Ellen Sandberg Die Vergessenen

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Inhaltsangabe zu „Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg

Das Böse verjährt nie

Manolis Lefteris erhält 2013 den Auftrag, geheimnisvolle Akten in seinen Besitz zu bringen. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das weit in der Vergangenheit liegt. Die Spur führt ihn zu Kathrin Mändler, die sich, als sie 1944 eine Stelle als Krankenschwester annimmt, zum ersten Mal in ihrem Leben nützlich fühlt. Als sie dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, merkt sie zu spät, worin seine Arbeit besteht und dass diese das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.
Gelesen von Thomas M. Meinhardt.
(1 mp3-CD, Laufzeit: 10h 7)

Absolut top Verknüpfung histo. Teile und Moderne. Sehr spannend und aufrüttelnd!

— juergenalbers

Ein intensives, beklemmendes Hörerlebnis, dessen hervorragende Recherche den Schrecken verstärkt und ihn dadurch nicht vergessen lässt.

— Ro_Ke

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  • Wichtige Thematik, die Figuren waren nicht meine

    Die Vergessenen

    Gwhynwhyfar

    18. May 2018 um 15:48

    Manolis Lefteris, der Besitzer eines Porsche-Autohauses, führt ein Parallelleben. Er ist ein Auftragsmörder. Und er versteht sich als der Rächer der Gerechten. Sein neuer Auftrag ist einfach: Er soll eine betagte Dame, Kathrin Mändler, lediglich um Unterlagen erleichtern. Nur, wo hat sie sie versteckt? Die Frau bekommt einen Schlaganfall, landet im Krankenhaus. In einem Nebenstrang erfahren wir durch die Gedanken von Kathrin Mändler was damals geschah, sie liegt im Wachkoma. Sie ist Krankenschwester, hat während des Zweiten Weltkriegs in einem Krankenhaus gearbeitet, in dem auch Behinderte und psychisch Kranke untergebracht waren. Dort verliebte sie sich in Dr. Landmann, ein junger empathieloser Arzt mit hohen Zielen.Manolis Lefteris kennt seinen Auftraggeber nicht, nur den Kontaktmann. Diese Mission ist anders, normalerweise tötet er die Typen, die man per Gerichtsverfahren nicht bestrafen kann. Er erfährt nun, was in den Dokumenten vermerkt ist, fängt er an, seinen Auftraggeber auszutricksen. Dafür hat er seine persönlichen Gründe.»Man schüttet kein schmutziges Wasser weg, solange man kein sauberes hat.« (Ein Protagonist zitiert Altkanzler Adenauer)In einem dritten Strang folgt der Leser Vera Mändler, einer Journalistin, die bei einer Frauenzeitschrift arbeitet, jedoch lieber in ihr altes Metier zurückkehren möchte, Politik und Soziales. Sie findet heraus, dass jemand bei der Tante, Kathrin Mändler, eingebrochen ist und etwas gesucht hat, aber nicht fündig wurde. Es kann sich nur um alte Geschichten aus der Zeit im Krankenhaus handeln. Vera recherchiert. War das Krankenhaus, das nach dem Krieg einen neuen Namen erhielt, am Euthanasieprogramm beteiligt? Etwa auch ihre Tante? Sie recherchiert und wittert eine einträgliche Story, mit der sie vielleicht wieder bei einer interessanten Zeitung landen könnte.Das Thema Euthanasie im Dritten Reich ist fein recherchiert und wiedergegeben, einschließlich der Gefährlichkeit, sich gegen das Regime zu stellen. Bis zu Zwei Drittel hat mir der Roman recht gut gefallen, mit dem letzten Drittel habe ich gehadert. Die Charaktere sind mir auseinandergebrochen. Manolis, der hübsche, sympathische Typ, ein Auftragsmörder. Ein netter Kerl, anscheinend ermordet er auch nur die, welche es verdient haben. Todesstrafe nein, aber Auftragsmörder ja? Was geht denn hier ab, dachte ich, Verherrlichung von Selbstjustiz? Ein Leser kann einen Verbrecher sympathisch finden, man kann ihn so schreiben, na klar. Aber das wäre ein Noir-Krimi, und da ist der Böse der Gute unter den Schurken. Doch in diesem Roman