Elk von Lyck Die Auswerterin

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Inhaltsangabe zu „Die Auswerterin“ von Elk von Lyck

England 1944. Emily Brown ist Auswerterin von Luftbildern. Zufällig entdeckt sie bei ihrer Arbeit ein Konzentrationslager. Emily ist entsetzt - und sie fasst einen Plan. Sie dringt in das Büro von Arthur Harris ein, dem Chef des Bomberkommandos, und schlägt vor, das Lager aus der Luft anzugreifen oder wenigstens die Bahngleise, die dorthin führen. Harris lehnt unter einem Vorwand ab. Emily zieht eine Waffe und verlangt, die Bomberstaffel, die an diesem Abend gestartet ist, nach Auschwitz umzuleiten. Widerwillig ändert Harris ihren Kurs, danach soll Emily verschwinden. Sie weigert sich, sie will ihn erst verlassen, wenn die Bomben gefallen sind. Während der Stunden des Wartens entspinnt sich ein Psychoduell zwischen den beiden.Was wussten die Alliierten wirklich von Auschwitz? Gab es Alternativen zur späten Befreiung des Lagers? Hätte man etwas tun können, etwas tun müssen, um die Verbrechen zu verhindern?Die Auswerterin sucht nach Antworten."Der Autor bietet einen Lesestoff voller Spannung, der mit historischen Recherchen nur so gespickt ist."Mannheimer MorgenZweite Auflage. Überarbeitet und erweitert. Mit Quellenverzeichnis.

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  • Eine junge Generation schreibt über Europas Kriege

