die wenigen Szenen, die zur Erläuterung herangezogen werden, reichten mir nicht, um diese für mich greifbar, fühlbar zu machen. Häufig habe ich in anderen Rezensionen gelesen, dass in Strouts Zeilen so viel Ungesagtes mitschwingt – das stimmt, doch dieses Ungesagte war für mich nicht genug, um die Geschichte reizvoll zu machen, es ergab sich daraus keine Spannung, kein Konflikt. Schlimme Kindheiten haben leider Gottes viele. Was folgt daraus? Was macht das aus einem Menschen? Dies wurde mir bei Lucy – abgesehen von einigen Anekdoten – nicht klar. Der Roman weist zweifellos einige starke Szenen auf, doch sie setzten sich für mich nicht zu etwas Großem zusammen. So gemein das klingt: Lucys Leben (inklusiver schlimmer Kindheit) schien mir so belanglos, das es eigentlich nicht erzählenswert ist. Die Unvollkommenheit der Liebe lässt sich angenehm lesen und weiß mit einer melancholischen, bisweilen traumähnlichen Atmosphäre zu gefallen. Die Sprache war mir bisweilen aber zu hölzern, Lucys Unterton mir zudem häufig zu kindlich. Insgesamt habe ich nicht das Gefühl, meine Zeit verschwendet zu haben, fühle mich nach der Lektüre aber auch nicht bereichert: Ich habe nette Lesestunden mit dem Buch verbracht, es jedoch mit einer Gleichgültigkeit und der Gewissheit, mich an diese Geschichte nicht ewig zu erinnern, zugeklappt. So komme ich abschließend zu dem Fazit, dass Die Unvollkommenheit der Liebe sicherlich kein schlechtes Buch ist, aber definitiv nicht meins!

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  • Die wunderbare Banalität des Lebens

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Cambridge

    Cambridge

    12. January 2017 um 01:31

    Dieses Buch hat mich gleich von den ersten Seiten an gefesselt. Zu meiner eigenen Überraschung. Lucy Barton ist in tiefer Armut aufgewachsen. In ihrer Familie gab es keine großen Gefühlsbezeugungen. Als erwachsene Frau liegt sie nach einer Blinddarmoperation wegen einernysteriösen Infektion 9 Wochen lang im Krankenhaus. Es sind die 80iger Jahre. Ihr Mann und ihre Töchter können sie nur selten besuchen. Aber eines Tages sitzt ihre Mutter, die sie lange nicht gesehen hat, an ihrem Bett. Ganze 5 Tage rührt sie sich kaum von ihrem Stuhl. Sie sprechen über Nichtigkeiten, ihre Mutter erzählt ihr Klatsch und Tratsch aus der provinziellen Heimatstadt. Alles ungut endende Geschichten. Frauen, die ihre Männer verließen, oder verlassen wurden und irgendwie nie glücklich wurden. Nur die wirklich wichtigen Dinge, die sprechen Mutter und Tochter nie an. Elizabeth Strout ist eine hochgelobte Autorin. Ich war ein wenig skeptisch aber auch neugierig, ob sie mir liegt. Ich weiß nicht, ob ich noch weitere Bücher von ihr lesen möchte,  zu Eigen war doch ihr Stil. Aber ich bin froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Denn es hat mich definitiv  aus meiner Komfortzone herausgeholt. Ich empfand ihre Sprache als sehr einlullend, sehr geschmeidig und geschliffen. Sie sagt wenig, das Buch ist sehr kurz. Aber alle kleine Geschichten, viele kurze Bemerkungen sind sehr vielschichtig und auf eigene Weise eloquent. Denn wirklich wichtige Dinge werden nicht ausgesprochen. Eine Dinge, die Lucy passiert sein können, bleiben wage. Unwichtige kleine Geschichten werden erzählt, aber das essentielle bleibt ungesagt. Lucys Mutter kann nicht sagen, dass sie sie liebt. Das bekommt sie nicht ausgesprochen. Warum das so ist, erfahren wir nicht, aber ein Universum an Gründen ist möglich. Das Buch mäandert vor sich hin. Es ist kurz, nur knapp mehr als 200 Seiten. Dabei wird so nebenbei Lucys Leben skizziert. Aber vor allem ihre Kindheit ist wichtig. Wobei da so vieles nicht ausgesprochen wird sondern seinen Gegenpart in etwas in ihrem Erwachsenenleben wiederfindet. Hier wird der wundervollen Banalität des normalen Lebens gehuldigt, denn sie lässt uns die schlimmen Dinge, die passiert sind, ertragen. Menschen, denen Lucy begegnete und die ihr Leben prägten, werden in wenigen Worten so plastisch umschrieben, das ist wirklich eine Kunst. Wer gerne ein gradliniges Buch mit einer ordentlich umrissenen Handlung lesen möchte, ist hier verkehrt. Ich empfand dieses Buch als überraschend anders, in seiner Knappheit und wagen Erzählung aber sehr tiefgründig und nachhaltig. In wenigen Worten und ohne große Erklärungen erzählt uns Lucy ihr Leben, ihr Weg in die Heilung von allem, das ihr widerfahren ist. Das macht es zu einem sehr positiven Buch. Für mich war es ein unerwartetes tiefgründiges Leseerlebnis.