gibt es eindeutig stark moralische Instanzen, die fest für die gesellschaftliche Ethik stehen. Beide wenden sich davon ab? Vera, anfangs taff und klug, alles wagend, agiert zum Ende nur noch naiv und simpel. Das passte so gar nicht zu der Figur und noch weniger ihre plötzliche Sympathie für einen Auftragsmörder. Der wiederum spielt für Vera ständig den Schutzengel, überwacht sie durchgehend, da sie nicht die einfachsten technischen, journalistischen Regeln beherrscht, z.B. Handytechnik. Supermann rettet die weiße Frau oder so ähnlich. Es ist sicher auch Geschmacksache, eine Weibchenfigur zu schaffen, aber hier passte psychologisch das Ganze nicht zusammen. Das Gleiche gilt für die Tante. Sie ist eine taffe Persönlichkeit, die Krankenschwester lässt sich nicht einschüchtern, macht heimlich Fotografien im Krankenhaus, will das Unglaubliche dokumentieren, entwendet Unterlagen, um anzuklagen. Wäre sie erwischt worden, hätte das ihren Tod bedeutet. Nach dem Krieg hält sie die Unterlagen weiter versteckt. Der Grund dafür ist wieder das Handeln kontra zu der Persönlichkeit der Figur, ein starker Charakter wendet sich gegen die eigene Ethik. Das passt aus psychologischer Sicht rein gar nicht, eine so starke Persönlichkeit macht keine halben Sachen: Entweder steht sie zu dem einen oder zu dem anderen, da gibt es kein Mittendurchwurschteln. Mein Geschmack: Ich mag halt keine Frauenfiguren, die ständig im Hintergrund den Strippenzieher und Beschützer benötigen, der sie aus jedem naiven selbstverursachten Schlamassel herauszieht.Insgesamt hat mir das Buch gefallen, auch wenn mich das letzte Drittel fast zum Abbruch getrieben hat. Das Thema Euthanasie ist gut recherchiert und es ist wichtig, es nicht zu vergessen. Die Krimis von Inge Löhnig lese ich gern. Sollte mit Manolis und Vera eine neue Serie entstanden sein, bin ich hier allerdings raus, Dühnfort gerne wieder. Ein Gag zwischendurch, köstlich: Kommissar Konstantin Dühnfort kommt in einer Szene die Treppe herauf und klingelt. Schnell weg, sagt sich Manolis. Ich habe herzlich gelacht.Warum eigentlich Ellen Sandberg, frage ich mich? Schon im Vorfeld wurde der Namenswechsel lautstark verkündet, die Spatzen pfiffen es von den Dächern. Überall steht geschrieben: Ellen Sandberg ist Inge Löhnig. Muss man das verstehen? Entweder Pseudonym, geheim, oder man bleibt bei seinem Namen. Muss man heute für jedes neue Buch / neue Serie einen neuen Namen verwenden? Denn Inge Löhnig ist ja dem Genre Spannungsliteratur treu geblieben.

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  • Manchmal ist weniger mehr ...

    Die Vergessenen

    engineerwife

    12. March 2018 um 15:17

    Die Autorin Ellen Sandberg, besser bekannt unter dem Namen Inge Löhnig, hat es mit diesem Buch prima verstanden eine spannende Mischung aus Krimi und Familiengeschichte zu kreieren. Nach dem recht zu Anfang geschehen Mord verschlägt es den Leser/Hörer recht schnell in zwei dunkle Kapitel der deutschen Vergangenheit, zum einen die deutsche Besatzung Griechenlands und zum anderen das Thema Euthanasie. Geschickt verwebt Frau Sandberg die Fäden und führt somit Manolis und Vera, die Nichte Kathrin Mändlers, zusammen, auch wenn diese zuerst gar nichts davon merkt. Sehr offen wird über die Gräueltaten in Griechenland und auch in Deutschland gesprochen aber alles in allem war mir das fast ein bisschen zu viel. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Autorin auf eines der beiden Ereignisse konzentriert hätte. Jedes für sich ist eine eigene Geschichte wert, so wirkt es fast ein bisschen „too much“. Dennoch hat mir das Buch gut gefallen, selbst die bekannte Schlüsselfigur Kommissar Dühnfort durfte hier einen kleinen Abstecher machen. Das ließ mich schmunzeln.  