    Die Auswerterin
    Emerenz

    Emerenz

    21. April 2013 um 15:09

    Das Thema Auschwitz wird hier auf neue Weise angegangen, von weit weg, aus England, aus der Luft und mit etwas Hoffnung auf Rettung versehen. Was wäre, wenn es die Auswerterin Emily tatsächlich gegeben hätte? Ihr mutiger Einsatz ist wie ein heller Schimmer am Ende eines Tunnels. Emily ist ein universaler Charakter. Emily Brown ist eine vom Autor erfundene Figur, eine handelnde "Privatperson". Sie ist zwar eine unsichere, aber dennoch couragierte Frau, die durch ihre Tätigkeit - das Auswerten von militärischen Luftbildern - zu geheimen Informationen Zugang hat. Sie ist beseelt von einer großen Liebe zu den Menschen, egal welcher Nationalität, und auch zur Wahrheit, die sich oft hinter Kriegslügen verbirgt. Mit Arthur T. Harris erweckt der Autor eine historische Figur zum Leben: Harris ist ein Oberbefehlshaber, ein kühler Kopf, der sich in diesem Weltkrieg auf der Seite der "Guten" stehen sieht, für sich also die Rolle des "good guy" in Anspruch nimmt, das lässt er sich in dem langen Gespräch mit Emily nicht nehmen. "Die Auswerterin" ist ein Buch über eine Luftbildauswerterin der britischen Royal Airforce im Zweiten Weltkrieg. Sie entdeckt 1944 bei ihrer Arbeit auf einem Luftwaffenstützpunkt das Konzentrationslager auf Luftbildern und will eine Hilfsaktion einleiten: die Bombardierung der Bahnanlagen des Lagers aus humanitären Gründen. Elk von Lyck, ein junger deutscher Autor, lässt in seinem Buch reale Fakten und Fiktion aufeinandertreffen und bietet damit einen neuen Standpunkt an, um den Lauf der europäischen Geschichte zu beurteilen. Von der ersten Seite an wird man in das Geschehen hineingezogen, das heißt nicht nur in die Handlung, sondern auch in die Historie Europas. Emily Brown fälscht Einsatzpapiere. Dann will sie mit einer Waffe in der Hand den Oberbefehlshaber der britischen Luftstreitkräfte, Arthur T. Harris, zwingen, den falschen Befehl zu unterschreiben. Sie will Harris in seinem Büro so lange festhalten, bis die Bomber tatsächlich Auschwitz erreichen. In den Stunden, in denen die Frau den Oberbefehlshaber bedroht, kommen beide miteinander ins Gespräch. Es entwickelt sich ein Streit über Kriegführung und deren strategische oder "humanitäre" Ziele. Von zwei weiteren Personen wird in dem Buch erzählt: Vom britischen Pilot Derek Walker, der als Aufklärer Auschwitz erkundet und die Fotos zum Auswerten liefert, sowie von dem kleinen jüdischen Jungen Jacques aus Reims, der nach Polen deportiert wird. Mit ihren unterschiedlichen Weltanschauungen streiten Emily und Harris über die Machtgeflechte der Staaten und Völker in dem von zwei Weltkriegen überzogenen Europa, über die Zerschlagung einzelner Staaten (z.B. Polen, Ungarn), über den verbrecherischen Umgang mit "missliebigen" Menschen, den Emily mit ihrer Aktion stoppen will. Europas spannungsgeladene Geschichte wird verhandelt, England, Frankreich, Polen, Italien, Deutschland und darüber hinaus: Wie viele Staatenbündnisse brachten verheerende Folgen mit sich? Emily und Harris reihen historische Fakten aneinander, diskutieren, wo eine Provokation eine Gegenwehr oder einen Rachefeldzug hervorrief. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs mündeten die Verletzungen oder gestörten Befindlichkeiten einzelner Nationalstaaten in Europa meistens in Feldzüge. 1944 streiten sich Harris und Emily darüber, ob das immer so sein muss. Es ist aufschlussreich, diesem Schlagabtausch zu folgen und ihn zu interpretieren, zum Beispiel so: Harris hegt Sympathie für Nationen, die sich zur Wehr setzen und so zwangsläufig zu "Tätern" werden. Dagegen zeigt Emily ihre Ablehnung für sämtliche Täter, weil Täter stets neue Opfer hervorbringen. Im Buch vergeht Stunde um Stunde im Schatten von Auschwitz: Wird Emilys "humanitäres Bombardement" gelingen und Harris mit dem Leben davonkommen? Sowohl Emily als auch Harris erweisen sich in ihrem Streitgespräch als ausgezeichnet informiert, bei Emily fragt man sich gelegentlich, wie sie an alle diese Informationen gelangt sein kann. Doch das tritt in den Hintergrund, schließlich ist es ein Buch mit einem fiktiven Diskurs, der sich bis zur höchsten Frage der Moral zuspitzen lässt: Ist der Mensch gut oder böse? Ist Harris nun ein "bad guy"? Oder ist es Emily, weil sie eine Waffe auf ihn richtet, um ihr Ziel zu erreichen? Fazit: "Die Auswerterin" ist mit ihren 125 Seiten kein dickes Buch - es ist beachtlich, wie viele Anknüpfungspunkte für historische und philosophische Betrachtungen man darin findet. Dabei ist es spannend geschrieben und erfreut an vielen Stellen mit überaus präzisen Beschreibungen.

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  • Rezension zu "Die Auswerterin" von Elk Von Lyck

    Die Auswerterin
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. January 2013 um 20:23

