Elizabeth Wurtzel

 3,8 Sterne bei 27 Bewertungen
Autor*in von Prozac Nation, Verdammte schöne Welt und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Elizabeth Wurtzel

Cover des Buches Verdammte schöne Welt (ISBN: 9783929029444)

Verdammte schöne Welt

(3)
Erschienen am 01.07.1999
Cover des Buches Bitch (ISBN: 0385484011)

Bitch

(1)
Erschienen am 01.06.1999
Cover des Buches Prozac Nation (ISBN: 9781442006720)

Prozac Nation

(10)
Erschienen am 09.04.2009
Cover des Buches Verdammte schöne Welt (ISBN: 9783423305273)

Verdammte schöne Welt

(5)
Erschienen am 01.10.1998
Cover des Buches More, Now, Again (ISBN: 9780743226004)

More, Now, Again

(1)
Erschienen am 01.11.2007

Neue Rezensionen zu Elizabeth Wurtzel

Kein Loblied, sondern eine sehr differenzierte, lebendige Auseinandersetzung

Mit Worten wie "ehrlich" und "authentisch" wird heutzutage gern um sich geschmissen und fast immer wird dabei ein versichernder Ton angeschlagen, so als wäre es kaum glaubwürdig, dass Ehrlichkeit und Authentizität noch irgendwo existieren (oder es werden Dinge und Personen mit diesen Worten als Opposition gegen etwas übergroßes Unehrliches, Künstliches, Zweitklassiges inszeniert, das ist noch gruseliger...).

Darum weiß ich, auf was für dünnes Eis ich mich begebe, wenn ich Elizabeth Wurtzels Buch "Bitch" als eines der ehrlichsten Bücher bezeichne, die ich gelesen habe - zumal das Cover, das eine klare Inszenierung ist, diese Aussage quasi schon vorab in Lächerliche zu ziehen scheint. Es ist ein Jammer, denn nachdem man das Buch gelesen hat, wird man selbst dieses Cover als authentisch empfinden, aber dafür braucht es die Lektüre - und die tritt man(n) vielleicht erst gar nicht an (oder mit falschen Vorstellungen), wenn man das Cover sieht, in der Regel nunmal zuerst. 

Auf gewisse Weise würde man in diesem Fall einige Ideen des Buches nur bestätigen, nämlich, dass die Welt im Prinzip Angst vor selbstbestimmter weiblicher Sexualität hat und sie deswegen mit Begriffen wie promiskuitiv, verdorben, aufmerksamkeitsheischend, platt oder anderen negativen Bezeichnungen zudeckt und versucht, sie in fast jedem Settiung als verlogen erscheinen zu lassen. Natürlich ist hier die Rede von ECHTER selbstbestimmter weiblicher Sexualität, nicht einer solchen, die sich Männer zwar wünschen, die ihnen aber im Ernstfall dienlich sein muss, die FÜR SIE und nicht um ihrer selbst willen existiert.

Und darum geht es unter anderem in diesem Buch, um Selbstbestimmtheit und warum das für Frauen aus verschiedenen historischen, gesesellschaftlichen und biologischen Gründen keine einfache Sache ist. Würde sich das Buch in diesen Feststellungen erschöpfen, gäbe es sicher noch einige andere, bessere, die man lesen könnte und vor allem für Frauen hätte die Lektüre vermutlich nicht viel zu bieten außer Anlass zum Kopfnicken. 

Was "Bitch" dann aber zu einer großen, ich würde sogar sagen transformativen Erfahrung macht, sind die die Offenheit und Ambivalenz mit der Wurtzel ihre Themen behandelt. Statt sich einfach nur auf eine feministische Position zurückzuziehen und die üblichen (wahren, aber nichtsdestotrotz oft unplastischen, eindimensionalen) Parolen anzustimmen, unternimmt sie mutige Expeditionen in die Grau- und Transitzonen; nicht um dort gegen den Feminismus zu trommeln oder dessen Forderungen aufzuweichen, sondern um ihn mit der Realität zu konfrontieren und ihm dabei auch manche Blindstellen und bisher unbekannte Widersacher zu offenbaren. Bemerkenswert ist, wie sie Popkultur analysiert und in ihr einen fast schon allzu passenden Spiegel für die zentralen Probleme in heterosexuellen Beziehungen und der heutigen Mediendemokratie findet, auf immer wieder originelle und nachdrückliche Weise.

Manche Aspekte, die sie anspricht, haben sich seit damals (das Buch erschien vor 28 Jahren, Wurtzel selbst starb vor sechs Jahren an Brustkrebs) gewandelt, aber im Kern sind ihre Analysen bis heute (erschreckend) tragfähig, subtil und divers und es gibt viele Tendenzen, die fortbestehen oder sich ausgewachsen haben, obwohl sie von ihr so umfassend und klar benannt wurden. 