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  • Justizia

    Die Vergessenen

    walli007

    20. February 2018 um 16:45

    Manolis Lefteris könnte schon als einsamer Wolf bezeichnet werden. Lange vor seiner Geburt ist ein großer Teil seiner Familie durch Nazi-Verbrechen umgekommen und der Vater hat dies nie verwunden. Geprägt durch diese Vergangenheit drohte Manolis als Jugendlicher auf die schiefe Bahn zu geraten. Doch er wählte einen anderen Weg, er wurde eine Art Problemlöser, der im Jahr 2013 den Auftrag bekommt, ein Dossier zu beschaffen.  Im Jahr 1944 ist die junge Krankenschwester Kathrin gerade mit der Ausbildung fertig und sie beginnt mit ihrer Tätigkeit in einem Pflegeheim, in dem auch behinderte oder traumatisierte Kinder und Erwachsene untergebracht sind. Kathrin ist bestrebt den Menschen zu helfen und sie meint zunächst der Arzt Karl Landmann könne ein Vorbild für sie sein. Bald schon merkt sie jedoch, dass Patienten, die zur Spezialbehandlung kommen, schwer erkranken und sterben. Auf zwei Zeitebenen wird von den Geschehnissen berichtet. Einmal aus der Sicht Kathrins, die sehr nahe an den Ereignissen ist. Schutzlos ist sie dem ausgeliefert, was ihre Vorgesetzten für großartig und im Krieg für gerechtfertigt halten. Mit nur kleinen Gesten kann sie den Patienten helfen, mal ein nettes Wort oder auch eine Kleinigkeit zu essen. Doch aufhalten kann sie das Unheil nicht. In der Gegenwart dann Manolis, der durch seinen Auftrag, von diesen Verbrechen erfährt. Er will Justizia eine Chance geben, doch kann die Justiz die Chance nutzen. Zunächst gilt es jedoch dieses Dossier zu finden und zu erfahren, wovon es berichtet.  Puh, welch ein Buch, welch eine Thematik. Man mag sich nicht vorstellen, welche Nazi-Verbrechen noch ungesühnt blieben. Die vielen Mitläufer, die ja nur getan haben, was von ihnen verlangt wurde. Am Beispiel des Anstaltsarztes Karl Landmann wird die ganze Grausamkeit und Unmenschlichkeit dieser Verbrechen deutlich gemacht. Mit welchen hohlen Phrasen sie ihre Taten schöngeredet haben und jede Möglichkeit genutzt haben einer gerechten Strafe zu entgehen. Kann es dann so lange Zeit nach dem Kriegsende noch gelingen, einen solchen Verbrecher zu bestrafen? Schließlich verjährt Mord nicht. Manolis sieht da schwarz, doch er will wie gesagt Justizia eine Chance geben.  Beim Lesen des Romans versteht man sehr gut, dass es der Autorin, die als Inge Löhnig vielen Krimilesern bekannt sein dürfte, eine Herzensangelegenheit war, von den schlimmen Taten zu berichten, die Unschuldigen und Wehrlosen angetan wurden. Mit ihrer Schilderung reißt sie mit und regt zum Nachdenken an. Mord verjährt nicht und Mörder sollten bestraft werden, egal wie viel Zeit seit der Tat vergangen ist. Mit seiner ruhigen Vortragsweise unterstreicht der Sprecher dieses Hörbuchs Thomas M. Meinhardt die Wichtigkeit und Brisanz des Themas.

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