    Inhalt Selbst wenn man sich „nur“ in der Schule mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt hat und anschließend eventuell noch ein wenig selbständig weiterdenkt, gelangt man irgendwann zu der Frage, ob die Alliierten von den Konzentrationslagern gewusst haben. Teilweise wird dieses Thema heutzutage auch schon direkt angesprochen. Viele umschiffen allerdings diese Klippe, weil sie mit ja beantwortet werden muss und unweigerlich die Frage darauf folgt, warum sie dann nicht eingegriffen haben. Diese Frage hat auch den Autor Elk von Lyck beschäftigt und er thematisiert diese nun in seinem Buch "Die Auswerterin". Ähnlich wie Hochhuth in seinem Stellvertreter lässt er eine Hauptfigur Fragen stellen, die aus ihrem Innersten herauskommen und mit den oben genannten Gedanken korrespondieren. Wie Riccardo Fontana bei Hochhuth, kann auch Lycks Protagonistin Emily Brown die Augen nicht länger verschließen und entscheidet sich daher zu handeln. Als Auswerterin von Luftbildern hat sie viel Leid gesehen, dass aus ihrer Sicht häufig Unrecht darstellt. Eines Tages entdeckt sie auf einigen Bildern einen größeren Gebäudekomplex, der als Auschwitz identifiziert wird. Das Gesicht eines Jungen, der das Aufklärungsflugzeug wohl für einen Retter hielt, lässt sie nicht mehr los und regt sie zu weiteren Nachforschungen an. Die Erkenntnis, dass in dem Lager Menschen in hoher Zahl umgebracht werden schockiert sie. Natürlich leitete sie diese Information, die sie für eine Neuigkeit hält, an ihren Vorgesetzen weiter. Kurze Zeit später stellt sie aber fest, dass von der britischen Seite nichts gegen die Vernichtung unternommen wird. Daher sieht sie nur noch einen Ausweg: Arthur Harris, der Chef des britischen Bomberkommandos, muss den Befehl zur Zerstörung des Lagers oder zumindest der Zufahrtswege geben. Dies kann sie, die eigentlich jede Form von Gewalt ablehnt, nur mit Waffengewalt erreichen. Struktur des Textes, Sprache und Stil Von Lyck beginnt seine Erzählung mit dem Tag, an dem Emily ihren Plan in die Tat umsetzt. Nur langsam erfolgt für den Leser eine Erklärung für ihre Handlungen. Dies geschieht zunächst über drei Handlungsstränge, die sich alle in irgendeiner Weise im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz überschneiden. Emilys Geschichte bildet hierbei natürlich den Hauptstrang, der auf der einen Seite von den Erzählungen eines Piloten flankiert wird. Dieser ist als Aufklärer tätig und soll eine Fabrik genauer unter die Lupe nehmen. Dabei überfliegt er Auschwitz, welches seine Neugier weckt. Entgegen aller Befehlen überfliegt er das Lager in einer geringen Höhe und macht diverse Bilder, die später von Emily ausgewertet werden müssen. Dabei entdeckt sie auf einer Aufnahme den oben genannten Jungen. Die Geschichte seiner Deportation bildet den dritten Erzählstrang. Nachdem die beiden Nebenerzählungen beendet sind und Emily Harris bereits in ihrer Gewalt hat, entspinnt sich ein Gespräch zwischen den beiden. Dies bildet den wichtigsten Teil des Buches, da beide Figuren immer wieder Rückblenden wiedergeben, ihre eigenen Motive erläutern, aber auch in ein Streitgespräch treten, welches viele moralische Aspekte anspricht und das diskutieren von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen mit sich bringt. Diese thematische Komplexität wird in einer sehr verständlichen Sprache vermittelt, welche schnell einen angenehmen Lesefluss erzeugt. Begriffe, die aus dem militärischen Bereich stammen, werden zudem umfangreich erläutert und lassen eigentlich keine Fragen zurück. Ein häufiges Eintauchen in die Gedankenwelt der Protagonistin führt sogar an einigen Stellen zu einer engen Bindung zwischen dem Leser und der Figur. Man glaubt sie genau zu kennen, und es stellt sich das Gefühl ein, dass man mit ihr verschmilzt und selbst Arthur Harris gegenübersteht. In solchen Momenten wirkt die Informationsflut, die sich über dem Leser ergießt, eher kontraproduktiv. Es steht völlig außer Frage, dass sich der Autor umfangreich mit dem Thema befasst hat. Aber als Leser hat man teilweise den Eindruck, dass er unbedingt alles, was er im Vorfeld durch Recherchen erfahren hat, unbedingt unterbringen möchte. Die Art und Weise wirkt zunächst sehr hölzern, verändert sich aber innerhalb des Werkes positiv. Die Informationsfülle bleibt allerdings bestehen. Und gerade in den Dialogen, in denen Emily und Harris mit Zahlen und Ereignissen um sich werfen, kann dies zu einer Ermüdung des Lesers führen. Nimmt man jedoch etwas Abstand und betrachtet besonders diese Unterhaltung aus einer Art Metaperspektive, erkennt man Bewegungen, die an einen kleinen Tanz erinnern. Harris und Emily wirken wie zwei Teilchen, die trotz einer gewissen Entfernung aufeinander zugehen, sich wieder abstoßen und Eigenbewegungen vollführen. Dieser Reigen wiederholt sich mehrfach auf unterschiedlichen Ebenen. Dabei bleibt Emily stets die Hüterin der Moral, die alles infrage stellt und Veränderungen herbeiführen will. Arthur Harris ist hingegen die Verkörperung von Arroganz und Macht, der Fehler nicht eingestehen will und nur den eigenen Weg als richtig ansieht. Irgendwann trennen sich diese beiden Menschen und der Leser wird recht aufgewühlt und mit einer Menge fremder Gedanken zurückgelassen, die zu einem Überdenken des eigenen Handelns führen. Gesamteindruck Obwohl ich während des Geschichtsstudiums viele der im Buch vorliegenden Fakten kennengelernt habe, hat es mich erneut zum Nachdenken gebracht. Auch weil ich mich mit der Kernaussage, dass eigentlich kein Mensch von Grund auf böse sei, in anderen Bereichen schon länger beschäftige und eine begründete Übertragung der Theorie auf Personen und Ereignisse der nationalsozialistischen Zeit spannend finde. Dieser Übertrag und das hier vorliegende Ergebnis mögen einigen Menschen gewagt erscheinen. Eine Auseinandersetzung mit ihnen ist aber spannend und sinnvoll. Mit jeder gelesenen Seite spürt man, dass der Autor etwas verändern will und uns nicht nur literarisches Vergnügen bereiten möchte. Er möchte zu einem Umdenken bewegen. Dies im Zusammenhang mit der Informationsfülle führt aber zu einem Anspruch, der aus meiner Sicht eine sehr wichtige Kritik ertragen muss. Der historische Hintergrund wird an vielen Stellen angesprochen und es werden Zahlen, Orte und Personen genannt. Der Autor nennt aber keinen einzigen Beleg! Im Nachwort wird zwar erwähnt, dass man relativ schnell im Internet themenbezogene Informationen findet. Das reicht mir persönlich aber nicht aus. Ich denke, dass das Buch schon durch seine inhaltliche Anlage zwingend durch ein Literatur- und Quellenverzeichnis ergänzt werden muss. Ansonsten wirken viele angesprochene Punkte eher hüllenlos und zweifelhaft. Dies in einer Neuauflage zu ergänzen dürfte aber kein Problem sein. Davon abgesehen handelte sich aber insgesamt um eine gut konstruierte Geschichte, die spannend ist und viele interessierte Leser verdient hat, die zum Nachdenken, Weiterforschen und Handeln anregt werden. Wichtiger Hinweis: Demnächst wird es ein Thetaerstück geben, dass auf demselben Stoff basiert.