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  • Hölzerner, altmodisch wirkender Erzählton und ungeistige Dialoge

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Bücherfüllhorn-Blog

    Bücherfüllhorn-Blog

    07. January 2017 um 14:32

    Ein Buch, eine Geschichte, die sich mir leider nicht erschlossen hat. Hölzerne und unmögliche Dialoge. Bruchstückhafte Aussagen, mit denen der Leser alleine zurück gelassen wird mit der vielleichten Aufforderung, sich selber alles „zusammen zu reimen“!? Keine sympathischen Protagonisten, aber vielleicht verständlich im Angesicht der Familienverhältnisse? Im Prinzip hinterlässt die Geschichte bei mir ein großes Fragezeichen. Am wenigsten gefiel mir der hölzerne und altmodisch wirkende Erzählton mit diesen ungeistigen Dialogen (Beispiele in meinem Bücherfüllhorn-Blog). Mir kam es zudem so vor, als würde die Geschichte „von oben herab“ geschrieben, von einer Person, die sich diese Armut nur ausdenkt und nicht erlebt hat. Das wäre ja nicht weiter schlimm, aber es kommt in dieser Geschichte völlig abstrus rüber. Mit von oben herab meine ich auch, als Lucy „Klatsch- und Tratsch-Zeitschriften“ in der Schublade verschwinden lässt, sich deswegen schämt! Meine Güte, das ist doch Drama, wenn man sowas mal im Krankenhaus liest. Aber hier wird es völlig „von oben herab“ gehandelt, praktisch ein No-Go. Diese Art zu schreiben wirkt auf mich überheblich.

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  • Hier spricht Lucy Barton

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    02. November 2016 um 10:37

