Ella Cara Deloria

 4,6 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Waterlily.

Lebenslauf von Ella Cara Deloria

Ella Cara Deloria (1889-1971) war eine Yankton-Dakota. Ihr Großvater Francis Deloria (Saswe) war ein berühmter Medizinmann und Häuptling, ihr Vater der Missionar Philip Deloria. Sie wuchs im Spannungsfeld zwischen indianischer Tradition und »weißer« Kultur auf. Sie studierte u. a. an der Columbia University in New York, wo der berühmte Ethnologe Franz Boas (1858-1942) auf sie aufmerksam wurde. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Lehrerin an verschiedenen Indianerschulen. Im Jahr 1927 begann sie, für Franz Boas zu arbeiten. Ab 1928 betrieb sie etwa zehn Jahre lang intensive Feldforschung als Ethnologin bei verschiedenen Stammesgruppen der Lakota, Dakota und Cheyenne. Neben wissenschaftlichen Aufsätzen veröffentlichte sie eine zweisprachige Sammlung von Dakota-Geschichten und eine größere Abhandlung über die Kultur der Dakota. Das Manuskript von »Waterlily« verfasste sie in den 1940er Jahren. Der Roman wurde erstmals im Jahr 1988 veröffentlicht und gilt seither als eines der bedeutendsten Werke über die Welt der alten Sioux.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ella Cara Deloria

Cover des Buches Waterlily (ISBN: 9783957840325)

Waterlily

 (16)
Erschienen am 01.12.2020

Neue Rezensionen zu Ella Cara Deloria

Cover des Buches Waterlily (ISBN: 9783957840325)karatekadds avatar

Rezension zu "Waterlily" von Ella Cara Deloria

Authentisch - "Indianisch"
karatekaddvor 11 Tagen

Lange Zeit waren es fast ausschließlich Romane, historische Romane, die ich über „Indianer“ las, über die indigenen Völker vor allem Nordamerikas. Erst in den letzten Jahren wurde ich, nicht zuletzt durch inspiriert durch die Veröffentlichungen des Palisander Verlages, auf neuere Werke, Veröffentlichungen, aufmerksam, wiederum Romane aber auch Sachbücher. Vermehrt las ich Bücher, die von Angehörigen der Völker selbst verfasst wurden, von diesen schrieb ich bereits auf dem Blog. Dabei waren die Biografie über Sitting Bull von Ernie la Pointe, die gesammelten Märchen und Geschichten in Roter Vogel erzählt von Zitkala-Ša oder das Buch Das Wunder vom Little Bighorn von John Oute Sica.
Wieder liegt ein Roman vor mir. Die Autorin von Waterlily, Ella Cara Deloria (1889 – 1971), Anpetu Waste-win (Schöner-Tag-Frau), ist vermutlich eine „Ausnahme-Indianerin“, ebenso wie Gertrude Simmons Bonnin – Zitkala-Ša (1876 - 1938). Diese Bemerkung beruht allein darauf, dass beide Dakota – Indianerinnen die „angebotene“ Schulbildung nutzten und als Erwachsene Schriftstellerinnen wurden.

Waterlily. Die Geschichte einer Dakota / Lakota Frau und eigentlich deren Mutter Blue Bird. Blue Bird verlor ihre Eltern und Brüder durch einen Überfall während eines Jagdausfluges, gemeinsam mit ihrer Großmutter wurde sie in einer anderen Stammesgruppe aufgenommen, heiratete und gebar Waterlily (Mni Hčahča-win). Blue Bird wird von ihrem Mann verstoßen. Besucher im Dorf erkennen sie als Verwandte und sie kehrt mit Großmutter und Tochter zu ihrer alten Stammesgruppe zurück. Waterlily wächst nun hier im Kreise einer großen Familie auf.
Im letzten Teil des Romans ist dann nur kurz von weißen Männern die Rede. Durch infizierte Decken und Kleidung, deren starke Farben den Menschen sehr gefallen, sterben viele. Es wird beschlossen, die Überlebenden zu isolieren, das heißt, sie sollen in kleinen Gruppen die Stammesgruppe verlassen.

Auf einem Sonnentanzfest bewundert sie einst einen Krieger, dem sie, nach den Strapazen der Zeremonie erschöpft, Wasser reicht. Durch Zufall wird dieser später ihr Mann, erfährt aber nicht, dass sie das Mädchen auf dem Fest war.

Indianer einmal anders und doch nicht. Es ist ein „Dakota-Frauen-Roman“. Eine Dakota schreibt vor allem über das Zusammenleben, von Traditionen, Zeremonien, Glauben. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern und vor allem das zu den Kindern steht im Mittelpunkt des Romans. Ebenso gilt das für die Rolle der Familie, meist Großfamilien (tiyospaye), die innerhalb einer Zeltgruppe / Stammesgruppe wohnen.