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  • Rezension zu "Die Auswerterin" von Elk Von Lyck

    Die Auswerterin
    Chimiko

    Chimiko

    13. January 2013 um 13:12

    Das Buch hat drei Handlungsstränge. Der erste und wichtigste ist die Diskussion zwischen Emily und Arthur Harris, den diese mit einer Pistole in Schach hält, bis sie ihr Ziel erreicht hat. Im zweiten Strang fliegt Walker, ein Aufklärungspilot, nach Deutschland, um dort Fotos von Rüstungsfabriken und ähnlichem festzuhalten. Und der dritte Strang ist zugleich auch der traurigste: Es geht um Jacques, der eigentlich Josua hält, und schließlich umgesiedelt werden soll. Viel mehr kann ich nicht über den Inhalt verraten, da sonst die ganze Spannung weg wäre. Die Auswerterin ist ein Buch, das man sowohl in die Kategorie Historischer Roman/historische Novelle als auch philosophischer Text einordnen kann. Es stellt eine interessante Frage: Was wäre, wenn die Alliierten von den KZs gewusst hätten? Oder eher: Wie war ihr Verhalten ob dieses Wissens? Die KZ- und Deportations-Thematik ist hier von einer ganz anderen Seite dargestellt, was ich durchaus interessant finde. Auch die Gedanken, die Emily sich macht und auch Harris' Antworten und eigene Gedanken sind stimmig und schlüssig geschrieben. Ein in sich rundes Buch, das eine schwere Thematik auffasst. Nur am Anfang hatte ich das Gefühl, der Autor brauchte seine Zeit, um sich in die Geschichte hineinzuschreiben. Insbesondere die vielen technischen Beschreibungen waren mir persönlich zu viel. Das Buch konnte mich somit erst später fesseln und in seinen Bann ziehen. Dabei war es gerade Emily, die mich mit ihren Gedanken interessiert und auch gebannt hat. Eine einfache junge englische Frau mit so unglaublich detaillierten philosophischen Gedankengängen? Am Anfang fand ich es unlogisch, dass eine einfache Auswerterin, also von niedrigem Rang, sich solche Gedankenkonstrukte zusammenbaut und auch an solche geheimen militärischen Informationen kommt, die über ihre Arbeit hinausgehen. Jedoch kriegt der Autor es hin, dass sich diese Fragen im Verlauf der Geschichte zum Großteil wieder geben. Leichte Zweifel blieben mir jedoch immer noch. Fazit Wer sich für philosophische Gedankengänge angesichts des immer noch großen Themas zweiter Weltkrieg, KZs und Deportation interessiert, wer sich auch für die Frage nach der Wahrheit und sozusagen zwei Seiten einer Medaille interessiert, der kann hier beruhigt zugreifen. Das kleine Buch birgt interessante Gedankengänge, stimmige Protagonisten und spannende Fragestellungen.