    Auf dem Buchcover leuchtet das Chrysler Building in der New Yorker Nacht. Im Vordergrund flirren einige Lichter.Auch ein wenig flirrend, leicht surreal ist die Episode, von der Lucy Barton, die Ich-Erzählerin in Elizabeth Strouts Roman „Die Unvollkommenheit der Liebe“, hauptsächlich erzählt.Es sind 5 Tage und 5 Nächte, in denen sie ihre Mutter am Krankenbett besuchte. Nach einer Routineoperation traten plötzlich Komplikationen auf. Ein unerklärliches, lang andauerndes, lebensbedrohliches Fieber wütete in Lucy, fesselte sie schließlich neun Wochen ans Krankenhaus. Besonders einprägsam blieb die Zeit mit ihrer Mutter, die tage- und nächtelang an ihrem Bett saß und erzählte, niemals zu schlafen schien. Ziemlich bald wird klar, dass es eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung war, dass sich die beiden zuvor jahrelang nicht gesehen hatten. Lucys Kindheit war schwer. Die wirtschaftliche Lage war äußerst prekär. Der Vater war aus dem Krieg mit etwas heimgekehrt, was man heute wohl als posttraumatische Belastungsstörung kennt, damals aber totgeschwiegen wurde, starke Stimmungsschwankungen, Neigung zu Gewaltausbrüchen. Auch die Mutter war lieblos, gedankenlos. Die Kinder litten unter Vernachlässigung, besonders aber die jüngste Tochter, Lucy.„Ich kenne den Schmerz noch so gut, den wir Kinder mit uns herumtragen, diesen Schmerz, der unser ganzes Leben vorhält, eine Sehnsucht, so groß, dass selbst zum Weinen kein Platz bleibt.“Immer wieder schweifen Lucys Gedanken, auch wenn die Freude über die Anwesenheit der Mutter groß ist, ab in diese glücklose Zeit.„Dann meine ich wieder, hören zu können, wie mein Herz in mir bricht, so wie man draußen auf den Feldern meiner Jugend manchmal – wenn sämtliche Bedingungen stimmten – hören konnte, wie der Mais wuchs.“Lucy konnte ihrer Jugend in Amgash, im ländlichen Illinois nach New York entfliehen, eine eigene Familie gründen. Auch wenn der Preis der Bruch mit dem Elternhaus war. Wie stark die Bande aber immer bleiben, zeigt sich Lucy Barton während ihrer Krankheit. Sie sieht die Versäumnisse ihrer Mutter klar, aber da ist keine Anklage. „…über eine Mutter, die ihre Tochter liebt. Unvollkommen. Weil wir alle nur unvollkommen lieben können.“Die tiefe Verbundenheit, manchmal auch ungewollt, manchmal auch unglückselig, zwischen Müttern und Töchtern ist eines der Themen des Romans. Lucys Mutter wird es nicht schaffen, ihre Liebe auch einmal auszusprechen. Und Elizabeth Strout ist natürlich Meisterin im Schildern des Alltäglichen, des sogenannten „normalen Lebens“.Lucy Barton erinnert sich sehr viel später an die damaligen Tage im Krankenhaus, ihre Kindheit, ihre Jugend, aber auch an ihre gescheiterte Ehe mit ihrem damaligen Mann, das Verhältnis zu ihren eigenen Töchtern, die sie verließ, um Schriftstellerin zu werden.Das ist ein weiteres Thema des Romans. Lucy Barton nimmt nach ihrem Krankenhausaufenthalt an einem Schreibworkshop teil. Sie entdeckt die Möglichkeit, ihre Vergangenheit schreibend zu verarbeiten.Elizabeth Strout ermöglicht das, eine Metaebene in den Roman zu ziehen. Sie kann so immer wieder den Schreibvorgang selbst reflektieren. So schreibt sie z.B. mit der Stimme der Workshop-Leiterin, aber ganz sicher auch in eigener Sache:„Es ist nicht meine Aufgabe, den Lesern den Unterschied zwischen einer Erzählstimme und dem persönlichen Standpunkt des Autors zu erklären.“Und über die Aufgabe einer Schriftstellerin:„…ihre Aufgabe als Schriftstellerin sei es, über das menschliches Dasein zu berichten, darüber, wer wir sind und was wir denken und was wir tun.“So einfach, und so komplex. Und das tut Elizabeth Strout mit jedem Buch, leise, empathisch, unspektakulär und schonungslos und mit großem Können.

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  • Mein Name ist Lucy Barton...