Die Regeln des Zusammenlebens im 19. Jahrhundert zeigen deutlich, dass wir es mit einer mehr entwickelten zivilisatorischen Gesellschaft zu tun hatten, als es die lange noch verbreiteten Klischees vom „edlem Wilden“ annehmen lassen würden, auch wenn diese vom Staat, dem Staatsvolk und dem Staatsgebiet nichts wussten. Die Rolle der Frauen würden wir heute als überholt, die der Kindererziehung vielleicht als vorbildlich ansehen. Besonders deutlich wird uns eine Art Solidarpakt vorgestellt, wenn die Teilung von Jagdbeute, die Lagerung von Nahrungsmitteln für Familien und die Unterstützung, wenn die Männer als Jäger und Krieger fielen oder starben. Die Selbstverständlichkeit der Aufnahme auch nicht unmittelbar Verwandter in das tiyospaye oder gar Alleinstehender, das „Verwandte machen“.

So ist das Buch kein „Abenteuerroman“, als den man frühere Bücher über die indigenen Völker angesehen hätte, Krieg und Kampf stehen nicht im Vordergrund. Die Geschichte von Blue Bird und Waterlily ist jedoch gleichermaßen spannungsreich und vor allem äußerst informativ, packend und bewegend.

Ella Cara Deloria, deren Geschichte der Übersetzer im Anhang größeren Raum einräumt, war eine Yankton-Dakota, der Großvater mütterlicherseits war ein US-General. Sie wuchs unter Lakota auf Standing Rock auf und sprach beide Dialekte. Deloria hatte das Glück, dass sie in der Schule auf eine verständnisvolle Lehrerin traf. Später selber Lehrerin erzählt sie von „glücklichen, eifrigen Kindern, aufmerksam gegenüber jedem Gegenstand, in den sie eingeführt wurden“, und gründlichem Unterricht. Selbstverständlich ist dies am Ende des 19. Jahrhunderts nicht. Die Methoden gegenüber den Indianerkindern in Internaten wie der Carlisle Industrial School, wo ihnen ihre Muttersprache verboten wurde und man den „Indianer in ihnen töten wollte um Amerikaner aus ihnen zu machen“, waren vorherrschend.
Und doch, die bereits oben erwähnte Schriftstellerin Zitkala-Ša lernte und lehrte später auf einer solchen Schule. Ella Deloria erwarb auch einen Hochschulabschluss und veröffentlichte zu Geschichte, Traditionen und Sprachen der Lakota und Dakota. Waterlily allerdings konnte sie zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen.

Es gibt gerade aus den letzten 20 Jahren eine Menge guter Bücher über die indigenen Völker Nordamerikas, für mich stechen Ella Cara Deloria mit WATERLILY und Gertrude Simmons Bonnin –Zitkala-Ša mit ROTER VOGEL ERZÄHLT (Rezension) heraus, weil es indianische Autoren besonderer amerikanischer Literatur sind. Ebenso gilt dies für John Okute Sica und sein Buch DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN

Diese hat der Palisander – Verlag und dessen Verleger und Übersetzer Frank Elstner versammelt und damit allen interessierten Leserinnen und Lesern die Möglichkeit geschaffen, die geliebten Romane, zum Beispiel von Liselotte Welskopf-Henrich, auf deren Hintergrund zu „überprüfen“. Ich staune immer wieder, welches Grundwissen Liselotte Welskopf-Henrich in ihren Romanzyklen DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN offenbarte, denn vieles erklärt nun im Detail Waterlily.

Das Buch beinhaltet ein Nachwort zur Autorin und Textauszüge aus Roter Vogel erzählt sowie einen Auszug aus Erik Lorenz Die Geschichte des Sitting Bull.

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Cover des Buches Waterlily (ISBN: 9783957840325)Arwen10s avatar

Rezension zu "Waterlily" von Ella Cara Deloria

Ein authentischer Roman aus der Welt der Dakota
Arwen10vor 2 Monaten

Schon immer habe ich mich für das Leben der Natives interessiert. Viel zu lange habe ich nicht mehr daran gedacht. So bin ich froh, durch diesen Roman wieder daran erinnert zu werden. Es ist eines der dunkelsten Punkte in der Geschichte Amerikas und leider heute nicht weniger schlimm. Wenn man nun die denkt, die Menschen hätten aus der Vergangenheit gelernt, muss man feststellen, dass auch heute den Natives weiter Unrecht getan wird.

Waterlily ist der Roman einer Dakotafrau, die schon in einem Reservat zur Welt kam. Sie greift für dieses Buch auf Quellen zurück, die alle authentisch sind. Teilweise konnten diese Zeugen ihr noch von dem Leben in freier Prärie erzählen. Der Roman erzählt auf der einen Seite eine fiktive Geschichte und ist auf der anderen Seite ein historisches Zeugnis aus dem Leben der Natives. Wer noch tieferes Interesse hat, wird sich nun in andere Quellen vertiefen, um noch mehr zu erfahren.