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  • Rezension zu "Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz" von Elk von Lyck

    Die Auswerterin
    Klusi

    Klusi

    30. November 2012 um 23:25

    England 1944. Die Auswerterin Emily Brown begibt sich unter einem Vorwand in das Büro des Oberbefehlshabers der britischen Luftstreitkräfte. Sie hat ein dringendes Anliegen, denn sie möchte erreichen, dass Arthur Harris den Befehl für einen Bombereinsatz ändert. Emily hat bei der Analyse diverser Fotos von Aufklärungsflügen eine Aufnahme von Auschwitz entdeckt. Was sie zuerst für Fabrikschornsteine hielt, entpuppt sich zu ihrem Entsetzen als Krematorium. Emily erkennt, dass hier massenhaft Menschen umgebracht werden, und sie ist der Meinung, man sollte die Bahngleise vor Auschwitz zerstören, um weitere Menschentransporte zum Lager und somit die Massenmorde dort zu verhindern. Als Emily merkt, dass ihr Gesuch bei Harris auf taube Ohren stößt, bedroht sie ihn mit einer Waffe, bis er aus Angst um sein Leben den Befehl zu einer Änderung der Koordinaten gibt. Emily möchte sicher gehen, dass die Order auch wirklich ausgeführt wird und bleibt deshalb bei Harris. In den folgenden Stunden führen sie ein eindringliches Streitgespräch, bei dem jeder vehement seinen Standpunkt zur Lage vertritt. Wieso sträubt sich Harris so sehr, das Lager zu bombardieren? Ganz sicher nicht aus Sorge um die Gefangenen dort. Während des Wartens stellt sich heraus, dass er letztendlich sehr egoistische Beweggründe hat. Wird es Emily gelingen, etwas Entscheidendes zu erreichen? Der intensive Dialog zwischen Emily und Harris nimmt den größten Teil des Buches ein. Dazwischen sind mehrere Szenen eingefügt, die dem Leser die Eindrücke eines Piloten bei seinem Aufklärungsflug vermitteln, und man lernt einen kleinen Jungen kennen, der urplötzlich, zusammen mit der Familie und vielen anderen Menschen, seine Heimat verlassen muss. Nach und nach werden auch die Zusammenhänge klar. Diese weiteren Handlungsstränge erweisen sich als Rückblicke, die zu der speziellen Situation in Harris’ Büro hinführen. Elk von Lycks detaillierten Ausführungen lassen auf sein fundiertes Wissen und eine sehr intensive Recherche schließen. Viele der Fakten, die Emily im Gespräch mit Harris erwähnt, sind durchaus nicht der Fantasie des Autors entsprungen, sondern es handelt sich um belegte Tatsachen, wie ich sehr bald bei eigenen Nachforschungen erkennen konnte. Das fand ich besonders erschreckend, denn wenn man erfährt, was alles den Alliierten bereits bekannt war, fragt man sich, ob nicht durch früheres Eingreifen viele Menschen hätten gerettet werden können. Man kommt ins Grübeln, was wohl die Beweggründe damals waren, offensichtlich hilfreiche oder sinnvolle Aktionen auf die lange Bank zu schieben oder auch ganz zu unterlassen. Je mehr man über die Hintergründe erfährt, die zu den damaligen Verhältnissen geführt haben, umso sinnloser kommt einem dieser grausame Krieg vor. Dabei ist die Geschichte weit entfernt von Schwarz-Weiß-Malerei, denn sowohl Täter als auch Opfer gab es bei allen beteiligten Nationen. Das Buch rüttelt auf, und es ist ein Plädoyer für Toleranz und gegenseitiges Verständnis. Es animiert, nicht alles als gegeben hinzunehmen, sondern die Dinge auch einmal zu hinterfragen. Emilys Sichtweise liefert interessante und wichtige Denkanstöße. Was damals geschehen ist, lässt sich heute nicht mehr ändern, aber man kann neu darüber nachdenken und die Vorgehensweise in Frage stellen. Das Erörtern dieses nach wie vor brisanten Themas ist wichtig, damit wir uns auch heute nicht auf einer vorgefaßten Meinung ausruhen, egal bei welchem Problem. Mutige Menschen wie Emily braucht es zu allen Zeiten, denn sie können die Welt verändern, sei es auch nur in winzigen Etappen, aber viele kleine Schritte führen letztendlich auch zum Ziel.