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Miamou

    Miamou

    Lucy Barton ist aufgrund einer Infektion nach einer Blinddarmoperation dazu gezwungen ihren Krankenhausaufenthalt zu verlängern. Als sie eines Tages aufwacht, sitzt ihre Mutter neben ihrem Bett. Sie verharrt dort ganze fünf Tage und Lucy ist über den Besuch deswegen überrascht, weil sie ihre Mutter seit Jahren nicht gesehen hat. Dies rührt daher, dass Lucys Familiengeschichte nicht unbedingt die leichteste war. Lucys Mutter beginnt Geschichten zu erzählen. Über die Nachbarn, über Menschen, die sowohl Mutter als auch Tochter kannten, jedoch nicht darüber, was in ihren eigenen Familienalltag passiert ist. Sehr eindringlich beschreibt Elizabeth Strout durch ihre Figur Lucy Barton welche Auswirkungen eine verlustreiche Kindheit haben kann. Lucy wächst mit ihren zwei Geschwistern auf, sie gelten als Außenseiter, weil sie schmutzig sind, weil sie nicht immer genug zu essen haben, weil sie nicht immer ein Dach über dem Kopf haben, weil der Vater es nicht schafft konstant eine Arbeitsstelle zu halten, weil die Mutter vor den offensichtlichen Problemen ihre Augen verschließt. Lucy gelingt es scheinbar aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Sie beginnt ein neues Leben in New York, wird Schriftstellerin und heiratet einen Mann, mit dem sie zwei Kinder bekommt. Aufgrund Lucys Ausbruchs, ist es für die Eltern und ihre Geschwister schwer sie zu verstehen. Sie leben scheinbar in unterschiedlichen Welten und trotzdem ist Lucy ein Produkt ihrer Erziehung. Sie sieht, wenn ihre Kinder schmutzig sind und stellt sie sogar im Krankenhaus unter Dusche. Sie sieht, dass ihr Mann offensichtlich Gefühle für eine andere hat, zieht auch daraus die Konsequenz der Trennung, aber sie spricht sich nie mit ihm aus. Generell merkt man, dass dieses „Sich – Aussprechen“ in den gesamten Beziehungsgeflechten der Figuren in diesem Buch so gut wie gar nicht stattfindet. Einzig Lucys Tochter Becky schafft dies ein wenig. Aber als Leser erkennt man recht schnell, dass keine der drei Generationen in diesem Buch jemals gelernt hat, wie man es richtig tut. Lucy erzählt ihre Geschichte in der Ich – Form und springt dabei in den Zeitebenen in jedem einzelnen Kapitel. Man muss daher sehr aufmerksam sein und sein Lesetempo dementsprechend anpassen. Das Buch hat 200 Seiten und an einem guten Tag, lese ich die auf einen Sitz durch. Hier wäre das aber kaum möglich gewesen und dass nicht nur aufgrund der Zeitsprünge, sondern weil die Autorin einen so unheimlich tollen Schreibstil hat, dass man sich jeden Satz auf der Zunge zergehen lassen kann. Außerdem fordert sie den Leser auch, zwischen den Zeilen zu lesen, was viel Interpretationsspielraum gibt. Besonders beeindruckt hat mich, dass Elizabeth Strout niemals wertenden wurde. Ihre Figuren haben alle ihre Fehler und von außen betrachtet ist es natürlich immer leichter über andere zu urteilen. Die Autorin gibt dazu kaum Gelegenheit, da sie immer wieder Szenen inzwischen schiebt, in denen man merkt, dass Lucy Barton ihre Eltern sehr liebt und auch, dass diese Lucy und ihre Geschwister ebenfalls immer geliebt haben, auch wenn diese Liebe unvollkommen war. Und realistisch betrachtet ist es ja auch so: Kein Mensch ist vollkommen und kann auch nichts vollkommen, sondern er nützt (hoffentlich) seine Mittel und Wege und macht das Beste daraus. Ein Buch, das keinesfalls mit einer reißerischen Handlung aufwarten kann, jedoch mit vielen feinen Tönen und das mit einem wunderschönen Satz endet: „Leben, denke ich manchmal, heißt Staunen!“

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    • 2
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Die Unvollkommenheit der Liebe

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    AgnesM

    AgnesM

    02. October 2016 um 11:55

    Lucy Barton liegt mit einer schweren Infektion über Wochen im Krankenhaus und wird mit dem Besuch ihrer Mutter überrascht. Sie haben sich seit Jahren nicht mehr gesehen oder gesprochen. Umso erstaunlicher ist es für Lucy, dass ihre Mutter nun plötzlich in ihrem Krankenzimmer sitzt und die weite Reise auf sich genommen hat. Ohne jegliche Vorwarnung ist sie einfach da und erzählt Lucy Geschichten. Geschichten über die Nachbarn, die Gemeinde und Bekannte. Die Mutter erzählt viel, sie redet viel, doch sie sagt nicht die Dinge, die Lucy von ihrer Mutter hören möchte. Die jede Tochter von ihrer Mutter hören möchte. Lucy stammt aus einer sehr armen Familie. Sie und ihre Geschwister waren Außenseiter, hatten kaum etwas zu essen und zeitweise auch kein richtiges Dach über dem Kopf. Es war eine schlimme, traumatische Kindheit, aus der sich Lucy allein befreien konnte. Sie hat sich damals die Zeit mit dem Lesen von Büchern vertrieben, hat gelernt und es weit gebracht. Sie konnte dem Elend entfliehen, was die Familie ihr ziemlich übel nahm. Lucy wollte ihren Traum Schriftstellerin zu werden verwirklichen, hat einen Mann aus gutem Hause geheiratet und ist nach New York gezogen. In dem Buch erzählt Lucy Barton ihre Geschichte. Sie erzählt wie sie ihre Kindheit verbracht hat, wie sie Schriftstellerin wurde, welche Personen sie beeinflusst haben und wie das Verhältnis zu ihrem Mann und ihren Kindern ist. Im Mittelpunkt dieser Erzählung stehen aber die Tage, die sie mit ihrer Mutter, die kaum von ihrer Seite gewichen ist, verbracht hat. Trotz der Freude über den Besuch wird die Erzählung von einer Traurigkeit und Beklemmung durchzogen. Mutter und Tochter sind sich räumlich so nah und persönlich und seelisch doch so fern. Sie reden viel und schweigen sich doch an. Sie können sich nicht die Dinge sagen, die es sich normalerweise zu sagen gehört. Ist ihre Liebe zueinander unvollkommen? Wird diese vollkommen durch den Satz „Ich habe dich lieb“? Reicht dieser Satz aus, um die unsichtbare Mauer zwischen den beiden einzureißen? Dieses Buch hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und viele Fragen aufgeworfen. Die Geschichte ist nicht nur interessant und sehr gut geschrieben, sie bietet auch viel Raum für Interpretationen. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und empfand die Atmosphäre, die hier geschaffen wurde, als etwas Besonderes.