Mir hat dieser Roman außerordentlich gut gefallen. Der Schreibstil ist sehr ruhig, fast beschreibend, passt aber ausgezeichnet zur Geschichte, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Geschichte von Waterlily ist. Waterlily steht für die Frauen der Natives, die mit diesem Buch ihre eigene Geschichte erhalten. Oft stehen ja berühmte Krieger im Vordergrund. Dieser Roman beleuchtet ein wenig das Leben der Frauen.

So mancher Leser dürfte erstaunt sein, was er hier über die Kultur der Natives erfährt. Ihr Umgang mit Kindern z.B. ist ganz besonders. Da könnten wir noch manches von lernen. So oder so zeigt auch dieses Buch , dass die Natives keineswegs die Wilden und Grausamen waren, als die sie oft hingestellt werden. Es ging eine Kultur verloren, die heute nur noch ein Abklatsch von früher sein kann. Zumal die Natives ihre komplette Lebensgrundlage verloren haben. In Waterlily gibt es einen kleinen Einblick, wie das Leben der Natives einmal gewesen ist, frei und mit Respekt vor der Natur und den Mitmenschen.

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Cover des Buches Waterlily (ISBN: 9783957840325)Luise_Kenners avatar

Rezension zu "Waterlily" von Ella Cara Deloria

Nicht urteilen, nur auf sich wirken lassen
Luise_Kennervor 3 Monaten

Inhalt:

Ella Cara Deloria (1889-1971) war eine Dakota-Indianerin, die als Ethnologin Feldforschung in ihrem eigenen Stamm betrieb. Sie hatte somit die Möglichkeit, Indianer, die das freie Leben auf der Prärie noch kannten, in ihrer Muttersprache zu befragen und sich detailliert aus erster Hand Auskunft über sämtliche Aspekte des Lebens der Dakota/Lakota in der Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts geben zu lassen. Die Quintessenz ihrer Forschungen hat sie in ihren Roman »Waterlily« einfließen lassen, der auf lebendige und fesselnde Weise das Leben von Waterlily, einer jungen Dakota, und deren Familie, schildert. Dabei wird der Alltag im tiyošpaye, dem Verbund eng miteinander verwandter Familien innerhalb eines Zeltdorfes, ebenso in seiner ganzen Vielfalt geschildert wie Zeremonien (Hunka, Sonnentanz, …), die Jagd, Abenteuer von Kindern und Jugendlichen, Kämpfe mit feindlichen Stämmen, Begegnungen mit Weißen, …

Meinung:

Was für ein außergewöhnliches Buch! Mir hat "Waterlily" sehr gut gefallen, denn ich wurde in eine Welt entführt, von der ich bisher kaum etwas gehört oder gelesen hatte. Der Roman transportiert sehr viele spannende Fakten rund um die Dakota. All diese Informationen wurden als Rahmen eine kleine Geschichte gegeben, und das merkt man sehr stark.

Es geht in diesem Buch nicht um die Protagonistin oder um einen spannenden Handlungsstrang, sondern um die Kultur der Dakota Indianer. Am Anfang viel es mir deswegen ein wenig schwer, in das Buch reinzukommen denn es fehlt sehr an Emotionalität und Protagonistin, mit denen man sich identifizieren kann. Dadurch musste ich mich immer wieder ein wenig "zwingen" das Buch zu lesen, weil es wirklich eher lehrreich als spannend ist und streckenweise ein paar kleine Längen hat. 

Aber es wird hier wirklich sehr ausführlich über eine Kultur erzählt, mit der sich wohl die wenigsten mal beschäftigt haben. Ich würde es beim Lesen sehr empfehlen, nicht zu urteilen, sondern den Roman einfach auf sich wirken zu lassen. 

Vielen Dinge kann man nicht mit unserem heutigen Leben & Denken gleichsetzen und ich persönlich möchte mir vor allem nicht herausnehmen, über ein Themengebiet zu urteilen, welches mir so fremd ist.

Fazit:

Ein sehr spannendes Buch über die Gebräuche & das Leben der Dakota, aber für mich eher ein Sachbuch mit einer kleinen Erzählung als ein Roman. 

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Gespräche aus der Community

"Waterlily" ist eine in der Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelte Dakota-Familiensaga. Das Leben der freien Prärieinindianer wird hier in all seiner Vielfalt und absolut authentisch dargestellt - jenseits aller Indianer-Romantik. Die Autorin, selbst eine Dakota-Indianerin, konnte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch persönlich Zeitzeugen in deren Muttersprache befragen.  

Wir freuen uns auf interessante Beiträge zum Text von "Waterlily". Insbesondere interessiert uns Ihr Eindruck von der literarischen Qualität des Textes, ob der Text Ihr "Indianerbild" verändert hat, aber auch, ob das Nachwort Ihnen einen guten Eindruck von der Autorin (siehe Foto) und der Entstehungsgeschichte des Buches vermittelt.

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