Heine (1797-1856) veröffentlichte dieses Reisebild-Epos, das sich in drei Abteilungen gliedert, in zwei Teilen. Die erste Abteilung, 1825 geschrieben, erschien 1826 im ersten Teil der "Reisebilder", zusammen mit "Die Harzreise" und die zweite und dritte Abteilung, die 1826 entstanden sind, 1827 in "Reisebilder. Zweiter Teil".
Auf dem ersten Blick erscheint "Die Nordsee" als eine Wiedergabe von Reisewahrnehmungen und daraus resultierenden Gefühlen des lyrischen und epischen Ichs. Aber eben nur auf den ersten Blick. Es steckt weit mehr in dieser Heine-Dichtung. Die dargebotenen Naturbeschreibungen stehen dabei neben den Reise-Geschehnisdarstellungen und den sagenumwobenen Gedanken sowie Anekdoten als Metaphern, Allegorien und Vergleiche für die deutschen Verhältnisse jener Zeit der Restauration nach dem Wiener Kongress 1815. Heine nutzt diese sprachlichen Mittel, um so dem Rotstift der preußischen Zensur ein Schnippchen zu schlagen und seine Gedanken so unter das Volk zu bringen. Als Dichter des "jungen Deutschland" und einer der progressivsten Autoren des Vormärz sind diese Gedanken natürlich revolutionär geprägt und richten sich gegen den deutschen Kleingeist und die altfeudalen Strukturen im zersplitterten Deutschland, was den Herrschenden natürlich nicht in ihr Konzept passte.
Interessant ist auch der äußere Aufbau dieses Werkes, dessen Lektüre ich unbedingt empfehlen kann. Während die erste und zweite Abteilung als Gedichtzyklen gestaltet sind, ist die dritte Abteilung ein Prosatext in Essayform. Den Abschluss dieser Dichtung bilden dann noch einmal Verse über die "poetische Literatur" und wie sie vom Poeten genutzt wird resp. genutzt werden könnte.
Rezension zu "Die Nordsee" von Heinrich Heine