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    • 3
  • Über die Unvollkommenheit von Mutter und Tochter Liebe und Gefühle zu äußern

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    jala68

    jala68

    30. September 2016 um 21:40

    Nach einer Blinddarm Operation bekommt die Schriftstellerin Lucy eine schwere Infektion. Sie hat Fieberschübe und nimmt immer mehr an Gewicht ab. Dadurch muss sie fast drei Monate im Krankenhaus verbringen.Eines Tages sitzt plötzlich ihre Mutter, die sie seit Jahren nicht gesehen hat, an ihrem Bett. Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist sehr schlecht und wird während des Besuchs auch nicht wirklich besser. Mutter und Tochter lieben sich, sind aber unfähig Gefühle allgemein und die Liebe zueinander im speziellen auszudrücken.Die Mutter erzählt Lucy einige Geschichten von gemeinsamen Bekannten. Und alle Geschichten sind durchweg traurig. In Zwischeneinblendungen erfährt der Leser von Lucys Kindheit und Vergangenheit. Die armen Verhältnisse waren von Ablehnung und Mangel gekennzeichnet. Gefühle zu zeigen oder gar zu weinen wird in der gesamten Familie als belastend empfunden. In späteren Jahren, von denen in weiteren Zwischeneinblendungen erzählt wird, schafft es Lucy der Armut zu entkommen, aber Gefühle zu zeigen wird sie nicht lernen. Trotzdem behauptet sie von jedem, der sie nur ansatzweise freundlich behandelt, sie würde ihn oder sie lieben.Ich empfand das Buch als sehr schwierig zu lesen. Die Sprache ist sehr sperrig und die Kapitel sind sehr kurz. Dadurch, dass in jedem Kapitel ein anderes Thema bzw. eine andere Zeit ist, springt die Geschichte dauernd zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft hin und her. Irgendwann habe ich leider den Überblick verloren. Das Buch hat nur 205 Seiten, gefühlt waren es aber mindestens 500.Mir geht es mit der Geschichte ähnlich wie es Lucy geht. Ich möchte sie gerne lieben, aber irgendwie gelingt es mir nicht. Die Atmosphäre ist einfach zu gefühlskalt. Ich spüre, dass viel Liebe und Gefühl in der Geschichte steckt, aber leider hat es Elizabeth Strout nicht geschafft, mir diese zu vermitteln.Von mir gibt es 2 von 5 Sternen

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    • 7
  • „Leben, denke ich manchmal, heißt Staunen.“

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    26. September 2016 um 12:21

