Elke Worg Irgendwie kriegen wir das schon hin …

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Inhaltsangabe zu „Irgendwie kriegen wir das schon hin …“ von Elke Worg

Wer will das nicht: Die eigenen Eltern pflegen und gleichzeitig den Anforderungen des modernen Familien- und Berufslebens gerecht werden. Doch nur wenigen Menschen gelingt das. Da kann es schon vorkommen, dass Partnerschaften zerbrechen, die Kinder zu kurz kommen, finanzielle Probleme auftauchen, Streit unter Geschwistern entsteht, die eigene Berufskarriere leidet und Lebensentwürfe scheitern. Elke Worg hat mit vielen Betroffenen gesprochen. In ihrem Buch kommen Menschen zu Wort, die sich der Herausforderung gestellt haben und am Ende sagen konnten: Es war schwierig, aber irgendwie haben wir es geschafft. Und wir haben dabei sogar bereichernde Erfahrungen gemacht. Ein Buch, das kein Tabu verschweigt, keine Patentrezepte verspricht und dennoch Zuversicht verbreitet und Mut macht.

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  • „Voller Empathie, nah an den alltäglichen Problemen“ (Henning Scherf im Vorwort)

    Irgendwie kriegen wir das schon hin …

    WinfriedStanzick

    19. March 2013 um 14:31

    Das vorliegende Buch der Hörfunkjournalistin Elke Worg, die als Tochter einer pflegebedürftigen Mutter genau weiß, worum es bei diesem Thema geht, ist „voller Empathie, nah an den alltäglichen Problemen“, wie der ehemalige Politiker Henning Scherf in seinem Vorwort schreibt. Er hat gerade in einem anderen Buch mit dem Titel „Altersreise“ die drängenden Fragen formuliert, vor denen sich unsere Gesellschaft und ihre Individuen gestellt sehen: Wie wollen wir alt sein? Und wie können wir würdig altern? Nicht weggesperrt in Heime, sondern zusammen mit anderen, mitten in der Gesellschaft?   Im vorliegenden Buch von Elke Worg kommen betroffene Familienangehörige zu Wort, die sich entschlossen haben, ihre Verwandten nicht in eine Pflegeeinrichtung zu geben, sondern ihnen einen Lebensabend und ein würdiges Sterben zu Hause zu ermöglichen. So schön sich das anhören mag, so edel das klingt, wer eine solche Entscheidung trifft, der muss sich darüber klar sein, dass es sein Leben verändert.   Die vielen persönlichen Zeugnisse, die von Hoffnungen und Enttäuschungen, von Höhen und Tiefen erzählen, vermitteln aber den Eindruck, dass es sich für die meisten Menschen als eine wichtige und für ihr Leben wertvolle Entscheidung herausstellt. Eine gemeinsam geschenkte Zeit mit der Mutter oder dem Vater, die sich bei vielen zur intensivsten und authentischsten des ganzen Lebens entwickelt. Es setzt aber die Fähigkeit voraus, über die eigene Endlichkeit, das Sterben und Tod reden zu können, bzw. es zu lernen. Menschen, die das aus welchem Grunde auch immer verdrängen, werden bei der Pflege von Angehörigen wohl keine guten Erfahrungen für sich selbst machen. Denn, so schreibt Elke Worg: „Das Alter bricht nicht plötzlich und unerwartet über uns herein. Es überrumpelt niemanden. Das Alter ist bereits da. Mit jeder Stunde, von Tag zu Tag altern wir. Doch Altern ist weder eine Aneinanderreihung von Lebensjahren, noch lässt es sich auf de Abnahme von Fähigkeiten und Fertigkeiten reduzieren. Altern heißt, sich zu entwickeln und zu reifen. Wir können das Alter erleiden oder erleben. Letzteres ist wohl die klügere Variante. Sie setzt allerdings voraus, dass wir auch im Alter noch einen Sinn erkennen können.“   Wie schwierig das alles im Falle einer Demenz eines Angehörigen wird, hat gerade Martina Rosenberg in einem erschütternden Bericht unter den provozierenden Titel „Mutter, wann stirbst du endlich?“ veröffentlicht.   Reimer Gronemeyer sagt dazu in seinem neuen Buch „Das vierte Lebensalter“, es gehe darum, Menschen mit Demenz gastfreundlich aufzunehmen und sie nicht zu behandeln wie Aussätzige. „Wir brauchen Nachbarschaftlichkeit, Freundlichkeit, Wärme“. Und: „Ein Ausweg aus dem Demenzdilemma muss künftig eher in der Konstruktion einer gastfreundlichen Lebenswelt als in der Perfektionierung spezialisierter Versorgung gesucht werden.“   Demenz als Rückseite einer vom Beschleunigungsprozess zerfetzten Gesellschaft zu begreifen, dazu will Gronemeyer in seinem Buch beitragen, das radikaler ist, als es auf den ersten Blick scheint. Demente Menschen, so sagt er, kratzen an unserem moderne Bild von Persönlichkeit, vom Ich, von Individualität, und er gibt eine Zusammenfassung seines Verständnisses von Demenz, die mir sehr schmerzhaft einleuchtet:   „Ich verstehe die Demenz als Zeichen für einen radikalen kulturellen Bruch mit der Vergangenheit. Vor allem sind uns unsere Ahnen vollkommen gleichgültig geworden. Unsere Toten sind nicht mehr gegenwärtig, die Welle der Anonymisierung in der Friedhofskultur ist ein deutliches Anzeichen dafür. Sie sind nicht mehr unter uns. Und ich kann nicht glauben, dass das Phänomen Demenz abzulösen ist von dieser radikalen Erinnerungslosigkeit an das, was zu uns gehört. Vielleicht ist das eine weitere Mitteilung, die Menschen mit Demenz uns machen: Sie wissen, dass sie sofort vergessen sein werden, wenn sie tot sind. Und deshalb vergessen sie uns, die gesund Lebenden, bevor wir sie vergessen.“   Alle vier erwähnten Bücher ergeben zusammen ein Bild davon, wie unsere Gesellschaft sich verändern muss, wollen wir dem Alter menschlich und mit Würde begegnen. Zuerst wahrscheinlich dem unserer Eltern und Großeltern, irgendwann aber auch unserem eigenen.  

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