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  • Rezension zu "Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz" von Elk von Lyck

    Die Auswerterin
    Kendra

    Kendra

    24. November 2012 um 15:26

    Normalerweise ist dieses Genre nicht so sehr meine Kragenweite, dennoch konnte mich das Buch: Die Auswerterin von Elk von Lyck gänzlich meiner vorherrschenden Meinung im Vorfeld umstimmen. Da ich es wirklich extrem authentisch, packend und als sehr tiefsinnig empfinde. Das Buch schaffte es mich sehr nachdenklich zu stimmen und auch noch nach dem Lesen in mir weiterzuklingen. Sicherlich ist dies kein Buch, dass man mal "schnell" lesen kann. Da man sich Zeit für das Buch nehmen sollte, um den teilweisen etwas schwerzufolgenden Erzählungen, die Schilderungen von damaligen Kriegsgeschichten, Friedensverträgen und damaligen Schlachten beinhalten die Aufmerksamkeit beim Lesen benötigen,folgen zu können, damit man sie auch in der Gänze iher Tragweite begreifen kann. Doch diese ungeteilte Aufmerksamkeit lohnt sich vollkommen, denn man ist sehr von der Schreibweise und natürlich dessen Schilderungen gefesselt. Auch wenn das Buch eigentlich nur aus einem großen, fortwährenden Dialog an einem Ort stattfindet, und eigentlich auch nur 2 Menschen der Inhalt der Story ist, so beweist der Autor ein außergewöhnliches Schreibtalent, dass den Leser davon überzeugen kann, dass man nicht sehr viel Drumherum für ein gutes Werk benötigt. Hier ist wirklich weniger mehr! Die erfundene Protagonistin Emily Brown, die damals als Auswerterin der Engländer arbeitet, stellt während ihrer Arbeit etwas grausames fest....Sie erkennt auf den Bildern, dass es in Auschwitz ein Konzentrationslager gibt, indenen Menschen mit dem Zug"umgesiedelt"werden , um dort umgebracht zu werden! Schockiert von dem Massenmord an Menschen und von dem festen Willen durchdrungen, hier etwas zu unternehmen und nicht einfach wegzuschauen , fasst sie bald einen gefährlichen und etwas naiven Plan. Sie überfällt den Oberbefehlshaber der Engländer, Arthur Harris, und fordert von ihm die Umleitung der Fliegerbombenmaschinen zu diesem grauenvollen Stützpunkt der Deutschen. Während sie ihn mit einer Waffe bedroht, versucht sie während ihr Plan umgesetzt wird, ihn von der Richtigkeit ihrer Handlung zu überzeugen und dem Eingreifen der britischen Armee. Doch Arthur hat ganz andere Pläne in diesem Krieg, und versucht im Gegensatz zu ihren Überzeugungen seine Art der "Hilfe" aufzuzeigen und dessen Beweggründe. Und hier startet dann eine Diskussion über Gut und Böse, über Recht und Unrecht und über Moral und Schuld...! Wirklich unglaublich fesselnd, Respekt! Während der Leser sehr viel über politsche und menschliche Ansichten der Politik und deren Kriegsgeschichten erfährt (die mich wirklich faszinierten, da ich wirklich nicht sehr viel davon wusste, wie ich feststellen musste) , erkennt man dass auch die "Guten" einige Fehler damals gemacht haben und vllt. aufgrund dessen Handlungen eine Katastrophe ausgelöst haben. Auch wenn ich Emily, sehr mutig finde und äußerst menschlich, finde ich sie dennoch etwas zu "Gut" und "Naiv", Denn wer bitteschön will jeden Menschen lieben, und seine Feinde erst recht? Nun ja , vllt. ist sie ja eine Heilige :-)) Doch ihre Aussage, dass man keinen Unterschied zwischen Religionen, Herkunft oder Rassen machen sollte, kann ich so nur unterschreiben!! Auch das geschriebene Nachwort vom Autor lässt einen nachdenklich gestimmt zurück. Und hier wird auch noch die grundsätzliche Aussage, der Sinn der Story bestärkt, dass jeder Mensch schwerwiegende und wichtige Entscheidungen treffen kann und somit über Richtig und Falsch entscheiden kann. Wie es so schön von Herrn Lyck zum Ausdruck gebracht wurde: "Was können wir wissen? Und wer wollen wir sein? Ein immer noch schockierendes Thema, dass auch noch heute nicht an dessen Grausamkeit verloren hat, und das in diesem Buch mal ganz anderes aufgegriffen wurde und klasse thematisiert wurde!