    In ihrem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Roman „Mit Blick aufs Meer“ war es der erst spät zum Schreiben gekommenen Schriftstellerin Elizabeth Strout 2010  auf leise, sensible Weise gelungen, hinter die Oberfläche menschlicher Schwächen und Sehnsüchte zu blicken und in ihnen durch die Hauptperson Olive Knitterigde das zu sehen, was sie sind: Menschen, die kämpfen um ihr Leben und ihr Glück, so wie jeder andere in jede anderen Stadt der Welt.Auf eine andere Weise greift sie in dem vorliegenden in den USA 2016 unter dem Titel „My name is Lucy Barton“ erschienenen Roman ein ähnliches Thema wieder auf.  Auch dieses Mal geht es um nicht weniger als den Sinn eines Menschenlebens herauszufinden. Die Geschichte, die Elizabeth Strout ihre Ich-Erzählerin Lucy Barton erzählen lässt, handelt von einer Mutter-Tochter-Beziehung und von der Liebe. So groß die Liebe, die wir in uns tragen auch sein mag, so die Erkenntnis von Lucy, sie kann immer nur unvollkommen sein.Lucy Barton ist eine Schriftstellerin, die seit langem in New York City wohnt. Nach einem Routineeingriff muss sie wegen einer unerklärlichen aber lebensbedrohenden Infektion für längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Sie hat viel Zeit zum Nachdenken, über ihr Leben, was sie geprägt hat in der Vergangenheit und was ihr entgegen allen Annahmen immer noch keine Ruhe lässt.Als eines Tages plötzlich ihre Mutter, mit der sie lange keinen Kontakt hatte, neben ihrem Bett sitzt, und diesen Ort fünf Tage und Nächte nicht verlassen wird. Seit Lucy jenen kleinen Ort in Illinois, in dem sie aufwuchs, verließ, hat sie ihre Mutter nicht gesehen. Sie freut sich sehr über ihren Besuch, doch ihr Anblick, ihre Gegenwart, was sie ihr erzählt und was sie nicht erwähnt – alles zusammen führt dazu, dass Lucys gesamte Lebensgeschichte wieder hoch steigt. Eine Armut, die zum Himmel schrie, der Mangel an Liebe und Zuneigung in der Familie. Ihr Traum eine Schriftstellerin zu werden, ihre Ehe mit ihrem Mann und deren Abgründe, das Glück über die beiden Töchter ….Viele Jahre später erinnert sich Lucy Barton an ihren Krankenausaufenthalt und den Besuch ihrer Mutter. All, ihre Erinnerungen aufschreibend, gelangt sie nicht nur zu der befreienden Erkenntnis, dass alle Liebe und sei sie noch so groß und tief, immer unvollkommen bleiben wird, sondern auch zu so etwas wie einer gefestigten Identität: „Diese Geschichte hier, das ist meine. Meine. Und ich bin Lucy Barton“.Sie beendet ihr Nachdenken mit dem Satz: „Leben, denke ich manchmal, heißt Staunen.“Wie wahr.

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  • Zwischen Mutter und Tochter

