Ellen Hodgson Brown

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Der Dollar Crash, Web of Debt und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ellen Hodgson Brown

Ellen Hodgson BrownDer Dollar Crash
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Der Dollar Crash
Der Dollar Crash
 (2)
Erschienen am 04.08.2008
Ellen Hodgson BrownWeb of Debt
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Web of Debt
Web of Debt
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Erschienen am 10.03.2010
Ellen Hodgson BrownHealing Joint Pain Naturally
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Healing Joint Pain Naturally
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Erschienen am 12.06.2001
Ellen Hodgson BrownThe Web of Debt
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The Web of Debt
The Web of Debt
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Erschienen am 09.03.2009

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Rezension zu "Der Dollar Crash" von Ellen Hodgson Brown

Leiht sich der Staat das Geld zur Rettung der Banken von den Banken?
R_Mantheyvor 3 Jahren

Unser Bildungssystem hat uns gut auf das wahre Leben vorbereitet. Deshalb wissen die meisten von uns noch nicht einmal in Ansätzen, wie eine Volkswirtschaft oder auch nur ein Einzelunternehmen wirklich funktioniert. Ganz zu schweigen von der Geldtheorie. Ist das nicht merkwürdig, wo doch Geld eine zentrale Rolle in unserem Leben spielt? Die Autorin versucht mit diesem Buch Licht ins Dunkel des amerikanischen Währungssystems zu bringen und zu erklären, warum wir gerade jetzt wegen diesem System am Rande einer ökonomischen Katastrophe stehen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in den USA eine heftige politische Auseinandersetzung darüber, wer den Dollar in Umlauf bringen soll: der Staat selbst oder eine private Zentralbank. Mit dem "Federal Reserve Act" von 1913 wurde diese Frage gegen den Staat entschieden. Vielen der damaligen Politiker war entweder nicht bewusst, was sie taten oder aber sie halfen aktiv bei der Täuschung mit. Die Fed ist weder eine Bundesbehörde (also Federal), noch besitzt sie Reserven. Sie gehört den großen amerikanischen Privatbanken.

Leider wird das Fed-System im Buch nicht besonders gut erläutert. Die Autorin erklärt, dass der Staat sich von der privaten Fed Geld gegen einen Schuldschein leiht. Dieses Geld wird einfach erfunden ("geschöpft"). In dem Augenblick jedoch, wo die Fed ihr erfundenes Papiergeld dem Staat einbucht, gehört es zur Geldmenge M3. Die Schuldscheine dafür zählen als Einlage und können deshalb als Geld von den Eignern der Fed oder anderen Banken nun wieder mehrfach für Zinsen verliehen werden. Entscheidend dabei ist, dass immer nur ein Zehntel der Einlagen wirklich physisch als Mindestreserve bei den Banken vorhanden sein muss. Somit kann man dasselbe Geld theoretisch bis zu neun Mal im System verleihen. Bei jedem Verleih schöpfen die Banken aber erneut Geld, denn jeder Kredit wird der Geldmenge M3 hinzugefügt. Praktisch sieht man das daran, dass etwa neun bis zehn Mal soviel Geld in der Geldmenge M3 liegt, wie Schuldscheine bei der Fed vorhanden sind.

Dieses mehrfache Verleihen von Phantomgeld führt zu einer gewaltigen Aufblähung der Dollar-Geldmenge M3, die von der Fed seit 2005 nicht mehr veröffentlicht wird. Da Geld immer nur gegen Schuldscheine geschöpft wird, fehlt im System das Geld für die Zinsen. Dadurch entstehen immer neue Schulden. Ein geniales System, jedenfalls für die Banken. Da nicht mehr genug sinnvolle Anlagemöglichkeiten für die Dollarblase existierten, wurden auch hochriskante Kredite vergeben, zur Tarnung mit guten vermischt und als "strukturierte Produkte" wie ein tödlicher Virus über die Welt verteilt. Die Folgen dieses rein amerikanischen Irrsinns baden wir deshalb nun alle aus.

Würde der Staat das Geld selber "schöpfen", hätte er es einfacher. Er wäre schuldenfrei, könnte nicht pleite gehen und bräuchte weniger Steuern. Die Autorin vermittelt an vielen Stellen der ersten und der letzten beiden Teile des Buches allerdings den Eindruck, dass alle Wirtschaftsprobleme verschwinden würden, wenn nur der Staat an die Stelle der Fed treten würde. Doch alle angeführten erfolgreichen historischen Beispiele hielten nicht lange durch oder haben (wie das chinesische) erhebliche andere Mängel. Auf das europäische Währungssystem und seinen Unterschied zum privat geschöpften Dollar geht die Autorin leider nicht ein.