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  • Rezension zu "Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz" von Elk von Lyck

    Die Auswerterin
    sternthaler75

    sternthaler75

    25. October 2012 um 10:36

    Emily Brown hat nichts zu verlieren, als sie ihren Plan in die Tat umsetzt. Ihr Plan, das ist die Rettung der Menschen im Konzentrationslager von Auschwitz. Sie hat es entdeckt inmitten der Bilder, die man ihr und einigen anderen zur Auswertung vorgelegt hat. Um an diese Bilder zu kommen, sind britische Piloten über Deutschland unterwegs, um Rüstungsfabriken und ähnliche Objekte zu entdecken und auszumerzen. Und nach ihrer Entdeckung hat Emily sich in den Kopf gesetzt, die Menschen im KZ von Auschwitz zu retten. Um diesen Plan also in die Tat umzusetzen, nimmt sie kurzerhand den obersten Chef des Bomber- Kommandos, Arthur Harris, in ihre Gewalt und zwingt ihn, seinen zunächst geplanten Befehl zu ändern, um die Gleisanlagen zum KZ zu zerstören. Und dann beginnt das Warten... Meine Meinung Elk von Lyck hat hier auf knapp 130 Seiten einen tiefen Einblick hinterlassen, den ich so nicht erwartet hatte. Kriegsgeschichten handeln ja meist aus der Sicht der Betroffenen. Doch diesmal ist das nicht der Fall. Das ist zum Einen Emily. Sie ist eine junge Britin, und hat diese Aufgabe, Bilder auszuwerten. Vor dem Krieg war sie Hausmädchen. trotzdem ist sie sehr wortgewandt und gut informiert über die Geschehnisse um sie herum. Durch eine gute ausgestattete Bibliothek ihrer Herrschaft und regelmässigem Zugang zu Zeitungen bleibt sie so stets auf dem Laufenden. Sie macht einen erstaunlich selbstsicheren Eindruck, manchmal vielleicht etwas naiv. Eine weitere Person ist Jaques. Ein kleiner Junge, der mit seinen Eltern aus Frankreich unterwegs ist in einem Zug mit einem ihnen unbekanntem Ziel. Was für ihn als Abenteuer beginnt, endet ungewiss. Eigentlich heißt er Josua, doch das darf niemand wissen... Und natürlich Arthur Harris. Als Oberbefehlshaber bestimmt er über die Abwurfpunkte nach Auswertung der Fotos, die die Piloten aus ihren Flugzeugen machen. Er und Emily liefern sich während der Wartezeit ein spannendes Wortgefecht. Dabei fällt auf, dass der Autor hier sehr aufwendige Recherchearbeit betrieben haben muss, um all diese Eckdaten einbringen zu können. Ich gestehe, dass mir viele Informationen gänzlich unbekannt waren. Von Lyck hat das ganze recht sachlich geschrieben und es trotzdem geschafft, Spannung einzubauen, die bis zum Schluss aufrecht gehalten wird. Es ist vielleicht etwas weit hergeholt, dass eine kleine Arbeiterin es schafft, sich gegen einen Oberbefehlshaber zu stellen, aber genau das ist es. Unterm Strich Das Geschehene kann niemand rückgängig machen. Aber man kann sich einmischen, und nicht abwarten oder sich abwenden. Trau Dich!

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