Ich muss sagen, dass ich mit diesem Buch etwas zwiegespalten zurückbleibe. Nach den vielen positiven Stimmen hatte ich mich wirklich auf die Geschichte gefreut, vor allem weil sie als Romance Suspense beworben wird. Leider konnte mich das Buch am Ende nicht so überzeugen, wie ich es mir erhofft hatte.
Der Schreibstil hat bei mir einen etwas wechselhaften Eindruck hinterlassen. Während mich der Prolog direkt überzeugen konnte und sehr atmosphärisch geschrieben war, hatte ich auf den ersten rund 100 Seiten immer wieder Schwierigkeiten. Besonders in den Dialogen war für mich nicht immer klar, wer gerade spricht, wodurch einige Szenen unnötig verwirrend wirkten. Mit der Zeit wurde das allerdings deutlich besser und ich kam wesentlich flüssiger durch die Geschichte. Zudem gab es immer wieder einzelne Formulierungen, die mir positiv aufgefallen sind. Die Autorin nutzt gelegentlich eine fast poetische Sprache, um Gefühle oder Situationen zu beschreiben. Diese Momente sind zwar eher selten, bleiben aber im Gedächtnis und haben gezeigt, dass im Schreibstil durchaus Potenzial steckt.
Besonders gefallen haben mir das Setting und die Atmosphäre. Der Newport Bay Club mit seinem Strandfeeling, den exklusiven Mitgliedern und der High-Society-Komponente hebt sich angenehm von vielen anderen Romance-Geschichten ab. Auch Hazels Alltag im Club sowie das Zusammenleben mit ihren Freunden und Arbeitskollegen in der WG haben mir gut gefallen. Gerade diese eher alltäglichen Szenen waren für mich oft die stärksten Momente des Buches. Die Dynamik innerhalb der WG wirkte authentisch und Figuren wie Blake waren für mich teilweise sogar interessanter als die eigentlichen Hauptfiguren.
Positiv hervorheben möchte ich außerdem die Erzählweise mit den zwei Perspektiven. Das Buch zeigt für mich sehr gut, dass eine Dual-PoV-Geschichte trotzdem Geheimnisse bewahren kann. Obwohl man auch Einblicke in Carters Gedanken bekommt, werden längst nicht alle Karten auf den Tisch gelegt, was gerade am Anfang durchaus Neugier weckt. Gleichzeitig hatte diese Erzählweise für mich aber auch einen Nachteil. Vor allem im ersten Teil des Buches bekommen wir vergleichsweise wenig von Carter zu sehen. Das sorgt zwar für ein gewisses Mysterium, hat aber auch dazu geführt, dass ich nur schwer eine emotionale Verbindung zu den Figuren aufbauen konnte.
Mein größtes Problem war letztendlich jedoch die Handlung und insbesondere der Suspense-Anteil. Das Buch wird als Romance Suspense vermarktet, für mich lag der Fokus jedoch fast ausschließlich auf der Romance. Über einen sehr großen Teil der Geschichte entwickelt sich die Handlung nur langsam weiter und die Spannungselemente spielen lange Zeit kaum eine Rolle. Erst in den letzten etwa 100 bis 130 Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Hier passiert endlich mehr, offene Fragen werden interessanter und ich wollte tatsächlich wissen, wie sich bestimmte Dinge entwickeln. Diese Abschnitte haben mich deutlich besser unterhalten als große Teile des Buches davor. Leider kam dieser Umschwung für meinen Geschmack einfach zu spät.
Auch die Liebesgeschichte zwischen Hazel und Carter konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Das Knistern, das die Geschichte vermitteln wollte, kam bei mir nicht an. Viele ihrer Schlagabtausche wirkten auf mich eher gewollt als natürlich und häufig hatte ich das Gefühl, dass Konflikte oder Spannungen entstehen, weil die Handlung sie gerade braucht, nicht weil sie sich natürlich durch die Figuren ergeben. Dadurch blieb die Beziehung für mich über weite Strecken erstaunlich oberflächlich. Besonders schwierig fand ich dabei die Darstellung von Carter. Schon früh gibt es Passagen aus seiner Perspektive, die sehr stark sexualisiert sind. Statt dadurch mehr Interesse an ihm zu entwickeln, hat mich das eher auf Distanz gebracht. Seine Gedanken wirkten für mich deshalb oft nicht stimmig mit der Situation. Hinzu kommt, dass die körperliche Anziehung zwischen Hazel und Carter sehr stark im Vordergrund steht. Immer wieder wird betont, wie sehr die beiden sich zueinander hingezogen fühlen und was zwischen ihnen beinahe passiert wäre. Für mich wirkte das jedoch häufig übertrieben und wenig authentisch. Auch mit den Spice-Szenen wurde ich deshalb nicht wirklich warm. Weder die Wortwahl noch die Platzierung dieser Szenen konnten mich überzeugen. Oft hatte ich eher das Gefühl, dass sie den Lesefluss unterbrechen, anstatt die Beziehung der Figuren sinnvoll weiterzuentwickeln.
Umso mehr ist mir eine Szene gegen Ende des Buches im Gedächtnis geblieben. Dort hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass Hazel und Carter tatsächlich miteinander reden, sich öffnen und eine echte Verbindung entsteht. Genau solche Momente hätte ich mir viel häufiger gewünscht. Für mich war das eine der stärksten Szenen und leider kürzesten Szenen des gesamten Buches und hat gezeigt, welches Potenzial eigentlich in der Dynamik steckt.
Leider konnte mich auch das Ende nicht vollständig überzeugen. Einige Entwicklungen wirkten auf mich nicht ganz logisch und bestimmte Entscheidungen der Figuren konnte ich nur schwer nachvollziehen. Dadurch fühlte sich manches erneut etwas konstruiert an. Der Cliffhanger hat in mir deshalb auch nicht die gewünschte Neugierde ausgelöst und ich werde die Reihe nicht weiterlesen.
Fazit
Newport Bay Club von Elle Ellis ist für mich eines dieser Bücher, bei denen ich die guten Ansätze klar erkennen kann. Das Setting macht Spaß, die Atmosphäre stimmt und gegen Ende zeigt die Geschichte stellenweise, was sie eigentlich hätte sein können. Besonders die schleppende Handlung und die für mich wenig authentische Dynamik zwischen Hazel und Carter haben dafür gesorgt, dass ich emotional nie richtig in der Geschichte angekommen bin.
Deshalb bleibt am Ende eine teilweise unterhaltsame, aber insgesamt eher durchschnittliche Leseerfahrung, die mich nicht neugierig genug auf Band zwei machen konnte.





