Zwischen den Zeilen versteht man, dass die Autorin keine Anhängerin freier Märkte ist. So macht sie in den Leerverkäufern die großen Finanzmarktmanipulatoren aus. Der Leerverkauf von Bankaktien ist in den USA kürzlich ausgesetzt worden. Das hat den freien Fall dieser Aktien aber keineswegs aufgehalten. Ein Spekulant wird nur dann handeln, wenn es eine Chance für ihn gibt, also eine ökonomische Ursache für seine Spekulation vorhanden ist. Wirklich zu bemängeln sind hingegen fehlende oder lasche Regelungen der Märkte und blinde Aufsichtsbehörden. Schließlich werden auch noch die "Heuschrecken" als Verursacher des Niedergangs von Unternehmen entlarvt. Wissenschaftliche Untersuchungen in Deutschland belegen hingegen eher eine insgesamt positive Wirkung auf die Wirtschaftsentwicklung.

Die beiden wirklichen und von der Autorin auch herausgearbeiteten Probleme sind die unkontrollierbare Fed und die fehlende Transparenz der Finanzmärkte. Offenbar ist das ein Paar Schuhe, denn folgt man der Autorin, dann kann die Fed kein Interesse an transparenten Finanzmärkten haben. Dann nämlich würden ihre Marktmanipulationen auffallen.

Nachdem die Autorin in den ersten beiden Teilen ihres Werkes zeigte, wie sich die führenden US-Banken das amerikanische Finanzsystem einverleibten, zeigt sie uns im dritten Teil, wie diese Macht über Petrodollars (seit 1974) und amerikanische Bankkredite auf die gesamte Welt ausgedehnt wurde. Zweifellos erhält der Leser in diesem Buch jede Menge an Informationen zum Thema, allerdings sind einige Darstellungen der Autorin einseitig oder fragwürdig. Beispielsweise ist die inflationäre Entwicklung in Russland und anderen ehemals sozialistischen Staaten nach 1990 keineswegs allein eine Folge böser Taten des internationalen Bankenkartells, sondern zum großen Teil eine Konsequenz völlig zerrütteter Volkswirtschaften und korrupter Regime. Dasselbe gilt für Simbabwe. Es ist darüber hinaus seltsam, dass die Autorin mehrfach die Geldpolitik von Diktaturen (Nazi-Deutschland und China) lobt. Ob das chinesische Modell wirklich so toll wie beschrieben ist, muss sich erst noch zeigen.

Im vierten Teil wird die gegenwärtige Krise in den USA untersucht. Mich verblüfft immer wieder, dass nur die zweifelsohne arglistigen Kreditgeber verurteilt werden, Habsucht und Dummheit der Kreditnehmer aber unerwähnt bleiben. Diese etwas unsymmetrische Beurteilung der Ursachen bestimmter Ereignisse trifft man an vielen Stellen dieses Buches. Dieser Teil endet mit Ausführungen zur Manipulation der Aktien-, Devisen-, Rohstoff- und Rentenmärkte durch die Fed und die US-Regierung. Trader wissen, dass solche Manipulationen stattfinden (Stichwort Plunge Protection Team).

Der letzte Teil des Buches befasst sich mit einer Reihe von Lösungsmöglichkeiten, von denen fast alle auf ein völlig neues Bankensystem hinauslaufen, das wegen einer auf 100% angehobenen Mindestreserve nicht mehr die Möglichkeit hat, Geld aus dem Nichts zu schaffen und dafür auch noch Zinsen zu verlangen. Allerdings haben fast alle von der Autorin vorgestellten Alternativen einen sozialistischen Anstrich. Das hat noch nie funktioniert. Die Wirtschaftssysteme sind einfach zu komplex, um sie zentral lenken zu können. Was wir demnächst wirklich erhalten werden, steht noch in den Sternen. Das mathematisch vorauszusehende Ende des gegenwärtigen Systems ist jedoch sehr nahe. Gewöhnlich braucht die Menschheit aber erst den Schmerz einer Katastrophe, damit es zu fundamentalen Veränderungen kommt.

Fazit.
Dies ist ein Buch, das einem die Augen öffnen kann. Mich hat es jedenfalls ziemlich erschreckt und sehr zum Nachdenken über die Geldmärkte angeregt. Trotz seiner oben erwähnten, aber für das eigentliche Thema unwichtigen Unzulänglichkeiten wird beim Lesen mehr als deutlich, dass die private Dollarschöpfung durch die Fed die amerikanische und mit ihr die Weltwirtschaft an einen Abgrund geführt hat. Es wird daher früher oder später zu einer Währungs- und Bankenreform in den USA kommen. Leider hatte ich wieder meine üblichen Probleme mit amerikanischen Sachbüchern: zu viele Geschichten und ewige Wiederholungen, zu wenig roter Faden, zu lang und nicht immer wirklich exakt recherchiert. Das alles wird aber dadurch aufgewogen, dass ich erstmals ein gewisses Verständnis für das Wesen des Dollars und des entsprechenden Systems erlangt habe. Deshalb die viereinhalb Sterne.

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