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    serendipity3012

    serendipity3012

    26. September 2016 um 08:57

    Zwischen Mutter und Tochter Lucy Barton liegt mit einer gefährlichen Infektion, deren Ursache die Ärzte nicht finden können, für längere Zeit im Krankenhaus. Die beiden kleinen Töchter sind mit dem Ehemann zu Hause. Aber ihre Mutter kommt sie besuchen, die Lucy lange nicht gesehen hat. Viel Unausgesprochenes steht zwischen ihnen. Lucy kommt aus armen Verhältnissen und ging schließlich nach New York, was ihre Familie ihr übel nahm. Auch, dass sie einen Mann mit deutschen Vorfahren heiratete, sorgte für Probleme: Lucys Vater schleppt eine Erinnerung aus Kriegsjahren mit sich herum, eine Erinnerung, in der Deutsche eine große Rolle spielen und mit der er nicht fertig wird.Lucys Mutter sitzt nun Tag für Tag ihrem Krankenbett, scheint fast nie zu schlafen, gönnt sich nur kleine Nickerchen. Die beiden reden und reden. Dabei geht es zunächst fast nie um sie selbst, sondern stets um Leute aus Lucys Heimatstadt und dem, was ihnen passiert ist. Klatsch und Tratsch sozusagen, wobei die meisten dieser Geschichten ein schlechtes Ende haben, von Leid, Betrug oder einfach Pech handeln, von Lebensentwürfen, die nicht erreicht wurden, von Versprechungen, die nicht gehalten wurden. Doch natürlich ist das nicht alles.Elizabeth Strout schafft es in ihrem neuen Roman „Die Unvollkommenheit der Liebe“ wieder einmal meisterhaft, eine tiefsinnige Geschichte zu erzählen, bei der es im Kern weniger um die anderen Menschen, über die Lucy und ihre Mutter reden, geht, sondern vor allem um sie beide, um ihre Beziehung, um ihre Unfähigkeit, sich direkt zu sagen, was in ihnen vorgeht und was sie sich bedeuten. Sie schaffen es trotzdem, sie haben Wege der Kommunikation gefunden, die es ihnen ermöglichen. Strout lässt Lucy die Geschichte selbst erzählen, die Geschichte ihres Lebens, das sie nach ihren Wünschen lebt – sie hat es geschafft, der armen Kleinstadt zu entkommen – und doch kann sie ihre Herkunft nie hinter sich lassen, nicht ablegen, was sie geprägt hat. Strout wäre nicht Strout, wenn da nicht neben dem, was auf der Handlungsebene passiert, neben dem, was Lucy uns Lesern direkt erzählt, worüber sie nachdenkt und uns teilhaben lässt, noch jede Menge anderes mitschwingen würde. Dabei ist ihre Sprache durchaus knapp, der Roman nur ca. 200 Seiten lang, doch er erreicht eine große Tiefe, ohne dabei auf viele Worte angewiesen zu sein.Ein weiteres Thema in Strouts Roman ist das Schreiben. Lucy erzählt ihre Geschichte als Schriftstellerin, nicht ohne die Einflüsse einer anderen Autorin zu erwähnen und zu erläutern und auch das eigene Geschriebene zu reflektieren. Interessante Einblicke sind das, die gegeben werden und die gleichzeitig das Bild von Lucy, das gezeichnet wird, abrunden.„Die Unvollkommenheit der Liebe“ ist ein Titel, der mich das Buch wohl nicht hätte lesen lassen, wäre es nicht von Elizabeth Strout. Im Original heißt der Roman schlicht „My name is Lucy Barton“. Es wird Gründe geben, warum man sich dagegen entschieden hat, diesen Titel zu übersetzen. Der deutsche Titel passt zwar sehr gut zu der schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, die im Zentrum der Geschichte steht, ist mir aber dennoch zu kitschig und zu schwammig.Für den deutschen Titel kann Frau Strout natürlich nichts. Sie zeigt auch in ihrem neuesten Roman, dass sie eine Meisterin der Melancholie ist, einer Melancholie, die stets auch Hoffnung für ihre Figuren beinhaltet. Strout erzählt von Menschen und von Menschlichkeit, und sie macht das klug, warmherzig und dabei äußerst unterhaltsam. Ich hoffe auf noch viele weitere Romane dieser Autorin.

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  • Eine wirklich unvollkommene Liebe

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    leserattebremen

    leserattebremen

    16. September 2016 um 11:40

    Als die Protagonistin und Erzählerin Lucy von Elizabeth Strouts Roman „Die Unvollkommenheit der Liebe“ für längere Zeit aus etwas unklaren Gründen im Krankenhaus liegen muss, kommt ihre Mutter sie besuchen. Für die Erzählerin ist es ein bedeutender Besuch, den ihre Beziehung war nie besonders innig. Fünf Tage verweilt die Mutter auch nachts am Bett ihrer kranken Tochter und langsam beginnt die Erzählerin dabei, ihr Leben und die Beziehung zu ihrer Mutter aufzuarbeiten.Elizabeth Strout ist mit diesem Buch ein unglaublich eindringlicher und direkter Roman über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung gelungen. Die Erzählerin kommt aus ärmsten Verhältnissen und hat sich hochgearbeitet, ihre Mutter lebt nach wie vor mit ihrem Mann in ihrem Heimatort. Dass mit dem Vater etwas Schwerwiegendes in ihrer Kindheit vorgefallen ist, er vielleicht sogar Kriegstraumata hat und nicht ins Leben zurückfand, wird zwar angedeutet, genaueres erfährt man aber nicht. Lucy ist sehr überrascht von dem Besuch ihrer Mutter und lässt den Leser regelrecht ungefiltert an ihren Gefühlen und Gedanken teilhaben. Teilweise in längeren Abschnitten, manchmal aber auch nur in wenigen Sätzen auf einer Seite erfährt man sehr viel über ihr Innenleben und ihre Vergangenheit, was sehr bewegend ist und einen als Leser fast zum direkten Mitspieler der Geschichte macht, so distanzlos präsentiert sich Lucy uns. Bei den Berichten zu ihrer Mutter bringt sie eine Emotionalität auf, die einen als Leser gefangen nimmt, während sie regelrecht distanziert über ihren Mann und ihre Töchter schreibt. Zwar sagt sie, dass sie sie unglaublich liebt und sie ihr fehlen, sprachlich wird aber eindeutig nicht diese Nähe zum Leser aufgebaut wie in den Elementen, in denen es um ihre Kindheit, ihre Eltern oder auch ihr Schaffen als Autorin geht. Mich hat das Buch „Die Unvollkommenheit der Liebe“ von Elizabeth Strout sehr berührt, von ihrer wunderbaren Sprache und der Beschreibung von Lucys Gefühlen war ich unglaublich beeindruckt. Selten hat auch ein Titel so gut gepasst wie dieser, denn dass die Beziehung von Mutter und Tochter nicht perfekt war, heißt ja nicht, dass sie keine Liebe verbindet. Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf Elizabeth Strouts Geschichte einzulassen, es ist ein ganz besonderes Leseerlebnis. 