Es gibt viele Bücher, gerade Sachbücher, die auf eine Konsequenz hinauslaufen. Sie bereiten sie hübsch vor, untermauern sie und entlassen einen dann damit, oft in der Hoffnung, dass man das Evangelium weiterverbreitet. Wurtzels Buch läuft zwar auch auf einige Erkenntnisse hinaus, gehört aber zu jenen seltenen und wertvollen Büchern, die von der Auseinandersetzung leben, nicht von einer geradlinigen Botschaft, hinter der man sich einreihen kann. Man sollte die Bereitschaft zu solch einer Auseinandersetzung mitbringen, wenn man der Lektüre des Buches etwas abgewinnen will. Ja, wenn man wie ich der Meinung ist, dass, bei aller Schönheit und dem Trost vieler anderer Bücher, es letztlich diese Bücher sind, jene die uns fordern und uns in Frage stellen, die uns nichts servieren, sondern uns die Zutaten aufzählen und vor den brodelnden Kochtopf stellen, dass diese Bücher der Grund sind, warum Lesen nicht nur das Leben erträglich macht, sondern es auch verändern kann, dann sollte man sich "Bitch" schnell anschaffen. Und: lesen!

Cover des Buches Prozac Nation (ISBN: 9781442006720)
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Rezension zu "Prozac Nation" von Elizabeth Wurtzel

TinaGer
PROZAC NATION

“Sometimes I wish I could walk around with a HANDLE WITH CARE sign stuck to my forhead.” (P 195)

PROZAC NATION - is a memoir and throwback to times when Kurt Cobain was still alive. It is a raw and honest portrait of what it meant to be young and depressed in America - often uncanny but also strangely entertaining.

Cover des Buches Verdammte schöne Welt (ISBN: 9783929029444)

Rezension zu "Verdammte schöne Welt" von Elizabeth Wurtzel

Ein LovelyBooks-Nutzer
Die ungewöhnliche Biographie einer ungewöhnlichen jungen Frau

Die Biographie thematisiert das Leben von Elizabeth von Kindheitstagen an und lässt uns an ihrem mit Kummer und Schmerz und Leid gepflasterten Lebensweg teilhaben. Sei es die grässliche Trennung der Eltern oder das plötzliche Verschwinden des Vaters aus ihrem Leben, ihr nervenzerfetzender Kampf mit den Depressionen oder der Borderline-Persönlichkeitsstörung - Lizzie gibt uns einen verdammt tiefen Einblick in ihr verqueres, angeschlagenes und komplett auf den Kopf gestelltes Seelenleben. Dabei ist es ihr völlig egal, wie selbstsüchtig und weinerlich wir sie an der ein oder anderen Stelle finden. Ihre Erzählstimme ist von Wut erfüllt und schonungslos ehrlich. Sie denkt gar nicht erst daran, sich dem Klischee zu beugen, Menschen - und vor allem Frauen - müssten ihre Biographien irgendwie so gestalten, dass sie am Ende noch irgendwie sympathisch sind. Lizzie will uns zeigen, wie das tagtägliche Leben in der Hölle der Depression ist und wie man langsam, aber sicher daran vergeht. Gut finde ich, dass sie erstaunliche viele popkulturelle Anspielungen und Referenzen in den Handlungsverlauf einwebt, die sich mühelos ins Gesamtgeschehen eingliedern, auch wenn nicht jede Anmerkung mehr als 20 Jahre später bei einem ein Licht aufgehen lässt. Allgemein lässt sich zur Handlung sagen, dass sie an und für sich relativ linear verläuft und nur ab und zu von Kommentaren der Jetzt-Lizzie unterbrochen wird, was ich für eine nette, wenn auch nicht allzu berauschende Abwechslung halte. Außerdem soll ihr Versuch Erwähnung finden, etwas weitaus Größeres mit diesem Tatsachenbericht zu schaffen. Denn die Generation X und die Medikamentenabhängigkeit einer ganzen Nationen - wie bereits der Originaltitel andeutet - sind weitere große Themen in ihrem Werk. Letzteres hätte sie aber definitiv noch etwas ausbauen können, erst zum Schluss nimmt diese thematische Komponente langsam Fahrt auf. Stilistisch ist ihr Schreiben nicht wirklich herausragend. Die ein oder andere ironische Spitze war vorhanden, es hätten aber ruhig noch mehr sein können, ohne irgendwie gekünstelt oder das Thema verratend zu wirken. Vor allem über Elizabeth und ihre Mutter und deren angespannte Beziehung erfahren wir einiges, die anderen Charaktere werden ebenfalls ganz gut beleuchtet. Ich lege jedem dieses Buch ans Herz, der einmal in die Gefühls- und Gedankenwelt einer zutiefst angeschlagenen Seele vordringen und diese voll und ganz verstehen möchte.

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