Ellen Thiemann

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Rezension zu "Der Feind an meiner Seite" von Ellen Thiemann

Die eigene Ehefrau hat er verraten!
TanteGhostvor 5 Jahren

Ellen Thiemann selber ist auf dem Cover abgebildet. Sie kommt, herbstlich gekleidet, aus einem großen Gebäude mit dem DDR-Emblem über der Tür. Könnte der Pallast der Republik sein, wenn ich jetzt mal meine Fantasie walten lasse.

Ansonsten sind noch Verlag, Name der Autorin und der Titel abgedruckt. Das war es dann auch schon. - Ein schlichtes Bild, aber vollkommen ausreichend. Denn das Thema, welches in dem Buch behandelt wird, ist ja auch nicht unbedingt zum Lachen. Ellen Thiemann entdeckt nämlich bei der Sichtung der sie betreffenden Stasi-Akten das Doppelleben ihres Exmannes. Er war ein inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Genau das hat sie aber nicht gewusst.

So erfährt sie, dass Ihr Mann nicht unbeteiligt war, als es darum ging, ihre vorzeitige Haftentlassung zu vereiteln, um ihre Qualen zu vermindern. Sie muss lesen, was er alles an die Stasi von ihr verraten hat.

Frau Thiemann erfährt, was die Stasi für Möglichkeiten hatte, um ungeliebte und unbequeme Menschen los zu werden. Auch ihren Vater haben diese „Agenten“ auf dem Gewissen. Und auf einer Buchmesse muss auch Ellen Thiemann merken, dass man ihr nachstellt.

Ansonsten liest man noch, was Herr Thiemann so alles aus seinem Verlag von Freunden und Verwanden weiter gegeben hat und mit welchen Frauen er auf Befehl intim geworden ist, um sie auszuhorchen. Eine wirklich sehr makabere Sache.


Vom Stoff her, war das Buch wirklich ein ziemlich heftiger Stoff. Ich frage mich noch immer, wie Frau Thiemann das alles ausgehalten hat und wo sie die Kraft dafür her genommen hat.

Von der Seitenaufteilung her, hätte ich auch etwas anders gemacht. Die Passagen, in denen direkt der Text der Akten zitiert wird, sind wirklich sehr klein geschrieben. Hier habe ich mir fast die Augen verrengt. Naja und der Wortlaut war auch nicht immer so gut zu verstehen. Aber dafür kann Frau Thiemann ja nun nicht wirklich was, da sie ja in dem Fall nur zitiert hat.

Nach einer gewissen Weile wurde alles ziemlich fußballlastik. Herr Thiemann hat die verschiedensten Fußballvereine bespitzelt und hier jedes Vorkommnis minuziös aufgeschrieben. Das wird auf Dauer sehr langweilig, zumal wenn man nicht mal Fußballfan ist.


Alles in Allem aber ein recht gut geratenes Buch. Nicht so gut wie ihr erstes Werk, aber trotz allem wissens- und lesenswert.

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Rezension zu "Stell dich mit den Schergen gut" von Ellen Thiemann

Ein Schicksal in Deutschland – erzählt von Ellen Thiemann
TanteGhostvor 5 Jahren

Schon auf dem Cover bildet die freundlich lächelnde Frau einen krassen Gegensatz zu den bedrohlich wirkenden Mauern des Zellenhauses von Hoheneck. Ansonsten findet man nur noch Verlag, Autorin sowie Titel und Untertitel auf dem Cover abgedruckt.


Der Inhalt ist harter Tobak, aber ein Stück ostdeutscher Geschichte, wie sie eindringlicher nicht berichtet werden kann.

Ellen Thiemann, die Autorin, berichtet über das wohl dunkelste Kapitel ihres Lebens. Alles beginnt mit dem vereitelten Fluchtversuch aus der DDR. Sie wird inhaftiert und muss schon in der U-Haft unter seelischer Grausamkeit, Schlafentzug und Zermürbungstaktiken leiden.

Das Urteil: drei Jahre und fünf Monate, ist ein harter Schlag. Nicht einmal ihr Anwalt hat mit einem so hohen Strafmaß gerechnet.

Dann berichtet sie über ihre Haftzeit in Hoheneck. Hier ist bereits eine wahre Tortour. Es folgen Zellen mit 42 Frauen, katastrophale hygienische Bedingungen und Mangelernährung. Jeder der Mithäftlinge könnte ein Spitzel sein. Die Arbeit ist hart und die Norm unschaffbar hoch. - Ellen Thiemann muss doppelte Arbeit leisten und ist mehr als einmal dem Misstrauen der anderen ausgesetzt.


Die Sprechzeiten mit ihrem Mann sind kurz und wenig tröstlich. Und auch die Entlassung läuft nicht so, wie sie sich das immer eträumt hat. Der liebende Mann existiert nicht mehr. Und auch ihr Sohn hat mehr gelitten, als man ihr immer erzählt hat.

Ellen Thielmann kämpft weiter. Sie kämpft für ihren Sohn und für ein freies Leben in der Bundesrepublik.


Es war harter Tobak, in diesem Buch. Doch er war ehrlich geschrieben. Nichts geschönt, nichts verfälscht. Harter Knastalltag im berüchtigsten Gefängnis der DDR.

Ich habe oft mit gelitten, geweint und gehofft. Immer wieder habe ich mich gefragt, wie Frau Thiemann in so einer Umgebung kreativ sein kann... Ich verstehe es bis jetzt nicht.

Der Stoff wird mir auf jeden Fall noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben. - Und ich frage mich bis heute, wie Frau Thiemann da als aufrechter Mensch raus gehen konnte. Wenn ich das hätte durchmachen müssen, wäre ich binnen kürzester Zeit komplett gebrochen gewesen.

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