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  • Ein Buch über eine Mutter- Tochter-Beziehung. Ein Buch voller Zwischentöne

    Die Unvollkommenheit der Liebe
    Buchraettin

    Buchraettin

    14. September 2016 um 07:39

    Ein kleines Büchlein, das für mich aber so viel an Stoff zum Nachdenken und Interpretieren bietet. Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen und ich habe die Geschichte sehr gern gelesen. Eine Geschichte der leisen Töne, die immer wieder zwischen den Szenen im Krankenhaus und dem  weiteren Leben der Tochter hin und her springt.  Die Tochter, die Ich- Erzählerin liegt im Krankenhaus. Nach einer OP scheint sich eine Infektion gebildet zu haben. Die Mutter wacht einige Tage an ihrem Bett. Die Beziehung der beiden scheint schwierig zu sein. Immer wieder Thema ist auch die Liebe. Die Ich- Erzählerin erzählt, dass sie den Nachbarn, den behandelnden Arzt und auch früher einen Künstler liebte. Kann dieses alles Liebe sein? Die Mutter sitzt an ihrem Bett, schläft und isst nicht, wie es scheint? Sie erzählt aus der Vergangenheit, will aber nichts Aktuelles von ihrer Tochter wissen. Warum? Die Beziehung zu den Eltern wird immer nur in kurzen Szenen  gestreift.  Es bleibt viel im Dunkeln, viel Platz für Interpretationen. In der Geschichte wechseln die Szenen im Krankenhaus mit der Mutter mit einer Art Rückblende in die Vergangenheit der Tochter. Als Leser spürt man die Anspannung zwischen den beiden, aber auch das Gefühl, dass die Tochter die Liebe der Mutter zu suchen scheint.  Immer wieder kommt hier in verschiedenen Szenen zur Sprache, dass niemand eine Wertung über andere Menschen vornehmen sollte. Ich spürte als Leser, dass es da Geheimnisse gibt. Bei der Mutter, in der Kindheit der Ich- Erzählerin. Einiges wird nur angerissen. Die Kindheit in einer Garage, deutet auf eine Kindheit in Armut hin. Der Vater. Ist bei ihm etwas vorgefallen? Es sind so kurze Augenblicke, Szenen, die etwas erzählen, aber nie in die Tiefe gehen. Die mich als Leser etwas ratlos stehen lassen. Die Neugier wecken, Fragen aufwerfen, aber nie wirklich beantwortet werden, aber nun dafür sorgen, dass ich weiterlesen will um evtl. doch eine Antwort bekommen. Es gibt einige wunderschöne Sätze in diesem Buch, die auch viel zum Nachdenken bieten. Die Szenen im Buch, die mir besonders gefallen haben, sind die Szenen beim Schreibkurs, die Tipps der Autorin. Es ist auch ein Buch über das Schreiben, das wird im Lauf der Geschichte deutlich. Ein Buch über eine Mutter- Tochter-Beziehung. Ein Buch voller Zwischentöne. Ein sanft zu lesendes Buch, das mich begeistert hat, das aber scheinbar auch dunkle Themen  der Vergangenheit bietet, die zum Nachdenken anregen.

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