Elke-Marisa Leiverkus Dunkle Erinnerungen

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Inhaltsangabe zu „Dunkle Erinnerungen“ von Elke-Marisa Leiverkus

Der Blick des Mädchens war voller Ekel und ungezähmtem Hass. Sie musterte die heruntergekommene Gestalt, die sich in die Toreinfahrt zum Mädchengymnasium drückte. „Was willst du wieder hier, du Penner? Verzieh dich!“ Das Mädchen durchstach ihn mit seinem Blick, schnippte ihm eine Zigarette vor die Füße, warf die Haare zurück und überließ die heruntergekommene Gestalt wieder ihrer Einsamkeit.
Der Mann mit den langen, ungepflegten Haaren und den zusammengepressten Lippen sah ihr nach. Er biss sich auf die Lippe. „Das wirst du noch bereuen, Miststück!” Er fingerte nach der Kippe, hob sie auf und steckte sie in einen kleinen Plastikbeutel zu den anderen. Ein tiefer Schluck und ein leerer Flachmann wanderte in die Jackentasche. Mit hasserfülltem Blick stierte er auf das Treiben auf dem Schulhof. Mädchen standen in Gruppen beieinander und lachten über irgendetwas, das er nicht verstand.
Ja, er kannte sie alle, hatte sie tagtäglich über Jahre hinweg studieren können. Anfangs waren sie noch berechenbar. Waren mit ihren Sorgen und Fragen zu ihm gekommen. Dann wurden sie älter und sahen ihn mit anderen Augen an. Er war ein gutaussehender Mann. Das blieb den pubertierenden Mädchen nicht verborgen. Und er hatte die Schlüssel zu guten Noten in seinen Händen. Das konnte man verbinden, dachten sich die beiden Hübschesten von ihnen. Kurz vor den Bewertungen für die Zeugnisse wurden die Röcke immer kürzer, die Lippen roter, und die Blicke verlockender. Als Tina ein „unzureichend“ in Englisch in ihrem Zeugnis stehen hatte, beschloss sie voller Wut und mit Hass im Herzen, dass es jetzt an der Zeit war, ihren Lehrer in die Mangel zu nehmen. Er hatte in all den Jahren, in denen sie sich fast täglich in der Schule sahen, nicht einmal auf ihre Anmache reagiert. Hatte sie nur belustigt und sogar mitleidig angesehen .Das reichte! Mit ihrer Freundin Jenny hatte sie es ihm heimgezahlt. Die beiden hatten weinend mit der Schulleitung gesprochen und zitternd erzählt, er, dieses Untier, habe mehrmals versucht, sie anzufassen. Das war sein Ende – sein seelischer Tod – Er hatte nichts mehr – alles war verloren. Für immer …

Zwei Jahre lang hatte er Tag für Tag gegenüber der Schule gestanden und überlegt, wie er sich rächen konnte.

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